Intelligenz und Sozialverhalten bei Delfinen

Delfin "Moko" rettet vor Neuseeland zwei gestrandete Wale

12.03.2008 Wellington | Quellen: AFP/dpa — Ein Delfin ist in Neuseeland durch eine beispiellose Wal-Rettung zum Helden geworden. "Moko", ein Großer Tümmler, schwamm zu zwei gestrandeten Zwergpottwalen am Strand von Mahia, "kommunizierte" mit ihnen und geleitete sie sicher aufs offene Meer hinaus, wie der Umweltschutzbeamte Malcolm Smith berichtete. "Ich habe noch nie von so etwas gehört, es war erstaunlich." "Moko", ein Weibchen, ist den Anwohnern des Mahia-Strandes an der Ostküste der Nordinsel wohlbekannt, da sie oft mit den Badenden spielt. Sie taucht seit einem Jahr immer wieder dort auf. Wie die Rettungsaktion der gestrandeten Wale zustandekam, ist den Umweltschützern jedoch ein Rätsel. "Verblüffend, als hätte der Delfin sie bei der Flosse genommen und in Sicherheit gebracht", sagte Smith der neuseeländischen Nachrichtenagentur.

Bei La Gomera gestrandeter ZwergpottwalMalcolm Smith war am Montagmorgen alarmiert worden, weil eine drei Meter lange Zwergpottwalkuh und ihr 1,5 Meter langes Kalb gestrandet waren. Die Tiere hatten offenbar wegen einer Sandbank die Orientierung verloren. "Anderthalb Stunden lang schob ich sie mehrmals wieder in Richtung Meer, aber sie wollten sich nicht vom Strand fortbewegen", berichtete der Umweltschutzbeamte. Sie warfen sich immer wieder auf den Strand. Vorgelagert ist eine Sandbank, die Walen die Orientierung schwer macht.

"Mir wurde langsam sehr kalt, nass war ich auch, und die Wale wurden immer müder. Ich war schon soweit zu denken, ich muss aufgeben, ich habe getan, wass ich konnte", berichtete Smith. In solchen Situationen werden Wale oft eingeschläfert, um ihrem Leiden ein Ende zu machen.

Doch diesmal kam es anders. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich "Moko" auf, und Smith hörte Geräusche, die der Delfin und die Wale machten. Die Wale seien schon geschwächt und nervös gewesen, als sie plötzlich "Mokos" Rufe hörten. "Sie nahmen Kontakt zu dem Delfin auf, gingen sofort unter Wasser und folgten ihm und "Moko" begleitete sie praktisch 200 Meter weit an der Sandbank entlang. Dort mussten sie eine 90-Grad-Wendung machen und durch eine ziemlich schmale Stelle schwimmen. So brachte der Delfin die Wale aufs offene Meer", sagte Smith. Er habe sie seither nicht mehr gesichtet und gehe deshalb davon aus, dass sie wohlauf und in Sicherheit seien.

"Was das für eine Kommunikation war, weiß ich nicht, ich wusste nicht, dass Delfine mit Zwergpottwalen kommunizieren können, aber irgendetwas ist geschehen, das es Moko ermöglichte, diese beiden Wale in Sicherheit zu bringen." "Ich weiß nicht, ob wir sie beim nächsten gestrandeten Wal vielleicht rufen können", sagte Smith. "Diesmal hat sie uns jedenfalls gerettet."

back to top back to top

 

Fluss-Kavaliere mit Wasserpflanzenbüscheln

06.12.2007 | Quelle: ddp/wissenschaft.de|New Scientist|GRD - Von Meeresdelfinen ist schon länger bekannt, dass sie gerne Seegras oder aufgenommene Schwämme auf ihrem Köper oder der Schnauze herumtragen. Meist wird dieses Verhalten als Spielverhalten interpretiert.

Amazonas Flussdelphin oder IniaBei den Amazonas-Flussdelphinen (Inias) scheinen Forscher nun der Ursache des sonderbaren Körperschmucks auf die Spur gekommen zu sein. Demnach nutzen Inias, ähnlich wie Männer Blumensträuße, Wasserpflanzenbüschel, um eine potenzielle Partnerin zu beeindrucken. Diesen Schluss ziehen britische und brasilianische Forscher aus einer Reihe von Beobachtungen, die sie bei mehr als 6.000 Inia-Gruppen im Amazonas gemacht haben.

Sollte sich die These bestätigen, wären Flussdelfine die einzigen Säugetiere neben den Affen, die solche Geschenke in einem sexuellen Zusammenhang einsetzen. Bisher hatten Wissenschaftler das gelegentliche Herumtragen von Objekten wie Stöcken, Lehmklumpen oder eben auch das Tragen von Pflanzenbüscheln bei Delfinen als reines Spiel interpretiert

Von den insgesamt beobachteten 6.026 Delfingruppen stießen die Forscher bei 221 dieser Gruppen auf mindestens einen Delfin, der irgendein Objekt in der Schnauze trug. Interessanterweise waren fast alle dieser Tiere erwachsene Männchen und nicht, wie es bei spielerischem Verhalten zu erwarten gewesen wäre, Jungtiere oder Weibchen. Zudem lag die Wahrscheinlichkeit für aggressives Verhalten unter den männlichen Inias dieser Gruppen bis zu vierzigmal höher als in den anderen.

