NEU: Patenschaften für bedrohte Buckeldelfine aus Südafrika
Erstmals in Deutschland kann man Patenschaften für seltene Buckeldelfine abschließen. Wir haben jetzt vier vor der Ostküste von Südafrika lebende Tiere dieser noch weitgehend unerforschten und bedrohten Delfinart in unser Patenschaftsprogramm aufgenommen. Die Delfine tragen die Namen "Mars", "Zipper", "Venus" und "Line L". Sie gehören der Art Bleifarbene Delfine (Sousa plumbea) an, einer der derzeit vier anerkannten Buckeldelfinarten. Diese...
Delfinquälerei im Roten Meer! Touristen sollen nicht mit Delfinen schwimmen
Das Schwimmen mit Delfinen im Roten Meer gefährdet das Überleben der Meeressäuger, warnt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) aus München. Besonders in touristisch beliebten Ausflugsgebieten vor Hurghada und beim Sataya-Riff ist die Situation, trotz klarer Regelungen, außer Kontrolle. „Es ist absehbar, dass Delfine hier allein wegen hemmungsloser Profitgier von Touranbietern aus ihren Lebensräumen vertrieben werden“, erklärt...
Nachwuchs bei den Peru-Patendelfinen
Wir freuen uns mit unseren Projektpartnern von ACOREMA und Schweinswale e.V., über ein neues Delfinleben bei den Supay-Delfinen. Es gibt ein neues Kalb in dieser sehr schwer zu beobachtenden und isoliert lebenden kleinen Population. Meist kann man die Supay-Delfine nur von einer hohen Klippe aus beobachten, da sie sich fast ständig in einer Bucht mit sehr rauem Wellengang aufhalten. Die Gruppe ist mit gerade einmal 24 Tieren sehr klein. Treue...
Patenschaften für eine kleine Fee
Fee ist ein noch sehr kleiner Indopazifischer Großer Tümmler. Sie wurde im Juni 2016 geboren und lebt mit ihren Artgenossen vor Hurghada im Roten Meer (Ägypten). Fee ist die Tochter von Ferdinand-Destiny, die bei der Geburt bereits 18 Jahre alt war. Nicht nur die Mutter, auch das Delfinweibchen Anouk kümmert sich als Babysitter um die Kleine. Es ist etwas Besonderes, dass Fees Mutter Ferdinand-Destiny Nachwuchs hat: 2001 überlebte sie nur...
Südafrika: Erste Erfolge für bedrohte Bleifarbene Delfine!
Mitte August entfachte ein aus dem Hainetz "net 99" geborgener toter Bleifarbener Delfin eine hitzige Debatte um den Einsatz von Hainetzen in KwaZulu-Natal. Dies führte nun zu ersten positiven Auswirkungen für die Delfine bei Richards Bay: Nach zähen Verhandlungen stimmten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung von uMhlathuze Modifikationen der Netze "net 99" und "net 5" zu. Die durch diese beiden Netze verursachte hohe Beifangrate der vom...
MSC fördert Fischer aus Mexiko, die Delfine jagen und töten
Verbraucherwarnung vor delfintödlich gefangenem Thunfisch aus Mexiko mit MSC-Siegel Der Marine Stewardship Council (MSC) wirbt damit, dass der Verbraucher mit dem Kauf MSC-zertifizierter Produkte verantwortungsvolle Fischereien belohne. Kauft der Verbraucher nun aber Dosenthunfisch aus Mexiko, der das blaue MSC-Label trägt, fördert er damit eine Fischerei, bei der jährlich mehrere Hundert Delfine qualvoll sterben! Die Gesellschaft zur Rettung...
Südafrika: Toter Delfin entfacht Hainetz-Kontroverse
Mitte August bargen Mitarbeiter des KwaZulu-Natal Sharks Board (KZNSB) einen der vom Aussterben bedrohten Bleifarbenen Delfine (Sousa plumbea) aus dem am Newark Beach bei Richards Bay installierten Hainetz "net 99". Der tragische Beifangtod des seltenen Delfins entfachte eine hitzige Debatte in KwaZulu-Natal (KZN). Journalist Dave Savides, der auch "Delfinbotschafter" des von uns unterstützten Projekts "Schutz für Bleifarbene Delfine vor dem...
Mexico City verbietet Delfinhaltung
Es ist ein Anfang, auch wenn wir uns natürlich gewünscht hätten, dass das Verbot für ganz Mexiko gelten würde. Aber immerhin: Als erster der 32 mexikanischen Bundesstaaten verbietet der Bundesdistrikt Mexico City die Delfinhaltung für Showzwecke und Schwimmprogramme mit Delfinen. Wie die mexikanische NGO AnimaNaturalis erklärt, wurde das Gesetz einstimmig im Distriktparlament angenommen. Derzeit existiert dort ein Delfinarium mit 2 Delfinen...
Delfine in der Nacht und ein Buckelwal
Wo sind Delfine, wenn es dunkel ist? Es gehört zwar nicht zu den Fragestellungen des von uns unterstützten Schutzprojekts für Bleifarbene Delfine in Südafrika, ist aber mangels Licht meist nicht wirklich gut herauszufinden. Nur mit Unterwassermikrofonen kann man ihnen dann noch auf die Spur kommen. Und bei der ersten Auswertung der Aufnahmen des am Newark Beach installierten Hydrophons stellte Meeresbiologin Shanan Atkins überrascht fest,...
Letzte Chance für die letzten rosa Delfine vor Taiwan
Die Taiwanesen lieben ihre rosa Delfine. Doch allen Schutzbemühungen zum Trotz nimmt ihre Zahl immer weiter ab. Bei der letzten Erfassung dieser Population des Chinesischen Weißen Delfins (Sousa chinensis) - eine der vier anerkannten Buckeldelfinarten - kam man 2010, laut Courthouse News Service, auf einen Bestand von nur noch 74 Tieren, die in der Taiwanstraße leben. Andere Quellen sprechen von bis zu 100 Delfinen. Sie leben wie alle...
Australien: Delfine schützen Surfer vor Hai-Angriff
Glück gehabt! Dank ganz spezieller Bodyguards hat ein Liegend-Surfer vor der Küste Westaustraliens am Back Beach bei Point Casuarina einen Hai-Angriff zumindest körperlich unversehrt überlebt. Der Mann war nur etwa 50 Meter vor der Küste auf einem kurzen Surfbrett, einem Bodyboard, unterwegs. Plötzlich stupste ein Hai, angeblich ein Weißer Hai, an das Board und der verdutzte Surfer landete im Wasser. Drei Delfine zeigen sich uneigennützigEs...
Delfin und Oktopus sterben gemeinsam im Todeskampf
Es muss ein gewaltiges Ringen um Leben und Tod gewesen sein. Der fast 2,5 m große männliche Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus) "Gilligan" gegen einen namenlosen 1,30 m großen und über 2 Kilogramm schweren Maorikraken (Macroctopus maorum). Es blieb ein Kampf ohne Sieger. "Gilligan" und der Krake starben gemeinsam, im Tode vereint. Am 30. August 2015 wurde der Delfin tot am Strand von Stratham in Westaustralien gefunden. Aus seinem...
Südafrika: Bleifarbene Delfine sollen nicht länger in Hainetzen sterben
Schauspielerin Janina Fautz unterstützt Schutzprojekt für bedrohte Delfinart Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) will gemeinsam mit südafrikanischen Wissenschaftlern die drohende Ausrottung Bleifarbener Delfine an der Ostküste von Südafrika verhindern. Unterstützt werden sie von der Schauspielerin Janina Fautz ("Das Weiße Band", "Tatort", "Wilsberg"). Sie hatte das Glück, den Delfinen in Richards Bay 2016 bei einem...
Muttertag - Auch Delfinmütter leisten Großartiges
Am 14. Mai ist Muttertag – der Tag, an dem die Leistungen der Mütter - leider viel zu selten - besonders gewürdigt werden. Wir wollen an diesem Tag an die Mütter aus dem Reich der Delfine erinnern. Auch sie leisten schier Unglaubliches und sind dabei noch vielen Gefahren ausgesetzt. Delfinmütter haben es schwerDelfine vermehren sich langsam und bekommen: 12 Monate wächst das Junge z.B. bei den Großen Tümmlern im Mutterleib heran, bis es das...
Sängerin Susan Blake ist neue Delfinbotschafterin der GRD
Die Country- & Jazzsängerin Susan Blake ist neue Delfinbotschafterin der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD). "Ihr provokantes Video zu dem Song ‘Your Tears Are Mine‘ über das Schlachten von Delfinen vor der japanischen Küste geht unter die Haut. Susan Blake hat damit ein Fanal für die bedrohten Meeressäuger gesetzt", sagt GRD-Biologe Ulrich Karlowski. Ihre Leidenschaft gilt dem Schutz der Meere und ihrer BewohnerSusan Blake...
Delfinarien: Film zeigt den trostlosen Alltag der Delfine
Der ca. 20-minütige Dokumentarfilm "Die Geschichte von Chaak" des Projekts "Seeds of Awareness", entstand in einem Delfinarium bei Puerto Aventuras im Bundesstaat Quintana Roo an der Riviera Maya in Mexiko und wurde uns von engagierten Delfinschützern freundlicherweise zur Verbreitung zur Verfügung gestellt. Zu sehen sind keine offensichtlichen Grausamkeiten gegenüber Delfinen, sondern die offensichtliche Grausamkeit des Alltags eines trost-...
Sizilianische Fischer wollen gegen Delfine streiken
Es ist die ewig gleiche Klage. Nein, nicht das eigene rücksichtslose Tun – hemmungsloses Überfischen – ist schuld am mangelnden Fangerfolg. Schuld sind natürlich andere. So jedenfalls sehen das die Fischer, die im Fanggebiet um die Äolischen Inseln nördlich von Sizilien, nach Kalmaren fischen. Sie verzeichnen dramatische Umsatzeinbußen, um bis zu 70 Prozent, angeblich weil sich in dem Gebiet Delfine stark vermehrt hätten, berichtet ORF.at....
Northern Range Monitoring im Ponta do Ouro Schutzgebiet
