Der Schweinswal ist der einzige heimische Wal unserer Küstengewässer. Doch wie lange noch? Die kleinen Meeressäuger sind stark bedoht durch Überfischung, Klimawandel, Nahrungsmangel und UnterwasserlärmSchweinswale in Nord- und Ostsee

 

Zur Biologie der Schweinswale

Der Schweinswal (Phocoena phocoena) gehört mit zu den kleinsten Walarten der Welt. Er ist in den Schweinswale leben ständig in deutschen Gewässern und gebären hier ihre Jungen.gemäßigt-kalten und subarktischen Gewässern der Nordhemisphäre verbreitet und hält sich meist in den Küstengewässern nicht weiter als 10 km vom Festland entfernt auf. Der sympathische Mini-Zahnwal kommt bei uns in Nord- und Ostsee vor und wird häufig von Seglern gesichtet. Für Deutschland gilt er als einzige residente Wal-Art, das heißt, nur Schweinswale leben ständig in deutschen Gewässern und gebären hier ihre Jungen.

Die kleinen Meeressäuger sind perfekt an ihr Leben im Meer angepasst, ihre Speckschicht schützt sie vor Auskühlung. Sie können bis zu etwa 220 Meter tief tauchen und über 6 Minuten die Luft anhalten. Sie sind schnelle Schwimmer, die mit ihrer Stromlinienform durchs Wasser gleiten und bei größerer Geschwindigkeit kurz mit dem ganzen Körper über der Oberfläche sind. Dabei können sie bis zu 20 km/h erreichen. Sie sind sehr wendig und kommen auch im flachen Wasser zurecht.

Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann.Schweinswale gelten als sehr scheu. Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann, bevor sie mit einer rollenden Bewegung nach vorne wieder abtauchen. Besser zu hören als zu sehen ist ihr scharfer, schnaubender Blas.

Mit ihrem Echo-Ortungssystem finden sie ihre Beute auch im trüben Wasser und können sich gut orientieren.

Nach etwa 10 Monaten Tragzeit gebären die Schweinswale (meist im Mai und Juni) ein Junges. In dieser Zeit und der darauf folgenden Zeit des Säugens halten sich die Schweinswalmütter mit ihren Kälbern in bestimmten, oft flachen oder ruhigen, Seegebieten auf. Westlich vor der Insel Sylt befindet sich eine dieser "Kinderstube" der Schweinswale, im flachen Wasser bringen sie hier ihre Jungen zur Welt. Es kommt immer wieder vor, dass die Schweinswalmütter ihre Neugeborenen in die "Obhut" eines Badenden geben, um kurz zur Nahrungssuche zu verschwinden. Das Gebiet wurde unter Schutz gestellt und ist derzeit das einzige Walschutzgebiet Deutschlands.

Auch beim Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche, so dass man meist nur einen kurzen Blick auf die kleine dreieckige Rückenfinne erhaschen kann.Schutzstatus:

Der Schweinswal und seine Lebensräume stehen unter dem Schutz des "Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic and North Seas" (ASCOBANS) und der EU-Habitat-Direktive (FFH-Richtlinie, Natura 2000). Verschiedene Aktivitäten des Menschen sind für die Schweinswale als ernste Bedrohungsfaktoren einzustufen. Die Hauptgefahr stellt die Fischerei dar. In (Grund-)Stell- und Treibnetzen (Ostsee) verfangen sich die kleinen Meeressäuger und ertrinken. Aber auch küstennahe Ressourcennutzung wie z.B. die Ölförderung oder der Bau von Offshore-Windkraftanlagen zerstören die Lebensräume der Kleinen Tümmler oder vertreiben sie temporär.
Denise Wenger

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Verstümmelte Schweinswale an niederländischer Küste angeschwemmt

Die Kadaver hatten eindeutig durch Messer verursachte Schnitte durch Haut und Speckschicht12.03.2009 - Über 100 zum Teil furchtbar zerstückelte Schweinswal-Kadaver wurden in den letzten drei Monaten an Strände der niederländischen Wattenmeerinseln Texel und Vlieland sowie in Nordholland angeschwemmt. „Etwa 30 Kadaver hatten eindeutig durch Messer verursachte Schnitte durch Haut und Speckschicht, einige waren teilweise skelettiert worden“, berichtet ein Sprecher der GRD. GRD und Mitarbeiter des niederländischen Forschungszentrums IMARES vermuten, dass Fischer auf diese Weise ihre Beifänge vertuschen wollten. Zerstückelte Kadaver verschwinden schneller im Meer, werden von Krebsen schneller aufgefressen. Doch die grausame Rechnung ging nicht auf, Westwinde spülten zumindest einen Teil der toten Schweinswale an Land.

Rätselhaft bleibt, wer die Täter waren und welche Fischerei für diesen extrem hohen Meeressäugerbeifang verantwortlich ist.Rätselhaft bleibt, wer die Täter waren und welche Fischerei für diesen extrem hohen Meeressäugerbeifang verantwortlich ist. Netzabdrücke mit der Maschenweite 8 cm auf der Haut der Schweinswale deuten auf die Schollenfischerei hin. Allerdings spielt die Grundstellnetzfischerei auf Schollen vor der niederländischen Küste nach offiziellen Angaben nur eine untergeordnete Rolle.

Weder niederländische Fischer noch offizielle Beobachter an Bord niederländischer Stellnetzkutter berichteten auffällig hohe Beifangzahlen. Dies spräche dafür, dass hier ausländische Fischer oder illegal operierende Piratenfischer am Werk waren.

Vermutlich locken große Mengen von Heringen und Sprotten, die im Winter an die Küste wandern die Schweinswale an. „Es ist ein Skandal, dass generell keine Details zu Ausmaß und Verteilung der Fischerei erfasst und bekannt gegeben werden. Somit lassen sich die Verursacher dieses schrecklichen Desasters kaum feststellen. Die Erarbeitung von Schutzkonzepten und Ausweisung von Schutzgebieten für Meeressäugetiere wird so zur Makulatur“, meint die GRD.