Auch genetische Analysen deuten auf einen sexuellen Hintergrund hin: Die Männchen, die am häufigsten Dinge in der Schnauze hielten, gehörten auch zu den fruchtbarsten Vätern. Alles zusammen spricht viel dafür, dass es sich bei dem Herumtragen um Balzverhalten handeln muss.

Ebenfalls bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang, dass das Herumtragen auch in isolierten Gruppen beobachtet wurde. Demnach muss das Verhalten entweder sehr alt sein oder sich unabhängig voneinander mehrmals entwickelt haben.

back to top back to top

 

Von Tümmlern und Marinefliegern geretteter Seemann leider verstorben

20.01.2007 - Quelle: kn-online.de / GRD - Auf tragische Weise hat ein 54jähriger russischer Bootsmann trotz seiner spektakulären Rettung sein Leben verloren. Der Mann war am 19.01.2007 gegen 08:35 Uhr aus noch ungeklärter Ursache in der Elbmündung von Bord des russischen Massengutfrachters "Lena" ins Wasser gefallen. Sofort nach dem den Notruf startete um 9 Uhr von Helgoland der Hubschrauber "Rescue 8960" des Marinefliegergeschwader 5 aus Kiel.

Um 9.16 Uhr entdeckte die fünfköpfige Hubschrauberbesatzung nahe der gemeldeten Suchposition zwei Tümmler (wahrscheinlich handelte es sich um Schweinswale), die den ohne Schutzkleidung und Schwimmweste im Meer treibenden Seemann aufgeregt umkreisten. Er hatte in der sechs Grad kalten Nordsee bereits das Bewusstsein verloren. Nur noch seine Füße schauten aus dem Wasser. Sofort ließ sich Oberleutnant Frank Swiontek am Seil abwinschen und packte den Seemann.

Während der "Sea King" Kurs auf das Krankenhaus im niedersächsischen Oldenburg nahm, begannen die Soldaten noch im Hubschrauber mit den Wiederbelebungsversuchen. Hieß es zuerst, dass der Seemann trotz einer auf 22 Grad gesunken Körperkerntemperatur ins Leben zurückgeholt werden konnte, gab das Krankenhaus am 23. Januar bekannt, dass der Seemann leider verstorben ist.

Sollte es sich bei den beiden "Tümmlern", die den im Wasser treibenden Körper umkreisten, tatsächlich um Schweinswale gehandelt haben, dann war ihr Verhalten sehr ungewöhnlich und rätselhaft. Delfine, wie zum Beispiel Große Tümmler, retten immer wieder Menschen aus Seenot. Schweinswale dagegen sind außerordentlich scheu und ein derartiges Verhalten ist bei ihnen unbekannt. Es grenzt an ein Wunder, dass sie unmittelbar bei dem Bootsmann blieben. Unklar ist bislang, ob die Tiere den Mann tatsächlich über Wasser hielten oder ob sie nur unmittelbar neben ihm schwammen.

back to top back to top

 

Delfine retten neuseeländische Schwimmer vor Weißem Hai

November 2004 - Quelle: dpa - Eine Gruppe Delfine hat vor der Küste Neuseelands vier Schwimmer vor einem Weißen Hai gerettet. Zunächst sei er überrascht gewesen, als sechs oder sieben der Meeressäuger plötzlich auf die Menschen zugerast seien und "sehr aufgeregt" einen engen Kreis um ihn sowie drei junge Frauen gebildet hätten, sagte Rettungsschwimmer Rob Howes dem Rundfunksender Radio New Zealand. Als er wegschwimmen wollte, habe er bei einem Blick unter Wasser den drei Meter langen Hai "wie eine graue Masse" in nur wenigen Metern Entfernung gesehen. Schließlich habe glücklicherweise ein Rettungsboot die Vier aus dem Wasser geholt.

Die Rettungsschwimmer von Ocean Beach nahe der Stadt Whangarei auf der Nordinsel sind mit den Delfinen vertraut, da sie jeden Sommer einige Male mit den Tieren im Meer spielten, wie Howes von seinem Erlebnis, das bereits drei Wochen zurückliegt, berichtet.

Allerdings habe er die Meeressäuger noch nie so aufgeregt erlebt. "Sie haben ganz enge Bahnen um uns herum gezogen. So etwas haben wir noch niemals zuvor erlebt", sagte Howes. "Ihr Verhalten zeigte, dass sie uns beschützen wollten." Ein anderer Rettungsschwimmer, der die Gruppe geborgen hatte, bestätigte die Angaben seines Kollegen.

Tierforscherin Rochelle Constantine von der Universität Auckland zeigte sich wenig überrascht von dem Einsatz der Tiere. "Eine selbstlose Reaktion ist bei Delfinen recht normal. Sie wollen den Hilflosen beistehen", sagte sie dem australischen Rundfunksender ABC.