Beim 16. "Northern Range Monitoring" im Schutzgebiet Ponta do Ouro wurden acht Mal Delfine gesichtet. Dabei gab es auch ein Wiedersehen mit "Herme" und seiner Mutter "Humphrey", zwei Bleifarbenen Delfinen (Sousa plumbea). Der 2006 geborene "Herme" gehört zu den Mosambik-Delfinen, für die man eine Patenschaft übernehmen oder verschenken kann. Mittlerweile hat "Humphrey" erneut Nachwuchs bekommen. Das sind gute Nachrichten! Bedeutet es doch,...
Kein Seemannsgarn: Ein ungewöhnlicher Schiffsbegleiter
Es gibt Geschichten, die es eigentlich nicht geben kann. Eine dieser unglaublichen Geschichten erlebten Wolf-Dieter C. und sein Freund Horst W. im August 2016. Auf ihrer Segeltour rund ums Kattegat wurden sie fast 2,5 Stunden lang von einem Gemeinen Delfin begleitet. In dieser Zeit wich das Tier dem Boot nicht von der Seite. Als die Segler schließlich Kurs auf die Hafeneinfahrt Torekov nahmen, nahm der Delfin auf seine Art Abschied von den...
Chinesen werfen Delfinschützern in Namibia Rassismus vor
Internationale Proteste verhindern Ausverkauf der marinen Artenvielfalt Namibias! Untermalt von Rassismus-Vorwürfen gegen Delfin- und Meeresschützer, hat sich das chinesische Unternehmen, das vor der Küste Namibias Delfine, Orcas, Haie, Südafrikanische Seebären und andere Meerestiere fangen und für asiatische Aquarien und Delfinarien exportieren wollte, kurz vor Weihnachten anscheinend von dem Vorhaben verabschiedet. Auf der "Einkaufsliste"...
Vaquita: Die letzten sollen jetzt eingefangen werden
Die Regierung Mexikos will mit einem letzten Kraftakt so viele der letzten überlebenden Vaquitas wie möglich einfangen, um ein Gefangenschaftszuchtprogramm aufzubauen, das berichtet die New York Times. Es wird befürchtet, dass es überhaupt nur noch acht fortpflanzungsfähige Vaquitaweibchen in freier Wildbahn gibt. Jedoch wurde diese Art noch nie in Gefangenschaft gehalten! Keine Chance für die Kleinen?Vaquitas gehören zur Familie der...
Australischer Umweltminister opfert Delfine für den Tourismus
Josh Frydenberg, neuer australischer Umweltminister, hat mit einer Sondererlaubnis das Stellen von bis zu 10 Hainetzen an fünf Stränden entlang der Nordküste des Bundesstaates New South Wales ermöglicht. Frydenberg, der mit seiner Entscheidung die lokale Tourismusindustrie stützen möchte, verurteilt damit unzählige bedrohte Meerestierarten, darunter Delfine, Haie, und Meeresschildkröten, zu einem sinnlosen und grausamen Tod. Wir haben Josh...
Paracas- und Supay-Delfine: Monitoring 2016
Die Langzeitbeobachtung der Supay-Delfine, in ihrem eng umrissenen Lebensraum, sowie der vielen Großem Tümmler, die regelmäßig die Paracas-Bucht frequentieren oder sich sogar dauerhaft dort aufhalten, erlaubt uns einen besonderen Einblick in das komplexe Sozialgefüge von Delfingesellschaften, die Entwicklung der Population und das Leben einzelner Delfine. Paracas-TümmlerWährend vier Monitoringfahrten wurden 19 bereits bekannte Delfine...
Ostsee-Tümmler: Gekommen, um zu bleiben?
Dieses Jahr ist ein ungewöhnliches Meeressäuger-Jahr für die Ostsee. Neben mindestens drei, vielleicht auch fünf oder mehr Großen Tümmlern (Tursiops truncatus), die für gewöhnlich in der Nordsee und im Atlantik leben, gab es noch andere seltene Gäste. Ein Buckelwal vor RügenEnde Juli tauchte ein Buckelwal vor Rügen auf und hielt sich dann mehrere Wochen im Greifswalder Bodden auf. Am 6. September kollidierte der etwa zehn Meter große Koloss...
Sind die Irawadi-Delfine in Laos wirklich ausgestorben?
Sie sollen es also nicht geschafft haben, die letzten Irawadi-Delfine im laotischen Teil des Mekongs. Es ist zwar an der IUCN (Weltnaturschutzorganisation), Arten oder Populationen für ausgestorben zu erklären, doch angesichts angeblich nur noch drei überlebender Exemplare besteht nur wenig Hoffnung, dass sich die Population noch einmal erholen wird. Wenn es denn tatsächlich nur noch drei sind... Weiß man es wirklich so genau?Noch vor wenigen...
Schon wieder ein Delfin auf Stippvisite in der Kieler Bucht
Erneut ist ein ungewöhnlich zutraulicher Großer Tümmler vor Kiel aufgetaucht. Der sehr verspielte Delfin schwamm am 10. September gleich mehrmals in die Schleuse Kiel-Holtenau, als wollte er durch den Nord-Ostsee-Kanal eine Abkürzung in die Nordsee nehmen. Der Schiffsverkehr in der Schleuse wurde für 20 Minuten gestoppt, bis der Tümmler die Schleuse dann doch wieder den Weg zurück in die Ostsee nahm. In der Förde angekommen, spielte er dann...
Auch im Ärmelkanal sind Delfine durch Schadstoffe gefährdet
Britische Forscher hatten Anfang 2016 eine groß angelegte Studie veröffentlicht, die die großflächige Vergiftung von Delfinen in europäischen Gewässern mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) dokumentierte. Jetzt haben die französische Ökotoxikologin Cyrielle Zanuttini und ihre Kollegen vergleichbare Werte bei Delfinen aus dem Ärmelkanal festgestellt. Besorgniserregend hohe Konzentrationen von Quecksilber und PCBLaut der Studie, die am 2....
Freudiges Wiedersehen mit schwer verletztem Delfin Košara
Niemand hätte zu hoffen gewagt, dass er es ohne Hilfe schaffen würde.Košara im September 2013: Dramatische Szenen spielten sich im September 2013 in Nähe der kroatischen Insel Pašman ab, als unsere Projektpartner um den Tierarzt Tom Gomerčić versuchten, einen schwer verletzten Delfin einzufangen, um ihn medizinisch zu versorgen. Tiefe Wunden, Entzündungen und Wucherungen überzogen Maul, Rücken und Brust des Großen Tümmlers, verursacht von...
Wir begrüßen unseren ersten "Adriatic Dolphin Observer"
Mit unserem neuen Citizen-Science-Programm / Freiwilligen-Programm "Adriatic Dolphin Observer" bieten wir die Möglichkeit zur ehrenamtlichen Mitarbeit bei unserem Projekt zur "Rettung der letzten Adria-Delfine" in Kroatien. Ein Adriatic Dolphin Observer unterstützt mit seinen Delfinbeobachtungen sowie Foto- und/oder Videoaufnahmen die wissenschaftliche Arbeit unserer kroatischen Partner, Tierärzte der Universität Zagreb, in besonderem Maße....
Gefahr für "Selfie" und "Delfie": Stellnetze in der Kieler Bucht
Die beiden Großen Tümmler "Selfie" und "Delfie", die in den vergangenen Wochen auf ihrer Ostsee-Rundreise die Herzen der Menschen an der Küste von Schleswig-Holstein und weit darüber hinaus erfreut hatten, könnten ihren Aufenthalt in der Kieler Bucht mit dem Leben bezahlen. Nach Informationen der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurden dort über viele Kilometer Stellnetze ausgebracht. Freiwillige Vereinbarung zur Netzreduktion...
Sind die Ostsee-Delfine "Selfie" und "Delfie" in Gefahr?
Seit einigen Wochen erfreuen die beiden auf den Namen "Selfie" und "Delfie" getauften Delfine Bewohner und Touristen an der deutschen Ostseeküste. Zur Zeit halten sie sich in der Flensburger Förde auf, davor sorgten sie im Warnemünder Seekanal bei Rostock und im Jachthafen des Ostseebads Grömitz bei Travemünde für reichlich Aufregung. Ihre Namen erhielten sie übrigens in Schweden, wo sie vor Kalmar den letzten Sommer verbrachten. Die beiden...
Bimini (Bahamas): "Sanfter Delfintourismus" ist möglich!
Was ist es, das mich jedes Jahr Ende Mai antreibt, mit freilebenden Delfinen zu schwimmen? Es ist das Gefühl, welches ich als "immerwährende Sehnsucht" nach Freiheit, Glück und bedingungsloser Liebe von Seiten der Meeressäuger bezeichnen kann und die Begegnung hilft mir bei meiner persönlichen (Weiter-) Entwicklung. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der GRD ist es mir eine Herzensangelegenheit einen Reisebericht über das Schwimmen mit...
Erfolg gegen Offshore-Ölförderung in der Adria: Regierung zieht Reißleine
Pressemitteilung 01.10.2015 - Mit großer Erleichterung quittiert die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) zwei wichtige Entscheidungen gegen die Förderung von Öl in der Adria. So hat Shell, nach dem Rückzug aus der Arktis vor wenigen Tagen, jetzt bekannt gegeben, geplante Offshorebohrungen vor der Küste von Bosnien und Herzegowina nicht durchzuführen. Und vor einer Woche musste die kroatische Regierung die eigentlich für September...
Reisebericht: Nachhaltige Wal- und Delfinexkursionen Azoren
Am 1. September begann unsere Wal- und Delfinexkursion auf der Insel Pico. Ein perfekter Ort, um Wale und Delfine in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Bis zum 11. September hatten wir genügend Zeit, um viel über das Verhalten der Meeressäugetiere zu erfahren und sie hautnah in ihrem Lebensraum zu erleben. Die Delfine entscheiden, ob sie Kontakt zu den Menschen aufnehmen wollenErlaubte es die Situation, konnten wir auch mit wilden...
Kein neues Delfinarium in Polen!!!
Der polnische Umweltminister Maciej H. Grabowski hat den geplanten Bau des ersten Delfinariums in Polen gestoppt. Sein Ministerium werde keine Einfuhrerlaubnis für die Delfine erteilen. Fast 1000.000 UnterschriftenDas ist ein großartiger Erfolg der Plattform "NIE! dla delfinarium" und andere polnische Umweltgruppen, die zu Protesten gegen die im 44 km südwestlich von Warschau gelegenen Mszczonów geplante Anlage aufgerufen haben. Zusammen...
