Flussdelfin Baiji in China wiederentdeckt?

30.08.2007 | Quellen: netzeitung.de|zisch.ch|sda|SZ|GRD - Seit drei Wochen galt er offiziell als ausgestorben: der chinesische Flussdelfin Baiji (Lipotes vexillifer). Jetzt ist doch noch ein Exemplar im Jangtse aufgetaucht und sogar gefilmt worden.

Ein Mann aus Tongling in der Anhui-Provinz habe das Tier bereits am 19. August entdeckt. Die Baiji-Aufnahmen seien im Tongling-Naturreservat für Süsswasserdelfine verifiziert worden. "Wir sind sehr glücklich zu sehen, dass es noch Baijis auf dieser Welt gibt", sagte Wang Kexiong vom Hydrobiologischen Institut der Chinesischen Wissenschaftsakademie in Wuhan. Im vergangenen Jahr blieb eine groß angelegte sechswöchige Suchexpedition 30 internationaler Wissenschaftler, die mit Unterwassermikrophonen nach akustischen Hinweisen gefahndet hatten, erfolglos. Die Forscher erklärten die Art Anfang August daher für ausgestorben.

Der Augenzeuge berichtete von einem "grossen, weissen Tier", das plötzlich aus dem Jangtse aufgetaucht sei. "Ich habe im Wasser noch nie ein so grosses Ding gesehen, deshalb habe ich gefilmt. Es war etwa 1000 Meter entfernt und sprang mehrmals aus dem Wasser", sagte Zeng Yujiang laut Nachrichtenagentur Xinhua.

Noch in den 1980er Jahren sollen Hunderte der von ihnen im Oberlauf des Jangtse gelebt haben. Der Bestand der seltenen Süßwasserdelfine wurde durch die massive Umweltverschmutzung des Yangtse, Überfischung und starken Schiffsverkehr dezimiert. So sollen allein im vergangenen Jahr wurden 26 Milliarden Tonnen Abwasser in den Fluss geleitet worden sein.

Von ehemals 400 Tieren in den 1980er-Jahren blieben so im Jahr 1997 nur noch 13 Tiere übrig. Fünf Jahre später starb Qi Qi, der letzte Baiji in Gefangenschaft. Zuletzt war ein Baiji im Sommer 2005 von einem Fischer beobachtet worden.

Die Biologen der Chinesischen Akademie wollen den Ort der Sichtung nun besuchen, um nach dem Tier Ausschau zu halten. Sollten sie es finden, wollen sie den Baiji fangen und in einen Alt-Arm des Jangtse bringen. Dort soll eine Zuchtpopulation entstehen. Die Aussichten dafür sind allerdings zum Scheitern verurteilt. Zum einen sind einzelne Individuen einer Art in der Regel nicht ausreichend, um eine genetisch stabile Population aufzubauen, zum anderen gäbe es für die nachgezüchteten Tiere - so dieses denn gelänge - keinen Lebensraum mehr.

Spiegel-Online: Der Baiji ist ausgestorben!

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