Rob Howes wundert sich dennoch: "Fachleute berichten nur davon, dass Delfine schon einmal einzelne Schwimmer schützen, aber nicht gleich eine ganze Gruppe. Ihr Verhalten war seltsam artfremd."

back to top back to top

 

Schwertwal mit Sprachtalent - Orca imitiert Seelöwen

23.08.2006 - Quelle: ddp/wissenschaft.de / Andrew Foote (University of Durham) - Ein britisch-kanadisches Forscherteam hat einen jungen Schwertwal beobachtet, der die typischen bellenden Laute von Seelöwen nachahmen kann. Auch die anderen Lautäußerungen, die der Delfin namens Luna von sich gibt, sind uncharakteristisch für Orcas. Luna lebt bereits seit ihrer Kindheit von ihrer Familie getrennt und hatte daher wahrscheinlich keine Gelegenheit, das klassische Lautrepertoire zu erlernen - ein Effekt, der sich bei vielen isoliert lebenden Meeressäugern beobachten lässt. Dass die Tiere jedoch auch in der Lage sind, artfremde Laute zu erlernen, war bislang nicht bekannt.

Im Gegensatz zu Singvögeln ahmen Säugetiere in freier Wildbahn nur extrem selten fremde Laute nach. Wenn Jungtiere allerdings von Nicht-Artgenossen aufgezogen werden, kann es durchaus zu solchen Sprachvariationen kommen, wie Wissenschaftler beispielsweise bei Belugas, Elefanten und Seehunden beobachtet haben. Von Orcas war dagegen bislang nur bekannt, dass sie die Dialekte anderer Schwertwalgruppen annehmen können und manchmal eigene Lautvariationen entwickeln, wenn sie isoliert aufwachsen.

Als die Forscher Unterwasseraufnahmen der fünfjährigen Luna auswerteten, stießen sie auf eine Reihe von Lauten, die sie zuerst für das Bellen von kalifornischen Seelöwen hielten. Eine genauere Analyse zeigte, dass die kurzen, bellenden Laute ein für Seelöwen völlig untypisches Frequenzspektrum aufwiesen. Auch entstanden einige der Lautäußerungen zu einer Zeit, als sich lediglich Luna, aber kein Seelöwe in Hörweite befand. Außerdem war das Gebell in vielen Fällen in eine Serie typischer Orcarufe eingebettet. Das lässt nach Ansicht der Wissenschaftler nur einen einzigen Schluss zu: Die Laute stammen nicht von Seelöwen, sondern wurden von Luna produziert.

Der junge Delfin hält sich häufig in der Gesellschaft von Seelöwen auf, hatten bereits frühere Studien gezeigt. Die Forscher halten es daher für möglich, dass diese Tiere Luna als Vorbilder beim Erlernen ihres Lautrepertoires gedient haben - vor allem, da sie von ihren eigenen Artgenossen getrennt war. Welche Faktoren sonst noch die Lautäußerungen des Orcas geprägt haben könnten, weiß man noch nicht.

back to top back to top

 

"Hallo ich bin's" - Große Tümmler erkennen sich am Namen

10.05.2006 - Quellen: stx/dpa/rtr/GRD/sda - Die bekannteste Delfinart, der Große Tümmler (Tursipos truncatus), ist abgesehen vom Menschen das einzige Lebewesen, das sich gegenseitig individuelle Namen gibt. Die Information über die Identität eines Tieres ist dabei unabhängig von dessen Stimmlage, berichten Forscher um Vincent Janik von der University of St. Andrews in Schottland in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.

Eine intensive Unterhaltung?Schon als Jungtiere entwickeln Tümmler bekanntermaßen einen individuellen Pfeifton, man spricht vom Signaturpfiff, den sie ihr Leben lang als persönliches Kennzeichen beibehalten. Diese Signaturpfiffe, die aus einer bestimmten Modulation von Frequenzen bestehen, hat das Team um Vincent Janik bei Großen Tümmlern in der Sarasota Bay in Flordia mit Unterwassermikrofonen aufgenommen.

Um im Versuch zu unterscheiden, ob sich die Tiere an ihrem Pfeifton oder an den persönlichen Klangeigenarten ihrer Stimme zu erkennen geben, entfernten die Forscher im Labor die Klangeigenarten der Pfiffe. Jede Lautfolge bekam einen neutralen Klang, so als würden man aus von Menschen gesprochenen Wörtern regionaltypische Akzente und alle anderen stimmlichen Charakteristika herausfiltern. Dabei blieb die Frequenz-Modulation der Pfiffe unverändert. Anschließend spielten sie die synthetischen Rufe jeweils einer Gruppe eng verwandter Tiere und einer Kontrollgruppe von nicht verwandten Tümmlern über Lautsprecher vor.

Tatsächlich reagierten 9 von 14 Tümmler auf die künstlich veränderten Pfeiftöne von engen Verwandten. Die Tümmler wandten jeweils ihre Köpfe dem Lautsprecher zu, wenn der Pfeifton eines nahen Verwandten abgespielt wurde.

