07.03.2008 | Quelle: EII - Einen "Etappensieg" gibt es aus den Salomonen zu vermelden, wo der Provinzgouverneur Alex Lokopio den Fang und Export von wild lebenden Delfinen nun verboten hat. Damit reagierte er auf Ankündigungen unserer amerikanischen Partnerorganisation Earth Island Institute (EII), im Rahmen seines Internationalen Kontrollprogramms für "delfinsicheren" Thunfisch gegebenenfalls Maßnahmen gegen den Inselstaat im Pazifik zu ergreifen. Unter dem Kontrollprogramm des EII, für dessen Umsetzung in Deutschland die GRD zuständig ist, sind weltweit über 350 Thunfischfirmen anerkannt, die mit "delfinsicheren" Methoden fangen, darunter auch drei auf den Salomonen.
Der weltweite Handel mit Delfinen für Ozeanarien und Einrichtungen zum "Schwimmen mit Delfinen" ist ein lukratives Geschäft, das gerade in Ländern ohne strenge Artenschutzgesetze floriert. Die Entnahmen gefährden nicht nur örtliche Populationen, sondern lassen die Meeressäuger auch unnötig leiden: Viele Delfine sterben beim Fang oder während des Transports, in Gefangenschaft lebende Tiere haben nur eine geringe Lebenserwartung.
Lawrence Makili, EII-Repräsentant auf den Salomonen und Stadtratsmitglied von Hononiara hatte im Falle weiterer Exporte Einbußen im Tourismus befürchtet. Die charismatischen Meeressäuger spielen dabei eine wichtige Rolle, wie David Phillips, Projektkoordinator in Sachen Walschutz beim EII, bestätigt: "Die Delfine sind in ihrem natürlichen Lebensraum als Bestandteil von sanftem Ökotourismus für die Inselbewohner weit mehr wert als mögliche Einnahmen durch Fang und Export der Meeressäuger, wovon ohnehin nur ein paar Händler – auf Kosten des salomonischen Naturerbes – profitieren würden."
Aus anderen Teilen der Salomonen dürfen Delfine allerdings exportiert werden, da die derzeitige Regierung das Verbot letztes Jahr aufgehoben hatte. Das EII behält sich im Rahmen seines Internationalen Kontrollprogramms für "delfinsicheren" Thunfisch weitere Maßnahmen vor, um ein für den gesamten Inselstaat geltendes Fang- und Exportverbot von wild lebenden Delfinen zu bewirken.
Eine Delfin-Tragödie spielte sich im Spätsommer 2003 auf den Salomon Islands im Pazifik östlich von Papua Neuginea ab. Mindestens 200, wenn nicht 400 Delfine der Art Tursiops aduncus, der Indopazifische Große Tümmler, wurden gejagt und gefangen.
Die Tiere werden unter extrem schlechten Bedingungen gehalten und sollten nach Mexiko, Japan und andere asiatische Staaten verkauft werden. Anscheinend hatte eine ausländische Gruppe von Geschäftsmännern die Idee, mit diesem größten Fang wildlebender Delfine ein gutes Geschäft zu machen. Auf den damals von Kriegswirren geschüttelten Salomon Islands war es ein Leichtes, durch eine Kopf-Prämie von etwa 250 US-Dollar für jeden Delfin, die Fischer zu einem völlig unkontrollierten Fang Hunderter Delfine anzutreiben.
Wie viele Delfine allein beim Fang gestorben sind, ist unbekannt, schätzungsweise dürfte man dafür die gleiche Zahl wie die verbliebenen Tiere annehmen. Die Delfine, die den Fang überlebt haben, wurden in flachen, abgezäunten Strandabschnitten bei Honiara und Gela Island gefangen gehalten, Das Wasser ist dort oft nicht einmal tief genug, damit die Delfin-Körper ganz bedeckt sind, geschweige denn abtauchen können. So waren die armen Tiere den direkten Sonnenstrahlen und der Hitze schutzlos ausgeliefert.
Es wurde berichtet, dass die Delfine regelrecht traumatisiert und völlig lethargisch waren. In sargähnlichen Behältnissen wurden sie oft ohne Wasser über Stunden hinweg transportiert. Ausländische Delfintrainer, den Informationen zufolge aus Italien und Mexiko, versuchen, die gefangenen Tiere schnell an das Fressen von totem Fisch und einige Dressurleistungen zu gewöhnen.
Mindestens vier Delfine sind seit Bekanntwerden dieser tierquälerischen Geschäftemacherei gestorben. Bewohner vor Ort berichteten, dass zur Beschaffung der Nahrungsfische für die Delfine vor allem Dynamitfischerei betrieben wird und bereits große Teile von Korallenriffen zerstört wurden.
28 der Delfine wurden nach Mexiko exportiert. Auch hierbei gab es mindestens schon zwei Totesfälle zu verzeichnen. Mexikos Behörden beriefen sich auf gültige CITES-Papiere, ohne die ein legaler internationalen Handel mit Delfinen nicht möglich ist.
Allerdings sind die Salomon Islands nicht Mitglied des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und die gelieferten "vergleichbaren" Papiere treffen genau betrachtet nicht die geforderten CITES-Bestimmungen, denn über die Wildpopulation von Tursiops aduncus gibt es schlichtweg zu wenig Daten. Es kann nicht abgeschätzt werden, in welchem Ausmaß diese Delfinhatz und die Entnahme dieser großen Anzahl die dort lebende Population schädigt.
Weltweit schlossen sich Delfinschutzorganisationen, darunter die GRD, zum Protest zusammen.
Die Grausamkeit dieser Delfin-Tragödie sollte nun endlich allen bewußt machen, was die Delfinarien-Iindustrie einschließlich der neuen boomenden "Delfin-Schwimm-Programme" auslöst. Durch die immense Nachfrage werden wahllos Delfine irgendwo eingefangen, unter grausamsten Bedingungen gehalten und rund um die Welt transportiert. Die Delfine leiden unsäglich, das steht ganz außer Frage.
Denise Wenger