Plastikmüll vergiftet die Weltmeere

Sanierung des Ozeans ist (noch) zu teuer

Honolulu/Tokio/Hannover, 07.01.2010 | Quelle: Wiener Zeitung (gfm) - Einfach abfischen kann man insbesondere die kleineren Plastikpartikel nicht. Denn im Nordpazifikwirbel sammeln sich zwischen den Müllmassen auch Myriaden von Kleinstlebewesen. Mit herkömmlichen Absaugmethoden würde man das wertvolle Zooplankton vernichten, ebenso das Phytoplankton, einen der wichtigsten Sauerstoffproduzenten der Erde. Zumindest die größeren Plastikteile einzusammeln und zu entsorgen, wäre teuer und aufwendig. "Ich kenne keine einzige Organisation, kein einziges Unternehmen, das die Mittel dazu hätte", meint Holly Bamford von der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA).

 

Der kalifornische Umweltschützer Doug Woodring arbeitet an einer Lösung. Vorigen Sommer erkundete er die aktuelle Situation im Müllstrudel mit dem Forschungsschiff "New Horizon" der Scripps Institution of Oceanography von der University of California in San Diego. Woodring war schockiert: "Auf einer Strecke von 1200 Seemeilen fanden wir immens mehr Plastikreste, als wir erwartet hatten." Stichproben werden derzeit an Land untersucht. Man will herausfinden, wie sich der Müll bewegt und auf die Meeresflora und -fauna auswirkt.

Fast zeitgleich segelte die "Kaisei" des Ocean Voyages Institute in Sausalito durch den Müll. Die 25-köpfige Besatzung (Wissenschafter, Umweltschützer, Meeresfreunde und Segler) erprobte verschiedene Verfahrenstechniken zur Abschöpfung des Plastikmülls. Woodring hat die gemeinnützige Initiative 2008 mitbegründet.

Ein künstlicher Strand zieht den Kunststoff an
Eine innovative und umweltschonende Sammelmethode wurde bereits erfolgreich getestet. Eine schiefe Ebene aus Holz mit Seitenwänden ahmt einen Strand nach, an dem die Kunststoffpartikel hängen bleiben, während die Kleinstlebewesen beidrehen und entkommen können. Das eine Ende liegt 30 Zentimeter unter, das andere 8 Zentimeter über der Meeresoberfläche. Schwappt das Wasser hinaus, fließt es über die obere Kante ab, wo ein Auffangnetz angebracht ist. Darin sammelte sich schon nach kurzer Zeit enorm viel Plastik an, aber fast keine Meeresorganismen.

Doch wohin mit dem gesammelten Kunststoff? Man könnte daraus zum Beispiel Dieselöl destillieren. Allerdings laufen selbst viele Pilotanlagen an Land noch nicht rentabel und haben Qualitätsprobleme beim Rohstoff. PET und PVC etwa sind für das Plastik-zu-Diesel-Verfahren ungeeignet. "Aber Polyethylen lässt sich mit unserem System bei eintsprechendem Reinheitsgrad verarbeiten", erklärt Garry Baker von Ozmotech. Polyethylen ist weltweit die am meisten produzierte Sorte - in Form von Verpackungsfolien, Haushaltswaren oder Flaschen.

Schätzt man deren Anteil an der schwimmenden Müllmenge auf ein Drittel, ließen sich mehrere hundert Millionen Liter Diesel daraus destillieren. Bei den derzeitigen Biodieselpreisen könnte sich eine solche innovative "Ölförderung auf See" zumindest in der Theorie eines Tages als tragfähiges Geschäftsmodell erweisen. Vielleicht ist deshalb der internationale Dachverband der Recyclingindustrie ein Hauptsponsor das "Kaisei"-Projekts - obwohl bisher keines der 750 Mitgliedsunternehmen im Plastik-zu-Diesel-Business aktiv ist. Ohne staatliche Subventionen wäre das Einsammeln des Kunststoffes auf hoher See für ein solches Recyclingprojekt allerdings derzeit schlicht zu teuer.

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"Plastic Planet"

03.09.2009 - Wie gefährlich ist Plastik? Dieser Frage geht Werner Boote in seinem neuen Dokumentarfilm nach. "Plastic Planet" verfolgt die historischen Spuren von Plastik und zeigt seine weltweite Herstellung, Nutzung und Verbreitung.

