01.04.2009 | Quellen: AP/GRD - Nur wenige Tage nach der beunruhigenden Nachricht über das drohende Aussterben der etwa 70 noch im Mekong lebenden Irawadi-Delfine (Orcaella brevirostris) wurde die ebenso sensationelle wie kaum glaubliche Nachricht bekannt, dass Forscher der angesehenen Wildlife Conservation Society (WCS) im Süßwasser der Sundarbans, eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen fast 6000 Irawadi-Delfine entdeckt haben. Die WCS gab dies am 01.04.2009 auf einer Fachkonferenz bekannt und betonte zugleich, dass die Meeressäuger durch Fischerei und Klimawandel gefährdet seien.
Es handelt sich damit um das mit weitem Abstand größte bisher bekannte Vorkommen dieser Delfinart. "Die Entdeckung gibt uns große Hoffnung, dass die Irawady-Delfine eine Zukunft haben", erklärte der Leiter der Studie, Brian Smith. Bangladesch diene den Tieren eindeutig als wichtige Zuflucht. Daher müsse ihr Schutz in der Region höchste Priorität haben, forderte er.
Der IUCN-Chef in Bangladesch, Ainun Nishat, sieht in dem überraschenden Fund ein Anzeichen dafür, dass "die Ökologie in der Region noch nicht tot" ist. Es gebe reichlich Nahrung, vor allem Fisch, für die Delfine. Jetzt müsse zu ihrem Schutz die Fischerei in der Region eingeschränkt werden.
Die Studie berichtet von einer wachsenden Gefahr für die Delfine, sich in Fischernetzen zu verfangen und zu ertrinken. Auch der Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels ist demnach eine Bedrohung, weil das Süßwasser landeinwärts verdrängt wird. Die WCS rief Bangladesch auf, in den Mangrovenwäldern der Sundarbans ein Schutzgebiet für die Irawaddis einzurichten.
"Ein Schutzgebiet kann dauern", meinte Mohammed Jalilur Rahman vom staatlichen Institut für Fischereiforschung. "Aber wir ermutigen die Fischer bereits, die Delfine zu schonen, wenn sie sich in ihren Netzen verfangen."
Der Irawadi-Delfin gehört zur Gruppe der Meeresdelfine. Wegen seiner Ähnlichkeit mit Belugas wird er, als sein tropisches Äquivalent, oft auch zur Familie der Monodontidae (Gründelwale) gezählt. Beluga uhnd Irawadi sind die einzigen Cetaceen, die ihren Gesichtsausdruck ändern können. Ähnlich wie der Beluga und der Narwal hat der Irawadi ein bewegliches Genick.
Es handelt sich um eine weitgehend unbekannte Delfinart, stellenweise sollen sie in ihren Verbreitungsgebieten noch häufig vorkommen. Irawadis stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) mit dem Status: "Vulnerable" (mittelfristig hohes Risiko des Aussterbens). Die bis 2,6 m großen, hell gefärbten und äußerlich einem Beluga-Wal ähnelnden Delfine sind in seichten Küstengewässern des tropischen Indopazifik und großen Flusssystemen, wie Ganges oder Mekong verbreitet. Irawadi-Delfine können bis zu 1300 Kilometer flussaufwärts wandern, manche wiederum leben vermuitlich zeitlebens im Salzwasser. Sie halten sich nur wenige Kilometer von der Küste entfernt auf. Wie viele Exemplare es überhaupt noch gibt, ist nicht bekannt.
2005 wurden die Tiere vor Australien und Papua Neuguinea als eigene Art Orcaella heinsohni, Australischer Stupsfinnendelfin, eingestuft.
Gelegentlich sind Irawadi-Delfine mit Chinesischen Weißen Delfinen zusehen, können aber mit diesen kaum verwechselt werden. Sehr häufig wird der Irawadi dagegen mit dem allerdings deutlich kleineren und finnenlosen Indischen Schweinswal oder mit Dugongs verwechselt.
Foto: © Department of Fishery of Thailand
Karte: © CMS / GROMS