SUP-Erstumrundung des Genfer Sees für den Delfinschutz
Kein Lüftchen weht auf dem Genfer See und das Thermostat klettert auf bis zu 37 Grad. Nicht unbedingt ideale Bedingungen für eine kraftraubende Expedition, die über mehrere Tage gehen soll. Unbeeindruckt dessen, bestückten drei Paddel-Pioniere am Ufer von Montreux ihre SUP-Bretter und bereiteten sich mental auf ihre anstehende Expedition vor. Das Ziel: in knapp drei Tagen (vom 02.07 – 05.07.2015) einmal per Stehpaddel rundum Europas...
Jagd auf Delfine in Peru – Patendelfine nicht in Gefahr
Seit 1999 kämpft die GRD, gemeinsam mit ihrer peruanischen Partnerorganisation ACOREMA gegen die Jagd auf Delfine vor der Küste des Andenstaates Peru. Skrupellose Fischer harpunieren dabei Dusky-Delfine, das Blut der verwundeten Meeressäuger soll Haie anlocken. Anschließend werden die Delfine an Bord der Fischerboote getötet und zerlegt, um ihr Fleisch als Köder für den Fang der angelockten Haie einzusetzen. Die Jagd auf Delfine ist in Peru...
SAFE: 25 Jahre delfinsicherer Thunfisch
Vor 25 Jahren wurde das umfassendste und wirkungsvollste Delfinschutzprogramm der Welt gegründet: SAFE, das internationale Kontrollprogramm für delfinsicher gefangenen Thunfisch des Earth Island Institute aus Kalifornien (EII). Mehr als 7 Millionen tote Delfine in 40 Jahren beim ThunfischfangEs war die größte Massenvernichtung von Meeressäugern in der Geschichte der Menschheit: Beginnend in den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre...
GRD setzt sich bei Ostseeschutzkonvention HELCOM für den Schutz von Schweinswalen ein
Ein gewaltiges Umweltproblem: Verrottende Munition in deutschen Gewässern Auf der Tagung der SUBMERGED-Arbeitsgruppe der Ostseeschutzkonvention HELCOM, die vom 22.-23. April 2015 in Bonn stattfand, konnte der Meeresbiologe Sven Koschinski für die GRD wichtige Fortschritte für den Schweinswalschutz erreichen. HELCOMDas Helsinki-Abkommen für den Schutz der Ostsee (HELCOM) aus dem Jahr 1974 sollte das Einbringen von Schad- und Nährstoffen in die...
Wissenschaftler: Fischerei in internationalen Gewässern beenden
Für ein Ende der Fischerei in internationalen Gewässern – also außerhalb der 200-Meilen-Zonen vor den Küsten – plädiert eine Gruppe Wissenschaftler in einem Beitrag der Zeitschrift Scientific Reports, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 19.02.2015. Die radikal klingende Maßnahme würde, so die Forscher, den weltweiten Fischereiertrag sogar steigern, auch die Verteilung der Fangmengen würde gerechter sein....
Artenschutzkonferenz endet mit positiven Signalen für Delfine und Wale
Für Delfine, Wale und weitere 31 Tierarten brachte die elfte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS), die am 09.11.2014 im ecuadorianischen Quito endete, einige erfreuliche Ergebnisse. Größte und wichtigste Gruppe der neu in die CMS-Schutzlisten aufgenommenen Tiere sind 21 Hai-, Rochen- und Sägefischarten. Auf der...
"Magic" und "Laura" – Neue Patendelfine aus dem Roten Meer
Und dann waren es drei: Wir freuen uns, zwei neue Patendelfine des Hurghada-Schutzprojekts (Rotes Meer, in Kooperation mit Dolphin Watch Alliance, DWA) vorstellen zu können: Die kleine "Magic" und "Laura". Beide sind Weibchen der Art Indopazifischer Großer Tümmler (Tursiops aduncus). Sie leben gemeinsam mit ihren Artgenossen vor Hurghada im Roten Meer, Ägypten. Manchmal geschehen auch Wunder: "Magic" überlebt tödliche VerletzungDas Schicksal...
Delfinmutter trauert um totes Baby – Todesursache: Schraubenverletzung?
Nahe der vor Istrien liegenden Insel Cres wurde am 10. August eine Delfinmutter beobachtet, die ihr totes Kleines auf dem Rücken balancierend sich schwerfällig durch die Wellen bewegte. Die kroatische Zeitung 24sata veröffentlichte darüber einen Bericht nebst Video mit dem Titel "Beerdigung eines Delfins". Immer wenn der bereits erste Verwesungsspuren zeigende Körper des Babys der Mutter vom Rücken rutscht, nimmt sie den kleinen Delfin wieder...
Bergung vom Meeresgrund: Skelettfund in der Adria
Einen sehr seltenen Fund machte die Urlauberin Kathrin Zimmermann beim Schnorcheln vor der kroatischen Insel Šolta. Ende Juni entdeckte die Schweizerin auf dem Meeresgrund Reste eines Tierskeletts. Anhand von Fotos ließ sich rasch feststellen, dass es sich um einen Wal oder Delfin handeln musste, denn die Schwanzflosse stand quer zum Rückgrat und nicht wie bei Fischen senkrecht dazu. Nach Meinung unserer kroatischen Projektleiterin, der...
Hongkong: Neue Flughafenlandebahn gefährdet rosa Delfine
Der geplante Bau der dritten Landebahn des Hongkong International Airport gefährdet das Überleben der bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis) in den Gewässern der Millionenmetropole. Seit Jahren warnen Experten vor dem Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Populationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong. Eine sehr küstennah lebende DelfinartDas Verbreitungsgebiet der auch als...
Obama will weltweit größtes Meeresschutzgebiet einrichten
Es scheint ein Faible von aus dem Amt scheidenden US-Präsidenten zu sein, ökologisch bedeutende Fußabdrücke im Meeresschutz zu hinterlassen. So hat US-Präsident Barack Obama angekündigt, das einst von seinem Vorgänger eingerichtete, in der Nähe von Hawaii im südzentralen Pazifik gelegene Pacific Remote Islands Marine National Monument Schutzgebiet um fast das Neunfache auszuweiten. Es wäre damit das größte Meeresschutzgebiet der Welt. Obama...
Mehr Schutz für Meerestiere: Kiribati zeigt Fischern die Rote Karte
Die Regierung des Inselstaats Kiribati hat in einem der derzeit größten Meeresschutzgebiete, der über 408.000 km2 umfassenden Phoenix Islands Protected Area (PIPA), ab Januar 2015 jegliche kommerziellen Fischereiaktivitäten verboten und damit das gesamte Schutzgebiet zur "No Take Zone" erklärt. PIPA ist ungefähr so groß wie Kalifornien. Der mitten im Pazifik, auf der Hälfte des Weges zwischen Hawaii und Australien in Mikronesien gelegene...
Kampagne gegen Plastikmüll in Paracas - 2014
In vielen Drittweltländern fehlen Mittel für wirksame Kläranlagen, Abwässer werden einfach in Flüsse und Meer geleitet. Billiges Plastik als Verpackungsmaterial, Tüten, Flaschen wird vielerorts achtlos weggeworfen und in der Umwelt entsorgt. Dies ist auch ein großes Problem in Paracas, das mit den beiden "National Nature Reserves" als Touristenattraktion jährlich bis über Hunderttausend Besucher verbucht. Weggeworfener Plastikmüll säumt...
Taiwan etabliert erstes Schutzgebiet für Chinesische Weiße Delfine
An der Westküste von Taiwan wird das erste Schutzgebiet für die bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis), die auch Buckeldelfine genannt werden, entstehen, wie "Taiwan Today" berichtet. Die 763 Quadratkilometer große Schutzzone umfasst das Meeresgebiet zwischen dem im zentralen Westen der Insel gelegenen Fischereihafen von Longfeng (Miaoli Distrikt) und dem Leuchtturm auf der Waisanding Sandbank (Chiayi Distrikt) im Süden, auf...
Neue Studie zu den Großen Tümmlern der Kanarischen Inseln
Schon lange wurde vermutet, dass die um die Kanaren ansässigen Großen Tümmler nicht jeweils nur einer Insel treu sind. Eine Studie der Universität La Laguna auf Teneriffa, die in Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern entstand, belegt nun zum ersten Mal, wie weitläufig Große Tümmler ihren Lebensraum nutzen. Die Forschergruppe bediente sich dabei der Methode der Foto-Identifikation, die auf der individuellen Erkennung anhand spezieller...
Ein kleiner Delfin befreit sich selbst aus tödlicher Gefahr
Manchmal geschehen auch Wunder! Lange sah es nicht gut aus für die kleine Tümmlerdame aus Hurghada (Rotes Meer), die sich mit ihrer Schwanzfluke in einer Angelschnur verheddert hatte. Doch jetzt ist die tödliche Einschnürung aus reißfestem Nylon plötzlich verschwunden! Tief hatte sich die Angelschnur bereits ins Fleisch des kleinen Delfins eingegraben. Versuche, sich ihm zu nähern, scheiterten regelmäßig. Mit Bangen beobachtete unsere...
Uruguay: Schutzzone für Wale und Delfine
05.09.2013 - Das Parlament der Republik Uruguay, des zweitkleinsten Landes Südamerikas, hat ein Gesetz für einen besseren Schutz von Walen und Delfinen in seinen Küstengewässern verabschiedet. Jagd, Besitz und Transport von Walen und Delfinen sind jetzt verboten. Das Verbot gilt sowohl für inländische als auch ausländische Schiffe. Man will so die Tiere auf ihren Wanderungen besser schützen und ein Anwachsen der Populationen erreichen. Das...
Morbillivirus verantwortlich für Delfin-Massensterben an US-Ostküste