Lange Zeit hat niemand hinterfragt, wie sich dieses chemische Wunder, das jede Form annehmen kann, zur Umwelt verhält, wie lange Plastikmüll auf den immer größer werdenden Deponien überdauert, sich unbemerkt und unsichtbar in der Natur, in Ozeanen, Wüsten und Wäldern verbreitet. Regisseur Werner Boote deckt in seinem investigativen Kinodokumentarfilm auf, wie die unterschätzte Gefahr Plastik weltweit Menschen und Ökosysteme bedroht.

Webseite zum Film: www.plastic-planet.at

 

Neue Studie: Plastik zerfällt im Meer sehr schnell

Washington DC, 20.08.2009 | Quelle: pte - Plastikabfälle im Meer zerfallen einer neuen Studie zufolge sehr viel schneller als bisher angenommen. Der große Nachteil dabei ist, dass die einzelnen - zum Teil sehr gefährlichen - Bestandteile dadurch ins Wasser geraten. Beim derzeit in Washington DC stattfindenden Treffen der American Chemical Society (ACS) wurde eine Studie vom japanischen Chemiker Katsuhiko Saido dazu präsentiert. Erst vor kurzem haben sich Forscher der kalifornischen Scripps Institution of Oceanography auf den Weg gemacht, den größten Müllstrudel der Welt - den Great Pacific Garbage Patch - zwischen Kalifornien und Hawaii zu untersuchen.

Plastikprodukte, die im täglichen Leben verwendet werden, scheinen ziemlich stabil zu sein."Plastikprodukte, die im täglichen Leben verwendet werden, scheinen ziemlich stabil zu sein", meint Saido, der als Chemiker an der Nihon University in Chiba tätig ist. "Wir haben allerdings entdeckt, dass Plastik im Meer aufgrund der Umwelteinflüsse wie etwa Sonne und Regen relativ rasch zerfällt. Das große Umweltproblem dabei ist, dass dieser Zerfall eine weitere Quelle der Kontamination darstellt, die weltweit stark zunehmen wird", so der Forscher. Zu den gefährlichen Stoffen, die gelöst werden zählen unter anderem Bisphenol A. Es wird als Hauptbestandteil bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen etwa für Compact Discs, Plastikschüsseln, Babyfläschchen sowie für Epoxidharzlacke für Beschichtungen von Konservendosen und Folienverpackungen verwendet. Die Substanz steht nach zahlreichen Versuchen im Verdacht, erbgutschädigend zu sein. In Tierversuchen stört es die Embryonal- und Gehirnentwicklung, verursacht Unfruchtbarkeit, Krebs und Verhaltensstörungen.

Ganz klar ist nicht, ob die Konzentrationen in den Meeren groß genug sind, um tatsächlich Vergiftungsschäden anzurichten. Forscher haben allerdings berichtet, dass Fische und Krustentiere Kunststoffteile fressen und diese dadurch auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Ob die Plastikteile im Verdauungstrakt in ihre Einzelbestandteile zerfallen, kann Saido nicht bestätigen. Bedrohlich ist jedoch die Größe des Garbage Patch im Pazifik. Mittlerweile gehen Experten von einer Fläche zwischen 700.000 und einer Mio. Quadratkilometer aus.

Auf den weltweit wachsenden Plastikmüllberg macht auch der Filmemacher Werner Boote in seinem neuesten Dokumentar-Kinofilm "Plastic Planet", der Ende September 2009 anlaufen wird, aufmerksam. "Vor zehn Jahren war das Verhältnis Plastik zu Plankton in den Ozeanen noch sechs zu eins", erklärt Charles Moore, der 1994 den tausende von Kilometern großen Plastikmüllteppich im Nordpazifik entdeckt hat. "Mittlerweile ist das Verhältnis 60 zu eins", so Moore. 80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von insgesamt weltweit jährlich rund sechs Mrd. Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane.

