Schwimmen mit Delfinen

 

Was Menschen mögen, verursacht Stress bei Meeressäugern

17.03.2010 - Quellen: sueddeutsche.de/pte - Menschliche Interaktionen mit Delfinen kann bei den Meeressäugern großen Stress verursachen. Untersuchungen vor der Küste der ostafrikanischen Insel Sansibar, wo der Delfin-Tourismus recht intensiv ist, zeigten, dass die menschliche Anwesenheit das Verhalten der Delfine stark verändert: Sie kümmern sich weniger um ihren Nachwuchs, kommen nicht zur Ruhe, verbringen nur halb so viel Zeit mit Futtersuche, Spielen und Schmusen. Zum Ausruhen kommen sie nur noch in einem Viertel der üblichen Zeit. Die Folge: die Tiere sind ruhelos, erschöpft und genervt.

Vor der Küste Sansibars werden Touristen mit Booten bis auf wenige Meter in die Nähe der dort lebenden Gruppen von Großen Tümmlern gebracht, um sie im Wasser zu beobachten und anzufassen. Am schlimmsten war der Stress für die Tiere dann, wenn Schwimmer ganz nahe kamen und versuchten, sie zu berühren. Die Meeresbiologen fordern nun Beschränkungen, um negative Langzeitfolgen von Delfintouren zu minimieren.

Doch der Tourismus lebt von Delfinen
Die Touristen glauben sich beim Delfin-Schwimmen vielleicht im Einklang mit der Natur, für die Tiere sind die Belastungen jedoch groß: Durch Energiemangel - bedingt durch weniger Zeit zur Futtersuche und kürzere Ruhephasen - sind sie schneller erschöpft und weniger wachsam. Außerdem fehlt es ihnen an der notwendigen Zeit für die Jungen-Aufzucht. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass immer wenn Touristenboote präsent waren, die Delfine aufgeregt waren und weniger Zeit zum Jagen oder für eigene soziale Interaktion aufwandten. Sie verbrauchen viel zu viel Energie, um den Touristenbooten zu entkommen, die ihnen nachfahren.

Wenn die Boote mit den Touristen da waren, sank die Ruhezeit von 38 auf zehn Prozent des Tages. Der Zeitaufwand für die Futtersuche sank von 19 auf zehn Prozent. Bei Anwesenheit der Touristenboote wurden die Delfine extrem aktiv. Der Zeitaufwand des Herumschwimmens stieg von 33 auf 77 Prozent und wurde zur dominanten Aktivität im Beisein der Boote.

Dies hat negative Auswirkungen nicht nur auf einzelne Tiere, sondern auf die gesamte Schule. Auf lange Sicht - befürchten die Forscher - könnte die Population aus ihrem Lebensraum vertrieben werden. Es gibt zwar Regeln, die etwa vorschreiben, dass Touristen im Wasser warten sollen, ob die Tiere von selbst herkommen - nur werden sie nicht eingehalten. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind gesetzliche Regelungen, wie sie z.B. im Süden von Mosambik gelten, dringend notwendig.

Die Forderung hat jedoch einen Haken. Delfintouren werden an der Südküste Sansibar bereits seit 1992 angeboten. Dieser Tourismuszweig verdrängte im Laufe der Zeit die traditionelle Jagd auf die Meeressäuger komplett!

Allerdings ist der Delfintourismus in seiner derzeitgemn Form sicher nicht nachhaltig. Bis zu 30 Boote scharen sich um eine Delfingruppe, ein trauriger Anblick, den man z.B. auch aus dem Roten Meer (Hurghada) zur Genüge kennt. Die Forscher sind sich allerdings recht sicher, dass Einheimische und Touristen ein Gesetz akzeptieren würden, wenn man sie gleichzeitig darüber aufklärt, dass der unkontrollierte Tourismus den Delfinen schadet.

Der beste Ansatz wäre es - nach Ansicht der Wissenschaftler - die Tiere frei entscheiden zu lassen, ob sie zu den Menschen kommen wollen oder nicht, anstatt ihnen nachzufahren.

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Wissen Sie, was Sie tun?

Das Anfassen von Delfinen birgt Gesundheitsrisiken für Mensch und TierDas Schwimmen mit und Anfassen von Delfinen (in der Regel Große Tümmler, Tursiops truncatus) erfreut sich immer größerer Beliebtheit, sei es mit frei lebenden Tieren, mit gefangenen im Delfinarium, bei der Delfin-Therapie oder in einem der besonders in den USA beliebten Streichel-Pools (Petting-Pools).

