Juli 2010 - Wir danken allen, die unsere Protestaktion gegen die Wiederaufnahme des Walfangs unterstützt haben. Tatsächlich konnte durch die Aktion, die IFAW und NABU initiierten, und an der sich 25 Tier- und Naturschutzorganisationen allein aus Deutschland beteiligten, die Position der deutschen Regierung und IWC-Delegierten geändert werden. Die umfassenden Informationen verhalfen ihnen, sich realistischeres Bild machen, was der hinter verschlossenen Türen ausgehandelte Vorschlag (s. Artikel unten), der eigentlich nur dem Druck der Walfangländer nachgab, wirklich beinhaltete und welche negativen Auswirkungen dies auf den Schutz der Wale haben würde. So sprach sich Deutschland wie auch schließlich die EU als Staatengemeinschaft dagegen aus.
Nur Dänemark (Walfang Färöer, Grönland) und Schweden wollten sich wie andere Walfangbefürworter für die Annahme des Vorschlags (Walfangkompromiss) einsetzten: Dieser hätte den drei Walfangnationen Japan, Norwegen und Island offizielle Fangquoten zugeteilt - auch für bedrohte Arten wie Finn- und Seiwal -, hätte den Walfang im antarktischen Schutzgebiet offiziell erlaubt und einen Schritt zur Lockerung des internationalen Handelsverbots mit Walfleisch eingeleitet.
Die Internetorganisation "Avaaz", zu Deutsch "die Stimme", schaffte es in kurzer Zeit sogar, über 1,2 Millionen Unterschriften online weltumspannend gegen den faulen Kompromissvorschlag zu sammeln. Man konnte "live" mit verfolgen, wie rund um den Globus alle paar Sekunden Menschen ihren Namen auf die Liste setzten und der Echtzeit-Zähler über die Millionenmarke raste. Die Meinung dieser weltweiten Bürgerbewegung ist eindeutig: Die Welt will keinen Walfang mehr.
Doch die Walfänger fahren weiterhin durch die Schlupflöcher der IWC und töten tausende Wale. Dies muss ein Ende haben. Wir müssen uns kompromisslos dafür einsetzen, dass eine Reform der IWC stattfindet: Nicht Management von Walfangquoten, sondern der Schutz der Wale muss die Hauptaufgabe werden und auch die Kleinwale, von denen jährlich Zehntausende in brutalen Treibjagden sterben (z.B. Färöer, Taiji) müssen mit in den Zuständigkeitsbereich der IWC aufgenommen werden.
Walfleisch in kalifornischem Restaurant gefunden!
Die drei Walfang-Länder Norwegen, Island und Japan wollen neben der Aufhebung des Moratoriums (Walfangverbot, Zuständigkeitsbereich der IWC) auch eine Lockerung des Handelsverbots (Handel mit Tieren oder deren Produkten, Zuständigkeitsbereich des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES), denn nur so kann Walfleisch zu Höchstpreisen in Japan verkauft werden. Wie gefährlich eine Lockerung von Walfang- und Handelsverbot wäre, zeigt einmal mehr ein aktueller Bericht aus Kalifornien:
Hier wurde in einem beliebten Sushi-Restaurant Seiwal-Fleisch gefunden. DNA –Analysen ergaben, dass es von einem Seiwal stammte, der dem japanischen Walfang für „wissenschaftliche Zwecke“ zum Opfer gefallen war. Das Restaurant musste schließen. Hier wurde gleich gegen mehrere Gesetze verstoßen: einmal gegen das internationale Handelsverbot (CITES) und zudem gegen den in den USA geltenden Marine Mammal Protection Act, der jegliche Tötung von Walen und Delfinen und Handel von Produkten mit ihnen verbietet.