Vermutlich locken große Mengen von Heringen und Sprotten, die im Winter an die Küste wandern die Schweinswale an.Die GRD hält die Bestimmungen der EU zum Schutz von Kleinwalen für absolut unzureichend. Zwar müssen auch niederländische Kutter ab 12 m Länge sogenannte Pinger einsetzen, die Schweinswale von den todbringenden Netzen verscheuchen sollen, aber in der niederländischen Stellnetzfischerei gibt es lediglich 2 Kutter, die länger als 12 m sind. Die restlichen 80 Kutter sind kleiner. Hinzu kommt noch eine erhebliche Zahl von Nebenerwerbs- und Hobbyfischern.

Brisant in diesem Zusammenhang ist auch, dass bis heute das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium abstreitet, dass Schollennetze überhaupt Schweinswal-Beifänge verursachen und das Stellen von Schollennetzen im Walschutzgebiet westlich von Sylt nach wie vor erlaubt ist!

-> Statistik der angespülten Schweinswaldaver in Holland 2008-2009 (Lijst van in Nederland in 2008-2009 aangespoelde walvisachtigen)
Copyright Fotos (von oben nach unten):
Kees Camphuysen | ecomare | Koschinski ( FjordBaelt, DK; www.fjord-baelt.dk
)

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Schweinswal bleibt hoch bedroht: NABU, GSM und GRD begrüßen Handlungsangebot des Landes

Von einem effektiven Schutz des Schweinswals ist man meilenweit entfernt28. November 2008- Obwohl heute kein Fischer mehr einen Schweinswal fangen will, ist die fischereiliche Todesrate der Kleinen Tümmler, wie die Wale mit der stumpfen Schnauze auch heißen, oft viel zu hoch. Und obwohl es weder an Gesetzen zum Schutz der bedrohten Meeressäugetiere, noch an politischem Willen fehlt, werden die Überlebenschancen für den einzigen in der Ostsee heimischen Wal immer schlechter. Ende November sind bei der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) für 2008 bereits 50 Schweinswalkadaver gemeldet worden – ein deutlicher Anstieg, der Anlass zu großer Sorge gibt.

Kleine Anfrage im Kieler Landtag
In der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage im Kieler Landtag zum Schweinswalschutz dokumentiert das zuständige MLUR die Gefahren für den Schweinswal in der Ostsee, aber auch das deutliche Wissensdefizit, das im zuständigen Ministerium MLUR über die Bedrohungssituation besteht. "Die aktuellen Zahlen für 2008 an der Ostsee tot gefundener Schweinswale deuten schon jetzt auf einen neuen, traurigen Rekord hin", erklärt Hans-Jürgen Schütte, der das GSM-Sichtungsprojekt betreut. Bereits 15 Kadaver mehr als im Vergleichszeitraum 2007 wurden der GSM bislang gemeldet. Insgesamt wurden 2007 an der deutschen Ostseeküste 175 Schweinswale gefunden. Allein an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste waren es 2007 schon mehr als doppelt so viele tote Wale wie 2006.

Todesursache: Menschliche Aktivitäten
Als Beifang sterben mehr Wale, als geboren werdenDie Todesursachen sind nach Auswertungen der GSM fast immer auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Der sensible Lebensraum Ostsee ist zu einer viel befahrenen Schifffahrtstrasse und einem Abwasserkanal für Industrie und Landwirtschaft verkommen. "Die Ausbeutung von Bodenschätzen wie Kies und Sand, Öl und Erdgas sowie Kriegsaltlasten und militärische Übungen machen den Lebensraum Ostsee für Schweinswale offensichtlich zur Hölle", kritisiert Hermann Schultz vom NABU. Akute Wissensdefizite bestehen im MLUR u.a. bei der Zahl der in schleswig-holsteinischen Küstengewässern der Ostsee ausgebrachten Stellnetzen, aber auch darin, wie sich die umfangreichen, mit lautem Sonar und "Geo-Sparkern" durchgeführten Baugrunduntersuchungen im Fehmarnbelt wie auch eine mögliche Änderung des Wasseraustausches durch eine Brücke auf die kleinen Wale auswirken können.

Rettungsplan umsetzen!
Obwohl es weder an Gesetzen zum Schutz der bedrohten Meeressäugetiere, noch an politischem Willen fehlt, werden die Überlebenschancen für den einzigen in der Ostsee heimischen Wal immer schlechterAls Todesursache Nr. 1 hat schon 2002 das Kleinwal-Abkommen ASCOBANS in seinem Rettungsplan (Jastarnia-Plan) die Fischerei identifiziert. "Als Beifang sterben derzeit mehr Wale, als geboren werden", sagt die GSM-Meeresbiologin Petra Deimer. "Das kann auf Dauer kein Bestand verkraften." Deshalb rät der Jastarnia-Plan u.a. zur Umrüstung in der Fischerei auf ungefährlichere Fangtechniken, etwa auf Langleinen und Fischreusen. Würden die ASCOBANS-Mitgliedsstaaten den Jastarnia Plan tatsächlich – wie zugesagt - anwenden, könnte der Kleine Tümmler vermutlich gerettet werden.

"Von einem effektiven Schutz des Schweinswals sind wir aber meilenweit entfernt", erklärt Ulrich Kalowski von der GRD. "Wir begrüßen daher, dass das MLUR nun in einem ersten Schritt angekündigt hat, auf Initiative der Naturschutzverbände mit GSM, GRD und NABU ein Projekt zu starten, um Fischer zur Vertreibung von Schweinswalen von Stellnetzstandorten mit 'Pingern' auszustatten." Denn fast sieben Jahre nach Inkrafttreten des Rettungsplans verharren bislang fast alle Fischereistaaten in stoischem Nichtstun. Schlimmer noch: Anstatt Rettungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen, verschließen Politik und Behörden die Augen.

