Offshore-Windenergie:
15.06.2011 - Die Vorbereitungen für den Baubeginn des Trianel Windparks Borkum West II laufen auf Hochtouren. Dabei steht zurzeit der Umweltschutz im Mittelpunkt der Projektentwickler. Die Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co. KG will die Meeressäuger, insbesondere die Schweinswale, umfassend vor dem Baulärm, der Unterwasser entsteht, schützen.
"Als weltweit erstes kommerzielles Offshore-Projekt werden wir unsere Windräder durchgängig mit `Unterwasser-Lärmschutzwänden` errichten", berichtet Klaus Horstick, Geschäftsführer des Trianel Windparks. Dazu nutzt Trianel den sogenannten großen Blasenschleier. Dieser soll bei den im Sommer beginnenden Bauarbeiten am Windpark Borkum West II auf seine Serientauglichkeit geprüft werden.
Nötig macht den Lärmschutz die Verankerung der Windrad-Fundamente im Nordseegrund. Dabei werden Stahlpfähle über 30 Meter tief in den Meeresgrund gerammt. Jeder Rammschlag verursacht eine Schallwelle, die unter Wasser kilometerweit hörbar sein wird. Damit die Schweinswale, die sich in den dortigen Gewässern befinden, die Chance haben, sich von der Baustelle zu entfernen, wird die Rammintensität langsam erhöht. "Schweinswale navigieren mit ihrem Gehör. Wie beim Menschen kann zu viel Lärm auch bei Walen zu Hörschäden führen. Dies würde die Tiere orientierungslos machen. Das wollen wir verhindern", beschreibt Horstick die Aufgabenstellung.
Die Funktionsweise des großen Blasenschleiers beruht auf einem einfachen physikalischen Phänomen. Der Lärm, der bei den Rammarbeiten entsteht, wird durch die aufsteigenden Blasen gestreut und gedämpft. Unter Wasser wird in 60-70 Metern Abstand um den Pfahl ein rund 400 Meter langer druckluftgefüllter Düsenschlauch gelegt. Die Düsen sind unterschiedlich groß, so dass die erzeugten Blasen in ihren Größen variieren. Die aufsteigenden Blasen bilden die Schallschutzwand.
Gemeinsam mit der Hydrotechnik Lübeck GmbH, der BioConsult GmbH & Co.KG in Husum und der ITAB GmbH in Oldenburg wird diese Schallschutztechnik nun beim Bau des Trianel Windparks im Großeinsatz erprobt und getestet. "Wir hoffen, dass unser Schallschutz-Konzept die Auswirkung auf die marine Lebenswelt umfänglich reduziert", erläutert Horstick. "Unsere Erfahrungen mit dem Blasenschleier werden wir mit den zuständigen Behörden erörtern und allgemein, also auch für andere Windpark-Konstrukteure zugänglich machen, um zukünftig für den bestmöglichen Schutz der Schweinswale zu sorgen."
Der Baubeschluss für den Trianel Windpark Borkum West II ist im Dezember 2010 gefallen. An dem Windpark sind neben der Trianel GmbH 33 Stadtwerke und Regionalversorger aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz beteiligt. Der Windpark wird 45 km nördlich vor der Küste von Borkum in rund 30 Meter Wassertiefe errichtet. In der ersten Bauphase werden ab August 2011 vierzig Turbinen mit einer Leistung von je fünf Megawatt errichtet. Der Windpark soll zum Jahreswechsel 2012/13 ans Netz gehen.
Quelle: Trianel GmbH
Mai 2011 - Betreiber und Errichter von Offhore-Windparks wollen Meeressäuger beim Bau von Windkraftanlagen künftig besser vor Schallemissionen schützen. Dafür haben acht Unternehmen das Forschungsprogramm Esra vereinbart, das verschiedene Methoden zur Schallminderung auf ihre Wirksamkeit hin erforschen und weiterentwickeln soll. Dies teilten die beteiligten Unternehmen am Dienstag mit. Bei einem Offshore-Feldversuch sollen voraussichtlich im August insgesamt fünf unterschiedliche Verfahren in der Ostsee vor Travemünde getestet werden. Zuvor muss das Institut für Technische und Angewandte Physik (ITAP) im niedersächsischen Oldenburg noch ein geeignetes Schall-Messkonzept erarbeiten.
Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten werden die Anlagen in Deutschland weit vor den Küsten in großer Wassertiefe errichtet. Die Gründungskörper müssen mit Stahlrammpfählen im Boden verankert werden. Der dabei entstehende Schall soll zukünftig reduziert werden, um vor allem die Schweinswale während der Bauarbeiten besser zu schützen. Wirksame Maßnahmen zur Rammschallminderung existieren nach Angaben der Projektpartner bislang noch nicht, da es sich hier um eine deutsche Besonderheit handelt. In anderen europäischen Ländern, die bereits in größerem Umfang Offshore-Windparks vor ihren Küsten errichtet haben, ist es den Angaben zufolge für die Genehmigung ausreichend, die Meeressäuger über unterschiedliche Maßnahmen etwa Sonar-Bojen temporär fernzuhalten.
Die Ergebnisse der Tests sollen der gesamten deutschen Offshore-Industrie zugänglich gemacht werden. Die Kosten für das Programm betragen rund 3,9 Millionen Euro. Sie werden zu gleichen Teilen von den Unternehmen Bard Engineering, DONG Energy, EnBW Erneuerbare Energien, Eon Climate Renewables, EWE Energie, RWE Innogy, Stadtwerke München (SWM) und Vattenfall getragen.
Derzeit sind in Deutschland knapp 30 Windparks genehmigt, zahlreiche weitere geplant. Die Offshore-Windenergie spielt im Energiekonzept der Bundesregierung eine maßgebliche Rolle.
Quelle: NABU Schleswig-Holstein
Seit einem Jahr wurden keine neuen Windparks auf deutschen Meeren genehmigt. Sie müssen verschärfte Naturschutz-Ansprüche erfüllen. Grund ist die vor einem Jahr in Kraft getretene Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie weitet den Artenschutz auf die sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone aus, die 200 Seemeilen weit ins Meer hineinreicht.
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Nicht nur Wale und Delfine leiden unterm Lärm in den Ozeanen. Der Krach schädigt auch Kalmare, Kraken und Tintenfische - laut einer neuen Studie sogar drastisch: Bereits kurze Geräuschimpulse führten bei den Tieren zu einem akustischen Trauma.
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+++ Gemeinsame Pressemitteilung +++ Gemeinsame Pressemitteilung +++
08.10.2008; Neumünster | München | Quickborn –
Die Naturschutzverbände Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und NABU Schleswig-Holstein erneuern ihre Forderung nach einem effektiven Schallschutz bei allen schallintensiven Arbeiten im Meer. Zur Gründung von Offshore-Anlagen sollten zudem bevorzugt Schwerkraftfundamente zum Einsatz kommen, um Lärm weitgehend zu vermeiden. Explosionen, Rammarbeiten, Sonar und seismische Untersuchung gefährden die heimischen Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde. Meeressäuger werden nachhaltig aus ihrem Lebensraum vertrieben und können gravierende Hörschäden erleiden.
Anlass für die erneute Forderung sind Ergebnisse von Schallmessungen der Rammarbeiten beim Bau der westlich von Sylt errichteten Windenergie-Forschungsplattform FINO 3, die heute im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg vorgestellt werden. Im Vorwege hatte sich ein Vertreter des Bundesumweltministeriums am Rande der Messe "Husum Wind Energy" so geäußert, dass Rammarbeiten bei Offshore-Projekten angeblich für Schweinswale unproblematisch seien, weil bei FINO 3 ein vorgeschriebener Wert von 160 dB im Abstand von 900 bis 1.000 m eingehalten wurde. Es reiche daher aus, Schweinswale aus diesem Gefahrenbereich zu vergrämen. Man könne so auf weiteren Lärmschutz verzichten.