Die Tiere erkennen einen Namen also nicht nur dann, wenn der Benannte selbst ihn pfeift. Auch wenn das Pfeifen als Playback vom Band kommt und alle Eigenheiten der Stimme entfernt werden, wissen zumindest miteinander verwandte Tiere, um wen es geht. Das heißt, dass Große Tümmler die Identität von anderen am "Namen" erkennen können und nicht an der Stimme.

Eine Erklärung für die Fähigkeit den "Namen" nur auf Grund seiner essentiellen aktustischen Faktoren zu erkennen, sei, dass wechselnder Wasserdruck eine exakte akustische Identifikation anhand rein stimmlicher Eigenheiten erschwere. Rätselhaft war den Forschern allerdings das Verhalten der fünf Delfine, die keine Reaktion zeigten, möglicherweise sei es eine Motivationsfrage.

Tümmler im SprungFolglich sind Große Tümmler die einzigen bisher bekannten Tiere, die ebenso wie Menschen untereinander Informationen über ihre Identität austauschen, folgern die Wissenschaftler. Das Interessante sei, dass Tümmler ihre Signaturpfiffe wie Wörter nutzten, sagte Saela Sayigh, Mitglied des Forscherteams.

Sie nutzten diese Signale nicht nur um andere Delfine zu identifizieren, es schienen sich sogar zwei Delfine über einen dritten Artgenossen verständigen zu können, indem sie dessen Namen nutzen, meint Sayigh, die an der University of North Carolina Wilmington arbeitet.

Delfine gehören zu den wenigen Säugetieren, die in der Lage sind, gehörte Geräusche zu imitieren. So stießen Forscher schon vor einiger Zeit auf den individuellen Signaturpfiff bei jungen Tümmlern.

Die Gruppenmitglieder, so Janik, wiederholen diesen Pfiff, um mit dem anderen Delfin akustisch in Kontakt zu bleiben. "Sie benutzen ihn vor allem, wenn sie sich gegenseitig nicht sehen können", berichtet Janik. "Es ist immer der gleiche Ruf. Viele würden das als Namen bezeichnen."

back to top back to top

 

Delfine erkennen ihr Spiegelbild

Was vielfach vermutet, bislang wissenschaftlich aber nicht nachgewiesen war, ist jetzt geklärt: Delfine wissen, wer sie sind und können sich folglich auch in einem Spiegel selbst erkennen. Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass Selbst-Erkennen im so genannten Spiegeltest ein erstes Anzeichen für ein höheres Bewusstsein ist. Bislang wurde dieses Ich-Bewusstsein nur Menschen und Menschenaffen wie Gorillas oder Schimpansen und seit November 2006 - was nicht weiter verwundert - auch Elefanten zugesprochen. Bei anderen Tieren wie z.B. Papageien schlugen die Versuche (noch) fehl.

Die Meeresbiologin Diana Reiss und die Verhaltensforscherin Lori Marino von der Emory Universität in Atlanta unterzogen jetzt zwei Große Tümmler dem berühmten Spiegeltest im New Yorker Aquarium und brachten damit erstmals die Fähigkeit der Selbst-Erkenntnis bei Delfinen zum Vorschein. Die Wissenschaftler installierten im Tümmler-Becken Spiegel. Anschließend wurden die Tiere mit einer nichtgiftigen Tinte am Körper markiert oder sie wurden - als Gegentest - nur am Körper berührt, so als ob eine Markierung angebracht worden sei.

Das Ergebnis: Die Tümmler schwammen jedes Mal direkt auf den Spiegel zu, um die Markierung genauer "unter die Lupe" zu nehmen. Dabei drehten und wanden sie sich, um die bemalte Stelle besser sehen zu können. Auf den Trick mit der Berührung fielen sie nicht herein, waren sie "ungeschminkt", verbrachten sie bedeutend weniger Zeit vor dem Spiegel als wenn sie Tinten-Make-Up aufwiesen.

Auch zeigten sie sich relativ wenig interessiert an den Markierungen ihres jeweiligen Kollegen. Die Studie zeige, dass "ein gegenüber Menschen und Menschenaffen völlig unterschiedlich aufgebautes Gehirn zu Dingen in der Lage ist, die man bislang nur diesen zugeschrieben hat", sagt die Evolutionsbiologin Irene Pepperberg von der University of Arizona.

Für alle, die sich intensiver mit den flinken Meeresjägern beschäftigen, sind diese Forschungsergebnisse allerdings keine Überraschung. "Für Tiere mit komplexen sozialen Beziehungen ist es überaus sinnvoll, über Selbsterkennung und Selbstbewusstsein zu verfügen, da sie ständig Entscheidungen über ihr soziales Umfeld treffen müssen", meint Richard Conner von der University of Massachusetts in Dartmouth, der als Erster bei Delfinen so genannte Superallianzen von mehr als 14 Tieren dokumentierte. Immerhin, jetzt ist auch wissenschaftlich untermauert, dass Delfine uns Menschen ähnlicher sind, als viele vermutet haben.
Ulrich Karlowski

Videoclips von den beiden in der Studie eingesetzten Delfinen:
Movie 1  |  Movie 2  |  Movie 3

back to top back to top

 

Großer Lauschangrif: Delfine nutzen die Rufe ihrer Artgenossen zum Navigieren

Dezember 2005 - Quellen: wissenschaft.de/GRD - Delfine sind gute Zuhörer, zumindest, wenn sie auf Reisen sind: Anstatt selber ständig mit ihrem Ultraschallsonar zu navigieren, lauschen sie beim Schwimmen in einer Gruppe lieber den Rufen eines Artgenossen und orientieren sich daran. Dies haben Tübinger Forscher unter der Leitung von Thomas Götz beobachtet. Auf diese Weise sparen die Meeressäuger einerseits Energie und vermeiden es andererseits, durch ein Wirrwarr verschiedener Orientierungslaute ihre Navigation durcheinander zubringen.