Viele der gut meinenden, oft sehr naiv an die Begegnung mit diesen Tieren herangehenden "Delfin-Schwimmer" vergessen, dass der Große Tümmler, wie alle anderen dieser Kleinwale, ein Raubtier ist. Ein Raubtier, das die wahrscheinlich höchst entwickelte Form der Jagd im gesamten Tierreich beherrscht, die Jagd im sozialen Verband mit genauer Aufgabenteilung und Absprache.

Niemand würde auf die Idee kommen, ausgewachsene Löwen, deren Jagdtechnik der der Delfine sehr ähnlich ist, in freier Wildbahn oder im Zoo anzufassen, sie zu streicheln oder sich von ihnen tragen zu lassen, es wäre tödlich.

Aus bislang unbekannten Gründen zeigen wild lebende Delfine jedoch Menschen gegenüber in der Regel kaum aggressives Verhalten, obwohl sie untereinander und gegen andere Tierarten, wie z.B. Große Tümmler bei Schweinswalen, ein beträchtliches, bisweilen mit tödlichen Folgen verbundenes Aggressionspotenzial an den Tag legen können. Auch Kindstötungen sind bei Großen Tümmlern bereits beobachtet worden.

Dem Menschen gegenüber verhalten sich Große Tümmler, aber auch andere Delfinarten, jedoch oft neugierig und verspielt, es kommt sogar immer wieder vor, dass sie Menschen vor dem Ertrinken oder vor Haiangriffen retten.

Auch deshalb vielleicht scheint die Berührung eines Delfins, das Schwimmen mit ihm, auf den ersten Blick völlig gefahrlos und für beide Seiten mit einer angenehmen Erfahrung verbunden zu sein. Doch bergen das Anfassen eines Delfins und das Schwimmen in einer Delfingruppe Risiken für alle Beteiligten, die den wenigsten bewusst sind.

Für die Tiere kann die Begegnung mit Menschen, ganz besonders unter den beengten, künstlichen und artwidrigen Bedingungen der Gefangenschaft mit zusätzlichem, Krankheit verursachendem, gar tödlichem Stress und der Gefahr einer Ansteckung durch den Menschen verbunden sein.

Auch für Menschen kann das Schwimmen mit Delfinen, besonders in der Gefangenschaftssituation, abgesehen von direkten Schäden durch stressbedingte Beiß- oder Rammattacken - ein erwachsener Großer Tümmler kann seine bis zu 600 kg Körpergewicht mit unglaublicher Schnelligkeit durchs Wasser katapultieren -, mit ungeahnten und gefährlichen Folgen verbunden sein.

Jeder, der die Nähe zu Delfinen sucht, ob in freier Wildbahn oder in Gefangenschaft, sollte sich bewusst machen, dass es eine Begegnung mit einem hochintelligenten Raubtier, einem Wildtier ist und diese Begegnung sollte mit dem gleichen Respekt, der gleichen Achtung und Vorsicht stattfinden, mit der man anderen Wildtieren wie z.B. Löwen gegenüber treten würde.

Nachfolgend geben wir eine Zusammenfassung von Infektionsrisiken für den Menschen wieder, die von direkten Kontakten mit Meeressäugern ausgehen können. Es soll dadurch weder ein Angstszenario aufgebaut noch die großartige Faszination dieser wunderbaren Tiere geschmälert werden.

Betont werden muss, dass die dargestellten Infektionsrisiken besonders in Delfinarien wesentlich höher sind als in freier Wildbahn (ungenügend gefiltertes Wasser; hoher Anteil an Fäkal- sowie Fäulnisbakterien durch Nahrungsreste; höheres Erkrankungsrisiko für die Tiere durch nicht natürliche Lebensbedingungen und damit erhöhtes Risiko, auf bereits erkrankte Tiere zu treffen; höheres Aggressionspotenzial durch künstliche Gefangenschaftssituation erhöht das Risiko von Bissen und Verletzungen; an Beckenrändern aus Beton besteht das Risiko von Hautabschürfungen und offenen Wunden, in die im Wasser befindliche Krankheitserreger eindringen können; u.a.m.).

Gesundheitsaspekte im Zusammenhang mit Krankheiten bei Meeressäugetieren
von C.D. Buck & J.P. Schroder aus dem "CRC Handbook of Marine Mammal Medicine; Health, Disease and Rehabilitation"; ISBN 0849308399; 2te Ausgabe; 2001
Auszüge zusammengestellt vom Lolita Rescue Project

...um das Risiko schwerer Infektionen zu minimieren und um eingetretene Infektionen zielgerichtet einzudämmen, ist es wichtig, dass Personen, die mit Meeressäugetieren umgehen sowie die betreffenden Humanmediziner sich über die mikrobiellen Risiken beim Umgang mit Meeressäugetieren bewusst sind.