Schweinswale und Ziegelsteine
Im vorigen Jahr wurde der GSM das Foto eines an den Strand gespülten Schweinswals geschickt, dem ein Ziegelstein an die Schwanzflosse gebunden war. Der Grund: Der Kadaver sollte möglichst erst stark verwest an den Strand treiben, um verräterische Zeichen des Beifangs, Netzmarken auf der Haut, nicht erkennbar werden zu lassen. Erst vor wenigen Tagen wurde auch dem NABU ein Schweinswalfund gemeldet. Auch hier deutet alles darauf hin, dass die Todesursache vertuscht werden sollte, zumal das tote Tier an Land geschleppt worden sein muss. Immerhin: Das MLUR erkennt nunmehr indirekt auch offiziell an, dass mit der derzeitigen Fischerei ein großes Problem für den Schweinswal besteht.
Copyright Fotos (oben u. unten): Koschinski | FjordBaelt, DK; www.fjord-baelt.dk

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Naturschützer funken SOS: Rettet die Schweinswale in der Ostsee

+++   Gemeinsame Presse-Erklärung  +++   Gemeinsame Presse-Erklärung  +++
Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Naturschutzbund NABU

Qickborn, Neumünster, München, 29. April 2008 – Dem Schweinswal in der Ostsee geht es schlecht. Zu diesem Ergebnis kommen die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere GSM, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und der Naturschutzbund NABU nach Auswertung des Sichtungsprogramms der GSM. Mehr als 1.100 lebende Schweinswale wurden im Jahr 2007 gemeldet, aber auch 173 tote Schweinswale an der deutschen Ostseeküste aufgefunden. „Allein an der Küste der westlichen Ostsee von Schleswig-Holstein wurden im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viele Kadaver angetrieben wie im Jahr 2006“, stellt Hans-Jürgen Schütte, der das GSM-Projekt "Wassersportler sichten Schweinswale" koordiniert, besorgt fest.

Toter SchweinswalDie Todesursache ist fast immer auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen: Der sensible Lebensraum Ostsee ist zu einer Wasserstraße mit starkem Schiffsverkehr verkommen, von Schadstoffen aus Industrie und Landwirtschaft verschmutzt und überdüngt. Kriegsaltlasten, schnell fahrende Schiffe, militärische Übungen und die Ausbeutung von Bodenschätzen wie Kies und Sand, Öl und Erdgas tun ihr übriges und lassen das einzigartige Ökosystem immer lebensfeindlicher werden.

Schon 2002 hat aber als Todesursache Nr. 1 das Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS in seinem Rettungsplan für den Ostsee-Schweinswal, genannt Jastarnia Plan, die Aktivitäten der Fischerei identifiziert. Obwohl kein Fischer absichtlich Schweinswale fängt, sterben viele in nicht für sie ausgebrachten Netzen als "Beifang". Grund: Die  sich akustisch orientierenden Wale können moderne Netze aus dünnem Kunststoffgarn nicht mit ihrem Echolot orten. Sie verfangen sich und ersticken elendig. "Es sterben mehr Tiere als geboren werden", sagt die Meeresbiologin Petra Deimer, GSM. "Das kann jedoch auf Dauer kein Bestand verkraften".
 
Da der kleine Wal ohne strikte Schutzmaßnahmen in der Ostsee bald ausgerottet sein wird, fordert der Jastarnia-Plan die Umrüstung der Fischerei von gefährlichen Fangtechniken auf weniger gefährliche: Von Treibnetzen auf Langleinen, von Stellnetzen auf Reusen. "Es fehlt weder an Gesetzen noch an Vorschriften", sagte Ingo Ludwichowski vom NABU, "es fehlt aber wie so oft an der effektiven Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Würden die Ostsee-Staaten den Jastarnia Plan auch anwenden, könnten sie den Schweinswal retten.“
 
Toter Schweinswal, dem ein Backstein an die Schwanzflosse gebunden wurdeSechs Jahre nach Inkrafttreten des Rettungsplans verharren jedoch fast alle Fischereibehörden in stoischem Nichtstun. Statt den Plan effektiv umzusetzen, wird sogar versucht, die Todesursachen zu vertuschen.

So liegt der GSM das Foto eines verendeten, an den Strand gespülten Schweinswals vor, dem ein Backstein an die Schwanzflosse gebunden wurde. GSM-Mitstreiter Andreas Pfander  fand an der schleswig-holsteinischen Küste zudem tote Tiere mit aufgeschlitzten Bäuchen - die Kadaver sollten möglichst spät oder gar nicht entdeckt werden. Der Grund: Je später sie gefunden werden, desto schlechter sind "Netzmarken", eindeutige Beweise für den qualvollen Tod in einem Fischereinetz, zu erkennen.
 
Bis vor wenigen Jahren dienten Beifänge der Wissenschaft, etwa um den Gesundheitszustand der Tiere, aber auch den ihres Lebensraumes, zu untersuchen. "Aber Beifänge gibt es angeblich nicht mehr", wie der Biologe Ulrich Karlowski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) kommentiert.
-> -> Pressemitteilung als pdf

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Dänische Wissenschaftler schlagen Alarm: Bestand an Schweinswalen geht dramatisch zurück

10. März 2008 | Quelle: sh:z - Der Schweinswal ist der einzige heimische Wal unserer Küstengewässer. Doch wie lange noch? Dänische Wissenschaftler haben jetzt alarmierende Ergebnisse vorgelegt. Die dänischen Forscher überwachten die Meeressäuger mit Satelliten, Flugzeugen und Schiffen - und was sie dabei herausgefunden haben, bereitet ihnen große Sorgen: Der Bestand an Schweinswalen geht offenbar dramatisch zurück.