Aufgedeckt wurde der Skandal durch die verdeckte Ermittlung von Mitgliedern der Filmcrew, die den Oscar-prämierten Film "The Cove" über die blutige Delfintreibjagd in Japan gedreht hatte. Zwei der Umweltaktivisten besuchten das Sushi-Restaurant mit versteckter Kamera und nahmen nicht nur Fotoaufnahmen, sondern auch Proben des Fleisches erfolgreich mit. Die DNA-Test waren eindeutig: Das Fleisch stammte von einem von japanischen Walfängern zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken getöteten Seiwal, eine bedrohte Art, die auf der IUCN-Liste bedrohter Arten als "stark gefährdet" eingestuft ist.
Denise Wenger
Seit 24 Jahren jagen Norwegen, Island und Japan Wale und tanzen der Staatengemeinschaft auf der Nase herum. Jetzt hätte es die Chance gegeben, dem illegalen Treiben ein Ende zu setzen. Sie wurde nicht genutzt. -> -> ->.Artikel Süddeutsche Zeitung v. 23.06.2010
April 2010 - Die Zukunft der Wale steht auf dem Spiel. Die kommerzielle Jagd auf die Meeresgiganten könnte bald wieder erlaubt und dem Abschlachten Tür und Tor geöffnet sein, denn bereits im Vorfeld der nächsten Tagung der Internationalen Walfangkommisssion (IWC) im Juni 2010 wurde hinter verschlossenen Türen ein Abkommen ausgearbeitet, das dem jahrelangen Druck seitens Japan, Norwegen und Island nachgibt: Das seit 1986 geltende Walfangverbot (Moratorium) soll ausgehebelt, ein Küstenwalfang erlaubt und sogar die kommerzielle Jagd im Antarktis-Schutzgebiet "offiziell" zugelassen werden.
Auch Deutschland unterstützt diesen Vorschlag, der einen Verrat am Walschutz darstellt, und opfert die Wale aufgrund schlecht geführter Verhandlungen und Inkonsequenz in der Vergangenheit einem faulen Kompromiss. Das wollen wir nicht zulassen:
Bitte unterstützen Sie uns dabei, dass die Stimme Deutschlands eindeutig für den umfassenden Schutz der Wale ausfällt: Fordern Sie Agrarminsterin Ilse Aigner auf, dass sich die deutsche Delegation bei der IWC klar gegen die Freigabe des kommerziellen Walfangs, für die Beibehaltung des Moratoriums und eine Verbesserung des Walschutzes ausspricht.
Japan und Norwegen töten bereits seit Jahrzehnten trotz des Moratoriums nach selbst gesetzten Quoten jährlich tausende von Walen und scheren sich weder um die Empfehlungen der IWC noch um die öffentliche Meinung der restlichen Welt. Sollte nun die Jagd ganz offiziell zugelassen werden, wer sollte garantieren, dass sich diese und weitere Länder wie Russland, die den Walfang wieder aufnehmen könnten, an die „offiziellen“ Quoten halten, wenn sie das jetzt schon nicht tun. Wer sollte die Fänge überwachen? Ziel der Walfangländer ist auch, das bisherige Handelsverbot für Walfleisch aufzulockern. Doch ist Walfleisch erst einmal auf dem internationalen Markt, werden illegale Machenschaften unkontrollierbar und eine Dezimierung auch bedrohter Walarten könnte die Folge sein.
Wale weltweit in Gefahr
Zudem sind die Tötungsmethoden beim Walfang bei den auf See herrschenden Bedingungen unzureichend und inhuman. Es bleibt auch die ethische Frage, ob eine zivilisierte Weltengemeinschaft möchte, dass intelligente Säugetiere wie Delfine und Wale, oder ebenso Menschenaffen, nur wie eine nutzbare Ressource betrachtet und trotz bedrohtem Status zum grausamen Abschlachten freigegeben werden.
Das Überleben der Wale ist heutzutage in starkem Maße durch die industrielle Fischerei (Beifang und Verknappung der Nahrungsressourcen), durch die Folgen des Klimawandels (Meereserwärmung, Reduktion des Krills und anderer Nahrungsgrundlagen) und die Meeresverschmutzung mit giftigen Substanzen (Quecksilber, PCBs, Plastik) bedroht. Deshalb müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen wie die Einrichtung von strikten Schutzgebieten, eine andere Fischereipolitik mit wirklich nachhaltiger Nutzung gesunder Fischbestände und drastischer Reduktion des Beifangs durch andere Fischereimethoden getroffen werden und jeglicher kommerzieller Walfang verboten bleiben.