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Giftwarnung durch Plastikabfälle im Meer - Meeresforscher: Kunststoff wirkt als Magnet für toxische Stoffe

London/Washington, 28.03.2008 | Quelle: pte - Der Plastikabfall in den Weltmeeren birgt eine große Gefahr für die Vergiftung der gesamten Nahrungskette. Zu diesem Schluss kommen internationale Meeresforscher. Nicht nur große, sondern auch Milliarden von Kleinstteilchen enthalten zum Teil hohe Konzentrationen gefährlicher Gifte wie etwa DDT. Bisher lag der Fokus nur auf größeren Plastikabfällen, die eine unmittelbare Gefahr für Seevögel, Meersschildkröten und andere Meerestiere darstellten. Nun warnen die Forscher aber auch vor den mikroskopisch kleinen Teilchen, denn in ihnen liegt die Gefahr einer versteckten Kontamination.

 

Der Meeresbiologe Richard Thompson von der University of Plymouth hat untersucht, wie Plastik im Wasser zu immer kleineren Teilchen zerfällt und wie kleine marine Organismen wie etwa Seepocken auf diese reagieren. Das Ergebnis war selbst für den Experten schockierend, denn die Kunststoffpartikel akkumulieren Giftstoffe des Meerwassers und sorgen für Konzentrationen, die tausende Male größer sind als im Wasser. "Die Gefahr ist dann gegeben, wenn Lebewesen diese Teilchen als Nahrung zu sich nehmen", erklärt der Forscher. Dann werde es erst recht gefährlich, denn dadurch gelangen die Toxine in den Organismus der Tiere. Thompson bringt die Gefahr der Abfälle auf den Punkt: Die Kunststoffteilchen wirken wie Magnete für Toxine im Meer.

 

Thompson hat sowohl im Hafen von Plymouth in Cornwall als auch im Aquarium Experimente gemacht, um zu sehen wie schnell Kunststoffe zerfallen und wie viel der Plastikpartikel von den Lebewesen aufgenommen wird. Untersuchungen am Strand haben ergeben, dass auf mikroskopischem Niveau die Kunststoffverschmutzung viel schlimmer ist, als bisher angenommen. In Sandproben machen die Abfallpartikel bis zu einem Viertel des gesamten Gewichts aus. Das Dramatische daran ist, dass diese Kunststoffteilchen in allen Kontinenten der Erde gefunden wurden.

 

"Das Schlimme an dem Kunststoffabfall ist seine Stabilität", erklärt Matt Brown von der Midway-Station des US Fish and Wildlife Service. Das kleine Midway-Atoll, das im 2. Weltkrieg einmal in den Schlagzeilen der Weltpresse stand - hier hatten die Amerikaner den Japanern schwere Schäden an der Flotte zugefügt - zählt seit Jahren zu den Nistplätzen für sehr seltene Vogelarten. Mehr als zwei Mio. Albatrosse nisten hier. Forscher hatten erst vor kurzem berichtet, dass etwa ein Drittel der Albatros-Jungen sterben, weil sie versehentlich mit Plastikabfällen gefüttert werden. Wildhüter untersuchen regelmäßig die Mägen der toten Vögel und finden dort Mengen von Plastikabfällen.

 

Allein die großen Mengen an täglich angeschwemmten Plastikabfall aus dem Meer, die von den Wildhütern aus dem mittlerweile zum Marine National Monument erklärten Atoll entfernt werden müssen, machen klar, dass die Schlacht um Midway noch lange nicht zu Ende ist.

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Weitere Beiträge zum Thema:

taz.de (12.03.2008): Plastik in der Nordsee Unsichtbare Müllgefahr im Meer

Deutschlandradio Kultur (02.03.2008): Plastik statt Fisch im Bauch - Seevögel sterben am Plastikmüll in der Nordsee

 

Verbot von Plastiksäcken in Australien

Canberra, 21.02.2008 - Der vom Rocksänger zum australischen Umweltminister aufgestiegene Peter Garrett lässt mit radikalen Gesetzesvorhaben aufhorchen.

 

Als Peter Garrett noch Leadsänger der Sydneyer Rockgruppe „Midnight Oil“ war und auf Tourneen durch Australien zog, begeisterte er die Mengen mit seinen dem Umweltschutz gewidmeten aktivistischen Liedern. Damals konnte er nur davon träumen, echten Einfluss auf die Umweltpolitik seines Landes zu haben. Dieser Traum hat sich inzwischen realisiert. Denn Garret ist heute Umweltminister in der vor Weihnachten in Australien gewählten neuen Labor-Regierung.