-> -> Vollständiger Report (pdf, 7,2MB)

Der Schweinswal ist der einzige heimische Wal unserer KüstengewässerWie viele Tiere tatsächlich noch in Nord- und Ostsee leben, können die Wissenschaftler der Universität Aarhus nicht sagen. Aber ihre Studie macht eine Entwicklung deutlich: 1994 wurden in der Nordsee 288 000 Schweinswale gezählt, in der Ostsee (einschließlich Skagerrak und Kattegat) waren es 32 000. Im Jahr 2005 wurden in der Nordsee nur noch 231 000 Wale registriert. In der Ostsee waren es sogar nur noch 15 600 Tiere, was einen Rückgang von mehr als 50 Prozent bedeutet.

Noch steht nicht fest, warum der Bestand so stark eingebrochen ist. Aufgeführt wird in der Studie, dass vermutlich durch die Umweltbelastung die Lebenserwartung geschrumpft sei und durch die Stellnetzfischerei viele Kleinwale als Beifang verendeten. Mit Blick auf die Nordsee könnte die Abnahme des Bestandes aber auch mit dem Abwandern der Tiere zusammenhängen. Denn während im dänischen Teil der Nordsee die Zahl der Wale gesunken ist, steigt sie im südwestlichen Teil des Meeres an.

Die Studie haben die Dänen für ihr Bundesumweltamt, "Danmarks Miljöundersögelser", erstellt. Grund ist die von der EU geforderte Einrichtung von Schutzgebieten im Rahmen des Natura 2000-Netzwerkes und der Habitats-Direktive, die bis 2012 umgesetzt sein muss. Fast alle an Deutschland grenzenden Seegebiete wurden von den Dänen in die Klasse I (sehr wichtiges Gebiet) gesetzt. Dazu gehört unter anderem die Deutsche Bucht, der Fehmarn Belt und die Flensburger Förde. Die Kadetrinne hingegen wurde in Klasse II (wichtiges Gebiet) eingestuft.

Die Einstufung erfolgte ebensfalls auf Grund von Forschungsarbeiten. Die Dänen haben die von Schweinswalen bevorzugten Lebensräume mit Hilfe von markierten Tieren ermittelt. Zwischen 1998 und 2007 wurden insgesamt 63 Kleinwale mit Sendern ausgestattet und deren Bewegungen aus dem All verfolgt.

Immer wieder werden Kadaver von toten Schweinswalen angeschwemmtDas Fazit der dänischen Studie: Es besteht weiter großer Forschungsbedarf. Auch entlang der deutschen Küsten, an denen mit eher spärlichen Mitteln gearbeitet wird. So verteilt die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) seit einigen Jahren Meldebögen an die Sport- und Berufsschifffahrt. Darin sollen alle Schweinswal-Sichtungen mit genauer Positionsangabe eingetragen werden.

Da immer wieder Kadaver von toten Walen angeschwemmt würden, die Verletzungen durch Netze aufwiesen, kritisieren Umweltorganisationen insbesondere die Stellnetzfischerei. Die kleinen Säuger ertrinken als Beifang jämmerlich in den Netzen.

Zurzeit wird an verschiedenen Systemen zum Schutz der Wale gearbeitet. So können Netze mittlerweile mit Geräten (Pingern) ausgestattet werden, die Schall aussenden. Das Signal zeigt den mit Sonar jagenden Tieren, wo Netze stehen. Allerdings sind diese Geräte für viele Fischer zu teuer. Versuche werden auch mit schallreflektierenden Materialen gemacht.

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Qualvoller Tod: In Stellnetzen verenden unzählige Schweinswale und Vögel als unbeabsichtigter Beifang.

Die Fischerei in der Nord- und Ostsee wird fast ausschließlich durch die gemeinsame Fischereipolitik der EU geregelt. Der Begriff "Nachhaltigkeit" findet sich wiederholt in den Verordnungstexten, jedoch ist ihre Umsetzung alles andere als nachhaltig. In Stellnetzen verenden unzählige Schweinswale und Vögel als unbeabsichtigter Beifang....
-> -> Artikel von Sven Koschinski aus "Betrifft: NATUR 2/08" pdf (900kb)

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Der Ostseeschweinswal im Todesnetz: Umweltverbände fordern schnelle Einführung einer Wal-freundlichen Fischerei-Praxis

+++   Gemeinsame Presse-Erklärung  +++   Gemeinsame Presse-Erklärung  +++
BUND Mecklenburg-Vorpommern - Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. - Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e. V.

Schwerin, München, Quickborn, 5. März 2008  – Gefährdung des Ostsee-Schweinswals durch Stellnetz-Fischerei weiterhin zu hoch: die Mehrzahl der Netze hat keine akustischen Warnsignale!

Umweltverbände halten die bislang eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz des Schweinswals in der Ostsee für unzureichend. Nur ein sehr geringer Teil der Fangflotte in Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit auf schweinswalfreundlichere Fischfangmethoden umgestellt, sagen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Mecklenburg-Vorpommern, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM) in einer gemeinsamen Erklärung.

Gestrandeter SchweinswalBesorgniserregend sind in jüngster Zeit die Funde toter Schweinswale an der Ostseeküste: ihre Zahl hat sich gegenüber den Werten der letzten 10 Jahre verdreifacht! Fast 60 tote Tiere wurden im Laufe des Jahre 2007 an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns registriert. Diese Zahlen sind erschreckend, denn sie liegen deutlich über der natürlichen Vermehrungsrate. Von der östlichen Unterart des Ostseeschweinswals gibt es nur noch 200 bis 600 Tiere. Damit gehört sie zu den in Europa am stärksten gefährdeten Kleinwal-Populationen.

