Algengift gefährdet Glattwale

Januar 2003 - Ausgerechnet zu den Winzlingen der Meere gehörende einzellige Algen sind eine akute Gefahr für einige der Giganten der Meere, die bis zu 17 Meter großen Nördlichen Glattwale.

Dies fand eine Forschergruppe um den Biologen Edward Durbin von der University of Rhode Island durch Studien in der zwischen den kanadischen Provinzen Nova Scotia und New Brunswick gelegenen Bay of Fundy heraus. Die Bartenwale treffen dort jeden Sommer ein, um sich mit Ruderfußkrebsen voll zu fressen. Eine, wie man jetzt weiß, gefährliche, mit verschiedenen Nervengiften kontaminierte Mahlzeit.

Denn die zwei Millimeter großen Krebschen ernähren sich von Algen, die gefährliche Neurotoxine bilden. Ihr massenhaftes Auftreten ist als "Algenblüte" oder "Red Tide" berüchtigt. Eine "Red Tide" kann sich über mehrere Quadratkilometer ausbreiten und Millionen Fische aber auch Seekühe oder Delfine töten. Beim Menschen lösen an Land verdriftete Nervengase schwere Schleimhautreizungen und Atemprobleme aus, der Verzehr von belasteten Fischen kann zu Lähmungen und Gedächtnisstörungen führen.

Die Wissenschaftler berechneten, dass die von den Walen in der Bay of Fundy aufgenommene Dosis ausreichen würde, einen Menschen zu töten. "Es gibt zwar noch keinen Nachweis, dass Glattwale an den Toxinen sterben", erklärt Edward Durbin, "aber die wiederholte Giftaufnahme könnte ihre Überlebensfähigkeit negativ beeinflussen. Dies reicht von verschlechtertem Tauchvermögen, verringerten Schwimm- und Tauchgeschwindigkeiten, bis hin zu reduzierten Geburtenraten und einem allgemein schlechten Gesundheitszustand, trotz ausreichend vorhandener Nahrung".

Nach Ansicht von Durbin sollten die Effekte der Algen-Toxine nicht unterschätzt werden. "Bislang gibt es keine Untersuchungen über die Wirkung dieser Nervengifte auf Wale", so Durbin. Die Nördlichen Glattwale gehören mit weniger als 300 Exemplaren weltweit zu den bedrohtesten Walarten. Als Hauptursachen, dass sich ihr Bestand nach Einstellung der kommerziellen Jagd im Jahr 1935 bis heute nicht erholt hat, gelten Kollisionen der langsam schwimmenden Tiere mit Schiffen, ungewollter Beifang in Netzen sowie ihre sehr niedrige Geburtenrate.
© Ulrich Karlowski

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