Jetzt ist der Grund für das mysteriöse Delfinsterben entlang der US-amerikanischen Ostküste zwischen New Jersey und Virginia bekannt. Ein Morbillivirus soll für den Tod der etwa 330 Großen Tümmler verantwortlich sein, die seit Anfang Juli tot an die US-Ostküste angespült wurden. Dies teilte die Wetter- und Ozeanographiebehörde der USA (NOAA) jetzt mit. Die tatsächliche Zahl der an der Infektion gestorbenen Delfine dürfte weitaus höher sein,...
Indien erkennt Delfine als nicht-menschliche Personen an
Nachdem im August 2012 die Bewohner der japanischen Insel Toshima den weltweit bis dahin einmaligen Schritt wagten, die in den Gewässern um die kleine Insel lebenden Delfine zu Mitbürgern zu erklären und sie damit als nicht-menschliche Personen anzuerkennen, ist jetzt ein ganzes Land diesem Schritt gefolgt: In Indien wurden Delfine offiziell als nicht-menschliche Personen anerkannt, deren Rechte und Lebensbedürfnisse respektiert werden...
Vor Hongkong sterben die rosa Delfine
In den verschmutzten Gewässern vor der Millionenmetropole Hongkong treiben immer mehr tote Jungtiere der bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis). Experten warnen vor dem Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Populationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong. Die Ursachen für das jetzt beobachtete Sterben von so vielen Jungtieren sind unklar, am ehesten kommen wohl die starke...
Sind Delfine so schlau wie Menschen?
Die Frage ist eigentlich so nicht zulässig. Delfine sind genauso schlau, wie sie es als Delfine sein müssen, sonst hätte sich ihre heutige Artenvielfalt nicht in dieser Weise im Laufe ihrer fast 60 Millionen Jahre langen Evolution durchsetzen können. Wenn Delfine "nur" so schlau wie Menschen wären, gäbe es sie in den Weltmeeren schon lange keine mehr. Und doch ziehen Menschen immer wieder gerne diese falschen Vergleiche zwischen der...
Hoffnung für Delfine in Japan: Auf der Insel Toshima erhalten Delfine Bürgerstatus
Mehr als erstaunliche Nachrichten gibt es aus Japan. Während einerseits in der Todes-Bucht bei Taiji am 1. September Fischer erneut mit ihren brutalen Delfinmassakern beginnen werden, erklärten die Fischer der kleinen, etwa 160 Kilometer vor Tokio gelegenen Insel Toshima ihre Delfine zu Mitbürgern. Dies ist einmalig auf der Welt. Die Meeressäuger genießen jetzt den vollen Schutz in den Gewässern rund um die Insel, zu deren Einwohnern...
Tümmler sind auch im Schlaf sehr wachsam
Die Erkenntnis, dass Delfine, speziell die Art Großer Tümmler, nie vollständig einschlafen, ist weder neu noch erstaunlich. Da die Meeressäuger ihre Atmung bewusst steuern, wäre ein vollständiger Tiefschlaf beider Gehirnhälften, wie beim Menschen, tödlich und so wechseln sich bei Delfinen beide Gehirnhälften beim Schlafen ab. US-Forscher haben jetzt in Versuchen herausgefunden, dass Große Tümmler (Tursiops truncatus) auch während der...
Kampfdelfine wieder auf dem Vormarsch
Tiere für militärische Zwecke einzusetzen, ist ethisch verwerflich und barbarisch. Dies gilt in besonderem Maße für hoch entwickelte Tiere, wie Delfine, für die zahlreiche Wissenschaftler eine eigene "Delfin-Ethik" und die Anerkennung eines besonderen Status als "nichtmenschliche Personen" fordern. Und doch bewegen sich einige Nationen nach wie vor auf diesem weiteren Tiefpunkt menschlichen Denkens und Handelns. Anfang Oktober begann eine...
Delfine und Wale fallen durchs Forschungsnetz
Weltweit werden die Populationen von Delfinen und Walen zu wenig beobachtet, was ihren Schutz erschwert. Eine von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Freiburg und St. Andrews/Schottland erstellte Weltkarte deckt auf, dass in den vergangenen Jahrzehnten lediglich ein Viertel der Meeresfläche auf Wale und Delfine untersucht wurde. Nur wenn regelmäßig Daten über die Meeresbewohner erhoben werden, können schädliche...
Kambodscha: Letzte Chance für bedrohte Mekong-Delfine
Kambodscha will die hochgradig vom Aussterben bedrohte Population der Mekong-Irawadi-Delfine besser schützen und hat auf einem 180 Kilometer langen Mekongabschnitt zwischen der östlichen Provinz Kratie und der Grenze zu Laos ein Schutzgebiet eingerichtet. Hier sollen zukünftig fischereiliche Aktivitäten mit Stellnetzen und Fischkäfigen verboten sein, gänzlich verboten wird der Fischfang im Schutzgebiet allerdings nicht. Ob die Maßnahmen noch...
Die letzten 55 Maui-Delfine stehen kurz vor der Ausrottung
Die nördliche Unterart des neuseeländischen Hectordelfins, die Maui-Delfine (Cephalorhynchus hectori maui), steht unmittelbar vor der Ausrottung. Jüngste Zählungen in den Küstengewässern der Nordinsel Neuseelands ergaben, dass ihre Populationsgröße auf nur noch 55 Exemplare gesunken ist. Hauptgrund für den dramatischen Bestandsrückgang sind vor allem durch Hobbyfischer verursachte Beifangverluste. In den von ihnen eingesetzten Stell- und...
Fast 200 Delfine und Schweinswale verenden im Schwarzen Meer
Nach dem immer noch rätselhaften Delfin-Massensterben an der Nordküste von Peru, bei dem bislang etwa 1000 Langschnäuzige Gemeine Delfine und Burmeister-Schweinswale ums Leben kamen, ist jetzt auch im Schwarzen Meer ein schlimmes Delfin-Massensterben aufgetreten. Nach Angaben ukrainischer Biologen sollen in den vergangenen zwei Wochen fast 200 Delfine und Schweinswale verendet und an der südöstlichen Krim-Küste gestrandet sein. Ein Tier...
Peru: Delfin-Massensterben durch Dynamitfischerei?
Erst waren es Hunderte Delfine, dann starben Tausende Pelikane und Seelöwen. Doch warum seit Jahresbeginn 2012 massenhaft Tierkadaver an Strände vom Norden Perus bis zur Hauptstadt Lima angespült werden, ist immer noch weitgehend rätselhaft, zumindest was den Tod der Delfine betrifft. Mindestens 5000 Pelikane und andere Seevögel sind offensichtlich verhungert. Meist waren es junge Tiere, ihre Mägen mit nichts als Sand und Müll gefüllt, für...
EDEKA verzichtet auf delfintödlichen Dosen-Thunfisch
Pressemitteilung, 18.04.2012 - Als großen Erfolg für den Delfinschutz wertet die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) die jetzt von EDEKA getroffene Entscheidung, keine "delfin-tödlichen" Dosenthunfischprodukte mehr zu beziehen. An diesem Thunfisch klebt das Blut von DelfinenDie GRD hatte seit dem vergangenen Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher vor dem Verzehr des EDEKA-Thunfischs, bei dessen Fang jährlich etwa 1.200 Delfine als...
Ölpest im Golf von Mexiko: Das große Delfinsterben
780 tote Delfine: Der Tod zahlreicher Delfine im Golf von Mexiko ist auf die Ölkatastrophe durch die Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" im vergangenen Jahr zurückzuführen. Laut einer Studie von US-Wissenschaftlern und nach Angaben der US-Behörden wurden seit Jahresanfang bereits 84 tote Delfine gefunden, 2011 starben 362 Delfine und von Februar bis Dezember 2010 fand man 260 tote Tiere an den Küsten von Florida, Labama,...
Fast 6000 Irawadi-Delfine entdeckt
Nur wenige Tage nach der beunruhigenden Nachricht über das drohende Aussterben der etwa 70 noch im Mekong lebenden Irawadi-Delfine (Orcaella brevirostris) wurde die ebenso sensationelle wie kaum glaubliche Nachricht bekannt, dass Forscher der angesehenen Wildlife Conservation Society (WCS) im Süßwasser der Sundarbans, eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen fast 6000 Irawadi-Delfine...
Dramatische Delfinrettung in der Krka
Mai 2007 - Immer wieder verirren sich in Kroatien Delfine in Flüssen und finden nicht mehr den Weg zurück. Meist bezahlten sie den Ausflug in die unbekannten Gewässer mit dem Tod, weil sie im für sie ungeeigneten Brack- und Süßwasser nicht genug Nahrung finden. In diesem Jahr jedoch gelang unseren Projektpartnern eine spektakuläre Rettungsaktion eines Delfinweibchens, das sich fast bis zu den Krka-Wasserfällen verirrt hatte. Anfang Mai...
Verbot von Militär-Sonaren bei den Kanaren nach Massenstrandungen
Eine ungewöhnliche Häufung von Delfin- und Walstrandungen führte im April 2006 auf den Kanarischen Inseln zum Tod von mindestens fünf Tieren. Nach ähnlichen Vorkommnissen in der Vergangenheit fiel der Verdacht sofort auf mögliche militärische Manöver im Gebiet der Kanaren. Innerhalb weniger Tage strandeten zwei der seltenen Gervais-Zweizahnwale (Mesoplodon europaeus), ein Pottwal (Physeter macrocephalus) und ein Rundkopfdelfin (Grampus...
Kampf-Delfine im Irak-Krieg
Wer dachte, die militärische Verwendung von Tieren im Krieg sei ein Relikt aus den Zeiten Hannibals, sah sich beim letzten Irak-Krieg getäuscht. Die US-Navy setzte vier sogenannte Kampf-Delfine sowie Seelöwen im Hafen von Um Kasar zur Minenräumung ein. Die als "Soldaten der Meere" ausgebildeten Kampf-Delfine können feindliche Taucher töten und See-Minen aufspüren. Abgesehen von dem mehr als fragwürdigen militärischen Wert derartiger "Waffen"...

