18.02.08, Boston | Quelle: dpa - Haie auf Beutesuche streunen keineswegs planlos durchs Meer, sondern nutzen regelrechte «Schnellstraßen» zwischen festen Fischgründen. Das haben US-Meeresforscher mit Hilfe von Funksendern beobachtet. Bogenstirn-Hammerhaie (Sphyrna lewini) nutzen demnach feste Routen auf ihren Wanderungen zwischen verschiedenen Jagdgründen und bewegen sich dabei zielstrebig und in rasantem Tempo wie auf einer Autobahn, wie es am Sonntag auf der Jahrestagung der US-Wissenschaftsgesellschaft AAAS in Boston hieß. Peter Klimley von der Universität von Kalifornien in Davis revidiert damit das Bild der Haie als nomadische Streuner der Meere.
Ähnlich wie die Hammerhaie macht es der Weiße Hai (Carcharodon carcharias): Salvador Jorgensen von der Universität Stanford beobachtete anhand elektronischer Sender fast 150 Weiße Haie vor der Küste Kaliforniens. Im Winter verließen diese Haie die Seerobben- Kolonien, von denen sie sich im Sommer ernährten, und schwammen zu bestimmten Warmwasser-Bereichen. Einer davon, zwischen Hawaii und Mexiko gelegen, zieht regelmäßig so viele Weiße Haie an, dass die Forscher ihn "Weißer Hai Café" tauften.
"Wir nannten es Café, weil das ein Ort ist, wo man entweder hingeht, um einen Snack zu nehmen oder einfach um zu sehen und gesehen zu werden", berichtete Jorgensen. "Wenn die Tiere das Café verlassen, kommen sie im nächsten Jahr exakt dahin zurück, genauso wie Menschen zu ihrem Lieblings-Angelplatz."
Doch die Räuber sind selbst bedroht: Durch Überfischung, Beifang und die starke Nachfrage nach Haiflossen habe sich bei vielen großen Haiarten die Zahl der Tiere mehr als halbiert, berichtete die Weltnaturschutzunion IUCN. "Die Haie verschwinden aus unseren Meeren, und dieses Problem ist von weltweitem Ausmaß", betonte IUCN- Haiexpertin Julia Baum. "Als Folge der hohen und meist unregulierten Überfischung, müssen viele Haie inzwischen als vom Aussterben gefährdet gelten." Besondere Sorge bereite der Bogenstirn-Hammerhai der auf der diesjährigen Roten Liste als weltweit "gefährdet" eingestuft werde, die vorletzte Kategorie vor "Ausgestorben in der Wildnis".
Tiefsee-Haie leiden besonders stark unter der Überfischung, wie Colin Simpfendorfer von der James-Cook-Universität in Australien herausgefunden hat: "Je tiefer sie leben, umso langsamer erholen sich die Bestände. Manchmal dauert es Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte." Immerhin fast die Hälfte aller bekannten Hai-Spezies tummeln sich im kalten, rund 200 Meter tiefen Gewässer. Und selbst dort sind sie vor Tiefsee-Trawlern nicht sicher.
Flachwasser-Haie hingegen fallen häufig Fischern zum Opfer, die eigentlich Thunfisch und Schwertfisch jagen. "Haie haben in einem Ozean, der weiträumig befischt wird, keinerlei Raum mehr, sich zu verstecken», sagte Lance Morgan vom Institut für Meeresschutzbiologie in Glen Ellen (US-Staat Kalifornien). Er fordert verstärkte Schutzmaßnahmen wie etwa Fanglimits. Baum betonte, dass Schutzbestimmungen nur dann helfen könnten, wenn ihre Einhaltung auch streng kontrolliert werde.
Dezember 2004 - Haie orientieren sich auf ihrem Weg durch die Ozeane am Magnetfeld der Erde. In einem Wassertank testeten Carl Meyer und seine Kollegen von der Universität von Hawaii in Manoa sieben Haie. Alle reagierten deutlich auf Veränderungen von künstlich erzeugten Magnetfeldern.
Die Tiere lernten, dass sie nur an einer bestimmten Stelle ihres Wasserbeckens Futter bekommen und nur, wenn dabei ein künstlich erzeugtes Magnetfeld aktiviert wurde. Nach einer Trainingsphase schalteten die Forscher lediglich das Feld ein. Obwohl keine Nahrung in Sicht war, schwammen die Haie voller Erwartung zum gewohnten Futterplatz. Dabei reagierten sie ausschließlich auf Veränderungen der Felder und nicht auf visuelle Faktoren, erklären die Wissenschaftler.
Um andere Einflüsse auszuschließen, waren während der Tests weder die Experimentatoren noch das Steuergerät zur Erzeugung der Felder für die Tiere sichtbar.
Haie können bei ihren Wanderungen durch die Ozeane lange Strecken in einer geraden Linie schwimmen. Auch wurde beobachtet, dass sie sich an unterseeischen Bergen orientieren, an denen magnetische Anomalien auftreten. Daher wurde schon länger vermutet, dass sie magnetische Felder erkennen können.
Bislang gab es dafür allerdings keine wissenschaftlichen Hinweise, so Meyer. Weitere Untersuchungen sollen jetzt zeigen, wie und ab welcher Stärke Haie auf Magnetfelder reagieren.
Januar 2003 - Quelle: ddp/bdw- Haie benutzen Wärmedetektoren zum Aufspüren ihrer Beute. In ihrer Haut befinden sich mit Gel gefüllte Kanäle, die auf emperaturveränderungen reagieren. Das berichtet Brandon Brown von der Universität in San Francisco im Fachmagazin "Nature" (Bd. 421, S. 495).
Haie besitzen dicht unter der Haut ihres Kopfes ein System gelgefüllter Kanäle, die über Poren die so genannten Lorenzinischen Ampullen mit der Außenwelt verbinden. Bisher war bekannt, dass diese Organe es den Tieren erlauben, elektrische Felder in ihrer Umgebung wahrzunehmen. So können sie die Muskelbewegungen ihrer Beutetiere aufspüren oder sich anhand elektromagnetischer Felder im Meer orientieren.
Haie, Katzenhaie und Rochen können mithilfe dieses Porensystems auch Temperaturveränderungen wahrnehmen, hat Brown nun entdeckt. Wenn sich das Gel um nur ein zehntel Grad erwärmt, entsteht eine elektrische Spannung, die an die Nervenzellen des Hais weitergeleitet wird. Dies könnte es den Meeresräubern ermöglichen, Gebiete zu lokalisieren, in denen warme und kalte Meeresströmungen aufeinander treffen, vermutet Brown. Diese Gebiete seien oft besonders reich an Beutefischen.