23.10.2006 - Quelle: ddp/wissenschaft.de - Schnabelwale sind nach den Pottwalen die zweitbesten Extremtaucher unter den Meeressäugetieren: Sie tauchen bis zu 1.900 Meter in die Tiefe ab, um nach ihrem Leibgericht Tintenfisch zu schnappen. Das hat ein internationales Forscherteam um Peter Tyack vom Ozeanografischen Institut in Woods Hole herausgefunden. (Tyack geriet 2003 unter heftige Kritik als er ein neues Mittel- bis Hochfrequenz-Sonarsystem testen wollte, um damit Wale zu orten. Die ersten Tests sollten in 2003 ausgerechnet auf die etwa 3.000 Grauwale gerichtet sein, die jedes Jahr vor der Küste Kaliforniens vorbei ziehen. Erst ein Bundesgericht in San Francisco konnte die Versuche stoppen.)
Die Meereswissenschaftler verfolgten die Tauchgänge von zehn
Schnabelwalen vor der italienischen Küste und den Kanarischen Inseln, um
herauszufinden, wieso diese Tiere durch Echoortung von Marineschiffen
gestört und tot an Land gespült werden. Vermutlich beeinflusst diese
Sonartechnik das Tauchverhalten der Wale.
Über die Lebensweise der Schnabelwale war lange Zeit wenig
bekannt, da die Meeressäuger nur sehr selten in Küstennähe auftauchen.
Auch kommen sie zwischen den Tauchgängen nur für wenige Sekunden an die
Wasseroberfläche.
Die Forscher um Tyack hefteten daher auf die Haut der
Wale Peilsender, um die Tauchtiefe und -geschwindigkeit, die
Orientierung sowie die akustischen Signale der Wale aufzuzeichnen. Die
Sender waren so programmiert, dass sie sich nach rund einem Tag
automatisch vom Wal ablösen, an die Oberfläche kommen und dort geortet
werden können.
Die Auswertung der Tauchdaten von sieben Cuvier-Schnabelwalen im
Ligurischen Meer und drei Blainville-Schnabelwalen bei den Kanarischen
Inseln überraschte die Forscher: Die Cuvier-Wale brachten es auf die
Rekordtiefe von 1.900 Metern, und auch bei den Blainville-Schnabelwalen
gab es einen Tauchgang mit bis zu 1.200 Metern.
Ein Tauchgang dauert
dabei im Schnitt rund eine Stunde. Auffällig fanden die Forscher auch
das zeitliche Muster des Abtauchens: Zwischen zwei Tauchgängen auf
durchschnittlich 1.000 Meter Tiefe kamen immer mehrere Abstiege auf
wenige 100 Meter. Vermutlich erholen sich die Tiere in dieser Phase von
den Strapazen des Tieftauchens, schreiben die Forscher.
Immerhin bringt der Wasserdruck ab einer Tiefe von 100 Metern die Lungen
zum Kollabieren, so dass sie keinen Luftsauerstoff mehr enthalten. In
Ermangelung des Sauerstoffs schaltet sich dann der Stoffwechsel der rund
zehn Meter langen Wale um. Die Forscher vermuten nun, dass die kleinen
Tauchgänge zwischen den Extremabstiegen eine Art Lockerungsübung sind,
ähnlich einem Leistungssportler, der zwischen den Wettbewerben durch
kurze Übungen die Muskulatur lockert.
Diese Lockerungsübungen könnten ein wesentlicher Faktor dafür sein, dass
Wale nicht an der Taucherkrankheit leiden. Kommen menschliche Taucher zu
schnell an die Wasseroberfläche, so bilden sich durch die schnelle
Druckentlastung Gasblasen im Blut. Bei Walen kommt die Taucherkrankheit
nicht vor nur bei tot
an den Strand gespülten Walen konnten Tiermediziner Anzeichen davon
feststellen. In diesen Fällen könnte die Sonarortung der Marine das
natürliche Tauchverhalten gestört und damit zu Taucherkrankheit und Tod
der Tiere geführt haben, glauben die Forscher.