Als kleiner Schweinswal (Phocoena phocoena) sollte man Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) tunlichst aus dem Weg schwimmen. Allein aus 2016 sind sechs Schweinswal-Todesfälle in der Ostsee belegt, bei denen Begegnungen der beiden Meeressäugerarten für die Kleinen nicht gut ausgingen.

Doch es geht auch anders. Türkische Wissenschaftler von der Turkish Marine Research Foundation (Türk Deniz Araştırmaları Vakfı: TUDAV) beobachteten im Marmarameer (nahe des Schwarzen Meeres), wie Große Tümmler und ein junger Schweinswal in der Bugwelle eines Bootes Seite an Seite schwimmen. Einen der Tümmler hatte der kleine Kerl dabei besonders in Herz geschlossen und versuchte stets, nah bei ihm zu sein. Und das ist kein Märchen aus "Tausend und eine Nacht": Ihre fürwahr nicht alltägliche Meeressäugerbegegnung können die Forscher mit einem Video dokumentieren.

Adoptiveltern gesucht?
Der junge Schweinswal schwamm fast zwei Stunden lang an der Seite von drei Großen Tümmlern. Es gelang dem kleinen Kerl sogar, seine Schwimmgeschwindigkeit an die der wesentlich größeren Delfine anzupassen, ganz wie es Delfinbabys praktizieren, wenn sie im Sog ihrer Mutter, in der „Echelon-Formation“ mitschwimmen.

