Militärische Sonare: Eine tödliche Gefahr für Wale und Delfine

Gericht pfeift US-Marine zurück

02.03.08, Quelle: AP - Hoffnungsschimmer für Wale und Delfine: Zum Ärger der amerikanischen Marine hat ein Gericht Sonar-Versuche der US-Marine verboten.

Das Berufungsgericht wies einen entsprechenden Einspruch der Marine gegen die Beschränkungen zurück. Umweltschützer machen geltend, dass die Sonar-Signale zur Strandung von Walen und anderen Schäden bei Meerestieren führen können.

Laut der Verfügung gilt vor Südkalifornien eine 22 Kilometer breite Verbotszone für Sonar. Dies könnte nun Auswirkungen auf Übungen haben, die noch in diesem Monat in dem Seegebiet beginnen sollen.

Ein ähnliches Verbot wie in Kalifornien wurde auch für ein Seegebiet um Hawaii verhängt.


G8-Gipfel in Heiligendamm: US-Kriegsmarine bedroht gefährdete Schweinswale im Namen der Terrorabwehr

Zerstörer und Kreuzer sollen G8-Gipfel in Heiligendamm sichern | NABU, GSM und GRD fordern US-Botschafter zum Einsatzverzicht auf | Mehrfach Strandungen von Walen nach Gebrauch des Ortungsgeräts

Der US-Zerstörer "Arleigh-Burke"04.04.2007 NABU/GRD/GSM - Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) haben in einem offenen Brief den amerikanischen Botschafter, William R. Timken jr., dringend aufgefordert, dass die zur Bewachung des vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm stattfindenden G8-Gipfels in der Ostsee eingesetzten Schiffe der US-Kriegsmarine keine Mittelfrequenzsonare einsetzen. Ein Einsatz des zur U-Boot-Suche verwendeten Sonars wäre für in der Nähe befindliche Schweinswale absolut tödlich. Aus den USA ist eine Massenstrandung von Schweinswalen nach dem Sonareinsatz dokumentiert.

Die US-Regierung plant, zum Schutz von Präsident George W. Bush während des G8-Gipfels, eine Fregatte und einen Zerstörer in die Ostsee zu entsenden, die den Tagungsort seewärtig sichern sollen.

Es sollen ein Zerstörer der Arleigh-Burke Klasse und ein Kreuzer der Ticonderoga Klasse eingesetzt werden. Diese Schiffe haben das taktische Mittelfrequenzsonar AN/SQS-53C an Bord von dem eine tödliche Wirkung für Meeressäugetiere ausgeht.

"Der ohnehin stark bedrohte Bestand unserer letzten Ostseeschweinswale darf nicht auf dem Altar der Terrorabwehr geopfert werden", mahnen die drei Naturschutzverbände.

Faktenblatt Bedrohung von Ostseeschweinswalen durch G-8-Gipfel in Heiligendamm (ca. 70kb) pdf

Wale können sich nicht die Ohren zuhalten - Bedrohung der Meeresumwelt durch Unterwasserlärm, Bundestagsantrag v. 24.04.2007, Fraktion Bündnis90/Die Grünen (90kb) pdf

+++ Offener Brief an US-Botschafter William R. Timken jr. +++

Sehr geehrter Herr Botschafter,

anlässlich des G8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm plant Ihre Regierung zum Schutz des Präsidenten eine Fregatte und einen Zerstörer in die Ostsee zu entsenden, die den Tagungsort seewärtig sichern sollen. Unter anderem ist der Einsatz eines Zerstörers der Arleigh-Burke Klasse geplant. Diese Schiffe haben das taktische Mittelfrequenzsonar AN/SQS-53C an Bord, von dem eine tödliche Wirkung für Wale ausgeht.

Der Einsatz eines derartigen Sonars wird in Verbindung mit der Massenstrandung von Schweinswalen und massiven Störungen anderer Meeressäugetiere im Puget Sound an der Westküste Kanadas im Mai 2003 gebracht. Weiter sind diese und andere Mittelfrequenzsonare verantwortlich für mittlerweile eine Vielzahl von Massenstrandungen von Schnabelwalen und anderen Walarten, die regelmäßig nach Militärmanövern an Land gespült werden.

