Ölpest im Schwarzen Meer bedroht Delfine

14.11.2007 | Quellen: Die Zeit|dpa|GRD|FNP|Die Presse - Die Umweltkatastrophe im Schwarzen Meer dürfte weit schlimmer sein, als bisher angenommen: Mehr als 2000 Tonnen Heizöl sind aus einem Öltanker ausgelaufen, der nach einem schweren Sturm am Sonntag leck geschlagen war. Mehr als 30.000 Vögel und zehntausende Fische sind laut Angaben des Gouverneurs Alexander Tkatschow bereits verendet. Zudem seien Nahrungsgründe für Delfine bedroht, berichtet die Naturschutzorganisation Ekosaschtschita aus Moskau. Russische Umweltschützer meldeten zwei gestrandete Delfine, die nicht mehr zu retten sind.

Elf Vogelarten, die auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere stehen, sind von der Ölpest bedroht, sagte der Präsident der russischen Vogelschutzvereinigung, Viktor Subakin. Seltene Pelikane und Schwarzkopfmöwen sind in Gefahr, qualvoll zu verenden. Zu Wochenbeginn lag die Zahl der getöteten Vögel bei 30.000. "Leider liegt das Gebiet auf dem Weg in die Überwinterungsgebiete", sagte Subakin. Ökologen warnen unterdessen vor dem Verzehr von Meeresfischen. Sie rieten Urlaubern zudem davon ab, die Sommerferien 2008 auf der ukrainischen Halbinsel Krim zu verbringen.

Die Beseitigung der Folgen des Unwetters, bei dem auch tausende Tonnen Schwefel austraten, wird laut Behörden mindestens zehn Jahre dauern. Der Leiter der Umweltaufsicht, Oleg Mitwol, sprach von einer "schwierigen Lage". Am vierten Tag nach der Massenhavarie waren mehr als 2000 Helfer im Einsatz, um das an Land gespülte Öl abzutragen.

Experten schätzten, dass nach dem Untergang der im Sturm havarierten Flussschiffe inzwischen 5000 Tonnen und große Mengen Schwefel ausgetreten seien. Mehr als 1000 Studenten aus der Region Krasnodar am Schwarzen Meer trafen als Helfer an der Küste ein. Auch Soldaten kämpften gegen die Ausbreitung der Ölpest. Eine Regierungskommission Russlands und der Ukraine will noch in dieser Woche weiterführende Aktionen beschließen. Der Leiter der nationalen Fischereibehörde, Alexander Saweljew, sprach von einer "gewaltigen Umweltkatastrophe", deren Ausmaß erst in den nächsten Tagen abzuschätzen sei. Ekosaschtschita schätzte den Schaden auf insgesamt vier Milliarden Rubel (umgerechnet rund 110 Millionen Euro).

Aus dem gesunkenen Tanker "Wolgoneft" wird nun das verbliebene Öl abgepumpt. Die tatsächlichen Ausmaße der Katastrophe lassen sich aber erst in den nächsten Tagen absehen, denn auch an zuerst nicht betroffenen Küstenabschnitte wird immer mehr Öl angeschwemmt. Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Krim könnten die "nächsten Sommerferien gefährlich werden", warnten ukrainische Umweltschützer.

Das Unwetter hatte am 11.11.2007 mehrere Stunden in der Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet, gewütet. Dabei gingen nach offiziellen Angaben vier Frachtschiffe unter, sechs liefen auf Grund und etliche weitere gerieten in Seenot. Die russische Küstenwache sucht noch immer nach 20 vermissten Seeleuten. Die Chance, sie noch lebend zu finden, ist relativ gering.

Die Straße von Kertsch zählt zu den am meisten befahrenen Wasserstraßen in der Region. Umweltexperten kritisierten erneut, dass die für die Flussschifffahrt gebauten Frachtschiffe derartigen Unwettern auf dem Meer nicht standhalten können. Dennoch dürfen sie im Schwarzen Meer fahren. Nach den Havarien leitete die russische Staatsanwaltschaft mehrere Strafverfahren ein. Der Seenotrettungsdienst hatte zuvor den schlechten Zustand und Fehler der Besatzungen sowie zu ungenaue Unwetterwarnungen beklagt. Umweltschützer fordern von der Regierung schärfere Gesetze.

Berichterstattung auf n-tv.de: Ölpest im Schwarzen Meer

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