Vielleicht hat der junge Schweinswal Schutz oder gar Anschluss bei den Großen Tümmlern gesucht, weil er seine Mutter verloren hatte?

Über das Adoptionsverhalten bei wilden Delfinen gibt es kaum Erkenntnisse
Unter Delfinen, Schweinswalen, Belugas oder Pottwalen ist es durchaus üblich, dass Mütter ihren Nachwuchs anderen Weibchen anvertrauen, die auf die Kleinen aufpassen und sie auch säugen - wenn sie selber Junge haben oder erwarten. Allerdings weiß man so gut wie nichts über Adoptionen unter wild lebenden Delfinen. Dass ein Delfinweibchen, das selbst keinen Nachwuchs hat, ein fremdes Baby adoptiert und im Zuge dessen beginnt, sogar Milch für das Kleine zu produzieren, wurde in Einzelfällen dokumentiert, artübergreifende Adoptionen noch nie.

Ziemlich beste Freunde
Adoptionsverhalten und alloparentale Pflege, also Pflege- und Fürsorgeverhalten, das von anderen Individuen als den leiblichen Eltern ausgeht, ist von etwa 120 Säugetier- und 150 Vogelarten bekannt. Die Beweggründe für die Pflege nicht leiblicher Kinder oder eine Adoption sind umstritten. Müssen Pfleger oder Adoptiveltern doch beträchtliche Ressourcen für fremden Nachwuchs investieren und erhalten, wenn es sich weder um Nachwuchs verwandter oder zumindest eng bekannter Eltern handelt, gleichzeitig keinen unmittelbar erkennbaren biologischen Vorteil.

Und doch treten im Tierreich ganz erstaunliche Adoptionen verwaister Jungtiere auf, die auch Artgrenzen überspringen können. Bekanntestes und tragischtes Beispiel ist die Löwin "Kamunyak", die bis zu ihrem rätselhaften Verschwinden im Februar 2004 sechs Oryxantilopenkälbchen adoptierte, aber keine Chance hatte, ihre Antilopenkinder zu versorgen.

Bleibt zu hoffen, dass dem kleinen Schweinswal aus dem Marmarameer ein glücklicheres Schicksal beschieden war.
Ulrich Karlowski, 12. Januar 2018

Rosa Delfin by TakoradeeDie Taiwanesen lieben ihre rosa Delfine. Doch allen Schutzbemühungen zum Trotz nimmt ihre Zahl immer weiter ab.

Bei der letzten Erfassung dieser Population des Chinesischen Weißen Delfins (Sousa chinensis) - eine der vier anerkannten Buckeldelfinarten - kam man 2010, laut Courthouse News Service, auf einen Bestand von nur noch 74 Tieren, die in der Taiwanstraße leben. Andere Quellen sprechen von bis zu 100 Delfinen. Sie leben wie alle Buckeldelfine sehr küstennah und leiden besonders stark unter menschlichen Aktivitäten wie Beifangverlusten, Überfischung, Lärm, Wasserverschmutzung und baulichen Eingriffen an der Küste.

US-Behörde will die kleine Population als bedrohte Art einstufen
Auf Initiative mehrerer US-Naturschutzorganisationen stimmte die Nationale Meeres- und Fischereibehörde der US-Administration (NMFS) jetzt zu, die taiwanesische Population der rosa Delfine als eigenständige Unterart des Chinesischen Weißen Delfins (Sousa chinensis taiwanensis) einzustufen. Dies macht eine Anerkennung unter dem US Endangered Species Act als bedrohte Art möglich.

"Dies ist ein großer Erfolg für die taiwanesischen Weißen Delfine", sagt Dr. Naomi Rose, Meeressäugerexpertin vom Animal Welfare Institute (AWI), wie Courthouse News Service berichtet. "Wir gratulieren der US-Regierung zu diesem signifikanten Fortschritt. Auch wenn diese Unterart einzig und allein vor Taiwan vorkommt, die jetzt in Aussicht stehende Einstufung als bedrohte Art wird die taiwanesischen Behörden nun, hoffentlich in Kooperation mit den USA, für noch strengere Schutzbemühungen motivieren". Auf der Roten Liste der bedrohten Arten der World Conservation Union (IUCN) sind die Delfine der Taiwanstraße bereits als "stark bedroht" (critically endangered) eingestuft.

Taiwan will seine Delfine vor der Ausrottung bewahren
Zwei Chinesische Weiße Delfine schwimmen dicht vor der Küste, OmanSeit 2008 gelten die rosa Delfine in Taiwan als bedrohte Art. 2009 wurde eine Task-Force eingerichtet, die sich für eine Erholung des Bestands einsetzt. Im September 2010 verabschiedete das Landwirtschaftsministerium einen umfassenden Schutz- und Managementplan, der neben direkten Schutzmaßnahmen auch Umweltbildungskampagnen für die Bevölkerung enthält. Und 2014 wurde an der Westküste der Insel ein Schutzgebiet eingerichtet.

