Schlaue Netze - Alternative Fangmethoden - Pinger

Britische Militärtechnik soll Delfine schützen

14.03.2008, Salisbury| Quellen: pte/welt.de/derStandard.at/GRD - Ausgerechnet britische Militärtechnologie soll helfen, die imensen Meeressäuger-Beifangzahlen zu reduzieren. Geplant ist der Einsatz von speziellen Geräten an Fischernetzen, die das Echolot der Tiere besser reflektieren.

Ein Gerät, das vom Defence Science and Technology Laboratory (DSTL) entwickelt wurde, um Schiffe sicher durch Minenfelder zu bringen, soll künftig helfen, Delfine und Wale von Fischernetzen fernzuhalten. "Meistens schwimmen die Tiere in das Netz, weil sie es mit ihrem eigenen Sonar nicht wahrnehmen können", so Entwickler Carl Tiltman gegenüber der BBC. Nun sollen die neuen Vorrichtungen an den Netzen angebracht werden und das Echolot der Tiere besser reflektieren. "Sie werden wissen, dass da etwas ist und nicht einfach darauf los schwimmen", erklärt Tiltman.

Das entwickelte Gerät ist etwa so groß wie ein Fußball und reflektiert Sonar-Signale. Auftreffende Geräusche werden in der Kugel zuerst geteilt und anschließend ohne große Verluste an die Tiere zurückgesandt. Dies könnt eventuelle Delfinen oder Schweinswalen nützen, viele Walarten hingegen oreintieren sich nicht so gezielt mittels Echolot. Nach Ansicht der GRD könnte die Innovation prinzipiell sinnvoll sein, aber sie allein reicht bei weitem nicht aus, die Gesamtproblematik von Überfischung, Beifang und Zerstörung der Lebensräume zu lösen.

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Kieler Biologen untersuchen mit Unterstützung von GRD, DUH und WWF neuartige Fischerei-Netze

"Reflektive" Netze als Lösung für das Beifang-Problem? Weltweit verenden in Fischereinetzen jedes Jahr 300.000 Meeressäugetiere. In der Nord- und Ostsee sind vor allem Schweinswale durch die Stellnetzfischerei bedroht. Die Politik hat bei adäquaten Schutzmaßnahmen kläglich versagt.

Beifangopfer Schweinswale, Weibchen mit ungeborenem JungtierWenn auf politischer Ebene nicht verantwortungsvoll zum Schutz unserer heimischen Kleinwale entschieden werden kann, müssen wir nach anderen Lösungen suchen. Eine Hoffnung für die bedrohten Tiere könnte die Entwicklung delfinfreundlicher Netze sein:

Mit Hilfe von Verhaltensuntersuchungen an Schweinswalen an der kanadischen Westküste arbeiten die Kieler Meereszoologen Sven Koschinski und Prof. Dr. Boris Culik an möglichen Lösungen für das Beifangproblem. Im Sommer 2003 untersuchten sie mit finanzieller Unterstützung der GRD, wie Schweinswale auf ein neuartiges Netzmaterial reagieren, das aus einem Bariumsulfat-Nylon-Gemisch besteht. Die ersten Ergebnisse sind Erfolg versprechend. Hier ist ihr Bericht:

Sven Koschinski überprüft das neuartige Bariumsulfat-NetztHerkömmliche Nylonnetze sind für Schweinswale, die sich akustisch mit Hilfe von Sonarklicks orientieren, kaum wahrnehmbar. Das Material erzeugt fast kein Echo, so dass die Tiere "blind" in die Stell- und Treibnetze der Fischer hinein schwimmen. Schwere, in die Netzfaser eingearbeitete Partikel aus Bariumsulfat sollen als akustische Reflektoren dienen und es den Tieren ermöglichen, das Netz rechtzeitig wahrzunehmen.

Nach ersten kanadischen Tests mit den neuen Netzen, die eine deutliche Beifangreduktion gebracht hatten, war der Erfinder der neuen Netzfaser, der amerikanische Polymerchemiker Norm Holy, zuversichtlich, das Beifangproblem in den Griff zu bekommen. Weitere Untersuchungsergebnisse waren jedoch widersprüchlich.

Wir wollten wissen, was genau an den Netzen im Vergleich zu "normalen" Nylonnetzen passiert. War es die Steifigkeit der Netzfaser, die eine Beifangverringerung gebracht hat, oder ist das Material wirklich besser wahrnehmbar?

Daher beobachteten wir vor der Küste von Vancouver Island mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät zur Landvermessung) das Schwimmverhalten von Schweinswalen in der Nähe von zwei abwechselnd ausgebrachten Netzen, dem Bariumsulfatnetz und einem Standardnetz. Gleichzeitig befestigten wir einen Klickdetektor, der die Ortungslaute der Tiere aufzeichnete, im Netz.