Der Haupt-Gefährdungsfaktor für den Schweinswal ist die Fischerei mit Grundstellnetzen, in denen die Kleinwale regelmäßig ertrinken. Um diese Gefahr zu reduzieren, können an die Netze so genannte 'Pinger', akustische Abschreckungsgeräte, angebracht werden. Die Anbringung derartiger Pinger ist nach einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2004 allerdings nur für Fischkutter ab 12 m Länge vorgeschrieben. "Kleinere Boote bringen zwar die gleichen Netze aus wie größere Boote, doch die zugrunde liegende EU-Verordnung ist stark Fischerei-freundlich ausgerichtet und widerspricht völlig dem heutigen Wissensstand zum Thema Schweinswal-Schutz", sagt Ursula Karlowski, Vorstandsmitglied des BUND MV. "Die umfangreichen Schutzbestimmungen für den Kleinwal in unserer Ostsee laufen dadurch ins Leere!"

Entsprechend der EU-Verordnung müssen auch in MV bereits seit Januar 2007 Pinger an den Stellnetzen der größeren Boote angebracht werden. Laut Pressemitteilung des Umweltministeriums vom 25.2.08 geschieht dies erst jetzt, über ein Jahr später.

In MV besitzen laut Aussage des Ministers für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Till Backhaus maximal 35 Fischkutter eine Länge von über 12 m. Die große Mehrzahl der Fischerei-Fahrzeuge wird daher nicht von der Regelung erfasst: 850 Boote dürfen weiterhin ihre Stellnetze ohne jede Schutzvorkehrung für Schweinswale ausbringen.

"Wenn nur einige Netze mit Pingern ausgerüstet werden, können die Tiere von den Geräuschen geradezu in die Pinger-freien Netze getrieben werden", warnt der Meeresbiologe Sven Koschinski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine.

Die Umwelt- und Naturschutzverbände BUND, GRD und GSM fordern den sofortigen und vollständigen Ersatz der todbringenden Grundstellnetze durch die Einführung einer schweinswalfreundlichen Fischerei-Praxis. Dazu zählen Langleinen, Fischfallen und Kammer-Reusen. "Beim Einsatz von Kammer-Reusen können in die Netze geratene Kleinwale zum Atmen an die Oberfläche kommen und von den Fischern lebend in die Freiheit entlassen werden", sagt Koschinski. "Diese Fischereiform ist in Dänemark üblich. Ein Nebeneffekt ist, dass Wissenschaftler versehentlich gefangenen Walen sogar noch Sender anbringen können, um so genauere Daten zu ihrem Verhalten zu bekommen."

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SOS für Schweinswale - Über 140 tote Tiere in 2007!!!

08.01.2008 - Quellen: welt.de|fr-online.de|zeit.de|GRD|dpa|lno|GSM - "Für Schweinswale in der Ostsee war 2007 ein sehr schlechtes Jahr", berichtet die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM). Strandfunde entlang der deutschen Küste zwischen Flensburg und Greifswald belegen, dass 2007 ein trauriges Rekordjahr war: über 140 der "Kleinen Tümmler", wie der quirlige Meeressäuger auch heißt, sind umgekommen. Diese Bilanz ist dramatisch. "Es wurden weit mehr als doppelt so viele Kadaver angetrieben wie 2006", sagt Hans-Jürgen Schütte, der das GSM-Projekt "Wassersportler sichten Schweinswale" koordiniert.

toter SchweinswalDie Todesursachen sind fast immer anthropogen, von Menschen gemacht. Der sensible Lebensraum Ostsee ist zu einer Wasserstraße mit starkem Schiffsverkehr verkommen, von Schadstoffen aus Industrie und Landwirtschaft verschmutzt und überdüngt. Kriegsaltlasten, militärische Übungen und die Ausbeutung von Bodenschätzen wie Kies und Sand, Öl und Erdgas, machen das einzigartige Ökosystem buchstäblich lebensfeindlich.

Mit jährlich rund 65.000 Frachtschiffen gilt die vergleichsweise kleine Ostsee als eines der meist befahrenen Meere der Welt. Auch eine Schwächung des Immunsystems durch Giftstoffe aus in der Ostsee in großen Mengen lagernden Munitionsaltlasten - darunter auch erhebliche Mengen an Giftgas - können nach Ansicht der GRD nicht ausgeschlossen werden.

Bei vielen der Todfunde handelt es sich um Weibchen. Sie sind nach der Geburt anfällig für Infektionen. Besonders tragisch ist dabei, dass den verwaisten Babywalen nicht geholfen werden kann. "Die Muttermilch der Schweinswale kann nicht künstlich hergestellt werden. Wir baten bei einem Fall das Delphinarium in Holland um Hilfe, aber die Spezialisten dort erklärten uns, dass es keine Rettung gäbe, solange sie auf Muttermilch angewiesen sind", bedauert Klaus Harder, Meeresbiologe im Meeresmuseum Stralsund. Aber nicht nur Weibchen sterben nach der Geburt, jährlich verenden viele der Kleinwale in Fischernetzen, andere verlieren die Orientierung wegen des zunehmenden Unterwasserlärms. Verhängnisvoll für ein Tier, dass ein feines Gehör nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Orientierung nutzt.

toter SchweinswalHader berichtet auch, dass noch vor wenigen Jahren weniger tote Kleinwale an den Ostsee-Stränden gefunden wurden. "Im letzten Jahr registrierten wir rund 40 Tiere, das waren doppelt so viel Funde wie in den Vorjahren", und führt einen weiteren Grund für den Anstieg der Schweinswalfunde an: Strandbesucher und Fischer seien zunehmend sensibilisiert und würden immer mehr Tiere den Behörden melden. Die Tiere werden im Meeresmuseum gesammelt und zunächst tiefgefroren. Ein- bis zweimal im Jahr werden die Kadaver seziert und Gewebeproben entnommen. Von deren Analysen erhoffen sich die Forscher weitere Informationen zu den Todesursachen. Um mehr Informationen über die Population der Tiere zu erlangen, planen die Forscher nun den Einsatz von fliegenden Drohnen.

