Haie

Weniger Haie = weniger Muscheln

30.03.2007, Quelle: wissenschaft.de / Ransom Myers (Dalhousie-Universität, Halifax) et al.: Science, Bd. 315, S. 1846 - Die Überfischung der großen Haiarten im Nordatlantik hat bedeutende Folgen für das Ökosystem: Weil ihnen die natürlichen Feinde ausgingen, vermehrten sich die Beutetiere der großen Haie wie Rochen oder kleinere Haie in den letzten Jahrzehnten stark. Mit ihrem unersättlichen Hunger gefährden sie den Fortbestand der Muschelpopulationen an der nordamerikanischen Ostküste, haben kanadische Forscher gezeigt. Indem sie zwölf Statistiken der vergangenen 35 Jahre kombinierten, bestätigten sie den bereits vermuteten Zusammenhang zwischen der Abnahme von Hai- und Muschelbeständen.

Die Bestände vieler großer Haiarten haben seit 1970 um 97 Prozent abgenommen, die des Bullenhais des Düsteren Hais und des Glatten Hammerhais gar um 99 Prozent, schreiben Ransom Myers und seine Kollegen. "Diese Abnahmen sind nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viele Haie in den vergangenen Jahrzehnten gefischt worden sind, um den weltweiten Bedarf an Haifleisch und -flossen zu decken," sagt Julia Baum, Mitautorin der Studie.

Im gleichen Ausmaß wie die Bestände der großen Haie abnahmen, nahmen die ihrer Beutetiere zu. Am auffälligsten ist dies bei den so genannten Kuhnasenrochen : Ihre Population nimmt jährlich um acht Prozent zu. Nach Schätzungen leben heute über 40 Millionen dieser bis zu zwei Meter langen Rochen unweit der nordamerikanischen Ostküste. Während sich die Muschelbestände vor North Carolina in den frühen 1980er Jahren jeweils von den spätsommerlichen Raubzügen der Kuhnasenrochen erholt haben, gibt es seit 2004 so wenig Muscheln, dass sich ihr Fang nicht mehr lohnt, so die Forscher.

Die Fischerei soll laut den Wissenschaftlern mit Blick auf die gesamte Nahrungskette ganzheitlich betrachtet und gesteuert werden. Sie fordern, den Fang der an oberster Stelle der Nahrungskette stehenden großen Haie zu beschränken und das Verbot des als Finning bezeichneten grausamen Abschneidens ihrer Flossen bei lebendigem Leibe konsequent durchzusetzen. Für Haiflossen gibt es einen blühenden Schwarzmarkt: Haiflossensuppe gilt in einigen Ländern als Delikatesse.

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Fischer zerstören ökologisches Gleichgewicht in den Ozeanen: Jährlich werden 38 Millionen Haie wegen ihrer Flossen abgeschlachtet

14. Oktober 2006, Quelle: www.pressetext.at / pte - pressetext - Ein internationales Forscherteam hat erstmals eine genaue Untersuchung über die Zahl der jährlich getöteten Haie für die in Asien heiß begehrte Haifischflossen-Suppe vorgenommen. Demnach werden jährlich 38 Millionen dieser Knorpelfische nur wegen ihrer Flossen getötet.

Abgeschnittene Haiflossen werden in der Sonne getrocknetBisher wurden die Zahlen der jährlich getöteten Haie nur geschätzt und dabei lagen die Schätzungen irgendwo zwischen zehn und 100 Millionen Tieren. Wie das Wissenschaftsmagazin Ecology Letters berichtet, ist die Nachfrage nach Haiflossen steigend, nicht zuletzt deshalb, weil sich in China eine gut verdienende Mittelschicht etabliert hat, die sich das sündhaft teure Gericht leisten kann und will.

Haifischflossen-Suppe gehört neben Abalone - einer Meeresschnecke - und Schwalbennestern zu den großen Spezialitäten der chinesischen Küche. Gourmets zahlen in den Luxus-Restaurants Hongkongs und Shanghais extrem viel Geld, um an diese Spezialitäten zu kommen. Abalones sind in den Meeren rund um China längst ausgestorben und werden jetzt von Mexiko importiert.

Haie wachsen nur sehr langsam und produzieren nur wenig NachwuschsDie Haifischflossen-Industrie ist im Wesentlichen auf einige wenige Staaten in Asien beschränkt. Die Forscher um Shelley Clarke vom Joint Institute for Marine and Atmospheric Research der University of Hawaii und dem National Research Institute of Far Seas Fishery in Japan haben internationale Händler befragt und mehr als 400 Haiflossen untersucht. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass von 1996 bis 2000 jährlich 26 bis 73 Millionen Haie jährlich gehandelt wurden. Daraus errechneten die Forscher den Durchschnittswert von 38 Millionen Haien - fast vier Mal soviel wie von der UNO geschätzt.