 

Nun lässt Garret bereits mit einem radikalen Gesetzesvorschlag aufhorchen. Und zwar sollen in Australien bis zum Jahresende Einkaufssäcke aus Kunststoff komplett verboten werden. Dieses Vorhaben wurde von der Regierung bereits beschlossen. In den kommenden Monaten sollen die genauen Details mit den einzelnen Bundesstaaten abgesprochen werden. Australien folgt damit dem Beispiel der US-Stadt San Francisco. Dort wurden Plastiksäcke in Supermärkten bereits im Vorjahr verboten.

 

Jedes Jahr tragen die Australier ihre Einkäufe in rund vier Mrd. meist kostenlosen Plastikbeuteln aus den Supermärkten und anderen Geschäften nach Hause. Etwa 90 Prozent dieser Beutel – schätzungsweise 22.000 Tonnen – landen nach dem Gebrauch auf den Mülldeponien. Denn nur zehn Prozent der australischen Haushalte trennen ihren Müll und führen das Plastik einer Wiederverwertung zu.

 

Meerestiere verenden
Zudem landen viele der Plastiksäcke auch auf den Straßen, in den Flüssen oder werden an den Stränden weggeworfen. Viele davon gelangen schlussendlich ins Meer und töten dort Zehntausende von Meerestieren – darunter Wale, Robben, Delfine und Schildkröten. Die Tiere halten die Säcke für Quallen oder andere Nahrung und verschlucken sie.

 

Vor allem die Gefahr für die Tierwelt beunruhigt die australische Öffentlichkeit. Deshalb gibt es in der Bevölkerung weitgehend Unterstützung für die Pläne der Regierung. So gibt es bislang bereits etwa 30 Gemeinden, aus denen die Plastikbeutel auf Grund freiwilliger Privatinitiative verbannt sind.

 

Anders wird die Situation von der australischen Wirtschaft gesehen. Vor allem der Einzelhandelsverband bekämpft das Vorhaben von Garrett. Richard Evans, der Vorsitzende des Verbandes, meinte, das Verhalten der Menschen lasse sich nicht durch Gesetze ändern. Er sagte auch voraus, dass durch alternative Materialen, wie beispielsweise Papier, den Käufern höhere Preise entstehen würden. Außerdem würde durch die aufwendigere Produktion der Papiersäcke auch die ohnehin schlechte CO2-Bilanz des Landes weiter verschlechtert werden.

 

Wirtschaft: Strafen statt Verbot
Auch die Plastik- und Chemieindustrie setzt sich zur Wehr. Ihre Verbands-Geschäftsführerin Margaret Donnan bezeichnete die Entscheidung der Labor-Regierung als eine „Überreaktion“ und erklärte, es würde besser sein, die Strafen gegen die Umweltverschmutzung zu verschärfen, anstelle die Plastikbeutel zu verbieten. Immerhin entfallen etwa zwei Prozent der australischen Produktion von Plastikstoffen auf die unliebsam gewordenen Säcke. Indessen arbeiten die Forscher an der Universität von Neusüdwales an einem neuen Verfahren zur Verwendung der alten Plastikbeutel beim Recycling von Stahl. Versuche laufen derzeit bei der Stahlfirma OneSteal.

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Der Sturz in den Müllstrom

09.04.2007 - Quellen: TELEPOLIS, SZ, GRD, pressetext.austria - Edgar Allen Poe würde heute wohl eher über einen "Sturz in den Müllstrom" denn von einem in einen Mahlstrom erzählen. Denn die Meere drohen an dem, was bei der Zivilisation hinten heraus kommt, zu ersticken.

 

Von den jährlich 125 Millionen Tonnen Kunststoff, die wir produzieren, landet ein beträchtlicher Teil im Meer. Forscher arbeiten nun an einem Plastik, das sich in Salzwasser auflöst. Hätten Kolumbus und seine Männer ihre Lebensmittel schon in Plastiktüten aufbewahrt - die Reste davon würden sich wohl heute noch an Amerikas Stränden finden. Insofern hat die Menschheit noch Glück, dass Plastik sich erst seit dem vergangenen Jahrhundert so großer Beliebtheit erfreut.

Es gibt wenige Zivilisationsprodukte, die sich wirklich hartnäckig in den Stoffkreislauf einklinken. Radioaktiver Abfall mit seinen teilweise langen Halbwertszeiten ist problematisch - und das Plastik-Material, aus dem mittlerweile ein Großteil der Produkte des täglichen Lebens besteht. Plastik hält gut und gern ein halbes Jahrtausend, und obwohl es ein "organischer" Stoff ist, wird es trotzdem zur teilweise auch toxischen Gefahr für Tier und Mensch.