Sollte es sich bei den Todfunden um Tiere aus der Gruppe handeln, die sich als selbstständige Population in der zentralen Ostsee gebildet hat und an der so genannten Darßer Schwelle heimisch geworden ist, dann wäre dies eine mehr als bedenkliche Entwicklung. Dort leben zwischen 200 und 600 Schweinswale, die nach Ansicht von Experten eine eigene Unterart darstellen. Sie mischen sich nicht mit dem als stabil bewerteten Bestand der rund 230.000 Nordsee-Schweinswale. "Jedes tote Tier ist ein dramatischer Verlust an genetischem Material", sagte der Fachbereichsleiter Meeresbiologie vom Bundesamt für Naturschutz, Henning von Nordheim.

toter Schweinswal an dessen Schwanzflosse ein Backstein gebunden warNach Ansicht der GRD müssen unbedingt weitere Einflüsse wie Beifang, Nahrungsmangel durch Überfischung oder Meeresverschmutzung genauer untersucht werden: "Wenn es sich tatsächlich mehrheitlich um die so genannten 'Deutschland-Wale' handelt, dann ist diese kleine Population jetzt noch stärker gefährdet, vielleicht sogar dem Untergang geweiht", erklärt die GRD.

Um aktuelle Informationen über die Population der Ostsee-Schweinswale zu erlangen, plant das Bundesamt für Naturschutz zusammen mit dem Meeresmuseum ein einzigartiges Pilotprojekt. Sie wollen eine neuartige Technologie testen, bei der unbemannte Flugobjekte, so genannte Drohnen, die Population der Schweinswale exakter erfassen. Diese Technik stecke zwar noch in den Kinderschuhen, werde aber bereits von Fachkollegen am Great Barrier Reef vor der Küste Australiens getestet.

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Toter Schweinswal mit Backstein an der Schwanzflosse am Ostseestrand gefunden!

Logo GSM20.06.2007, Quelle: GSM - Ein erschreckender Fund wurde am 20. Juni mittags bei der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) gemeldet. Am Fischlegerstrand bei Damp (Eckernförde) an der Ostsee wurde ein toter Schweinswal in Höhe Campingplatz Koralle angespült, an dessen Schwanzflosse ein Backstein gebunden war! Gino Vecchione, der den traurigen Fund der GSM mitteilte: "Der Schweinswal war so 1,20 Meter lang. Zunächst dachte ich, es sei ein Delfin, er hatte wohl schon länger im Wasser gelegen."

Der Wal war vermutlich einem Fischer ins Netz gegangen, der ihn nicht nur wieder ins Wasser befördert hat, sondern auch sicher gehen wollte, dass der Kadaver nicht entdeckt wirdDazu Hans-Jürgen Schütte von der GSM: "Der Wal war vermutlich einem Fischer ins Netz gegangen, der ihn nicht nur wieder ins Wasser befördert hat, sondern auch sicher gehen wollte, dass der Kadaver nicht entdeckt wird".

Seit die GSM nicht nur Lebend-Sichtungen sondern auch Totfunde registriert, wird auffällig, dass viele gestrandete Tiere gefunden werden.

Die Meeresbiologin Petra Deimer sagt dazu: "Wir wissen, dass kein Fischer absichtlich die geschützten Schweinswale töten will. Es sind Beifänge. Es wäre aber für die Wissenschaft wichtig, auch solche Opfer untersuchen zu können - und für die Statistik zu registrieren."

Der Schweinswal in der Ostsee ist vom Aussterben bedroht. In jedem Jahr sterben mehr Tiere eines unnatürlichen Todes, als geboren werden. Das kann kein Bestand verkraften.

Kontakt: Petra Deimer + Hans-Jürgen Schütte (GSM): Tel.: 04106 - 4712

GSM-Projekt: Schweinswalbeobachtungen in der Ostsee melden
© Foto: Gino Vecchione

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Wie Sandaale Schweinswal- und Seevogelpopulationen beeinflussen

gestrandeter SchweinswalJanuar 2007 - Quellen: Walter Karpf (GSM) / GRD-Presse - Dieses Problem für die Schweinswale hatte keiner erwartet. Und es zeigt, wie komplex die Zusammenhänge des marinen Lebens sind: Eine Gruppe britischer Wissenschaftler hat herausgefunden, dass wegen der Klimaerwärmung die Zahl der Sandaale an den schottischen Küsten drastisch zurückgeht. Und dass deswegen in dieser Region die Schweinswale verhungern.

Der Meeresbiologe Colin D. McLeod aus St. Andrews in Schottland ist sehr besorgt. In den letzten Jahren werden vermehrt verhungerte Schweinswale an den schottischen Küsten angespült. 2002 und 2003 zeigten bereits ein Drittel der Todfunde aus dem Frühjahr deutliche Zeichen von Unterernährung. Im Vergleichszeitraum 1993 bis 2001 waren es lediglich 5%. Es folgte eine langjährige Detektivarbeit, um den Gründen dafür auf die Spur zu kommen.

Gammelfischerei, z.B. für die Produktion von FischmehlMcLeod ist überzeugt, dass die Schweinswale der Klimaerwärmung und Überfischung zum Opfer fallen. In der schottischen Nordsee sind Schweinswale besonders im Frühjahr auf die fettreichen Sandaale als Nahrung angewiesen. Die kleinen Wale haben nur begrenzte Energiespeicher und müssen gerade im Frühjahr, wenn das Wasser der Nordsee noch sehr kalt ist und vor der Geburt ihrer Jungen qualitativ hochwertige Nahrung zu sich nehmen.