Schweinswale ändern Sonarklicks
Mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät zur Landvermessung) dokumentiert Boris Culik das Schwimmverhalten von SchweinswalenAnhand der aufgezeichneten Klicklaute konnten wir eindeutig Unterschiede im Verhalten der Tiere nachweisen. Am Bariumsulfatnetz waren die Abstände zwischen einzelnen Sonarklicks länger als am Standardnetz. Diese längeren Intervalle zeigen an, dass ein Tier weiter voraus "schaut" als am Standardnetz. Denn Schweinswale warten erst das Echo eines Klicks ab, bevor sie den nächsten Laut aussenden. Bei größeren Entfernungen dauert dies länger. Eine frühere Ortung kann dafür sorgen, dass die Tiere dem Netz rechtzeitig ausweichen.

Wir konnten damit zeigen, dass das Netz wirklich für das Biosonar der Tiere besser wahrnehmbar ist. Dies bestätigen auch spätere Schallmessungen in einem Tank. Ein weiterer Vorteil besteht in den sehr geringen Mehrkosten dieses Netzes: Nach Angaben des WWF sind Bariumsulfatnetze nur 10 % teurer als herkömmliche Netze. Eine Massenproduktion könnte diesen Unterschied sogar noch weiter reduzieren.

Von einer besseren Wahrnehmbarkeit kann man allerdings nur ausgehen, wenn die Tiere ihr Sonar auch benutzen. Wie unsere Versuche zeigten, ist dies leider nicht immer der Fall. In einem weiteren Versuch konnten wir jedoch zeigen, dass sich die Echoortungsaktivität der Schweinswale im Untersuchungsgebiet mit Hilfe leiser Sinustöne vervierfachen ließ.

Für dieses Jahr steht daher die Untersuchung einer Kombination aus diesen beiden Methoden an. Mit einem "Warnsignal" sollen die Tiere zur Echoortung animiert werden, damit sie dann das Bariumsulfatnetz sicher wahrnehmen und umschwimmen können. Diese Warnsignale sind leiser als die von der EU für bestimmte Risikofischereien ab 2005 vorgeschriebenen konventionellen "Piger" (akustische Schweinswalvergrämer) und tragen somit erheblich weniger zur Verlärmung der Meere bei.
Sven Koschinski

pdf-download(ca.200KB)pdf der Publikation "Behavioral reactions of free-ranging harbor porpoises (Phocoena phocoena) encountering standard nylon and BaSO mesh gillnets and warning sound" erschienen in: Marine Ecology Progress; Vol. 313: 285-294; vom 11 Mai 2006

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Umstrittenes Alarmsignal soll Delfine schützen - Mehr Schaden als Nutzen?

20.10.2006 - Jedes Jahr sterben mehr als 300.000 Wale und Delfine als so genannter Beifang grausam und sinnlos in den Netzten der Fischereiflotten. Bereits 2003 legte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Reduzierung des Beifangproblems vor. Dieser sieht u.a. den Einsatz von akustischen Warngeräten (Pingern) vor, die die Meeressäuger vor den tödlichen Gefahr warnen sollen. Doch ist fraglich, ob die Signalgeber nicht genau das Gegenteil bewirken.

Bis 2008 müssen alle Fischereifahrzeuge ab einer Länge von zwölf Metern schrittweise ihre Netze mit Pingern ausrüsten. Doch Umweltschutzorganisationen und Ökologen fürchten, dass der zusätzliche Meereslärm die Meeresäuger nicht schützt, sondern schädigt.

Sie könnten aus ihren Lebensräumen vertrieben werden oder lernen, dass es dort, wo es "so seltsam tönt" etwas zu holen gibt und so von den vermindlichen Warngeräten erst recht in die Netze gelockt werden.

Umweltschutzverbände wie WWF oder GRD sehen die EU-Verordnung mehr als kritisch. Die Organisationen plädieren z.B. für reflektierende Netze, an denen das Biosonor, das Delfine und Wale zur Orientierung einsetzen, zurückgeworfen wird und sie dem tödlichen Hinderniss ausweichen können. Andere Netzentwicklungen z.B., könnten verhindern, dass sich die Tiere, wenn sie in die Netze geraten sind, darin verfangen.

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Schlaue Netze reduzieren Beifang

25.04.2005 - Quelle: FAKTuell® - Ideen und Weiterentwicklungen konventioneller Fischereimethoden sind dringend notwendig, um die Ziele einer bestandserhaltenden Fischerei zu erreichen und den Beifang beispielsweise von Walen, Delfinen und Schildkröten zu reduzieren.