Die 763 Quadratkilometer große Schutzzone umfasst das Meeresgebiet zwischen dem im zentralen Westen der Insel gelegenen Fischereihafen von Longfeng (Miaoli Distrikt) und dem Leuchtturm auf der Waisanding-Sandbank (Chiayi Distrikt) im Süden, auf Höhe der in der Formosa- oder Taiwanstraße liegenden Penghu- oder Pescadoreninselgruppe.

Nach Aussagen der staatlichen Landwirtschaftsbehörde sollen in der Schutzzone fortan Baumaßnahmen an der Küste und Fischereiaktivitäten strengen Restriktionen unterliegen. Ziel sei es, die sowohl für die Delfine als auch für die einheimischen Fischpopulationen wichtigen Überflutungsbereiche zu schützen.

Auch Fischer beteiligen sich und nehmen Einschränkungen in Kauf
Nach intensiven Gesprächen mit der Fischereindustrie und lokalen Fischern stimmten diese schließlich zu, dass im Schutzgebiet nur noch selektiver Fischfang möglich ist. Trawler, die unterschiedslos fangende Netze, wie z.B. Schleppnetze, einsetzen, dürfen sich der Küste nicht näher als bis auf 3 Seemeilen nähern. Zudem wollen die Fischer sich beim Delfinmonitoring beteiligen und Patrouillenfahrten durchführen.

Der berühmte australische Buckeldelfin Mystique war deutlich rosa gefärbt. Hier liegt er im klaren sehr flachen Wasser und streckt seine lang gezogene Schnauzenspitze vorsichtig dem Betrachter entgegen ein wenig aus dem WasserTrotz all dieser erheblichen Anstrengungen gelingt es bislang leider nicht, den Bestand zu stabilisieren. Die rosa Delfine aus der Taiwanstraße gehören mit dem Vaquita, von dem es nur noch 30 Exemplare geben soll, so zu den weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugern.

Rosa Delfine: Jetzt wird’s farbenfroh
Wie alle Sousa-Arten leben auch die taiwanesischen Weißen Delfine extrem küstennah. Sie werden zwischen 2 m und 3 m groß und erreichen ein Körpergewicht von bis zu 200 kg. Charakteristisch sind ihr längsgezogener Rückenbuckel in der Mitte des massigen Körpers, die lange, schlanke Schnauze und die vielen Variationen ihrer Körperfarbe (braungrau, hellgrau, pink oder weiß). In Taiwan heißen sie deshalb "pink dolphins". In China, wo sie ebenfalls streng geschützt sind, nennt man sie "Panda der Meere".

Delfinmutter bestattet ihr totes Baby
Buckelfin trägt totes Baby, das quer auf seinem Rücken vor der Finne liegt. Im Juli 2012 sorgte ein sehr bewegendes Video eines rosa Delfins weltweit für Aufsehen: Eine Delfinmutter trug ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer, wo es seine letzte Ruhe finden sollte.

Augenzeugen berichteten, dass der kleine Körper des toten Babys durch die starke Strömung immer wieder vom Rücken der Mutter rutschte. Doch stets brachte sie den kleinen Körper erneut in Position quer vor ihrer Rückenfinne, um ihn weiter transportieren zu können - bis der Platz für die letzte Ruhe erreicht war.

Die Mutter blieb zwei bis drei Tage lang bei ihrem toten Baby, bis sie endgültig Abschied nahm.


Ulrich Karlowski - 02.07.2017
Fotos (von oben):
Rosa Delfin: Credit: Takoradee, Permission: GDFL
Buckeldefine vor der Küste Omans: Kurt Rätz
Rosa Delfin "Mystique": Kai Binder - Das Netz
Delfinmutter trägt ihr totes Baby: Horst Liebl

 

Weitere Informationen:

⇒ Requiem für einen kleinen toten Delfin - Vielleicht haben Delfine auch so etwas wie einen Friedhof. Dort beerdigen sie ihre Toten ...

⇒ Vor Hongkong sterben die rosa Delfine

⇒ China: Neues Forschungsinstitut für gefährdete Delfinart

⇒ Es gibt vier Buckeldelfinarten: Neue Delfinart bestätigt alte Evolutionstheorie

⇒ Buckeldelfine vertragen allzu viel menschliche Nähe nicht

 

Ein Bleifarbener Delfin (Sousa plumbea). Diese Buckeldelfinart lebt vor der Ostküste Afrikas. Foto: Angie Gullan (DCA)

Der kleine Buckeldelfin Herme hüpft aus dem Wasser.

 

Delfine in Brandungswelle, Ponta do Ouro Schutzgebiet, Mosambik.

 

Glück gehabt! Dank ganz spezieller Bodyguards hat ein Liegend-Surfer vor der Küste Westaustraliens am Back Beach bei Point Casuarina einen Hai-Angriff zumindest körperlich unversehrt überlebt. Der Mann war nur etwa 50 Meter vor der Küste auf einem kurzen Surfbrett, einem Bodyboard, unterwegs. Plötzlich stupste ein Hai, angeblich ein Weißer Hai, an das Board und der verdutzte Surfer landete im Wasser.

Drei Delfine zeigen sich uneigennützig
Es war eine höchst gefährliche Situation. Dem Sender Channel Seven berichtete Paul Goff, dass der Hai zwischen ihm und dem Board schwamm, sich dann aber erst einmal diesem widmete und es wuchtig mit seinem mächtigen Gebiss malträtierte.

Dann tauchten drei Delfine auf - vermutlich Indopazifische Große Tümmler (Tursipos aduncus) - und betätigten sich als Lebensretter. Sie vertrieben den Hai. Paul Goff und andere im Wasser befindliche Badegäste konnten sich unversehrt in Sicherheit bringen.

Artübergreifender Altruismus
Uneigennütziges Handeln zum Wohle artfremder Individuen ist im Tierreich nicht oft zu beobachten. Felix Warneken und seinen Kollegen vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie gelang 2010 der Erstnachweis bei Schimpansen. Von Delfinen kennt man dieses nicht dem eigenen Vorteil dienende Handeln, bei dem einem selbst mehr Kosten als Nutzen entstehen, seit der Antike. Ungezählt sind die Berichte über vor Hai-Angriffen geretteten Menschen oder die Rettung von Ertrinkenden.

Theory of Mind
Das jüngste Beispiel des australischen Bodyboarders zeigt einmal mehr, dass Tümmler die Voraussetzungen der "Theory of Mind" erfüllen. Sie besitzen die Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren und sich in Bewusstseinsvorgänge und die Gedankenwelt anderer Lebewesen hineinzuversetzen. Sie sind in der Lage, die Notsituation eines anderen Lebewesens zu erkennen und richten ihr Handeln an dieser Erkenntnis aus.

Dies geht so weit, dass sie das Risiko einer Auseinandersetzung mit einem großen Hai eingehen, um einen Menschen zu schützen - wenn sie gerade in der Nähe sind. Glück gehört halt auch dazu.
Ulrich Karlowski, 12. Juni 2016
Foto oben: DCA / Angie Gullan

 

Weitere Informationen

⇒ Sharksmart - Government of Australia: Check shark acitivity before you go to the beach

⇒ Ungewöhnliche Adoption: Delfin-Baby findet Ersatzmutter

⇒ Haben Delfine Humor?

⇒ Sind Delfine so schlau wie Menschen?

⇒ sueddeutsche.de: Altruismus im Tierreich - Ganz besonders nette Affen

 

Delfin mit Tentakeln im Maul.Es muss ein gewaltiges Ringen um Leben und Tod gewesen sein. Der fast 2,5 m große männliche Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus) "Gilligan" gegen einen namenlosen 1,30 m großen und über 2 Kilogramm schweren Maorikraken (Macroctopus maorum). Es blieb ein Kampf ohne Sieger. "Gilligan" und der Krake starben gemeinsam, im Tode vereint. Am 30. August 2015 wurde der Delfin tot am Strand von Stratham in Westaustralien gefunden. Aus seinem Maul ragten die Tentakeln des toten Kopffüßers.