Dieser Einschätzung widersprechen die drei Verbände heftig. "Es ist keine Wissenschaft, vorgefertigte Meinungen aus den Untersuchungsergebnissen herauszulesen", kommentiert Ulrich Karlowski, Biologe der GRD, die Äußerung von Ministerialrat Udo Paschedag. Der vom Umweltbundesamt (UBA) geforderte Grenzwert für den Einzelereignispegel von 160 dB in 750 m Abstand wurde zwar nur um 2 dB überschritten, jedoch nur aufgrund des Einsatzes eines Blasenvorhanges mit 140 m Durchmesser. Ohne Blasenvorhang ergibt sich dagegen eine Überschreitung des Grenzwertes um 14 dB. Dies entspricht wegen der logarithmischen Skalierung einer etwa 25-fach höheren Schallleistung. Der Spitzenpegel überschreitet den Grenzwert von 170 dB sogar um 25 dB.
Insgesamt werten die Verbände die Ergebnisse der Schallmessungen bei Offshore-Rammarbeiten prinzipiell als positiv. Blasenvorhänge sind für den Schallschutz geeignet. Die Verringerung des Breitband-Schalldrucks um bis zu 12 dB durch einen Blasenvorhang verringert die Fläche des Gefahrenbereichs für Meeressäuger um 97 %.
Beim Bau des belgischen Windparks ‚Thornton Bank‘ wurden aber Schwerkraftfundamente in 25 m Wassertiefe eingesetzt, die ohne einen einzigen Rammschlag auskommen. Innovativere Lösungen zur Vermeidung unnötigen Lärms sollten nach Meinung der Verbände daher bei der Bauausführung oberste Priorität haben. Bei unvermeidlichem Lärm müssen die bereits mehrfach erfolgreich erprobten Lärmminderungsmaßnahmen zum Einsatz kommen.
Denn neuere amerikanische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Gefährlichkeit für Meerestiere mit der Anzahl der Rammschläge steigt. "Es bleibt ein deutlicher Unterschied, ob Schweinswale einem einzelnen Schallimpuls, oder - wie bei FINO 3 - mehreren tausend Schallimpulsen ausgesetzt sind", erläutert Biologin Petra Deimer von der GSM. Die Energie von Schallimpulsen addiert sich im Ohr. Dieser Umstand ist im derzeitigen Grenzwert des Umweltbundesamtes noch nicht berücksichtigt. Hier muss nach Ansicht der Verbände nachgebessert werden.
Der UBA-Grenzwert berücksichtigt zudem in keiner Weise die Vertreibung der Schweinswale durch lärmintensive Arbeiten aus ihrem Lebensraum. Auch kumulative Wirkungen wurden bislang nicht in die Betrachtung einbezogen. "Wenn in den nächsten Jahren, wie von Teilen des Bundesumweltministeriums gewünscht, tausende Windenergieanlagen im Meer installiert werden, ist allerorten mit enormem Krach zu rechnen. Schweinswale können diesem Lärm dann nicht mehr entkommen", erklärt Hermann Schultz, Landesvorsitzender des NABU.
-> -> Karte des BSH: "Nordsee Offshore-Windparks; geplant, genehmigt, abgelehnt, im Bau, in Betrieb" (pdf 200kb)
+++ Gemeinsame Pressemitteilung +++ Gemeinsame Pressemitteilung +++
29.07. 2008; Neumünster | Quickborn | München - Am 30. Juli 2008 wird 80 km westlich von Sylt der 73 m lange und 4,7 m breite Fundamentpfahl der schleswig-holsteinischen Forschungsplattform "FINO 3" rd. 30 m tief in den Meeresgrund gerammt. Durch extrem laute Schallemissionen ins Meer können jedoch die dort lebenden Schweinswale massiv gestört und aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben werden. Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und NABU Schleswig-Holstein befürchten negative Folgen für die bedeutende Schweinswal-Kinderstube vor Sylt. Da der Nutzen von „FINO 3“ zweifelhaft ist, halten die Naturschutzverbände das Projekt für überflüssig.