In der Ostsee leben zwei getrennte Populationen von Schweinswalen, von denen die östliche hochgradig vom Aussterben bedroht ist. Experten schätzen deren Bestand auf weniger als 600 Tiere. Auch die Zahl der westlichen Population ist stark rückläufig. Beide Populationen kommen im weiteren Umkreis von Heiligendamm vor.

Taktische Mittelfrequenzsonare haben einen Lärmpegel von 235 dB (re 1µPa @ 1m). Ein tödliches Verletzungsrisiko (akustisches Trauma) sowie das Risiko für Gehörschäden bei Meeressäugetieren sind erheblich, noch in einer Entfernung von vielen Kilometern. Die Kommunikation zwischen Muttertieren und ihren Kälbern kann in einem noch größeren Umkreis erheblich beeinträchtigt werden.

Im Juni sind die Schweinswalkälber in der Ostsee noch sehr jung und daher besonders anfällig. Bei einer Trennung von der Mutter ist das Kalb nicht überlebensfähig. Darüber hinaus kommt es zu erheblichen Störungen bei den empfindlichen Meeressäugetieren.

Wir fordern die amerikanische Regierung nachdrücklich auf, keine Mittelfrequenzsonare in der Ostsee zu verwenden um den ohnehin stark bedrohten Bestand der Ostseeschweinswale keinen zusätzlichen Risiken auszusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Tschimpke
Präsident Naturschutzbund NABU

Ulrich Karlowski
Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD)

Petra Deimer
Gesellschaft zum Schutze der Meeressäugetiere (GSM)

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Der Stille Ozean ist ein lärmender Ozean

22.08.2006 - Quelle: ddp/wissenschaft.de / John Hildebrand (Scripps-Institut für Ozeanographie, La Jolla) - In den Weltmeeren wird es ständig lauter: Allein innerhalb der vergangenen vierzig Jahre hat sich der Schallpegel im Pazifischen Ozean verzehnfacht, haben amerikanische Forscher bei einem Vergleich akustischer Daten aus der Tiefsee nachgewiesen. Zurückgeführt werden kann der enorme Anstieg der Hintergrundgeräusche nach Ansicht der Wissenschaftler hauptsächlich auf den Schiffsverkehr. So hat nicht nur die Anzahl, sondern auch deren Größe und Leistung der Schiffe zugenommen. Welche Konsequenzen dieser Lärmpegel für die Lebewesen in den Ozeanen hat, könne heute nicht einmal annähernd abgeschätzt werden.

Für ihre Auswertung nutzten die Wissenschaftler zwei Messreihen, die in etwa 1.000 Metern Tiefe vor der Küste von Kalifornien in der Nähe der Kanalinsel San Nicolas Island aufgezeichnet worden waren. Der erste Datensatz stammte aus den Jahren 1964 bis 1966 und entstand im Rahmen des amerikanischen Sound Surveillance System, einem akustischen Überwachungsprogramm, mit dem Bewegungen von fremden U-Booten verfolgt werden sollten.

Der zweite Satz wurde im Winter 2003/2004 an der gleichen Stelle mit einem automatischen Unterwassermikrophon etwa zehn Meter über dem Meeresboden aufgenommen.

Zwischen den beiden Messungen gab es einen deutlichen Unterschied, zeigte die Auswertung: Im Frequenzbereich zwischen 30 und 50 Hertz, der typisch für Schiffsverkehr ist, lag der Schalldruckpegel bei der späteren Messung im Schnitt um 10 Dezibel höher als bei der früheren. Dieser Faktor zehn kann jedoch nicht nur auf den Anstieg der Flottengröße zurückgeführt werden, die sich zwischen 1965 und 2003 etwa verdoppelt hat, errechneten die Forscher.