Für Personen, die mit Meeressäugetieren direkten Kontakt haben, besteht die Gefahr einer mikrobiellen Infektion sowohl durch eine Vielzahl von Mikroorganismen, die üblicherweise in einem Aquarium oder in Meerwasserumgebung auftreten, als auch durch Mikroorganismen, die zur normalen Flora der Meeressäuger gehören, sowie zusätzlich durch pathogene Mikroorganismen, an denen Meeressäuger erkranken können.

Infektionen können beim Menschen zusätzlich durch indirekte Übertragungen wie vom Blas der Tiere transportierten Aerosolen, mit Urin und Fäkalien kontaminiertem Wasser oder durch das Anfassen von Futterbehältern ausgelöst werden.

 

Bakterielle Infektionen:
In Hautwunden von Meeressäugern wurden u.a. folgende pathogene Erreger gefunden:
1. Streptokokken -> u.a. Halsentzündung, Scharlach, Lungenentzündung
2. Staphylokokken -> u.a. Meningitis, Lungenentzündung, Nieren- und Wundinfektionen)
3. Pseudomonas -> Auslöser von Atemwegserkrankungen wie der Legionärskrankheit oder chronische Lungeninfektionen
4. Aeromonas -> Durchfall, Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen
5. Erysipelothrix -> Hautreizungen
6. Vibrio -> u.a. Cholera, Wundinfektionen, schwere Sepsis (bei in Gefangenschaft lebenden Delfinen in Hawaii wurden 15 Vibrio spp. Arten isoliert, Anmerkung von Lolita Rescue Project)
7. Clostridien -> u.a. Tetanus
8. Mykobakterien -> Hautinfektionen, Tuberkulose

Virale Infektionen:
Meeressäugetiere erkranken auch an Virusinfektionen und Infektionen, von denen man annimmt, dass sie von Viren ausgelöst werden...
viele dieser Erreger sind potenziell auch für den Menschen gefährlich...
Auch wenn viele dieser Erreger erst vor kurzem identifiziert wurden, so sind die Krankheiten, die sie auslösen, nicht neu...

Ein Pocken ähnliches Virus wurde in einer aus einer Delfinniere gewonnen Zelllinie gefunden...
Verschiedene zur Gruppe der Herpesviren gehörende Viren wurden isoliert...

Bei einigen Krankheiten wie Tollwut sollte man meinen, dass das Risiko einer Übertragung durch ein Meeressäugetier praktisch nicht existiert. Jedoch gibt es einen bei einer wild lebenden Robbe dokumentierten Tollwutfall. Sämtliche Meeressäuger können Tollwut übertragen und Personen, die mit wild lebenden Meeressäugern umgehen und in Kontakt kommen, müssen sich dieses Risikos bei der Planung ihrer Vorbeugeimpfungen bewusst sein oder Bisswunden entsprechend behandeln lassen.

...ein Rotavirus ähnliches Agens wurde von einem Seelöwen isoliert. Beim Menschen können Rotaviren Magendarminfektionen auslösen, die zu schweren Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern führen.

Pilzerkrankungen:
Bei Delfinen wurden zahlreiche Mikroorganismen, die man eigentlich in einer Salzwasserumgebung nicht erwarten würde, isoliert.

Blastomycose (Pilzerkrankung, die Haut, Schleimhaut, Lymphknoten und innere Organe befällt) und andere Pilzerkrankungen von Meeressäugetieren stellen ein potenzielles Gesundheitsrisiko für Trainer und Pfleger dar. Es ist bekannt, dass verschiedene Meeressäugerarten an verbreiteten Hefepilzerkrankungen starben und es ist ein Fall dokumentiert, bei dem ein Trainer sich von einem Delfin mit Blastomycose ansteckte...
Im Wasser von Aquarien (Delfinarien) finden sich üblicherweise verschiedene Candida-Arten (Hefepilze, die u.a. Infektionen der Schleimhäute und Haut hervorrufen können).

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Petting Pools - Delfine zu Tode gestreichelt

Petting-Pool im Sea-World-Orlando, Florida, dicht von hektisch mit einem kleinen Fisch herumfuchtelnden Touristen umlagertJedes Jahr strömen Hunderttausende Besucher zu den vier "Dolphin Petting Pools" (Delfin-Streichelzoos) der US-Sea-World-Parks. Dort kann man in speziellen Beckenanlagen gehaltene Große Tümmler erst füttern und dann streicheln. Ein Liebesbeweis mit schwerwiegenden Folgen, die Meeressäuger degenerieren zu aggressiven Fressmaschinen.

