21.11.2011 - Es war wohl ein wenig wie das Hornberger Schießen, die diesjährige Tagung der Internationalen Kommission für den Schutz des Thunfischs im Atlantik (ICCAT). Vertreter von 38 Staaten und der EU verbrachten eine ganze Woche im schönen Istanbul, um über eigentlich dringend notwendige Maßnahmen gegen die grassierende Überfischung von Rotem Thun, Schwertfisch und Haien im Mittelmeer und Atlantik zu beraten.
Wie üblich, erklärte die ICCAT - die von Umweltgruppen nur noch als International Conspiracy to Catch All Tuna abgekanzelt wird, was die eigentlichen Beweggründe der Kommission im Grunde recht gut beschreibt – die Konferenz sei sehr erfolgreich gewesen. Ein in den Augen von Meeresschutzorganisationen recht zynische Behauptung.
Immerhin sollen die ICCAT-Mitgliedsländer nun ihre Fischereidaten zu Rotem Thun und Schwertfisch digital erfassen und wer das nicht umsetzt, soll im Folgejahr von der nicht erfassten Art gar nichts mehr fangen dürfen. Und jetzt will man auch die Trawler bloßstellen, die die chaotische Lage der Revolution in Libyen ausnutzten und in den Hoheitsgewässern des Landes illegal Roten Thun fischten.
Außerdem wurden halbseidene Schutzmaßnahmen für die bedrohten Seidenhaie festgelegt, eine Haiart, die gezielt befischt und auch oft als Beifang mitgefangen wird. Jetzt sollen sie nicht mehr angelandet werden dürfen und wieder ins Meer zurückgeworfen werden. Ihre Überlebenschance liegt dann bei etwa 40 Prozent.
Doch ob diese Maßnahme greift, muss bezweifelt werden. Seidenhaie gehören zu den bei Fischern sehr begehrten Haiarten, der Handel mit den Flossen dieser Haiart ist weltweit der drittstärkste. Bis zu 1,5 Millionen Seidenhaie werden jedes Jahr wegen ihrer Flossen getötet.
Die seit Jahren bestehenden Grundprobleme – zu viele Fangboote, zu wenige Fischereibeschränkungen, keine Kontrolle von Thunfischfarmen und zu hohe Fangquoten wurden wieder einmal mehr oder weniger geschickt umschifft. Allein 2010 übertraf das Handelsvolumen von Rotem Thun aus dem Mittelmeer die dortige Fangquote um 141 Prozent. Zwei Jahre zuvor betrug der Unterschied "nur" 31 Prozent. Der Zuwachs, zeigt, dass es nicht gelungen ist, das Ausmaß der illegalen Fischerei auf den Roten Thun einzuschränken, im Gegenteil.
Auf das der letzte Rote Thun recht bald in irgendeinem Fischernetz sein Leben aushaucht. Es ist ein Jammer um diese majestätischen und stolzen Fische.
© U. Karlowski
14.12.2009 - Die Scheinheiligkeit der EU kennt keine Grenzen. Einerseits gibt man vor, das Aussterben des Roten Thun im Mittelmeer verhindern zu wollen, andererseits wurde der Ausbau der Thunfangflotten der Mittelmeeranrainerstaaten in den Jahren 2000 bis 2008 durch Subventionen in Höhe von mehreren Millionen Euro unterstützt. Nach einer parlamentarischen Anfrage eines spanischen EU-Abgeordneten musste EU-Fischereikommissar Joe Borg die peinlichen Zahlen jetzt endlich auf den Tisch legen.
Von 2000 bis 2008 flossen 34,5 Millionen Euro in den Ausbau der Thunfangflotten, obwohl Wissenschaftler schon seit Jahren vor der drohenden Ausrottung dieser majestätischen Fischart warnen. „Das Ausmaß der Subventionen ist schockierend“, sagte Raül Romeva i Rueda, Abgeordneter der Fraktion der Grünen im EU-Parlament. „Die Zahlen entlarven die Scheinheiligkeit der EU, man kann Fischbestände nicht schützen in dem man gleichzeitig bereits überdimensionierte Fangflotten noch weiter ausbaut“. Experten gehen davon aus, dass die Populationen des Roten Thun seit 1995 auf ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe zusammengeschmolzen sind, wobei der Großteil der Bestandsverluste seit 2002 stattfand.