Die Untersuchungen des Forscherteams waren nicht einfach, da in den meisten Fischerei-Statistiken Haie fehlen. Zudem sind sie oft reiner Beifang und dieser wird nicht nach Spezies beurteilt, sondern lediglich nach der Gesamtmenge. "Neben einigen Restriktionen über die Fangmethoden - vor allem dem Shark Finning - , die in den USA und in der EU bestehen, wurde nie ein Fischerei-Management-System für Haie erstellt", so Murdoch McAllister, Studien-Co-Autor vom Imperial College in London. "Die weltweite Nachfrage für Haifischflossen ist jedenfalls dramatisch angestiegen, das wiederum macht Fischer gierig auf ein Zubrot", meint McAllister.

"Tatsächlich ist die Nachfrage nach den Haiflossen vor allem in China deutlich spürbar", berichtet Peter Knights, Direktor von WildAid. "In der neuen chinesischen Mittelschicht wird Wert darauf gelegt zu zeigen, dass man sich Haifischflossen einfach leisten kann. Egal dabei ist, dass die Flossen weder besonders gut schmecken noch irgendwelche besonderen Nährstoffe enthalten", meint Knights. Tatsächlich legen Chinesen insbesondere bei großen Geburtstagsfeiern großen Wert auf teure Gerichte. Damit will man den Gästen die Wertschätzung ausdrücken.

tote Haie am MeeresgrundUmgekehrt bemerken die Forscher, dass die traditionelle Haifischflossen-Suppe aber nicht nur auf Speisekarten in Asien beschränkt ist. "Ein Teller Haifischflossen-Suppe wird im China-Max-Seafood-Restaurant in San Diego für 18 Dollar angeboten.

Für 40 Dollar kann man eine ganze geschmorte Flosse bestellen", berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic und bemerkt noch süffisant, dass der Wirt versichert habe, dieses Gericht ständig anzubieten.

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Haie können sich Fischern nicht in die Tiefsee entziehen

März 2006 - Kiel (dpa/lno) - Die meisten Haifische können sich nach einer neuen Studie dem wachsenden Druck durch Fischerei nicht in die Tiefsee entziehen. Eine internationale Untersuchung unter Beteiligung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) zeige erstmals, dass die großen Raubfische unterhalb von 3000 Metern im Meer nicht vorkommen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Lebensraum von Haifischen sich praktisch nur auf Gebiete intensiver Fischerei beschränkt", sagte Biologe Rainer Froese.

400 bis 500 der insgesamt rund 600 Haiarten lebten in weniger als 1000 Meter Tiefe, schilderte Froese. "Die Netze gehen immer tiefer. Im Augenblick erfassen sie bis zu 1000 Meter Tiefe." Nachdem die Fischereibranche die flacheren Kontinentalrändern vielerorts bereits leergefischt habe, würden nun die Unterseeberge gezielt angegangen, wo viele Tiere lebten. "Haifische bevölkern die Ozeane seit über 100 Millionen Jahren und hatten damit ausreichend Zeit, sich an den extremen Bedingungen in der Tiefsee anzupassen. Der Grund warum sie das nicht tun, hängt vermutlich mit Nahrungsmangel zusammen."

Damit sie im Wasser schweben können, nutzen Haifische eine ölreiche Leber, deren Entwicklung hohen Energieaufwand erfordert. Moderne Knochenfische wie der Kabeljau verfügen dagegen über eine Schwimmblase, deren Wachstum verhältnismäßig wenig Energie in Anspruch nimmt. Knochenfische sind bis zu einer Tiefe von 9000 Metern beobachtet worden. Nach der neuen Studie ist auch bei zunehmender Erforschung der Tiefsee nicht mit einer Entdeckung weiterer Haiarten zu rechnen. In 70 Prozent der Meere gebe es keine Haie.

Die Wissenschaftler warnten außerdem, dass schon seit Jahren der Fischereidruck auf Haie dramatisch zunehme. Für die in Asien als Delikatesse beliebte Haifischflossensuppe werden die Tiere zum Beispiel nur wegen ihrer Flossen gejagt. Froese erläuterte: "Die Gefährdung der Haifische beruht in erster Linie darauf, dass sie langsam wachsen und nur wenig Nachwuchs produzieren."

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