Bereits in früheren Studien hatte es Hinweise darauf gegeben, dass Delfine nicht nur ihre eigenen Rufe zu Orientierung auswerten, sondern auch die von Artgenossen. So stoßen einzelne Orcas sehr viel weniger Sonarrufe aus, wenn sie in einer großen Gruppe schwimmen als in einer kleineren, und einem in Gefangenschaft lebenden Tümmler gelang es, Objekte anhand der Rufe eines anderen Delfins zu erkennen. In freier Wildbahn konnte der Lauschangriff jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.

Die Tübinger Forscher analysierten für ihre Studien verschiedene Gruppen von Rauhzahndelfinen vor der Kanareninsel La Gomera. Diese Meeressäuger kennen zwei Arten zu reisen: Entweder schwimmen einzelne Tiere in einem losen Verbund mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten oder sie schließen sich zu einer Gruppe zusammen und stimmen Richtung und Geschwindigkeit aufeinander ab.

Offenbar lauschen die Delfine während dieses Synchronschwimmens tatsächlich ihren Artgenossen, entdeckten die Forscher: beim ungeordneten nebeneinander schwimmen gaben immer mehrere Individuen gleichzeitig die typischen Ultraschallrufe ab. In der synchronen Gruppe war es dagegen fast immer nur ein Delfin - der "Navigator" - der für die nötige Akustik zur Orientierung der ganzen Gruppe sorgte.

Der enge Verbund und die synchronen Bewegungen sind ideal für ein System, bei dem mehrere Delfine einen einzigen Ruf auswerten, schreiben die Forscher. Da die Schwimmrichtung gleich und der Abstand zum nächsten Artgenossen sehr gering ist, ist die Verzerrung des Echos von Tier zu Tier nur gering und außerdem leicht abschätzbar.

Es sei allerdings möglich, dass die Delfine einfach einem der Gruppenmitglieder folgen, ohne sich um die Echos zu kümmern. Das müsse nun in weiteren Studien ausgeschlossen werden.

back to top back to top

 

Delfine haben gute Freunde

November 2005 - Quellen: GRD-/dpa - Zwar haben Große Tümmler richtig gute Freunde, aber sehr viel Zeit verbringen sie auch mit Artgenossen, die eher Zufallsbekanntschaften sind. Das haben britische Forscher bei einer 12 Jahre währenden, von der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) geförderten, Studie von im Nordosten von Schottland lebenden Großen Tümmlern beobachtet.

Der Kontakt zu vielen unterschiedlichen Artgenossen könne den Delfinen helfen, schneller gute Fischgründe zu finden, vermuten die Forscher. Die Wissenschaftler um David Lusseau von der Universität Aberdeen stellten fest, dass jeder Delfin bevorzugte Gefährten, gute Freunde eben, unter seinen Artgenossen hat. Jedoch verbringt man mit diesen in der Regel nicht viel Zeit. Lieber schließen sich die Tümmler anderen Delfinschulen an. Vielleicht, um sich dort was abzuschauen?

Die Forscher vermuten jedenfalls, dass auf diese Weise Informationen über fischreiche Jagdgründe durch eine Art "Mundpropaganda" schneller die Runde machen. Lusseau erklärte, diese flexiblen sozialen Strukturen seien sehr wahrscheinlich von Vorteil bei der Nahrungssuche.

Die im "Journal of Animal Ecology" erschienene Studie zeigte auch, dass die Anzahl der Tiere in einer Delfingruppe im Zusammenhang mit dem Vorkommen an Beutefischen steht.

back to top back to top

 

Junge Delfine bringen ihre Mütter um den Schlaf

Juni 2005 - Quellen: AFP/GRD - Junge Mütter kommen kaum zum Schlafen - das vielen Frauen leidvoll bekannte Prinzip gilt auch in der Tierwelt, zumindest bei Delfinen. Denn Delfinmütter und ihre Neugeborenen schlafen nach der Niederkunft wochenlang, manchmal sogar während mehrerer Monate, überhaupt nicht.

Dieses in der Tierwelt wohl einzigartige Phänomen entdeckten Forscher der Universität in Los Angeles bei Orcas und Großen Tümmlern. Dass die Meeressäuger völlig ohne Schlaf auskommen, zeige dass Ruhepausen entweder nicht so lebensnotwendig sind wie gedacht oder dass die Tiere eine wirkungsvolle Ersatzmethode entwickelten. Diese könnten z.B. darin bestehen, dass sich die beiden Hirnhälften beim Schlafen abwechseln. Während die eine Hirnhälfte aktiv ist, setzt sich die andere zur Ruhe. Dies jedenfalls lassen Hirnstrommessdaten bei zahmen Tümmlern vermuten.