Subventionskönig ist Spanien, das mehr als die Hälfte der 34,5 Millionen erhielt, dann folgen Frankreich und Italien, Zypern, Malta und Griechenland. Dabei wurden 23 Millionen Euro für den Bau neuer Fangschiffe gezahlt, darunter modernste Ringwadenfischkutter, deren Netz eine Kapazität von 100 Tonnen pro Fischzug hat. Zur Modernisierung von Fischkuttern, insbesondere für die technische Aufrüstung zum Aufspüren von Thunfischschwärmen, zahlte die EU in den acht Jahren über 10 Millionen Euro. Demgegenüber steht die sehr bescheidene Summe von 1 Millionen Euro, die für die Stilllegung und Verschrottung von Fangbooten eingesetzt wurde. Meist handelte es sich hierbei allerdings um kleinere und lokal eingesetzte Kutter.
So konnte die Überkapazität der EU-Fangflotten mit den Jahren groteske Ausmaße annehmen. Nach Angaben der EU-Kommission liegt die derzeitige Fangkapazität im Mittelmeer bei fast 22.000 Tonnen Thunfisch im Jahr und ist damit fast doppelt so hoch wie die von der EU für 2009 festgelegte Thun-Fangquote, die bei 12.400 Tonnen liegt. Die jetzt offengelegten Zahlen spiegeln allerdings noch nicht das Gesamtausmaß aller Subventionen für die Thunfangflotten wider. Zu den Zahlungen aus Brüssel müssen noch nationale Subventionen hinzugezählt werden, die in vielen Ländern der Höhe der EU-Subventionen entsprechen.
Falls die EU, wie verlautbart, jetzt tatsächlich Überkapazitäten konsequent abbaut, wird nochmals Geld fließen, und zwar sehr viel Geld. Für die Besitzer der Fangflotten ist es gleichsam eine EU-Lizenz zum Geld drucken. Erst werden ihre Fangschiffe aus EU-Mitteln bezahlt, dann, nach ihrem hochprofitablen Ausrottungsfeldzug gegen den Roten Thun und Zehntausenden als Beifang getöteten Delfinen, Haien, Meeresschildkröten und anderen Meerestieren, bekommen sie nochmals Subventionen aus Brüssel, damit die mangels Thunfisch nun überflüssig gewordenen Fangboote eingemottet oder verschrottet werden
Ulrich Karlowski
Der Blauflossen-Thunfisch (oder Rote Thunfisch) im Mittelmeer wird, wenn sich der derzeitige Befischungsgrad nicht ändert, bis zum Jahr 2012 ausgerottet sein. Dies zeigt eine Analyse der Populationsbestände und der vorhandenen Zahl an fortpflanzungsfähigen Tieren. Die Fangsaison für den Blauflossen-Thun im Mittelmeer beginnt traditionell Mitte April. Zu der offiziellen Fangquote kommt nach Angaben von Meeresschützern eine erhebliche Dunkelziffer an illegalen Fängen aus Piratenfischerei. Zwar hat die EU kurzfristig die Fangsaison um zwei Wochen verkürzt, doch damit wird die Jagd auf Thunfisch immer noch in der Laichsaison, die im Mai beginnt, stattfinden.
Meeresschutzorganisationen wie die GRD aber auch verschiedene Fangnationen wie die USA, Spanien und sogar Japan hatten in der Vergangenheit wiederholt einen kompletten Fangstopp bis zur Erholung der Bestände, die in den vergangenen 50 Jahren um etwa 75 Prozent eingebrochen sind, gefordert. Neueste Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass die fortpflanzungsfähige Population bis 2012 ausgelöscht sein wird. Danach droht die unwiederbringliche Ausrottung des Roten Thun im Mittelmeer.