 

Der Petting-Pool im Sea-World-Orlando, Florida, ist dicht von hektisch mit einem kleinen Fisch herumfuchtelnden Touristen umlagert. Elf Delfine tummeln sich am Beckenrand, beißen Artgenossen weg, springen und schnappen nach den hingehaltenen Fischen. Eine Kakophonie aus Kindergeschrei, "come here Flipper"-Rufen und Delfingezirpe heizt die Atmosphäre mächtig an.

Das Geschäft ist lukrativ, allein der Fischverkauf bringt in der Hauptsaison einige Tausend Dollar täglich. Und so dürfen die Besucher schalten und walten, es gibt kaum Kontrollen, geschweige denn ein Einschreiten des Personals bis auf einige Extremsituationen, wo sich Menschen zu sehr in Gefahr begeben.

Viele verdutzte Streichelfans wenden sich mit schmerzverzerrtem Gesicht von ihrem Flipper ab, weil dieser, der ewigen Lockerei überdrüssig, ihnen grob in die Hand gebissen hatViele verdutzte Streichelfans wenden sich mit schmerzverzerrtem Gesicht von ihrem "Flipper" ab, weil dieser, der ewigen Lockerei überdrüssig, ihnen grob in die Hand gebissen hat. Wegen mehrerer Unfälle stellte der Gulf-World-Park in Panama City Beach, Florida, 1993 die öffentlichen Delfinfütterungen ein, sieben weitere Parks schlossen ihre Pools.

Wohlgemeinte Ratschläge der Pool-Wächter gehen im Lärm hoffnungslos unter. Dabei können die Gräten eines zerrissenen Fisches Schlund und Magen eines Delphins ernsthaft verletzen, ein als Lockmittel eingesetzter Pappbecher kann die Magenöffnung verstopfen und ihn töten. "Klar gibt es hier Gefahren", sagt ein Sea-World Mitarbeiter, "aber man sollte bedenken, dass diese Objekte auch in der freien Natur ins Wasser fallen. Wir bitten unsere Gäste, nichts in den Pool zu werfen".

Nach einer unvollständigen Statistik lebten 1995 88 Große Tümmler in den Sea-World-Parks, 1998 waren es schon 106. Etwa 75 bis 80 Prozent von ihnen werden in den Pools eingesetzt. "Wir wollen den Menschen die Gelegenheit geben, Delfine hautnah zu erleben", heisst es von Sea-World. Das bedeutet bis zu 14 Stunden täglich Fisch ohne Ende, Tausende, die sie streicheln, ihnen Finger oder Gegenstände ins Blasloch stecken. Immer wieder werden Plastikbecher, Dosen, Sonnenbrillen und andere Gegenstände ins Becken geworfen, um die Delfine anzulocken.

In den Pools fehlt es an angemessen Fluchtmöglichkeiten"Diese Objekte können über Monate im Magen des Tieres sein, bevor eine Vergiftung oder ein Geschwür entsteht. Dann ist es aber fast schon zu spät, um sie zu entfernen oder die Krankheit zu heilen. Oberste Priorität sollte daher sein, daß potentiell gefährliche Gegenstände zu keiner Zeit in die Nähe der Tiere gebracht werden", fordert der Tierarzt Dr. Jay Sweeney.

Der massive Kontakt mit den Menschen und die dauernde Bombardierung mit Lärm führt zu enormem Streß und aggressiven Verhaltensstörungen. "Bei unterlegenen Tieren treten mit der Zeit krankhafte Symptome wie Magengeschwüre, Schwächung des Immunsystems mit dadurch verursachten lebensbedrohlichen Infektionen auf", so Dr. Sweeney.

In den Pools fehlt es an angemessen Fluchtmöglichkeiten. Zwar gibt es in drei der vier Sea-World-Parks ein Rückzugsareal, doch ist dieses nicht blick- und schon gar nicht lärmgeschützt. Das Design der Anlagen dient mehr dazu, kritischen Besuchern die Illusion einer artgerechten Umgebung zu vermitteln, als den Tieren tatsächlich eine solche zu verschaffen.

Nach einer unvollständigen Statistik der US-Meeresfischereibehörde sind seit ihrem Bestehen mindestens 125 Delfine in den Sea-World-Parks gestorben, wieviele davon dem Streichelstress erlagen ist nicht bekannt. Die Betreiber halten die Zahlen unter Verschluss.
© 1999, Ulrike Kirsch & Ulrich Karlowski

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