Fünf Monate lang untersuchten die Wissenschaftler unter Gefangenschaftsbedingungen zwei Orcaweibchen und vier Große Tümmler. Sie stellten fest, dass die kleinen Delfinbabys alle drei bis 30 Sekunden an der Wasseroberfläche frische Luft schnappen müssen. Dabei bleiben sie stets im Blickfeld ihrer sie in engem Körperkontakt beschützenden Mütter. Üblicherweise ruhen sich zum Beispiel Orcas täglich fünf bis acht Stunden aus.

Dieses normale Schlafverhalten nahmen die untersuchten Tiere erst nach Monaten wieder auf, wenn auch ihre Kleinen allmählich mehr Ruhe gefunden haben. Bei den Tümmlern dauerte die völlige Schlafpause einen Monat; anschließend normalisierte sich bei ihnen schrittweise der Rhythmus von Schlafen und Wachen.

Ob dieses Phänomen auch bei wild lebenden Tümmlern und Orcas oder anderen Delfinarten auftritt, ist allerdings unklar.

back to top back to top

 

Die Hüterinnen des Wissens: Delfinmütter geben ihre Kenntnisse an ihre Töchter weiter

Juni 2005 - Quellen: ddp/GRD - Junge Delfinweibchen, die in der Shark Bay in Westaustralien leben, lernen den Gebrauch von Werkzeugen zur Nahrungssuche ausschließlich von ihrer Mutter. Er ist ihnen nicht, wie bisher angenommen, angeboren. Dies hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Michael Krützen von der Universität von New South Wales herausgefunden. Alle Weibchen, die diese Jagd-Strategie anwenden, sollen zudem vom selben Vorfahren abstammen, vermuten die Wissenschaftler.

Für die Studie wurden Aufzeichnungen über einen Zeitraum von 14 Jahren über das Verhalten von Großen Tümmlern in der Shark Bay aus gewertet. Elf verschiedene Strategien zur Nahrungssuche konnten bei dieser Delfinpopulation beobachtet werden, bei einer davon kam ein Werkzeug zum Einsatz: Der Delfin nimmt einen Schwamm vom Meeresgrund auf, um damit im sandigen Boden nach Fischen zu suchen. Bislang war aber nicht klar, weshalb nur einige Delfine und dann auch fast ausschließlich Weibchen diese Strategie anwenden.

Die Forscher untersuchten jetzt das Erbgut von 13 Delfinen, die mit Schwämmen ihre Nahrung suchten, und verglichen es mit dem von 172 Delfinen, die keine Schwämme verwendeten. Dabei kamen sie zum dem Ergebnis, dass diese spezielle Verhaltensweise offenbar nicht, wie bislang angenommen, genetisch vererbt sein kann. Auch einen Einfluss des Lebensraumes schlossen die Wissenschaftler aus.

Wahrscheinlicher sei vielmehr, dass die jungen Delfinweibchen dieses Verhalten von ihren Müttern lernen. Die Fähigkeit das Verhalten ihrer Artgenossen und sogar das von Menschen nachzuahmen, ist bei Großen Tümmlern schon länger bekannt. Auf diesem Gebiet scheinen sie nach Meinung der Experten sogar besser zu sein als Affen.

Aufgrund der genetischen Untersuchungen vermuten die Forscher eine relativ enge Verwandtschaft aller Delfine, die mithilfe von Schwämmen ihre Beute ausfindig machen. Deshalb würden wahrscheinlich alle diese Tiere von einem einzigen Weibchen abstammen, welches die Biologen deshalb als "Delfin-Eva" bezeichnen.

back to top back to top

 

Teamwork geht vor Eigennutz: Delfine jagen mit strenger Aufgabenverteilung

Quellen: ddp/wissenschaft.de - Große Tümmler fangen Fischschwärme, indem sie die Aufgaben bei der Jagd klar verteilen. So übernimmt immer derselbe Delfin die Aufgabe des Treibers, während die anderen eine für die Beute nur schwer durchdringliche Barriere bilden. Mit dieser Entdeckung zeigen Stefanie Gazda von der Universität von Massachusetts in Dartmouth und ihre Kollegen als erste bei Meeressäugern die Spezialisierung auf eine bestimmte Aufgabe, wenn im Team gejagt wird. Bisher beobachteten Forscher nur bei Löwinnen eine ähnliche Aufgabenverteilung.

Für die Untersuchungen wurden über drei Monate hinweg zwei Delfingruppen an der Küste Floridas beobachtet. Gruppe A bestand aus drei Individuen und lebte in einem Habitat mit Seegras, während sich in Gruppe B zwei bis sechs Individuen in einem schlammig bis sandigen Habitat zum Jagen zusammenschlossen.

Bei insgesamt 126 beobachteten Jagden übernahm in beiden Gruppen immer dasselbe Tier die Rolle des Treibers. Dabei war Gruppe A gegenüber Gruppe B erfolgreicher und auch ihr Treiber fing mehr Fische als seine Teamkollegen.