Fang und Verzehr von Rotem Thun haben in den Mittelmeeranrainern eine lange, stark verankerte Tradition, die jedoch bald der Vergangenheit angehören könnte. Erst Anfang April hatte das Fürstentum Monaco als erster Staat überhaupt komplett auf Blauflossen-Thunfisch verzichtet. Alle Restaurants, Einzelhändler und Chefköche haben die bedrohte Art aus ihren Regalen und von den Speisekarten genommen. Diese Maßnahme will Monaco so lange durchführen, bis sich die Bestände von der Jahrzehnte andauernden Überfischung erholt haben. Ob es jedoch jemals wieder Roten Thun im Fürstentum geben wird, ist mehr als zweifelhaft.
Die letzte Chance das Aussterben der großen Raubfische zu verhindern, ist ein kompletter Fangstopp, dessen Einhaltung konsequent überwacht werden muss.
Mit einem Fangverbot für Roten Thun (Thynnus thynnus) im Ostatlantik und Mittelmeer will die EU-Kommission ein erneutes Überschreiten der Jahresfangquote verhindern. Es gilt seit dem 16. Juni für die Flotten von Griechenland, Frankreich, Italien, Zypern und Malta sowie ab dem 23. Juni für die spanische und betrifft ausschließlich die industrielle Ringwadenfischerei, die über 70% der Gesamtfangmenge hereinholt. Kleinere, handwerkliche Fischereien sind ausgenommen und dürfen ihre Quote ausschöpfen.
Roter Thun gehört zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Thunfischarten. Der räuberische Gigant erreicht eine Länge von 4,5 m bis 5 m und bringt bis zu 700 kg und mehr auf die Waage. Juni ist die Hauptlaichzeit des Roten Thuns im Mittelmeer und damit auch die wichtigste Jagdsaison. In diesem Zeitraum kann die Ringwadenflotte der EU in nur drei Tagen 10 % der für die gesamte EU zugelassenen Höchstmenge abfischen, die 2008 bei 16210 Tonnen liegt. Besonders begehrt ist er – vornehmlich als Sushi oder Sashimi – in Japan, auf das über 80% des weltweiten Umsatzes entfallen. Dagegen wird Roter Thun nicht als Konserve verarbeitet.
Mit einem Fünfzehnjahresplan will die Internationale Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfisches (ICCAT), zu deren 46 Mitglieder auch die EU zählt, die drohende Ausrottung von Rotem Thun verhindern und die Bestände wieder aufbauen. Ursprünglich sollte die Ringwadenfischerei, wie im Vorjahr, erst ab Juli eingestellt werden. Doch nachdem Frankreich und Spanien ihre Quoten bereits 2007 erheblich überschritten hatten, wurde der Termin vorverlegt, zumal auch dieses Jahr die internationalen vereinbarten Regeln zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Bestände von Rotem Thun vielfach nicht eingehalten wurden.
"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat nach den offiziellen Zahlen die Hälfte der französischen Flotte noch nichts gefangen, während die andere Hälfte bereits mehr als 90 % der jeweiligen Quote ausgeschöpft hat und alle Schiffe ähnlich aktiv sind. Wir wissen auch von acht italienischen Ringwadenfängern, die nach offiziellen Zahlen ihre Quoten bereits um 100-240% überschritten haben", beklagt EU-Fischereikommissar Borg.
Maßnahmen der EU zum Bestandserhalt blieben bislang wirkungslos. Trotz Senkung der Fangquoten für Roten Thun und Bereitstellung von Mitteln zur Verkleinerung der Ringwadenflotten haben die Mitgliedsstaaten, im Gegenteil, aufgerüstet – von 92 Schiffen im Jahr 2007 auf 134 im Jahr 2008!
Die GRD und andere Umweltorganisationen halten das vorverlegte Fangverbot zwar für einen Schritt in die richtige Richtung, doch bei Weitem nicht ausreichend, um einen Zusammenbruch der Bestände des Roten Thun zu verhindern. Sie fordern, die Schonzeit auf den gesamten Juni auszudehnen sowie die Fangquoten auf die von den ICCAT-Wissenschaftlern empfohlenen Mengen zu senken. Darüber hinaus sind schärfere Kontrollen und Sanktionen notwendig, um Verstöße zu verhindern.
