Hainetze: Todesfallen für Delfine und Haie

In Hainetz ertrunkener Bullenhai - Ein im Hainetz ertrunkener Bleifarbener Delfin wird aus dem Netz geholt.

Bleifarbene Delfine in Südafrika:
Hainetze an den Stränden von KwaZulu-Natal töten die letzten ihrer Art!

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Zwei Kleine Schwertwale schwimmen rasant nebeneinander, beide sind mit ihrem halben Körper aus dem Wasser, beim unteren Tier ist die Finne deutlich zu erkennen.Gemeinsam schaffen wir das besser, mögen sich die etwa 150 Kleinen Schwertwale, eine Delfinart, und die etwa 150 Großen Tümmler vielleicht gedacht haben, die im Hauraki-Golf, einer großen Bucht im Nordwesten der Nordinsel Neuseelands, gemeinsam einen großen Schwarm Australischer Lachse oder Kahawai auf raffinierte Weise sich gegenseitig unterstützend einkreisten und verspeisten.

Über Jagdgemeinschaften aus unterschiedlichen Delfinarten weiß man recht wenig. Nur sehr selten kann man dieses gleichermaßen faszinierende wie spektakuläre Verhalten beobachten, über das neuseeländische Wissenschaftler im Fachmagazin "Marine Mammal Science" berichten.

Unbekannter Wanderer in den Weiten der Ozeane
Der Kleine Schwertwal (Pseudorca crassidens) gehört zur Gruppe der Schwert- und Grindwale, die samt und sonders zu den Delfinen zählt - trotz des irreführenden Gruppennamens. Über die Art ist nur wenig bekannt, sie ist zwar weit verbreitet, hält sich jedoch meist in tiefen Gewässern des offenen Meeres oder, ab und an, in tiefen Küstengewässern auf. Die bis zu 6 m großen und bis zu 2,2 Tonnen schweren Pseudorcas sind sehr gesellig, auch wenn die bislang beobachteten aus meist 20 bis 100 Individuen bestehenden Schulen vergleichsweise eher klein waren.

Zwar ist bekannt, dass die Kleinen Schwertwale gerne gemischte Verbände mit anderen Delfinarten wie Rauzahndelfinen (Steno bredanensis), Rundkopfdelfinen (Grampus griseus), Schlankdelfinen (Stenella attenuata), Indischen Grindwalen (Globicephala macrorhynchus) und besonders häufig dem Großen Tümmler (Tursiops truncatus) bilden. Beobachtungen, dass diese gemischten Verbände auch gemeinschaftlich jagen, sind jedoch extrem selten. Und die Art und Weise, wie die kooperative Jagd der beiden Arten im Hauraki-Golf verlief, ist bislang noch nie beobachtet worden.

Mitten drin im Geschehen: Sturmtaucher
Die etwa 300 Delfine waren in mehrere gemischte Gruppen auf einer Fläche von ca. 4 Quadratkilometern verteilt und machten gemeinsam Jagd auf Fische. Und noch eine Tierart machte bei dem Spektakel mit. Eine große Zahl von sonst eher als einzelgängerisch geltenden Blassfuß-Sturmtauchern stürzte sich auf die im Wasser treibenden Reste der Delfinmahlzeiten.

Eine gewaltige Armada
Ein Gruppe von mindestens 7 Kleinen Schwertwalen, die sehr dicht gedrängt an der Wasseroberfläche schwimmen, einige tauchen gerade wieder ins Meer, andere stoßen gerade durch die Meeresoberfläche.Der Große Tümmler ist mit seinen bis zu 4m Größe und 650 kg Gewicht zwar nicht gerade ein Zwerg unter den Delfinen, im Vergleich zu den fast doppelt so großen und mehr als dreimal so schweren Kleinen Schwertwalen wirkt er dann doch fast schon wieder zierlich. Und dennoch sind es gewaltige Körper, die sich in spielerisch wilder Eleganz mit enormer Körperkraft durchs Meer katapultieren und die Wasseroberfläche zum Brodeln bringen.