Diesen unterschiedlichen Jagderfolg begründen die Forscher neben den verschiedenen Lebensräumen auch mit der besseren Gruppenstabilität der Jagdtruppe A. In der Delfingruppe B gab es anscheinend Individuen, die sich nur dann als Barriere an der Jagd beteiligten, wenn ein guter Jagderfolg zu erwarten war, nehmen die Wissenschaftler an.

Große Tümmler treiben ihre Beute häufig gegen natürliche Barrieren wie die Küste oder die Meeresoberfläche oder kreisen Fischschwärme ein. Obwohl eine derartige Aufgabenverteilung für die einzelnen Tiere aufwendig ist und zuerst viel Energie erfordert, erweist sich diese hoch spezialisierte Jagdstrategie schlussendlich als sehr effektiv.

back to top back to top

 

Unverzichtbar in der Delfingesellschaft: Verbindungsoffiziere! Soziale Strukturen der Meeressäuger sind viel komplexer als angenommen

August 2004 - Quelle: ddp/bdw - Der innere Zusammenhalt von Delfingesellschaften hängt nur von einigen wenigen Individuen ab. Nur mit diesen Schlüsselfiguren des sozialen Gefüges gibt es enge Kontakte zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der Gesellschaft. Verschwinden die Tiere dagegen, bricht das soziale Netz auseinander, und es bilden sich voneinander unabhängige, getrennte Gruppen, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Der schottische Ökologe David Lusseau stieß auf diese ungewöhnliche Gesellschaftsstruktur, als er während einer achtjährigen Studie eine Gemeinschaft von 62 Tümmlern vor der Küste Neuseelands beobachtete. Anhand typischer Markierungen an den Rückenflossen der Tiere jedes einzelne Tier identifizieren. Lusseau beobachtete, welche Delfine viel Zeit miteinander verbrachten. Der Versuch, aus den gesammelten Daten auf die Struktur des sozialen Netzes der Gemeinschaft zu schließen, scheiterte aber zunächst.

Erst ein mathematisches Modell, mit dem der Aufbau komplexer Netzwerke beschrieben werden kann, schaffte Abhilfe: Innerhalb der Gemeinschaft gab es zwei getrennte Untergruppen, ergab die Auswertung. Lediglich einige wenige Tiere gehörten beiden Gruppen an und verbanden so die beiden Untergruppen zu einer größeren Gesellschaft.

Diese Tiere unterschieden sich äußerlich nicht von ihren Artgenossen und schienen auch keine Anführerpositionen inne zu haben. Als jedoch zwei von ihnen während der Studie verschwanden, zeigte sich ihre gesellschaftliche Schlüsselstellung besonders deutlich: Die beiden Gruppen trennten sich und gingen ihre eigenen Wege. Erst als die verschwundenen Tiere wieder auftauchten, nahmen die Gruppen wieder Kontakt miteinander auf.

Diese Struktur macht das soziale Gefüge in Delfingesellschaften sehr empfindlich, warnt Lusseau. So sei es beispielsweise sehr problematisch, einzelne Tiere aus der Gemeinschaft zu entfernen, um sie für Shows in Vergnügungsparks einzusetzen. Wenn diese Tiere zu den gesellschaftlichen Schlüsselfiguren gehörten, könnte ihr Verschwinden das gesamte soziale Gefüge zerstören.

back to top back to top

 

Delfinbabys schwimmen im Sog der Mutter

März 2004 - Ein israelischer Weltraum-Ingenieur hat herausgefunden, warum Delfinbabys so nah an ihrer Mutter schwimmen: Die Kleinen werden durch die Nähe zu dem größeren Tier vom Sog seines Kielwassers gezogen und können so mit der Geschwindigkeit der Herde mithalten.

Adria Patendelfin CRTA mit Nachwuchs beim SynchronschimmenBislang wussten Forscher nicht, wie es junge Delfine schaffen, mit ihren oftmals reichlich schnell schwimmenden Artgenossen Schritt zu halten. Die kleinen Delfine halten stets einen Abstand von 10 bis 30 Zentimetern ein und richten ihren eigenen Körpermittelpunkt an der Schwanzfluke ihrer Mutter aus, stellte Daniel Weihs vom israelischen Technologieinstitut in Haifa fest.

Wenn der größere Delfin durch die Wellen gleitet, verdrängt er das Wasser vor sich, wodurch ein Sog rund um das Kalb entsteht. Der Druck dieses bewegten Wassers ist weit geringer, als wenn der kleine Delfin in größerem Abstand versuchen wollte, mit seiner Mutter mitzuhalten. Durch diesen Sog sinkt der Wasserwiderstand für das Jungtier um etwa 65 Prozent.

Die Druckunterschiede haben den angenehmen Nebeneffekt, dass starke Anziehungskräfte entstehen, die ein Delfinbaby geradezu an seine Mutter "fesseln". Es ist sogar möglich, dass eine Delfindame einem anderen Weibchen ihr Baby einfach wegschnappen kann, indem sie schnell vorbeischwimmt und das Baby mit Hilfe des von ihr erzeugten Sogs an sich saugt.

back to top back to top

 

Trauern Delfine um ihre Toten?

