Globale Korruption vernichtet weltweite Fischbestände

Umweltorganisationen warnen vor Meeres-Overkill

31.01.2008, Gland | Quellen: IUCN/pte/GRD - Weltweite Korruption setzt den globalen Fischbeständen immer stärker zu. Zu diesem Schluss kommt die World Conservation Union IUCN in einer aktuellen Studie. Die Korruption erfasse sämtliche Bereiche des Fischfangs, die eigentliche Katastrophe daran sei jedoch, dass sich die Situation noch verschlimmern werde.

Gammelfischerei"Korruption frisst sich in die Knochen der Fischereiindustrie", meint Experte Andrew Hurd vom IUCN Meeresprogramm. Die international vereinbarten Reglements über Fangquoten würden zumeist nicht eingehalten, da die Mengen der gefangenen Fische weltweit immer weiter abnehmen. Zudem frequentieren immer mehr "Piratenschiffe", die unter falschen Flaggen fahren, die Weltmeere.

Ein weiteres großes Problem ist das falsche Etikettieren von Fischen als "nachhaltig". Unter Druck geraten auch die Fischereiinspektoren, die dem Experten zufolge zunehmend bedroht oder bestochen werden. Auch die Shrimp-Farmen in den tropischen Regionen stehen auf der Liste der IUCN: Hier werden vielfach Kinder als billige Arbeitskräfte eingesetzt.

Das Gesamturteil der IUCN ist eindeutig: Etwa ein Fünftel aller Fische aus den Meeren werden illegal gefangen. Auch für die Experten sind diese Ergebnisse schockierend, denn Fangquoten werden nach Beständen errechnet. Viele Forscher haben den Druck auf die Fischbestände unterschätzt und die Quoten zu hoch angesetzt. Nicht einmal das werde von den Behörden überwacht, kritisiert die Organisation. "Fischerei-Manager sollten zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie wissenschaftliche Gutachten ignorieren", so Hurd.

Aktuelle Studien zeigen, dass 90 Prozent des Bestandes an Raubfischen wie etwa Thun, Schwertfische und Haie bereits aus den Meeren verschwunden sind. 76 Prozent der weltweiten Fischbestände sind überfischt, 366 von 1.519 Fischereien weltweit zusammengebrochen. 2005 wurden 158 Mio. Tonnen Fisch aus den Weltmeeren geholt. Das ist sieben Mal so viel wie noch 1950.

FischtrawlerNur ein Beispiel für die immer stärker zunehmende Piratenfischerei war die Meldung über den taiwanesischen Thunfisch-Trawler "Sheng Yi Hsing No.16", der am 15. August 2007 in den Hoheitsgewässern der mikronesischen Inselgruppe Palau aufgehalten wurde. An Bord des Schiffes konnten die Behörden des Palau Bureau of Marine Resources 650 Haifischflossen, zehn Haiköpfe, rund 94 Haifischkörper sowie Marline, Mahi-Mahis, Wahoos und Barrakudas sicherstellen. Keiner der Fische war in den offiziellen Logbüchern des Fischkutters eingetragen. Iin den Hoheitsgewässern des Inselstaats ist das Fangen von Haien strengstens verboten. Experten wissen längst, dass dies nur ein Beispiel in einer Reihe ähnlich gearteter Fälle ist. In den Weiten des Pazifiks, des Indischen Ozeans oder des Atlantiks ist eine lückenlose Fangkontrolle kaum möglich.

Die Alarmglocken schrillen auch deswegen so laut, weil sich nach Berechnungen der FAO rund 3,5 Mrd. Menschen von Fisch ernähren. Ein Großteil davon lebt in den ärmsten Ländern der Welt. Ein Hightech-Trawler kann täglich bis zu 400 Tonnen Fisch aus dem Meer holen, um diese Menge zu fangen, bräuchte ein lokaler Kleinfischer, der täglich fischen geht, zehn Jahre.

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