Mit etwa 4 bis 5 Schweinswalen pro km² haben Wissenschaftler der KielerUniversität um den Standort von FINO 3 herum die höchsten Schweinswaldichten deutscher Meeresgebiete bestimmt. Hier liegt der wchtigste deutsche sommerliche Schweinswallebensraum. Ausgerechnet indiesem Gebiet und ausgerechnet zur Zeit der Jungenaufzucht zu bauen, widerspricht dabei nach Auffassung der Verbände allen öffentlichen Bekenntnissen der Bundesregierung zum Walschutz.
Schweinswale bekommen in der Nordsee zwischen Anfang Juni und Mitte Juli ihre Jungen. Die bei Bauarbeiten auftretenden Schalldrücke sind trotz vorgesehener Schallschutzmaßnahmen mit Schalldrücken von 225 dB extrem laut. Ein derart intensiver Lärm wird alle Schweinswale aus einem Gebiet von der Größe des schleswig-holsteinischen Wattenmeer-Nationalparks vertreiben, befürchten die Sprecher der Umweltorganisationen.
"Schweinswal-Kälber sind nun etwa vier bis acht Wochen alt. Sie schwimmen deutlich langsamer als ihre Mütter, was beim durch die Rammarbeiten ausgelösten Fluchtverhalten die Gefahr birgt, dass Kälber von ihren Müttern getrennt werden und sterben", erklärt Petra Deimer, Meeresbiologin der GSM.
Beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen, die ebenfalls im Impulsrammverfahren im Meeresboden verankert werden, fordert das Umweltbundesamt UBA für Gebiete mit hoher Bedeutung für Geburt und
Aufzucht von Schweinswalen, in den Monaten April bis August keine
lärmintensiven Arbeiten durchzuführen. Diese Auflage floss bislang auch
in viele Genehmigungen für deutsche Windparks ein.
"Warum ausgerechnet FINO 3 als öffentlich gefördertes Windkraft-Forschungsprojekt von dieser Praxis abweicht, ist nicht nachvollziehbar", erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD. "Vom Bundesumweltministerium werden wortreiche Konferenzen über Klima- und Artenschutz veranstaltet, wenn es aber darum geht, wirkungsvolle Schutzmaßnahmen vor Ort umzusetzen und die Empfehlungen von Experten zu berücksichtigen, stellt sich Umweltminister Gabriel taub".
Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU Schleswig-Holstein, ergänzt:
"Aus Erfahrungen mit den deutschen Forschungsplattformen FINO 1 und 2
wissen wir auch, dass an den Masten viele Vögel durch Kollision ums
Leben kommen können. Man muss sich fragen, ob der geringe zusätzliche
Erkenntnisgewinn durch eine weitere Plattform so groß ist, dass er die
offensichtlichen massiven Beeinträchtigungen für die Natur
rechtfertigt."
Copyright Fotos "Rammarbeiten FINO 3": FuE-Zentrum FH Kiel GmbH
-> -> Diese Meldung in der pdf-Version
Es geht auch anders mit Schwerkraft-Betonfundamenten wie beim Bau der REpower 5M Anlage (siehe Foto). Diese Fundamente müssen nicht gerammt werden und sind also auch bei den ganz großen Anlagen technisch möglich. Man muss sich das so vorstellen, dass an Land ein "Haus" vorgefertigt, dann im Meer versenkt und anschließend mit Sand vollgespült wird.
Die Schallemissionen dürften hier weitaus geringer sein. Warum ausgerechnet beim Bau der mit Steuergeldern geförderten Forschungsanalge "Fino 3" nicht die wesentlich umweltfreundlichertere Schwerkraft-Betonfundament-Technik verwendet wird, ist ebenso skandalös wie rätselhaft. Oberartenschützer Sigmar Gabriel ist wohl schon vom Windkraftgetöse völlig taub für den Meeresartenschutz geworden...