Durch die Erwärmung der Nordsee um durchschnittlich 1,4 Grad in den letzten 40 Jahren wandern Fischarten wie der Kabeljau und Sandaal aus der Nordsee ab. Einwanderer aus dem Süden wie die Große Schlangennadel kann das Fehlen von Beute für Kleinwale und Seevögel nicht kompensieren, erklärt McLeod in seinem in der Fachzeitschrift "biology letters" im Januar veröffentlichten Bericht.

Die Forscher der Universität von Aberdeen und des Scottish Agricultural College sind erstaunt darüber, dass die Schweinswale so unflexibel auf die Knappheit ihrer gewohnten Beute reagieren und nicht auf andere Fischarten umsteigen. Die GSM-Vorsitzende und Meeresbiologin Petra Deimer sagt dazu, dass neben der Klimaveränderung selbstverständlich noch ein ganz anderes, gravierendes Problem hinzukommt, der übermäßige Fischfang: "Die Industrie- oder Gammelfischerei, z.B. für die Produktion von Fischmehl, ist an einer solchen Nahrungs-Kettenreaktion schuld. Es ist ein Skandal, dass die moderne Fischerei noch immer nicht als eklatanter Eingriff in das sensible Ökosystem Meer verstanden wird - mit dramatischen Folgen, wie man Die Industriefischerei hat die Situation für die Kleinwale in der nördlichen Nordsee noch verschärftsieht".

Zusätzlich zum Klimawandel hat die Industriefischerei die Situation für die Kleinwale in der nördlichen Nordsee noch verschärft. 1997 wurden noch 1,1 Million Tonnen Sandaale in der Nordsee gefischt. 2006 waren es nur noch 266.000 t (trotz einer Empfehlung von Fischereiforschern, die Fischerei ganz zu schließen). Aus ihnen macht man das Futter für in Fischfarmen gemästete Arten wie Lachs, Wolfsbarsch oder Thunfisch.


Dreizehenmöve mit SchlangennadelÄhnlich wie diese Meeressäuger sind auch Nordsee-Seevögel vom Rückgang der Sandaale betroffen.

Zu diesem Ergebnis waren bereits im vergangenen Sommer Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt gekommen. In einer vierwöchigen Forschungsreise an Bord der "Walther Herwig III" in die Nordsee hatten sie festgestellt, dass die Zahl der Großen Schlangennadel drastisch zugenommen hat, und dass Seevögel anstelle der selten gewordenen Sandaale nährstoffarme Schlangennadeln fangen. Dass sie diese Beute, die verwandt ist mit den Seepferdchen, aber nicht hinunterwürgen können.

Die Folge: Es wurden Seevögel-Nester mit verhungerten Küken darin entdeckt, deren Eltern versucht hatten, sie mit Schlangennadeln zu füttern.

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Vorkommen und Schutz von Schweinswalen in den Territorialgewässern Mecklenburg-Vorpommerns, C. Herrmann, LUNG MV

Wie neueste genetische Untersuchungen (Tiedemann 2007) als auch Untersuchungen über den Aktionsraum von Schweinswalen mittels Satelliten-Telemetrie (Sveegaard et al. 2007) zeigen, lassen sich in der Ostsee zwei separate Schweinswalpopulationen unterscheiden: Eine lebt in den inneren dänischen Gewässern (Kattegatt, Beltsee, Öresund, Mecklenburger Bucht), die andere in der zentralen Ostsee. Die genaue geografische Abgrenzung beider Populationen ist nicht endgültig geklärt.....
-> -> Download der Untersuchung pdf (340kb)

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Keine Stellnetze im Schweinswalschutzgebiet vor Sylt!

Gemeinsame Pressemitteilung von: NABU Schleswig-Holstein, GRD und Deutscher Umwelthilfe (DUH)

18.03.2004 - DUH, GRD und NABU-SH haben den zuständigen Minister für Umwelt, Natur und Landwirtschaft aus Schleswig-Holstein, Klaus Müller, aufgefordert, Stellnetze jeglicher Höhe aus dem Schweinswalschutzgebiet vor Sylt zu verbannen: "Ein Schutzgebiet, in dem Schweinswale ganz legal als Beifang getötet werden dürfen, ist eine Farce und eine Blamage für Deutschland von internationaler Tragweite".

Das zuständige Ministerium in Kiel stützt die Pro-Stellnetz-Gesetzesvorlage auf eine dänische Studie. Diese Studie hat zwar zum Ergebnis, dass in den untersuchten Seezungennetzen kein Beifang beobachtet wurde, während Wissenschaftler in den höheren Schollennetzen 21 tote Wale zählten. Allerdings weisen die Forscher ausdrücklich darauf hin, dass die Netz-Höhe nicht unbedingt ausschlaggebend dafür war, ob Schweinswale mitgefangen wurden oder nicht.

Die untersuchten Schollen- und Seezungennetze unterschieden sich noch in wesentlichen anderen Merkmalen wie Maschenweite, Jahreszeit, Ort und Stellzeit. "Somit verbietet sich allein aus wissenschaftlichen Gründen ein direkter Vergleich dieser Netze, wenn man nur den Faktor Netzhöhe betrachtet", argumentieren die Naturschutzverbände.

Ausgerechnet im einzigen europäischen Schutzgebiet speziell für Schweinswale, das 1999 im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vor Sylt eingerichtet wurde, soll auch in Zukunft mit Grundstellnetzen gefischt werden dürfen.

Diese Art von Netzen ist verantwortlich für den Beifang-Tod von jährlich sechs- bis achttausend Schweinswalen in der Nordsee, vor allem in Dänemark und England.

