Temperatursturz in der Antarktis

Das Wasser am Grund des Südpolarmeers wird kälter

23.04.2008 | Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung - Während aus der Arktis immer neue Wärmerekorde gemeldet werden, zeigt sich in der Antarktis ein umgekehrter Trend: Das Wasser am Boden des Südpolarmeeres hat sich erstmals seit Jahren wieder abgekühlt. Dies ist das erste Ergebnis einer gerade zu Ende gegangenen Expedition des deutschen Forschungsschiffes Polarstern.

Die Forscher um Eberhard Fahrbach vom Alfred Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven vermuten, dass die Zirkulation des Meerwassers im Südpolarmeer nun wieder stärker in Schwung kommt. In der Antarktis, insbesondere im Weddellmeer, sinkt kaltes, salzreiches Wasser von der Oberfläche zum Grund. Dieses Wasser breitet sich am Boden des Atlantiks und des Indischen Ozeans nach Norden aus und versorgt die Tiefsee mit Sauerstoff.

In den letzten Jahren hatten Forscher immer höhere Temperaturen am Boden des Südpolarmeeres gemessen und daraus geschlossen, dass weniger Wasser in die Tiefe sank. "Unsere Messungen werfen die Frage auf, ob die tiefreichende Umwälzbewegung der ozeanischen Wassermassen in der Antarktis nach einer Phase der Schwächung wieder zunimmt", schrieb Fahrtleiter Eberhard Fahrbach in einem Wochenbericht. Satellitenmessungen zeigen außerdem, dass sich im gerade zu Ende gegangenen Südsommer 2007/2008 so viel Meereis bildete wie noch nie seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen.

Die Abkühlung gibt den Bremerhavener Forschern Rätsel auf. "Der Einfluss der globalen Erwärmung ist vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Schwankungen nicht eindeutig zu identifizieren", schreibt Fahrbach weiter. In der Arktis verschwindet dagegen Sommer für Sommer mehr Eis, im vergangenen Sommer registrierten Forscher dort Hitzerekorde.

Um die gegensätzlichen Entwicklungen an den beiden Polen zu verstehen, haben die Forscher 18 sogenannte Verankerungen im Südpolarmeer ausgelegt. Mehrere Messgeräte, die Wassertemperatur, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeit messen, werden entlang einer senkrechten Leine im Wasser verankert und bleiben bis zu drei Jahre vor Ort. Eine Flotte von 65 driftenden Messrobotern, die die Polarstern-Forscher ausgesetzt haben, sollen die Messungen ergänzen. "Damit haben wir ein einmaliges und umfassendes Messnetz erstellt", sagte Fahrbach.

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