Bild: Die erste von sechs REpower 5M im belgischen Hochseewindpark Thornton Bank wird in einer Wassertiefe von rund 25 Metern installiert.
Quelle: obs/REpower Systems AG
12.07.2008 - So richtig und wichtig der Kampf gegen die globale Klimaerwärmung ist, er darf nicht zu Lasten der Umwelt gehen, die man eigentlich durch Klimaschutzmaßnahmen schützen möchte. Doch genau dies geschieht: Vermeintlich klimafreundliche Technologien erweisen sich zunehmend als Umweltkiller. Angefangen vom Primärregenwälder und landwirtschaftliche Ertragsflächen zerstörenden Anbau von Pflanzen zur Biokraftstofferzeugung (Agrokraftstoffe/Biosprit), über die unerwartete Renaissance der Atomkraft bis hin zum rücksichtlosen Ausbau von Offshore-Windenergieanlagen an unseren Küsten.
Und spätestens als die Bundesregierung angesichts stetig steigender Gas- und Ölpreises bekannt gab, verstärkt auf Windenergie zu setzen, steht einem hemmungslosen Ausbau dieser Energiequelle nicht mehr viel im Wege. Da kümmern auch ein paar vom Aussterben bedrohte Schweinswale wenig, die durch während der Bauarbeiten sogar vermeidbare Schallemissionen aus ihren Lebensräumen vertreiben oder getötet werden könnten. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), für den Naturschutz offenbar lediglich ein planerisches Ärgerniss ist, hat bereits einen Raumordnungsplan zum Bau von bis zu 30 Windparks in der Nord- und Ostsee fertiggestellt. Das Bundesumweltministerium (BMU) gibt geflissentlich Geleitschutz und verbreitet beschönigende Erklärungen.
Bereits im Mai begannen die Bauarbeiten für den dänischen Windpark "Horns Rev 2" westlich von Blåvands Huk, denkbar ungünstig genau in der Zeit, in der Schweinswale ihre Jungen gebären. In dem betroffenen Gebiet kommen sie in dieser Zeit nicht nur in besonders hoher Dichte vor, es ist auch noch ihre wichtigste Kinderstube.
„Es ist eine Farce, wenn der Bau von als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube bedrohter Schweinswale verwüstet“, beklagten GRD, NABU und Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) in einer gemeinsamen Presseerklärung.
GRD, NABU und GSM fordern, wirksame Schallschutzmaßnahmen beim Bau aller Offshore-Installationen. Gerade für die Errichtung der Fundamentpfähle sind diese bereits erprobt und wirksam. Aus Kostengründen wollen jedoch viele Windparkbetreiber auf deren Einsatz verzichten.
Der bedenkenlose Klima-Aktionismus der Bundesregierung, der schon beim Biosprit-Desaster eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde, wird unsere heimische Artenvielfalt mit voller Wucht treffen. Lebensräume werden zu lebensfeindlichen Wüsten klimageschützt und bedrohte Tierarten – wenn auch klimafreundlich – ausgerottet.
Ulrich Karlowski
copyright Foto Windturbine: BMU / Thomas Härtrich
-> Schreiben von NABU, GRD und GSM an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel v. 18.06.2008 (pdf)
29.05.2008; Neumünster | München | Quickborn – Mitte Mai begannen die Bauarbeiten für den dänischen Windpark "Horns Rev 2" westlich von Blåvands Huk. Was der Umwelt nutzen soll, schadet Meeressäugern wie dem Schweinswal, stellen die Umweltorganisationen GRD, GSM und NABU fest: Rammen, die die 91 Fundamentpfähle der Anlagen in den Boden treiben sollen, erzeugen erheblichen Lärm. Unter Wasser werden Schalldrücke von bis zu 235 dB erreicht. Der Zeitpunkt für die Arbeiten ist denkbar ungünstig gewählt – für Schweinswale steht die Geburt ihrer Jungen unmittelbar bevor. Auch die Bundesrepublik verzichtet häufig auf technisch möglichen Schallschutz auf See.