Tod durch Fischernetze: Netzreste haben sich tief in diese beiden Delfin-Kehlköpfe eingegraben, die Tiere sind verhungertViele Meerestiere fressen die oft giftigen Teile der Müllstücke, weil sie sie für Beute halten. Auch besteht die ständige Gefahr, dass Meerestiere sich im Müll verheddern oder selbst zu Tode strangulieren. Nach Auskunft von Kristina Gjerde von der IUCN sterben jährlich eine Million Seevögel, 100 000 Meeressäuger und unzählige Fische an Plastikmüll.

Während etwa 70 Prozent des Mülls auf den Meeresboden sinken, folgt der Rest den Meeresströmungen und sammelt sich in teilweise gigantischen Müll-Mahlströmen im so genannten Gebiet der Äquatorialen Konvergenzzone, einer wenige hundert Kilometer breiten, den Erdball umspannenden Tiefdruckrinne in der Nähe des Äquators.

Der mit Abstand größte Müll-Mahlstrom befindet sich im Pazifik, zwischen der Westküste der USA und Hawaii. Dort herrscht ein riesiges Hochdruckgebiet, das einen gewaltigen Meeresstrudel erzeugt. Die dort im Uhrzeigersinn zirkulierende Mülldeponie ist mittlerweile so groß wie Zentraleuropa!

Doch man muss gar nicht so weit in die Ferne schauen. Ende April 2007 wartete die britische Marine Conservation Society mit alarmierenden Zahlen auf: Allein an den Küsten und auf den Stränden der britischen Inseln hat die Zahl der Abfälle seit 1994 um 90 Prozent zugenommen und die Tendenz ist weiter steigend.

Flaschen, Plastikteile und anderes Strandgut übersäen auch das UNESCO-Weltkulturerbe Kimmeridge Bay. Alle drei Monate übernehmen Freiwillige eine Säuberung der Strände und dennoch ist der Strand voll von Abfällen.

"Es gibt Teile des Strandes, die sehen aus wie eine Mülldeponie", so Steve Trewhalla vom Marine Conservation Trust. "Die großen Abfälle sind furchtbar, aber die kleinen Plastikteile, die überall verstreut liegen, sind fast noch schlimmer", meint der Experte. In der Brandung werden diese Teile, die von Schiffen und Flüssen stammen, immer kleiner. "Viele Tiere nehmen die Kleinteile dann als Nahrung zu sich. Es kommt dann mitunter sogar vor, dass wir unseren eigenen Abfall zu uns nehmen, wenn wir die Meerestiere essen", erklärt Trewhalla.

Nach Berechnungen des Marine Conservation Trust stammt ein gutes Drittel der Abfälle auf den britischen Stränden von Menschen, die ihren Müll nach einem Picknick nicht wegräumen.

Dass das Problem prinzipiell lösbar ist, weiß die Industrie eigentlich schon länger. Natürlich denkt der Mensch zuerst an sich selbst: Für den Einsatz im menschlichen Körper wurden bereits biologisch abbaubare Polymere entwickelt, die sich in ungiftige Komponenten zersetzen. Ähnliche Stoffe haben Wissenschaftler der University of Southern Mississippi nun auf den Zerfall in Seewasser optimiert.

Zurzeit sind die Wissenschaftler dabei, im Golf von Mexiko die Zerfallsraten der von ihnen entwickelten Materialien zu testen - die ersten Ergebnisse entsprechen den Erwartungen. Als vorteilhaft könnte sich auch erweisen, dass die Stoffe schwerer als Wasser sind - sie sinken deshalb auf den Grund und lassen sich schwerer von Strömungen forttreiben.

Bis zu einem möglichen kommerziellen Einsatz ist jedoch noch einige Forschungsarbeit zu leisten - zum Beispiel ist zunächst der Einfluss wechselnder Umgebungsbedingungen wie Salzgehalt und Temperatur zu untersuchen.

Weitere Informationen zum Thema:
Trash in our oceans (U.S. Environmental Protection Agency, EPA)

MARPOL Convention (International Convention for the Prevention of Pollution from Ships)

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