Krankheitserreger reisen im Ballastwasser um die ganze Welt

Seeschiffe transportieren ungewollt Fremdorganismen über die Meere. Die meisten der tierischen oder pflanzlichen "blinden Passagiere" reisen im zur Stabilisierung mitgeführten Meerwasser in den Ballasttanks und gelangen beim Be- und Entladen in die Hafengewässer.

Doch während die Verbreitung nicht heimischer Arten von Plankton, Quallen oder Muscheln über das Ballastwasser seit langem bekannt ist, wurde die globale Verbreitung von Viren und Bakterien auf dem selben Wege bislang fast vollständig ignoriert.

"Durch Ballastwassertransporte ist ein um die ganz Welt reichender Verbeitungsmechanismus für Krankheitserreger entstanden," berichten die Wissenschaftler vom Smithsonian Environmental Research Center (SERC), dem Center of Marine Biotechnology, des Instituts für Biotechnologie der Universität Maryland und der Old Dominion University.

Gregory Ruiz vom SERC, Leiter der Forschungsgruppe sagt, dass er und seine Kollegen bei ihren Untersuchungen in der südlich der US-Hauptstadt Washington gelegenen Chesapeake Bay hohe Konzentrationen von Mikroorganismen, pathogenen Bakterien und Viren fanden. Darunter der Erreger der Cholera (Vibrio cholerae), der in allen Schiffen entdeckt wurde.

"Trotz zunehmender Warnungen vor der Invasion von Fremdorganismen und den daraus erwachsenden Folgen sind Ausmaß und mögliche Auswirkungen des Transfers von Mikroorganismen weitgehend unbekannt", sagen Ruiz und seine Kollegen. "Niemand weiß, wie sich die Mikroorganismen weiterentwickeln, wenn sie in ihren neuen Lebensraum gelangen".

Untersuchungen des Umweltbundesamtes in deutschen Häfen ergaben, dass dort jährlich etwa 2,2 Millionen Tonnen Ballastwasser aus außereuropäischen Regionen abgelassen werden. Durchschnittlich fand man etwa 1 Individuum pro Liter Ballastwasser, woraus sich ein möglicher Organismuseintrag von 6 Millionen Individuen pro Tag in deutsche Gewässer ergibt. Die meisten der 200 untersuchten Schiffe kamen aus tropischen und warm-gemäßigten Meeren. Unter den nachgewiesenen Fremdorganismen waren auch zwei Geißelalgengattungen (Alexandrium und Gonyaulax), zu denen auch Gift produzierende Arten gehören.

Eine Möglichkeit, die Zahl der Organismen im Ballastwasser zu minimieren, wäre der Wasserwechsel auf hoher See bei einer Wassertiefe von über 2 000 Metern, wie es eine Richtlinie der Internationalen Schifffahrtsorganisation auch vorsieht. Weiterhin werden Erhitzung, Filtration oder chemische Verfahren diskutiert, die aber noch nicht ausgereift sind.

"Wegen ihren ausgeprägten Toleranz gegenüber hohen Temperaturen und ihrer Fähigkeit äußerst widerstandsfähige Dauerformen zu bilden, lassen sich Invasionen von Mikroorganismen damit kaum aufhalten", meint Gregory Ruiz. "Die Verbreitung von Bakterien und Viren könnte gut eines der heimtückischsten Probleme des Ballastwasserwechsels werden".
Ulrich Karlowski

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