Vielmehr scheine auch jedes einzelne Schiff lauter zu sein als früher. Verantwortlich dafür könnten ihrer Ansicht nach etwa die Zunahme der Ladekapazität und der Anstieg der Motorleistung sein. So haben sich beispielsweise sowohl der Brutto-Rauminhalt als auch die Motorleistung der Schiffe im gleichen Zeitraum etwa vervierfacht. Außerdem verbringen die einzelnen Schiffe dank der kürzeren Abfertigungszeiten insgesamt mehr Tage auf See als früher.

Obwohl die Daten lediglich an einer einzelnen Stelle aufgenommen worden sind, seien sie repräsentativ für den gesamten Nordostpazifik, schreiben die Forscher. Die starke Zunahme der Lärmbelastung in der Tiefsee halten sie für sehr bedenklich. Es müsse dringend untersucht werden, ob die steigenden Schallpegel Auswirkungen auf die Tierwelt hat - wenn ja, müsse nach einer Möglichkeit gesucht werden, die Tiere vor dem Krach zu schützen, etwa indem Schiffsrouten verlegt werden.

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US-Gericht verbietet Sonar-Tests

Eine amerikanische Bundesrichterin verbot Ende August 2003 Versuche mit der neuen Niedrig-Frequenz-Sonartechnologie (LFAS) in US-Gewässern.

Richterin Elizabeth Laporte argumentierte, dass dieses Sonar Meeressäuger und Fische gefährdet, berichtete der San Francisco Chronicle. Insgesamt gilt das LFAS-Verbot für eine Gesamtfläche von 22,4 Millionen Quadratkilometer im Pazifischen Ozean.

Damit sind jetzt 40 Prozent der amerikanischen Hoheitsgewässer im Pazifik unter Schutz gestellt. Der US-Navy bleibt vorerst nur die Möglichkeit, LFAS in weniger artenreichen Gebieten durchzuführen. Nach Ansicht von Richterin Laporte verstößt diese Technologie gegen verschiedene US-Gesetze zum Schutz von Meeressäugern und der Umwelt. Auslöser des Verfahrens war ein Vorfall aus dem Jahr 2000. Damals hatte die amerikanische Marine vor den Bahamas Sonartests durchgeführt, woraufhin mehrere Schnabelwale starben.

Vertreter der Navy zeigten sich über das Verbot empört. Mehr als zehn Millionen Dollar hat man für die LFAS-Entwicklung bereits ausgegeben. Für die "nationale Sicherheit" wollen die Streitkräfte zwei LFAS-Schiffe zum Aufspüren feindlicher relativ leiser dieselbetriebener U-Boote einsetzen.

Diese Schiffe sind mit 18 Lautsprechern ausgestattet und senden Schallwellen mit Frequenzen zwischen 250 und 500 Hertz und einem Schalldruck von bis zu 215 Dezibel aus, die sich über Hunderte von Kilometern ausbreiten.

Tier- und Naturschutzorganisationen wie die GRD haben mehrfach davor gewarnt, dass Sonarwellen bei Meeressäugern schwere Schäden in deren Orientierungssystem verursachen. So stellten Wissenschaftler bei gestrandeten Walen Verletzungen im Hirn- und Ohrenbereich fest, die zu tödlichen inneren Blutungen führten. Die GRD hat sich zusätzlich im Rahmen der European Coalition for Silent Oceans für eine weltweite Einstellung sämtlicher Unterwassersonarversuche eingesetzt.

Der schwere Rückschlag für die US-Navy ist allerdings nur ein Etappensieg, da die Entscheidung Sonartests oberhalb des LFAS-Frequenzbereichs nicht berührt. Diese Frequenzen sind ebenso tödlich und haben bereits mehrfach Strandungen von Meeressäugern verursacht.
GRD-Presse

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US-Navy gibt zu: Schiffssonar kann Wale töten

Quelle: bdw - Die amerikanische Marine hat erstmals zugegeben, dass die Sonargeräte ihrer Schiffe Wale töten können. Bei sechs Meeressäugern, die kurz nach einer Marineübung gestrandet waren, konnten Wissenschaftler der U.S. Navy und des Nationalen Meeresfischerei-Dienstes der Vereinigten Staaten die Schiffssonare als Todesursache ausmachen.