Eine derzeit erarbeitete Anpassung der Küstenfischereiordnung des Landes Schleswig-Holstein böte zwar die einmalige Chance, die für die Schweinswale tödlichen Fanggeräte wenigstens aus dem Walschutzgebiet zu verbannen, ein aktueller Gesetzentwurf sieht jedoch vor, dass Stellnetze bis zu einer Höhe von 1,30 m (bei gestreckter Masche) erlaubt bleiben, weil diese angeblich harmlos seien. Außerhalb des Schutzgebietes, aber immer noch im Nationalpark, dürfen natürlich weiterhin höhere Netze gestellt werden.

Ein aktueller Bericht der Bundesforschungsanstalt für Fischerei zeigt dann auch, dass entgegen den Annahmen des schleswig-holsteinischen Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums sogar in der deutschen Seezungenfischerei in 40 cm hohen Netzen mindestens zwei Schweinswale mitgefangen wurden.

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass aus dem Schutzgebiet sämtliche Netze verbannt werden. Auch über Höhenbeschränkungen von Stellnetzen und andere Maßnahmen außerhalb des Schutzgebietes sollte nach Ansicht der Naturschützer dringend nachgedacht werden.

Interessanterweise heißt es in einer Veröffentlichung des zuständigen Umweltministeriums aus 2001: "Eine optimale naturschutzfachliche Regelung muss beinhalten: ein Verbot von Treibnetz- und Stellnetzfischerei jeglicher Art (dies betrifft dann sowohl die Industriefischerei als auch die Fischerei auf Speisefische) und das Verbot der Industrie- und Gammelfischerei mit Schleppnetzen...".

Es ist niemandem vermittelbar, dass in einem Schweinswalschutzgebiet auch nur irgendeine Form der Stellnetzfischerei stattfindet. Schließlich liegt es in der Natur eines Walschutzgebietes, dass dort Wale umfassend geschützt werden sollen.

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EU-Verordnung lässt Schweinswalen in der Ostsee keine Chance!

März 2004 - "Die Chance, Kleinwale in der EU zu schützen, wurde wieder einmal verspielt", so das Fazit der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) über die neue EU-Verordnung zum Schutz von Kleinwalen. "Die wirtschaftlichen Interessen der fischereiorientierten Länder hatten, wie üblich, Vorrang vor dem Naturschutz", beklagt die GRD, die die Verordnung analysiert und erschreckende Fakten aufgedeckt hat.

Wesentliche Punkte des ursprünglichen Verordnungsentwurfs wurden verwässert. So wird es nun doch keine Längenbeschränkungen für Treibnetze in der Ostsee geben. Das ursprünglich für 2007 geplante Verbot dieser für den Lachsfang eingesetzten meist 15 bis 21 Kilometer langen Netze tritt erst ab 2008 in Kraft. Ab nächstem Jahr soll der Einsatz lediglich schrittweise reduziert werden. Die für Schweinswale allgemein als größte Gefahr eingeschätzten Grundstellnetze werden überhaupt nicht beschränkt.

Des Weiteren ist ein Beobachterprogramm zur Überwachung des Beifangs von Kleinwalen und Seevögeln in bestimmten Fischereien vorgesehen. Im Gegensatz zum Entwurf sind allerdings Boote bis zu 15 Meter Länge sowie Schiffe, die so genannte Vergrämer (Pinger) einsetzen, ausgenommen.

Der obligatorische Einsatz von Pingern gilt ab dem nächsten Jahr in der Nordsee und im Kattegat für Steinbuttnetze und die Wrackfischerei. In der Ostsee sind nur Stell- und Treibnetzfischer in zwei kleinen Gebieten vor der südschwedischen Küste betroffen. Ab 2007 soll das Gebiet bis zur Mecklenburg - Vorpommerschen Küste erweitert werden. Der Pferdefuß dabei ist, dass diese Regelung nur für Kutter ab 12 Meter Länge gilt.

"Ein unsinniges Regelwerk sorgt dafür, dass nur maximal 2 % der deutschen Stellnetzfischer Pinger einsetzen müssen. Und der Erfolg dieser Maßnahme muss noch nicht einmal überwacht werden, da Fischer, die Pinger einsetzen, vom Beobachterprogramm ausgenommen sind", erklärt der Meeresbiologe und Schweinswalexperte Sven Koschinski.

Die akustischen Warngeräte sind nach seiner Ansicht noch nicht hinreichend auf ihre möglicherweise negativen Folgen untersucht. So kann es bei den Tieren zur Gewöhnung kommen oder zur Vertreibung aus Teilen ihres Lebensraums. "Wenn nur ein Teil der Netze Pinger tragen muss, kann es auch zu Scheucheffekten von lauten in stille Netze kommen, die den Beifang möglicherweise noch erhöhen", so Koschinski.

Die vermutlich nur noch 600 Tiere der vom Aussterben bedrohten Schweinswalpopulation in der zentralen Ostsee werden ihrem Schicksal überlassen, denn für sie finden sich keine Schutzmaßnahmen in der neuen Verordnung.

Auch die Schleppnetzfischerei, die im Atlantik für den tausendfachen Tod von Delfinen verantwortlich ist, muss außer einem Beobachterprogramm keine Maßnahmen umsetzen.

Weltweit verenden nach offiziellen Schätzungen jährlich etwa 300.000 Meeressäugetiere in Fischereinetzen, vor allem Delfine und Schweinswale.Allein in Stellnetzen in der Nord- und Ostsee finden so jedes Jahr über 8000 Schweinswale einen qualvollen Tod. Die von der EU selbst gerühmten Schutzmaßnahmen werden daran leider nicht viel ändern. "Die Politik schaut also weiterhin nur zu. Wenn man lange genug wartet, brauchen wir keine Schutzmaßnahmen mehr", warnt die GRD.

Die ausführliche GRD-Stellungnahme zum Download: PDF (ca. 170KB)pdf

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Meeressäuger - Cetaceen