Durch das Rammen der Fundamente vor Blåvands Huk wird die Schweinswal-Kinderstube über die gesamte Fortpflanzungszeit in einen "Technobunker" verwandelt. Welche Auswirkungen die monatelangen Rammarbeiten haben, ist trotz Umweltverträglichkeitsstudien unbekannt. GRD, GSM und NABU befürchten in dieser empfindlichen Zeit erhebliche Störwirkungen. Die 9. UN-Naturschutzkonferenz (CBD) bedauert wortreich den anhaltenden Verlust der globalen Artenvielfalt - die Weltgemeinschaft wird auf wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel eingeschworen. "Unsere Meere verkommen dabei zusehends zu lauten Industriegebieten. Es ist eine Farce, wenn der Bau der als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube der Schweinswale verwüstet", stellt Petra Deimer von der GSM fest.
Für die Nordsee-Schweinswale steht die Fortpflanzungszeit unmittelbar bevor: In einem grenzüberschreitenden Bereich, der sich westlich des dänischen Wattenmeeres und der Inseln Sylt und Amrum bis etwa 100 km ins Meer erstreckt, kommen sie in dieser Zeit in besonders hoher Dichte vor. Hier liegt nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern auch deren wichtigste Kinderstube. Der dringend notwendige Schutz dieser gefährdeten Meeressäugetiere fußt jedoch auf wenigen Schutzgebieten, die aber den Kleinwalen keine ausreichende Sicherheit bieten: Für Schweinswale lebensgefährliche Stellnetze, der Abbau von Kies, seismische Untersuchungen, aber auch der Bau von Windparks gefährden selbst hier wie im übrigen Meer die Meeressäuger.
NABU, GSM und GRD fordern, wirksame Schallschutzmaßnahmen beim Bau aller Offshore-Installationen zu nutzen. Gerade für die Errichtung der Fundamentpfähle sind diese bereits erprobt und wirksam. Aus Kostengründen wollen jedoch viele Windparkbetreiber auf
deren Einsatz verzichten. "Mit Blasenvorhängen oder schallisolierten Stülprohren lässt sich aber eine Reduzierung der Gefährdungsfläche auf ein Hundertstel erreichen", erklärt NABU-Landesvorsitzender Hermann Schultz. "Entsprechend muss der Einsatz vom Bund zwingend vorgeschrieben werden."
Denn in der Bundesrepublik sieht es beim Schallschutz nicht deutlich besser aus. Hier wird der Startschuss zum Offshore - Windenergieboom in diesem Jahr gegeben. Vor Sylt soll die Forschungsplattform "FINO 3" und vor Borkum das Offshore Testfeld "alpha ventus" mit 12 Windenergieanlagen gebaut werden – ohne effektiven Schallschutz. Insgesamt sind in der Nordsee 16 und in der Ostsee drei weitere bereits genehmigte Windparks mit je 80 Anlagen geplant. Hinzu kommen noch Windparks in Küstennähe, die durch die Landesbehörden in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern genehmigt wurden.
Selbst bei öffentlich geförderten Projekten wie "FINO 3" und "alpha ventus" drückt man sich um Zusagen für einen effektiven Schallschutz. Für ein vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördertes Errichtungsschiff ist ebenfalls kein Schallschutz vorgesehen. Diesbezügliche Anfragen von NABU, GSM und GRD an das BMU und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) blieben bislang entweder unbeantwortet, oder die Antwort fiel so allgemein aus, dass es zweifelhaft erscheint, dass rechtzeitig zum Baubeginn entsprechende Schallschutzmaßnahmen vorliegen werden.
Wir befürchten, dass kommerzielle Windparkbetreiber in Deutschland ebenfalls auf Schallschutzmaßnahmen verzichten wollen, wenn sich selbst Bundeseinrichtungen darum drücken", erklärt Ulrich Karlowski von der GRD.