So entdeckte die Umweltorganisation Oceana kurz nach Erlass des Fangstopps weiterhin operierende italienische Ringwadenfänger sowie bereits Anfang Juni mit den Fischern kooperierende Suchflugzeuge zum Aufspüren der Thunfischschwärme, deren Einsatz absolut illegal ist.
Auch der stark wachsenden Piratenfischerei müssen wirkungsvolle Maßnahmen entgegengesetzt werden. Diese nicht registrierten Schiffe, die gegen internationale Fischereivorgaben verstoßen, richten immense ökologische und wirtschaftliche Schäden an. Das Ausmaß wird inzwischen mit dem organisierten Verbrechen, wie Drogenhandel oder Schmuggel, verglichen.
Ulrike Kirsch
12.03.2008 | Quellen: WWF|GRD - Die Jagd auf den begehrten und bedrohten Roten Thunfisch im Mittelmeer hat zu einem wahren Wettrüsten der Fischereinationen geführt. Laut einer WWF-Studie liegt die Kapazität der Fangflotten um nahezu das Vierfache über dem Niveau einer nachhaltigen Fischerei. Wissenschaftler empfehlen, nicht mehr als 15.000 Tonnen Roten Thun pro Jahr zu fangen. Die Flotte kann jedoch 55.000 Tonnen aus dem Meer holen "Das ist ein wirtschaftlich und ökologisch krankes System. Immer mehr High-Tech-Boote machen Jagd auf immer weniger Tunfisch", kommentiert Dr. Sergi Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm. Angesichts der Überfischung drohe ein Kollaps der Bestände.
Die größten Überkapazitäten haben die Türkei, Italien,
Kroatien, Libyen, Frankreich und Spanien. "Es gibt fast 300 Fischtrawler zuviel
im Mittelmeer", so WWF-Expertin Karoline Schacht. Doch Politik und Industrie ignorieren die Krise. Statt die Flotte zu verkleinern, werden derzeit sogar noch 25 neue hochmoderne Fangschiffe gebaut. Allein um die
Betriebskosten der aktuellen Flotte zu decken, müssten etwa 42.000 Tonnen
Thunfisch gefangen werden.
"Diese enorme Überkapazität hat fatale Folgen. Die
Politik beschließt zu hohe Fangquoten, um das System zu stützen. Und zusätzlich
blüht die illegale Fischerei. Um zu überleben, sind die Fischer gezwungen, den
Thunfisch zu plündern. So fischen sie sich arbeitslos", sagt Schacht.
Der WWF beschuldigt unter anderem Italien, illegale Praktiken zu decken. Die Italiener würden offiziell angeben, immer weniger Thunfisch zu fangen - dabei wachse die Flotte. Allein Italien müsste 30 Fischtrawler verschrotten, um auf ein nachhaltiges Fangniveau zu kommen. Auch Kroatien, Spanien und Libyen verschweigen ihre tatsächlichen Fangmengen.
Der Rote Thunfisch (Thunnus thynnus, auch: Atlantischer- oder Blauflossen-Thun) im Mittelmeer gilt als stark bedroht. Seit den 1970er Jahren sind seine Bestände an den wichtigen Laichplätzen um fast die Hälfte geschrumpft. Seit Jahren ignorieren Fischindustrie und Politik wissenschaftliche Empfehlungen, die Fangquoten drastisch zu senken.
So hatten Experten für 2008 eine Halbierung der Quote auf 15.000 Tonnen empfohlen - tatsächlich dürfen in der im April beginnenden Saison jedoch 29.000 Tonnen legal gefangen werden. Der wegen seines edlen Fleisches besonders teure Rote Thun wird vor allem in Japan und Europa konsumiert. Auch auf dem deutschen Markt spielt er eine Rolle - etwa in Sushi oder Sashmi-Gerichten. Hingegen wird Roter Thunfisch nicht in Dosen angeboten.