Die Forscher hatten Gewebeproben untersucht, die unabhängige Meeresbiologen von den im März 2000 gestrandeten Walen genommen hatten. Daraus schließen sie, dass eine "ungewöhnliche Kombination" von Faktoren - wie etwa die Oberflächenstruktur des Meeresbodens und die Wasserbedingungen - dazu beigetragen haben, die Sonargeräusche zu kanalisieren und zu verstärken.

Wie die Schallenergie letztlich die Ohren oder andere Gewebe der Wale verletzt habe, sei unbekannt, sagen die Wissenschaftler. Der Schall mache die Meeressäuger vermutlich benommen und verwirre sie, so dass die Tiere stranden oder Attacken von Feinden wehrlos ausgeliefert sind.

Bei zukünftigen Übungen will die Navy nach eigenen Angaben vermeiden, unter ähnlichen Bedingungen Sonar einzusetzen. Die Erkenntnisse könnten auch die Pläne der Navy beeinflussen, stärkere Sonargeräte für die Langstreckenerkennung von U-Booten zu entwickeln.

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Militärsonar tötet Wale und Delfine

Oktober 2003 - 14 Schnabelwale strandeten im September 2002 binnen weniger Stunden auf Lanzarote und Fuerteventura (Kanarische Inseln) unmittelbar nach einem unter spanischem Kommando im angrenzenden Seegebiet abgehaltenen Marinemanöver.

Britische Wissenschaftler untersuchten die Kadaver und bestätigen jetzt einen lang gehegten Verdacht: Die Tiere starben durch das von den Kriegsschiffen eingesetzte Unterwasser-Sonar.

Die Forscher konnten nach pathologischen Untersuchungen nachweisen, dass militärischer Sonareinsatz bei Walen die so genannte Taucherkrankheit auslöst und sie dadurch tötet. Das Unterwassersonar führt demnach zur Bildung von Gasbläschen im Gewebe der Tiere und damit zu einem der Taucherkrankheit ähnlichen Phänomen.

Diese bei Tauchern gefürchtete Erkrankung wird durch zu rasches Auftauchen ausgelöst. Dabei entsteht ein zu großes Gefälle zwischen dem Außendruck des Wassers und dem Körperinnendruck im Gewebe und Blut der Taucher. Als Folge kann unter atmosphärischen Bedingungen eingeatmeter und beim Tauchgang in Blut, Gewebe und im zentralen Nervensystem akkumulierter Stickstoff nicht schnell genug über die Lunge als Gas abgeatmet werden.

Der Stickstoff geht bereits im Gewebe in Form von Mikroblasen aus der Lösung - vergleichbar mit dem Öffnen einer Sprudelflasche - und verursacht tödliche Schädigungen der betroffenen Gewebe und des zentralen Nervensystems. Bisher ging man davon aus, dass Wale vor dieser Erkrankung gefeit sind.

Bei der Autopsie der am Strand von Fuerteventura und Lanzarote gestrandeten Schnabelwale sowie weiterer bei Großbritannien in den letzten 11 Jahren gestrandeter Arten wie Rundkopfdelfinen oder Gemeinen Delfinen fanden die Forscher allerdings Gasbläschen in Blutgefäßen und Organen, insbesondere der Leber, die zwischen 5 und 90 Prozent nur noch aus gasgefüllten Hohlräumen bestand.

Wie genau akustische Signale die Taucherkrankheit bei Walen auslösen, ist noch unklar. Möglicherweise beeinflussen sie das Verhalten der Tiere und zwingen sie, einen zu schnellen Auftauchvorgang einzuleiten. Andererseits wird auch ein direkter physikalischer Effekt der mit teilweise extrem starken Schalldrücken ausgesandten Sonarfrequenzen nicht ausgeschlossen.
GRD-Presse

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Meeressäuger - Cetaceen