Aberdeen, September 2011 - Derzeitige Schutzmaßnahmen reichen nicht aus, um das Aussterben des seltensten Meeresdelfins der Welt zu verhindern. Diese erschütternden Forschungsergebnisse neuseeländischer Wissenschaftler wurden auf der im schottischen Aberdeen stattfindenden "World Conference on Marine Biodiversity" päsentiert.
Seit der Einführung der Kiemen- und Schleppnetzfischerei in den Siebzigerjahren ist die Zahl der ausschließlich an der neuseeländischen Küste beheimateten Hector-Delfine von 29.000 auf weniger als 8.000 Tiere gefallen. Von ihrer Unterart, den an der Nordinsel Neuseelands lebenden Maui-Delfinen, gibt es heute nur noch weniger als 100 Tiere. Jedes Jahr verenden an der Ostküste Neuseelands 23 Hector-Delfine als Beifang in kommerziellen Fischernetzen. Das sind 20 Mal mehr als ihre Population vertragen kann. Landesweit ist derzeit lediglich ein Bruchteil des Lebensraumes der Delfine vor Fischerei geschützt.
Würde die Neuseeländische Regierung sofort handeln und Kiemen- und Schleppnetze im gesamten Lebensraum der Tiere verbieten, könnte der Bestand der Hector-Delfine innerhalb der nächsten 50 Jahre auf etwa 15.000 Individuen anwachsen, geschieht dies nicht, wird diese Delfinart unwiederbringlich verloren sein.
Doch trotz überwältigender Beweise, dass Hector-Delfine schneller in Fischernetzen verenden als sie sich fortpflanzen können, beugte sich die neuseeländische Regierung kürzlich erneut dem Druck der Fischereiindustrie und öffnete sensible Regionen für den kommerziellen Fang mit Kiemennetzen.
Neben industrieller Fischerei sind auch Hobbyfischer eine Bedrohung. In Neuseeland gibt es pro Kopf mehr Boote als in jedem anderen Land und Fischerei ist ein beliebter Zeitvertreib. Da es Zehntausende private Kiemennetze gibt, die jeweils bis zu 60 Meter lang sein können, weiß niemand, wie viele Delfine sich in ihnen verfangen, Fischer melden nicht, wenn sie Delfine in ihren Netzen finden, sondern lassen die toten Tiere verschwinden.
Quelle: NABU-International
Es gibt nur noch knapp 7400 Tiere dieser nur etwa 1,20 m langen Delfine, die meisten vor der Südinsel Neuseelands. Bereits 1988 wurde hier angesichts der stetigen Abnahme dieser Population ein Meeresschutzgebiet vor der Banks Peninsula eingerichtet. Einige wenige Tiere leben auch vor der Nordinsel Neuseelands. Aufgrund genetischer Unterschiede gelten sie als eigene Unterart. Ihr Bestand wurde 2006 auf nur noch 111 Tiere geschätzt. Diese Unterart gilt als die seltenste der Delfinfamilie.
Nach internationalen Kriterien gilt eine Art als bedroht, wenn eine Population unter 10.000 Individuen sinkt oder eine rasche Abnahme bei einer oder mehreren Subpopulationen zu beobachten ist.
Gerade ihre extrem küstennahe Lebensweise (fast alle Sichtungen erfolgen bis 10 km Entfernung zur Küste) macht sie besonders anfällig für menschliche Aktivitäten. Stellnetzfischerei, Speedboote und der Delfintourismus haben in dieser Zone die größte Intensität. Hectordelfine springen oft und schwimmen gerne auf langsam fahrende Boote zu. Häufige zu beobachtende Aktivitäten der meist kleinen Gruppen sind die verschiedensten akrobatischen Sprünge, Schlagen mit der Fluke auf die Wasseroberfläche oder die Jagd auf Sprotten und Meeräschen, die sie auf ihren etwa zweiminütigen Tauchgängen erbeuten. Hectordelfine gelten als sehr verspielt. Oft sieht man sie in der Brandung surfen oder mit den Flossen Seetang durchs Wasser bewegen.
Sie vermehren sich nur sehr langsam, Weibchen haben nur alle 2-4 Jahre ein Junges und werden erst im Alter von 6-9 Jahren geschlechtsreif, deshalb ist die Population bereits durch den Verlust weniger Individuen gefährdet.
Zum Schutz der nördlichen Unterart fordern die GRD und andere Naturschutzorganisationen die Einrichtung eines neuen Schutzgebietes vor der Nordinsel zwischen Kawhia und Kaipara Harbour. Dort ist bereits die kommerzielle Stellnetzfischerei verboten. Hobbyfischer dürfen nach wie vor dort fischen, obwohl auch ihre Netze Hektordelfine fangen.