So machte sich eines interdisziplinären Teams aus Kanada und den USA die Leuchteigenschaft von Phosphor mit einer innovativen Kombination aus leuchtenden Seilen und steiferen Netzen zunutze, um Wale und Delfine im Umkreis von 18 Metern vor Fischernetzen zu warnen. Sollte sich dennoch ein Meeressäuger in den Stellnetzen verfangen, hat dieser aufgrund der Steifigkeit des Netzes eine größere Chance, sich daraus zu befreien als bei den herkömmlichen Varianten.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern des indischen "Central Institute of Fisheries Technology" entwickelte ein ein selektives Netz, das mit Hilfe eines im 45-Grad-Winkel integrierten Metallgitters und unterschiedlicher Maschenweiten Jungfischen und Jungshrimps die Flucht aus dem Fanggerät erlaubt. Damit könnte eines der drängendsten Probleme der indischen Shrimpsfischerei gelöst werden.

Nach Untersuchungen der Duke Universität (USA) werden weltweit durch die kommerzielle Langleinen-Fischerei jedes Jahr 200.000 Exemplare der Unechten Karettschildkröte und 50.000 Lederschildkröten unbeabsichtigt mit gefangen und meist getötet.

Mehr als 300.000 Wale und Delfine erleiden dasselbe Schicksal. Dadurch ist das Überleben dieser Arten massiv bedroht. Der Beifang von untermäßigen Fischen ist zudem eines der größten Probleme im Bestandsmanagement der weltweiten Fischerei.

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Stinkendes Fischöl - Rettung für Albatrosse?

18.07.2006 - Quelle: ddp/wissenschaft.de - Ein paar Tropfen Öl aus Hai-Leber können Seevögel, wie Albatrosse oder Sturmvögel, davor schützen, sich in Langleinen zu verfangen: Wird das Öl ins Wasser getropft, hält es sie davon ab, nach den Ködern an den Fangleinen zu tauchen, haben neuseeländische Forscherinnen gezeigt. Auf diese Weise werden Verletzungen der teilweise vom Aussterben bedrohten Seevögel durch die Leinen oder daran angebrachte Haken deutlich reduziert. Zurückzuführen ist die abstoßende Wirkung dabei wahrscheinlich auf den Geruch bzw. Gestank des Öls oder seine Konsistenz im Wasser, glauben die Wissenschaftlerinnen.

Bei der so genannten Langleinenfischerei, mit der unter anderem Thunfische und Seehechte gefangen werden, schleppen die Fischkutter zum Teil über hundert Kilometer lange Leinen hinter sich her. Diese sind in regelmäßigen Abständen mit Haken versehen, an denen wiederum Beutefische wie beispielsweise Sardinen befestigt sind.

Dies lockt jedoch auch Sturmvögel oder Albatrosse an: Sie tauchen nach den Ködern, verfangen sich dabei an den Haken und werden verletzt oder ertrinken. Da einige dieser Seevogelarten bereits vom Aussterben bedroht sind, suchen Umweltorganisationen intensiv nach Möglichkeiten, die Tiere von den Leinen fernzuhalten.

Die Idee, das Fischöl zur Vogelabwehr zu nutzen, stammt ursprünglich von einem neuseeländischen Fischer namens Alex Aitken: Er hatte beobachtet, dass Seevögel Wasser meiden, dessen Oberfläche mit Öl bedeckt ist, und ließ daher während seiner Fischzüge etwas Fischöl ins Wasser. Dadurch gelang es ihm, die Anzahl der Vögel, die nach seiner Leine schnappten, deutlich zu reduzieren - ein Ansatz, der ihm im Jahr 2003 den Sieg bei einem Ideenwettbewerb zur Vermeidung von Beifang beim Fischen einbrachte.

Johanna Pierre und Wendy Norden testeten in ihrer Studie nun, wie effektiv diese Methode tatsächlich ist. Dazu verwendeten sie genauso wie Aitken Öl aus der Leber von Hundshaien und ließen es vom Heck ihres Bootes ins Wasser tropfen. Das Ergebnis: Ohne die Ölbehandlung oder beim Einsatz von Rapsöl tauchten innerhalb der ersten zehn Minuten vierzig bis fünfzig Vögel nach den Beutefischen - mit dem Hai-Öl waren es dagegen lediglich zwei.

Wichtig sei es dabei, den Ölstrom nicht abreißen zu lassen, denn sobald kein neues Fischöl mehr ins Wasser gelangte, kehrten die Vögel zurück, so die Forscherinnen. Sie wollen nun genauer untersuchen, welcher Inhaltsstoff des Öls die Vögel fernhält. Damit könnte dann ein noch effektiveres Abwehrmittel hergestellt werden, für dessen Produktion keine Hai-Lebern benötigt würden.

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