AKTUELL: 16.07.2008 - Bau des ersten Offshore-Windparks "alpha ventus" kann beginnen:
Hamburg/Borkum (dpa/lno) - Der Bau des ersten Offshore-Windparks "alpha ventus" in der Nordsee kann beginnen. Das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erteilte am Dienstag die Baufreigabe für die Testanlage. 45 Kilometer nördlich von Borkum können die ersten zwölf Rotoren mit je fünf Megawatt Leistung aufgestellt werden. "Damit wird "alpha ventus" das erste Windparkprojekt in Deutschland sein, das voraussichtlich ab Herbst Strom auf hoher See produziert", sagte Christian Dahlke, der im BSH für Offshore-Vorhaben und marine Raumordnung verantwortlich ist. Der Bund fördert das Vorhaben mit 50 Millionen Euro.
Copyright Foto: BMU / Thomas Härtrich
Welchen Einfluss haben Windparks auf hoher See mit hunderten, bis 150 Meter hohen Windrädern auf die Meeresumwelt?
Einen Teilaspekt dieser Frage, das Verhalten von Schweinswalen und Seehunden im Einflussbereich des Unterwasserschalls von Windgeneratoren, bearbeiten die beiden Kieler Meeressäugerspezialisten Prof. Dr. Boris Culik und Sven Koschinski. Die GRD beteiligte sich an der Finanzierung einer Pilotstudie der beiden Forscher.
Bericht von Sven Koschinski:
Schweinswale in freier Wildbahn zu erforschen ist eine Herausforderung - naturgemäß halten sie sich überwiegend unter der Wasseroberfläche auf und sind außerdem noch recht scheu. Die auftauchenden Schweinswale sind zwischen den Wellen der Nord- oder Ostsee kaum auszumachen.
Ein Untersuchungsgebiet mit idealen Bedingungen fand sich in den geschützten Fjorden an der Westküste Kanadas. Das Oberflächenverhalten dort lebender Schweinswal- und Seehundpopulationen konnte mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät aus der Vermessungstechnik) beobachtet und jeder Auftauchpunkt genau vermessen werden.
Die Schweinswale wurden unter Wasser noch zusätzlich mit einem Klickdetektor belauscht, der das Biosonar der Tiere erfasst und die Anzahl der Echoortungs-Klicks im 10-Sekunden-Rhythmus registriert. Damit konnten erstmals genaue Sichtbeobachtungen und akustische Messungen "übereinander gelegt" werden.
Geräusche schwedische Offshore-Windenergieanlagen wurden den Meeressäugetieren mit einem CD-Player und einem über 70 kg schweren Unterwasserlautsprecher vorgespielt. So simulierten wir für die bis dahin ungestörten kanadischen Tiere die Geräuschkulisse in der Umgebung einer Windenergieanlage. Wir konnten innerhalb von zwei Wochen die Reaktionen von über 800 Schweinswalgruppen und über 300 Seehunden erfassen.
Die Ergebnisse sind überraschend. Die Schweinswale und Seehunde hielten im Schnitt einen größeren "Sicherheitsabstand" zur Schallquelle ein, wenn die Geräusche abgespielt wurden, doch ein Ausschlussgebiet rundherum, wie wir es in einem früheren Versuch mit Piepern (1) festgestellt hatten, konnte nicht beobachtet werden. Einige Tiere tauchten sogar wiederholt unmittelbar neben dem Unterwasserlautsprecher auf.
Die Schweinswale setzten bei angeschaltetem Geräusch ihr Biosonar etwa doppelt so häufig ein wie im Kontrollversuch. Wahrscheinlich wurde die Schallquelle auf diesem Sinneswege genauer untersucht.
Dass sich einige Tiere der Lärmquelle neugierig näherten, ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Die Schweinswale reagierten auf die Störung und in welchem Ausmaß dies bei größeren und mehreren Offshoreanlagen der Fall sein wird, muss noch näher untersucht werden.
