18.12.2007 | Quelle:tagesanzeiger.ch|F.Grotelüschen|GRD - Delfine besitzen eine Art sechsten Sinn: Um ihre Beute aufzuspüren, verfügen sie wie die Fledermäuse über ein Echolot. Forscher aus Hawaii haben diese Fähigkeit nun eingehender untersucht - und kamen zu einem wenig überraschenden Resultat: Mit ihrer Echo-Ortung können Delfine die Umwelt räumlich erkennen.
Mit wissenschaftlichen Versuchen mit einem dressierten Großen Tümmler im Laborbecken der Universität Hawaii wollte der Tierforscher Brian Branstetter herausfinden, wie sich Delfine mit Hilfe der Echo-Ortung orientieren. "Die Echo-Ortung dient hauptsächlich zur Nahrungssuche", sagt Branstetter. "Aber auch sonst sind Delfine ständig damit beschäftigt, ihre Umgebung zu scannen." Dabei senden die Tieren mit ihrem Vorderkopf laute, hochfrequente Schallimpulse aus, die Experten bezeichnen sie als Clicks. "Werden diese Clicks von irgendetwas reflektiert, etwa von einem Fisch, fangen die Delfine die Echos auf und können daraus Informationen extrahieren", erläutert Branstetter.
Mit Hilfe dieser Echo-Ortung kann ein Delfin seine Beute selbst dann finden, wenn er nichts sieht. Er kann buchstäblich im Trüben fischen - und auch im Dunkeln. Nur: Wie präzise die Echo-Ortung funktioniert, war bislang noch nicht bekannt. Und genau das wollten Branstetter und seine Kollegen mit ihren Versuchen herausfinden. "Das läuft ähnlich wie bei einem Sehtest", beschreibt der gelernte Psychologe. "Mit einem Unterschied: Wir decken die Augen des Delfins ab. Er muss sich also ausschließlich mit Hilfe seiner Echo-Ortung zurechtfinden." Auf einer Distanz von einem Meter kann ein Delfin Dinge bis auf einen Zentimeter genau orten - so das Ergebnis eines Versuchs von Brandstetter und seinem Team.
Aus einem weiteren Versuch folgert Branstetter, dass die Echo-Ortung in 3 D statt wie bislang vermutet nur zweidimensional funktionieren muss: Mit seinen Clicks vermag der Delfin die räumliche Gestalt eines Beutefisches oder auch eines Angreifers ziemlich genau zu erkennen. Und diese Eigenschaft ist gerade in trüben und dunklen Gewässern überaus nützlich. "Einige der Beutefische sind ziemlich klein und schwimmen dicht beieinander in Schwärmen", sagt Branstetter. "Der Delfin braucht also ein gutes räumliches Erkennungsvermögen, um sich einen kleinen Fisch in einem großen Schwarm zu schnappen."
Und: Delfine können mit ihrer Echo-Ortung sogar Fische aufspüren, die im Boden vergraben sind. Die Meeressäuger können durch den Sand hindurchschallen, die Beute an ihrer Form erkennen - und dann genüsslich auffressen.
Publikation von Brian Branstetter | 154th ASA (Acoustical Society of America) Meeting, New Orleans, Los Angeles: http://www.acoustics.org/press/154th/branstetter.html
Februar 2001 - Quelle: bdw - Schon lange wurde vermutet, dass Delfine mit ihren Klicklauten in der Lage sind, ihre Beutetiere zu betäuben, ja sogar töten zu können. Jetzt haben Ken Marten von der Umweltschutz-Organisation "Earthtrust" in Hawaii und Denise Herzing von der Atlantik-Universität im "Journal of Aquatic Mammals" ihre Beobachtungen zu diesem ungewöhnlichen Jagdverhalten der Meeressäuger veröffentlicht.
Auf Videoaufnahmen beobachtete Marten, wie Delfine auf der Heringsjagd Klicke genau in der Tonlage ausstießen, bei der Heringe am empfindlichsten hören. Das zerstöre deren Hörapparat, sagt der Forscher. In Versuchen beschallte Marten einen Sardellenschwarm mit künstlichen Delfin-Klicks.
Der Schwarm begann orientierunslos im Kreis zu schwimmen, einige Fische erstarrten, andere starben. Herzing filmte Delfine, die klickend über Sandbänke auf dem Grund des Atlantiks schwammen. Manchmal sprangen versteckte Aale aus dem Sand und blieben erstarrt vor den gefräßigen Mündern der Delfine stehen. "Vielleicht war es in den Verstecken einfach zu laut", schreibt Herzing.
Juli 2001 - Quellen: Spiegel-Online/bdw - Fischer, die mit Ultraschallsendern an ihren Booten Delfine verjagen wollen, machen möglicherweise einen großen Fehler. Nicht die Meeressäuger, sondern der eigentliche Fang könnte vergrault werden.
Bislang nahmen Meeresbiologen an, dass die meisten Speisefische die hohen Töne, die verhindern sollen, dass sich Delfine in den Netzen verfangen, gar nicht hören und daher auch nicht auf sie reagieren. Doch manche Fischarten haben offenbar ein deutlich besseres Gehör als bislang angenommen: Studien amerikanische Meeresbiologen zufolge kann der Menhaden-Hering, mit einer Fangmenge von 21 Prozent immerhin der zweitwichtigste Fisch für die US-Fischfangflotte, auch Tönen im Bereich des Ultraschalls lauschen.
Wie ein Forscherteam um David Mann vom Mote Marine Laboratory im "Journal of the Acoustical Society of America" berichtet, kann die Heringsart Frequenzen bis zu einer Höhe von 80 Kilohertz wahrnehmen. Bei den meisten anderen Fischen ist - wie auch beim Menschen - viel früher Schluss. Sardellen, Sardinen oder andere Heringsarten hören nur Töne bis zu vier Kilohertz. Lediglich Alse, die mit rund 50 Zentimetern Länge zu den größten Heringsfischen gehören, können, wie David Mann bereits 1997 herausgefunden hat, ebenfalls Ultraschall wahrnehmen.
Warum sich die verschiedenen Heringsarten trotz eines weitgehend identischen Hörsystems derart unterscheiden, stellt die Forscher vor ein Rätsel. Alle Fische besitzen eine luftgefüllte Schwimmblase, in der Schallwellen Resonanzen auslösen können. Diese Schwingungen werden dann von einem dem menschlichen Innenohr vergleichbaren Organ aufgenommen.
Wahrscheinlich hat sich bei Menhaden-Heringen und Alsen im Laufe der Zeit das Innenohr verändert. David Mann und seine Kollegen vermuten, dass Delfine hierfür verantwortlich sein könnten. Die Meeressäuger, einer der Hauptfeinde der Fische, kommunizieren und navigieren mittels Ultraschall. Diese Töne zu hören, kann für die Fische also überlebenswichtig sein.
Doch nicht nur Delfine, auch der Fischfang könnte unter den empfindlichen Ohren der beiden Fischarten leiden. Viele Boote sind mit kleinen Ultraschallsendern ausgerüstet, deren primäres Ziel es ist, Delfine von den Netzen fern zu halten. Ob das funktioniert, bezweifeln die Meeresbiologen allerdings. Möglicherweise, so die Vermutung von David Mann, meiden die Säugetiere die Netze einfach deshalb, weil sie andere Tiere jagen: die von den Ultraschallsendern abgeschreckten Menhaden-Heringe.