EU will Fischerei-Beifang verringern

29.03.2007, Quellen: dpa / GRD - Europäische Fischer sollen unerwünschte Teile ihres Fangs künftig nicht mehr einfach über Bord werfen dürfen. Mit einem entsprechenden Verbot will die EU-Kommission bestimmte Fischbestände wie den Kabeljau vor dem drohenden Zusammenbruch bewahren.

EU-Fischereikommissar Joe Borg kündigte am Mittwoch in Brüssel an, den Mitgliedstaaten 2008 entsprechende Vorschläge zu machen. Unterdessen verlangten Umweltstiftung WWF eine Halbierung der Tunfisch-Fangquoten für das Mittelmeer.

Unerwünschter Beifang ist in allen Ozeanen ein gewaltiges Problem. Die meisten Fischer fangen alles, was ihnen ins Netz geht, und in einigen Gebieten werden bis zu 90 Prozent des Inhalts der Schleppnetze wieder ins Meer gekippt. Die Fische und anderen Meerestiere überleben das zumeist nicht. "Ich verurteile die derzeitige Praxis: Sie schadet der Umwelt, sie ist unwirtschaftlich und ethisch nicht vertretbar", sagte EU-Kommissar Borg. "Je früher wir dieser Verschwendung ein Ende bereiten, desto besser ist es für die Fischbestände." Wie genau mit dem so genannten Beifang verfahren werden soll, steht allerdings noch nicht fest.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurde 2005 im Nordatlantik fast jede achte Tonne (13 Prozent) des Fanges zurückgeworfen. Insgesamt waren das 1,33 Millionen Tonnen Beifang. In der Nordsee gingen 500 000 bis 880 000 Tonnen Fisch und andere Meerestiere wieder zurück ins Wasser.

Bisher versucht die EU, den Flotten Fanggeräte vorzuschreiben, mit denen möglichst wenig Beifang an Bord kommt. So können große Maschen oder Fluchtfenster helfen, dass kleine Jungfische wieder aus den Netzen schwimmen können. Nach Einschätzung der EU-Experten sind diese Möglichkeiten jedoch weitgehend ausgeschöpft und zudem schwer zu kontrollieren. Besser sei es, die Fischer zu verpflichten, den gesamten Fang anzulanden, argumentiert nun die Kommission. Um von vorn herein Beifang zu verhindern, müsste vorgeschrieben werden können, das Flotten bestimmte Gebiete mit zu vielen Jungfischen zu verlassen haben. Bestimmte Teile der Meere müssten gegebenenfalls komplett für den Fang geschlossen werden.

Umweltschützer bemängeln allerdings, dass die EU das Übel nicht direkter und schneller an der Wurzel bekämpft. So wird im Mittelmeer, nach Angaben des WWF, inzwischen zehn Mal so viel Roter Thunfisch gefangen wie vor 50 Jahren - mehr als vier Millionen Tonnen pro Jahr. Die Quoten liegen in diesem Jahr doppelt so hoch wie von Wissenschaftlern empfohlen.

Es droht eine dramatische Kettenreaktion mit schweren wirtschaftlichen Folgen. Der Rote Tunfisch ist einer der größten Raubfische des Mittelmeers. Wenn seine Zahl abnimmt, vermehren sich automatisch seine Beutetiere, beispielsweise die Tintenfische. Diese wiederum ernähren sich von Sardinen, von denen zahllose Kleinfischer rund ums Mittelmeer leben. Die Fangsaison beginnt in einem Monat.

Ebenfalls schlecht ins Bild passt, dass EU seit 2007 die erst 2002 verbotenen Treibnetze quasi durch die Hintertür wieder zugelassen hat. In der "Verordnung des Europarates zu Managementmaßnahmen für eine nachhaltige Nutzung der Fischressourcen im Mittelmeer (EC) No 1967/2006" werden Grundstellnetze, die, wie der Name es vermuten lässt, am Meeresgrund gestellt werden, kurzerhand umdefiniert. Als Grundstellnetze gelten demnach alle "am Boden verankerten Netze, die entweder nahe des Meeresgrundes oder frei in der Wassersäule schwebend aufgespannt werden".

Diese "Schwebenetze" sind Treibnetzen so ähnlich, dass sie wie diese zu Todesfallen für Delfine, Schildkröten, Haie, Seevögel werden. Besonders skandalös ist, dass die bisher zugelassene Fläche für Grundstellnetze, ob schwebend oder nicht, mehr als verdoppelt wurde.

Logo Jahr des Delfins 2007Die Protestaktion gegen die Einführung der Schwebenetze durch die EU sowie weitere interssante Informationen, wie Sie den bedrohten Delfinen helfen können, finden Sie auf den Mitmachseiten zum Jahr des Delfins 2007

 

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