Zudem sind nach wie vor die begleitenden Probleme zu lösen. Vor allem beim Bau der Anlagen in den sturmarmen Sommermonaten - also genau zur Fortpflanzungszeit von Schweinswalen und Seehunden, kommt es zu erhöhtem Schiffsverkehr durch Baufahrzeuge sowie weitreichenden Schallemissionen durch Rammarbeiten für die Fundamente der Windmühlen. Dieser zum Teil erhebliche Lärm könnte die Tiere aus ihrem Habitat vertreiben.
Da alle Antragsteller ihre Windparks bis 2006 fertigstellen wollen (denn nur so weit reicht die Förderung des Gesetzgebers durch die Garantie hoher Stromeinspeisevergütungen), wird es vor der deutschen Nord- und Ostseeküste kaum einen unbeeinflussten Bereich geben, der sich als ruhiges Rückzugsgebiet für die Tiere eignet. Hier müssen Genehmigungsbehörden den Bauunternehmen rechtzeitig Grenzwerte vorschreiben und geeignete Maßnahmen zur Schalldämmung gefunden werden.
Ob Blasenvorhänge (2) eine Lösung darstellen, ist noch unklar. Auch sollten die Betreiberfirmen sich nach alternativen Gründungsarten umschauen (zum Beispiel Einspülen der Fundamente). Für die spätere Betriebsphase der Windparks suchen wir weiterhin nach unkritischen Frequenzbereichen für Windräder und Turbinen.
Da das Hörvermögen von Schweinswalen und Seehunden mit tiefen Frequenzen immer weiter abnimmt, müssen die Konstrukteure darauf achten, dass die Anlagen auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht anfangen zu "jaulen".
Unser Ziel ist es, bereits in der Entwicklung der Windgeneratoren mit technischen Maßnahmen das Emissionsverhalten positiv zu beeinflussen.
(1) Pieper oder englisch "pinger" sollen dazu dienen, die hohen Beifangraten von Schweinswalen zu verringern, indem die Tiere von Netzen vertrieben werden. Ungelöste Probleme bereiten dabei eine mögliche Gewöhnung an den Schall und ein eventueller Ausschluss aus ihrem Habitat.
(2))Blasenvorhang: Unterwässerschläuche mit vielen Löchern sprudeln Luftblasen. An dem dadurch entstehenden "Vorhang" brechen sich die Schallwellen bestimmter Frequenzen, dahinter ist es leiser.
pdf-download (ca. 900 KB) der Publikation "Behavioural reactions of free-ranging porpoises and seals to the noise of a simulated 2 MW windpower generator"; erschienen in: Marine Ecology Progress; Vol. 265: 263-273; vom Dezember 2003
Dezember 2004 - In zwei Schutzgebieten in der Ostsee dürfen keine Offshore-Windparks errichtet werden. Die Anträge auf Genehmigung zweier Windparks in der "Pommerschen Bucht" und im angrenzenden Gebiet "Adlergrund" hat das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg abgelehnt.
Deutschland habe beide Gebiete bereits als Teile des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 vorgeschlagen und nach Brüssel gemeldet, teilte das Bundesumweltministerium (BMU) mit.
Strategie der Bundesregierung sei ein umwelt- und naturverträglicher Ausbau der Windenergie auf hoher See. Das europäische Vogelschutzgebiet "Pommersche Bucht" gilt als ideales Rast-, Mauser-, Nahrungs- und Überwinterungsquartier, insbesondere für verschiedene Entenarten. Das Gebiet "Adlergrund" zeichne sich vor allem durch wertvolle Sandbänke und Riffe aus. Die Antragsteller waren laut BMU frühzeitig darauf hingewiesen worden, dass die ausgewiesenen Schutzgebiete in Nord- und Ostsee grundsätzlich nicht für den Bau von Windenergieanlagen geeignet sind.
Die beiden Windparks sollten insgesamt 115 Anlagen umfassen.