Einmalig: Ein gemeinsam gebildeter Blasenvorhang
Angezogen von dem grandiosen Schauspiel manövrierten die Biologen ihr Boot näher an eine der Delfingruppen heran und was sie dann beobachteten, verschlägt einem fast die Sprache. Tümmler und Kleine Schwertwale hatten gemeinsam einen Vorhang aus Luftblasen gebildet und damit einen Schwarm Australischer Lachse zu einem lebenden "Futterball" kondensiert, aus dem sich einzelne Delfine dann ihre Beute herausfischten. Diese raffinierte Jagdtechnik ist vor allem von Buckelwalen bekannt und wurde auch schon bei einigen Delfinarten beobachtet, wenn auch selten.

Vom Großen Tümmler gibt es nur ganz wenige Beobachtungen, dass Schleier aus Luftblasen bei der Jagd eingesetzt werden und vom Kleinen Schwertwal kannte man dieses Verhalten bislang überhaupt nicht. Einmalig ist, dass hier zwei Arten gemeinsam einen Blasenvorhang bildeten, um ihren Jagderfolg zu optimieren. Hierzu ist es notwendig, dass über die Artgrenze hinweg strategische Absprachen getroffen und Verhaltensweisen miteinander in komplexer Art koordiniert werden müssen.

Flexible Reaktion auf sich verändernde Umweltbedingungen
Doch das gemeinschaftliche Bilden eines Blasenschleiers war noch längst nicht alles, was die Meeressäuger-Jagdgemeinschaft zu bieten hatte. Als die Forscher ihr Beobachtungsschiff noch ein wenig näher heransteuerten, erkannten die intelligenten Tiere sofort, welche Chance sich ihnen da bot. Sie änderten spontan ihre Jagdstrategie. Fortan nutzten sie das Boot als Barriere und trieben den Fischschwarm gezielt gegen den Bootsrumpf. Sie ließen von dieser offensichtlich von Erfolg gekrönten Jagdmethode auch dann nicht ab, als das Schiff sich zurückzog. Unverdrossen trieben sie die Beute weiter gegen die für ihre Zwecke so nützliche Barriere.

Warum machen die das?
Gruppe von 4 Kleinen Schwertwalen, die eng beisammen relativ ruhig an der Wasseroberfläche dümpeln.Offensichtlich war der Zusammenschluss zur gemeinschaftlichen Jagd für beide Arten gleichermaßen von Vorteil. Zum einen lassen sich so große Fischschwärme besser einkreisen und erbeuten, andererseits bedeuten mehr Tiere in der Gruppe besseren Schutz vor Feinden, wie dem Orca oder Schwertwal. Diese größte Delfinart der Welt macht auch Jagd auf Große Tümmler und Kleine Schwertwale. Auch Jagdparasitismus kann nach Meinung der neuseeländischen Wissenschaftler nicht gänzlich von der Hand gewiesen werden. Hierbei würde eine der beiden beteiligten Arten versuchen, von der überlegenen Jagdstrategie der anderen zu profitieren, indem sie sich ins Jagdgeschehen einmischt. Das ausgeprägte gemeinschaftliche, eigentlich nicht anders als durch vorherige Absprache zu erklärende Jagdverhalten der artgemischten Gruppen spricht allerdings stark gegen diese Hypothese.

Eine neuseeländische Besonderheit?
Spannend ist jetzt die Frage, ob artübergreifend gemeinschaftlich jagende Gruppen aus Großen Tümmlern und Kleinen Schwertwalen, die die Blasenschleier-Technik einsetzen, eine neuseeländische Besonderheit oder auch woanders anzutreffen sind.

Gemeinsame Kultur zweier Arten
Vielleicht handelt es sich hier, wie es bei Delfinen häufig vorkommt, um eine spezielle Anpassung der Jagdstrategien an bestimmte Umweltbedingungen, die sich nur unter einigen Gruppen von Tümmlern und Peudorcas rund um die Nordinsel Neuseelands herausgebildet hat.

Falls die Luftblasen-Technik einsetzende Jagdgemeinschaften in dieser Region häufiger auftreten und daran regelmäßig die gleichen Individuen beider Arten beteiligt sind, wäre dies ein weiteres Beispiel für das Entstehen einer Kultur unter Delfinen. In diesem Fall allerdings sogar für das mehr als erstaunliche Beispiel einer artübergreifenden Kultur.
Ulrich Karlowski
Quelle: Marine Mammal Science, Volume 29, Issue 3

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