Juli 2007 | Golf von Amvrakikos, Griechenland - Vom 3. bis 4. Juli wurde im Golf von Amvrakikos im westlichen Griechenland ein Großer Tümmler beobachtet, der sich mehrere Stunden lang intensiv mit einem toten Neugeborenen Tümmler beschäftigte.

Die Beobachtungen wurden mit 532 Digitalfotos am ersten Tag und mit 138 Aufnahmen vom zweiten Tag dokumentiert. Eine Auswahl von 48 Fotos wurde auf der Webseite des Ionian Dolphin Project veröffentlicht.

Juli 2002 - Vor der Kanarischen Insel La Gomera konnte ein bisher kaum dokumentiertes Verhalten von Delfinen genau beobachtet werden. Ein Weibchen einer Gruppe von Rauzahndelfinen (Steno bredanensis) trug tagelang ihr totes Neugeborenes mit sich. Die Delfinmutter hielt es im Maul oder stupste es immer wieder mit ihrem Körper an die Wasseroberfläche. Sie wurde dabei von anderen Gruppenmitgliedern begleitet und unterstützt.

"Solches Beistandsverhalten wurde bei Walen und Delfinen erst selten beschrieben. Völlig unklar war bisher, wie lange dieses Verhalten anhält und wann die Mütter schließlich von ihrem Nachwuchs ablassen. Unsere Beobachtungen belegen zum ersten Mal, dass über Tage hinweg Beistand geleistet wird", so der Verhaltensbiologe Fabian Ritter vom Verein M.E.E.R. aus Berlin.Das Muttertier blieb ständig in der Nähe des Neugeborenen, das entweder schon tot zur Welt kam oder kurz nach der Geburt starb. Die Gruppe von etwa 15 Delfinen, zu denen das Weibchen gehörte, wurde innerhalb von fünf Tagen sechs mal gesehen, und immer war die Situation die gleiche.

Die anderen Tiere der Delfingruppe stellten sich offenbar auf das Schicksal von Mutter und Jungtier ein. Das Weibchen wurde dauerhaft von zwei weiteren Delfinen eskortiert und auch andere Mitglieder der Gruppe wurden immer wieder in der unmittelbaren Nähe des Weibchens gesehen. Zudem schwamm die ganze Gruppe mit sehr langsamer Geschwindigkeit und hielt sich in diesen Tagen anscheinend ständig in einem bestimmten Gebiet von nur wenigen Quadratkilometern Größe auf.

"Dies sind Hinweise darauf, dass das Muttertier Unterstützung von der ganzen Gruppe erhielt. Am fünften Tag unserer Beobachtungen war es auch ein Delfin aus der 'Eskorte', welcher das tote Jungtier an der Oberfläche hielt und sogar vor den Angriffen von Möven schützte, die sich für den Kadaver interessierten", berichtet der Biologe.

"Wir wissen nicht, warum dieses Verhalten so lange andauert und welches Zweck es hat. Ob es sich etwa um einen Rettungsversuch handelt oder tatsächlich um Trauer. Die Tatsache, dass ein totes Jungtier das Verhalten einer ganzen Delfingruppe über Tage hinweg beeinflusst, deutet auf starke soziale Bindungen bei den wissenschaftlich nur wenig erforschten Rauzahndelfinen hin" so Ritter abschließend.

back to top back to top

 

Echte Kumpel: Delfine halten zusammen!

Quelle: dpa - Unter Delfinen gibt es echte Männerfreundschaften. Dies haben Forscher aus den USA und Kanda 1999 beobachtet. Sie untersuchten vor der Westküste Australiens eine Gruppe mit 400 Großen Tümmlern (Tursiops truncatus), die unterschiedlich starke Freundschaftsbande untereinander knüpften. Dabei bestehen die innigsten Freundschaften nur aus einer Gruppe von zwei, maximal drei Tieren.

Die Delfin-Allianzen bahnen sich oft schon vor der Geschlechtsreife an und halten dann bis zu zwanzig Jahre - gemessen am Lebensalter eines Delfins von durchschnittlich rund 25 Jahren also gut ein Leben lang.Die Freunde gehen gemeinsam auf Partnersuche und helfen sich gegenseitig bei der Verteidigung gegen Rivalen, wie das Team um Richard Conner von der University of Massachusetts in Dartmouth heraus fand. Daneben unterhalten sie lockere Beziehungen zu anderen Männchen. Diese Beziehungen halten meist nur wenige Jahre und die Tiere arbeiten weniger stark zusammen. Die Gruppe ist mit bis zu 4 Mitgliedern dann wesentlich größer und in sich geschlossen. Dennoch ist durchaus nicht jeder Delfin mit jedem befreundet.

Ein so komplexes Freundschaftsverhalten findet sich sonst nur noch beim Menschen. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Fähigkeit zu individuellen Freundschaften mit der Leistungsfähigkeit des Gehirns zusammenhängt.

back to top back to top
Meeressäuger - Cetaceen