Denise Wenger
27.06.2009 | Quellen: welt-online/süddeutsche.de/dpa - Die internationale Walfangkommission (IWC) hat einen Tag früher als geplant ihr Jahrestreffen beendet und mit einer Verschiebung ihrer Entscheidungen vorerst eine innere Spaltung abgewendet. Einziges Ergebnis der Tagung auf der portugiesischen Insel Madeira ist die Entscheidung, die Gespräche in Form einer Arbeitsgruppe um ein Jahr zu verlängern. Umweltgruppen kritisierten den Ausgang des 61. IWC-Treffens scharf.
"Wir müssen erst einen Konsens darüber finden, was die IWC ist und welche ihre Aufgaben sind", sagte der neu gewählte IWC-Präsident Cristian Maquieira. Es gebe "mindestens zwei gegensätzliche Arten", diese Frage zu beantworten. Auch eine Entscheidung über den von Dänemark eingereichten Antrag zur Jagd auf Buckelwale vor Grönland wurde verschoben.
Der 1946 gegründeten Organisation gehören heute 85 Mitgliedsstaaten an. Dabei stehen sich Befürworter und Gegner des Walfangs gegenüber. Beide Seiten versuchen, einen Kompromiss über die Regelung des Walfangs und gleichzeitig den Schutz der Meeressäuger zu erzielen. Ein solcher Kompromiss sei "nicht unmöglich, aber eine sehr schwierige Aufgabe", sagte Maquieira.
Uneinigkeit herrscht in der IWC besonders über den Vorschlag, Japan den kommerziellen Walfang vor seinen Küsten in begrenztem Maß zu erlauben. Japan forderte eine Entscheidung darüber im Laufe des kommenden Jahres.
Umweltorganisationen kritisieren, dass nach zwölf Monaten Diskussion, in denen der Walfang und der Handel mit Walfleisch nie gekannte Ausmaße erreicht hat, die einzige Entscheidung der IWC ist, sich zu vertagen und ein weiteres Jahr zu diskutieren.
Deutschland unterstrich nochmals seine Bedenken gegen die Forderung Dänemarks nach speziellen Walfangrechten für die Inuits auf Grönland. "Aus deutscher Sicht fehlt es weiterhin an einer vollständig nachvollziehbaren Begründung für den zusätzlichen Bedarf", teilte Landwirtschaftsstaatssekretär Gert Lindemann in Berlin mit. "Grönland schöpft derzeit seine Fangquote nicht aus." Die Mitgliedsländer der Internationalen Walfangkommission (IWC) hatten sich auf der portugiesischen Insel Madeira darauf verständigt, die Abstimmung über einen Antrag Dänemarks zu vertagen. Darin soll den Ureinwohnern Grönlands in den kommenden fünf Jahren die Jagd auf insgesamt 50 Buckelwale erlaubt werden.
Ein seit 1986 geltendes Walfangverbot wird von Norwegen und Island ignoriert. Japan beachtet formal zwar das Moratorium, nutzt aber ein Schlupfloch, das Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Das japanische Forschungsprogramm gilt aber als Deckmantel für die kommerziell ausgerichtete Jagd.
Indigene Völker dürfen trotz des Verbots eine begrenzte Zahl Großwale zur Selbstversorgung jagen.
Wegen geringer Nachfrage nach Walfleisch brachen die norwegischen Walfänger ihre diesjährige Jagd in dieser Woche vorzeitig ab. Wie ein Sprecher des Fischereiverbandes in Tromsø am Donnerstag bestätigte, sind seit Beginn der Jagdsaison 350 der 885 für den Abschuss freigegebenen Zwergwale erlegt worden. Man setze die weitere Jagd in den nördlichen Gewässern aus "absatzbedingten Gründen" aus, hieß es in einer Mitteilung.