Delfin macht einen tödlichen Fehler
Nahiid Stephens und Kollegen vom Fachbereich Veterinärmedizin der Universität Murdoch in Perth veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung des Vorfalls nun im Fachmagazin "Marine Mammal Science".

Offenbar hatte "Gilligan" den Kraken nur unzureichend "zubereitet" und versucht, ihn weitgehend in einem Stück zu verspeisen. Ein fataler Fehler, wie sich bei der Autopsie zeigte. Ein Tentakel steckte in der Speiseröhre des Meeressäugers, die restlichen sieben hatten sich im Hals festgesaugt und blockierten die Atemwege. Beide Tiere hatten keine Überlebenschance.

Maorikraken sind die größten Oktopusse vor Westaustralien und die drittgrößte Krakenart überhaupt. Sie können über 10 kg schwer werden und sind mit ihren acht, bis über 3 m langen Armen sehr wehrhaft.

Kein Krakenjäger
Delfin wirft Krake durch die Luft. Foto: Kate SprogisEine aufwendige Jagdmethode, bei der viel Energie verbraucht wird. Foto: Kate Sprogis"Gilligan" gehörte nicht zu den hochspezialisierten Westaustralischen Indopazifischen Großen Tümmlern, die gelernt haben, Tintenfische von der Größe eines Maorikraken fachgerecht zu zerlegen, bevor es ans Verspeisen der proteinreichen, hochwertigen Beute geht.

Gute Krakenjäger, und davon gibt es nicht viele, schlagen einen großen Oktopus mehrfach kräftig auf die Wasseroberfläche oder schleudern ihn wiederholt einige Meter weit durch die Luft, bis er sein Bewußtsein und seine Wehrhaftigkeit verliert. Ohne den Einsatz dieser Technik ist die Jagd auf die Kopffüßer für die Delfine lebensgefährlich.

Einem Forscherteam um Kate R. Sprogis von der Cetacean Research Unit der Murdoch Universität hatte diesen weiteren Nachweis für die extreme Lern- und Anpassungsfähigkeit von Delfinen, wenn es darum geht, Beute zu machen, erst im März in "Marine Mammal Science" veröffentlicht.

Good bye "Gilligan"
Toter Delfin mit Krakenarmen im Maul.Den australischen Forschern war "Gilligan" seit Juli 2007 bekannt als er das erste Mal gesichtet und anhand seiner Finnenmarkierungen identifiziert wurde. Seitdem sah man sich regelmäßig, insgesamt 25 mal. Oft traf man ihn in Gesellschaft zweier anderer männlicher Tümmler. "Gilligan", so schätzt man, war wohl über 20 Jahre alt als er seinen tödlichen Irrtum beging.

Interessanterweise war "Gilligan", wie die Autopsie zeigte, in einem hervorragenden Ernährungszustand. Am Hunger kann es also nicht gelegen haben…

An der Küste Westaustraliens werden immer wieder Delfine und Seelöwen angeschwemmt, bei denen die Kraken-Jagd tödlich endete.
Ulrich Karlowski, Mai 2017
Foto Delfin mit Tentakeln im Maul (oben): John Symons
Foto Delfin mit Tentakeln im Maul (unten): Dr. Nahiid Stephens

 

Weitere Informationen:

⇒ Marine Mammal Science, DOI: 10.1111/mms.12420

⇒ Murdoch University Cetacean Research Unit (MUCRU)

⇒ Nahiid Stephens - Marine Mammal Health Project, Murdoch University, Western Australia

⇒ Kraken-Jäger gehen sehr grob zu Werke – Aus gutem Grund

 

 

 

 

Das neue Baby von Ferdinand-Destiny.

 

Am 14. Mai ist Muttertag – der Tag, an dem die Leistungen der Mütter - leider viel zu selten - besonders gewürdigt werden. Wir wollen an diesem Tag an die Mütter aus dem Reich der Delfine erinnern. Auch sie leisten schier Unglaubliches und sind dabei noch vielen Gefahren ausgesetzt.

Delfinmütter haben es schwer
Delfine vermehren sich langsam und bekommen: 12 Monate wächst das Junge z.B. bei den Großen Tümmlern im Mutterleib heran, bis es das Licht der Welt erblickt. Dann wird es etwa ein Jahr lang gesäugt, es folgen 2 bis 5 Jahre, in denen sich die Mutter aufopfernd bemüht, den Nachwuchs auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Doch viele Gefahren lauern im Meer, kaum dass das Kleine seinen ersten Atemzug genommen hat. Die meisten davon sind menschengemacht, denn der größte (und nahezu einzige) Feind der Delfine ist der Mensch.

Viele Jungtiere sterben
Im Mittelmeer oder im Ärmelkanal ist die Muttermilch stark mit Giftstoffen belastet, was zu einer hohen Jungensterblichkeit im ersten Lebensjahr führt. Ein traumatisches Erlebnis für jede Mutter.

In der industriellen Fischerei sterben unzählige Mütter und Jungtiere als Beifang. Bei grausamen Jagden auf Delfine, wie auf den Färöern oder in Japan, werden auch Delfinmütter, egal ob trächtig oder mit Nachwuchs und Jungtiere brutal ermordet. Abgesehen vom unvorstellbaren Tierleid werden auf diese Weise ganze Populationen in ihrem Bestand gefährdet.

Mit einer Patenschaft Delfinmütter schützen
Mit unseren Projekten und Kampagnen setzen wir uns für bedrohe Delfinpopulationen und den Erhalt ihrer Lebensräume ein. Für einige dieser Projekte bieten wir auch symbolische Patenschaften für Delfinmütter an:

Für "Crta" oder "Ypsilon" aus der kroatischen Adria, "Bo" aus den mosambikanischen Küstengewässern, die bereits zwei Kleine aufgezogen hat, oder die 18 Jahre alte "Ferdinand-Destiny" aus dem Roten Meer, die im letzten Juli erneut Mutter wurde.
Pressemitteilung, 5. Mai 2017

 

Weitere Informationen:

⇒ Hurghada-Patendelfin Ferdinand hat Nachwuchs bekommen!

⇒ Ungewöhnliche Adoption: Ein verwaister Delfin findet Ersatzmutter

⇒ IATTC-Fischerei im östlichen Pazifik gefährdet Delfinbabys

⇒ Auch im Ärmelkanal sind Delfine durch Schadstoffe gefährdet

 

Gemeiner Delfin suft neben Segelschiff im Kattegat.Es gibt Geschichten, die es eigentlich nicht geben kann. Eine dieser unglaublichen Geschichten erlebten Wolf-Dieter C. und sein Freund Horst W. im August 2016. Auf ihrer Segeltour rund ums Kattegat wurden sie fast 2,5 Stunden lang von einem Gemeinen Delfin begleitet. In dieser Zeit wich das Tier dem Boot nicht von der Seite. Als die Segler schließlich Kurs auf die Hafeneinfahrt Torekov nahmen, nahm der Delfin auf seine Art Abschied von den Seglern.

In der Ostsee extrem selten
In der Ostsee tauchen Gemeine Delfine (Delphinus delphis) nur äußerst selten auf. Üblicherweise findet man die Wassertemperaturen zwischen 10 und 20 Grad bevorzugende Art in wärmeren Gewässern wie Mittelmeer oder Schwarzes Meer, aber auch im Nordostatlantik. Meist halten sich diese recht verspielten Delfine in großen Schulen von 30 bis 100 oder sogar mehreren tausend Tieren auf dem offenen Meer auf. Einzelgängerisch sind die bis zu 2,4 m großen und etwa 130 kg schweren Delfine nur selten anzutreffen.

In der Ostsee wurden letztmalig 2010 zwei Tiere, eine Mutter mit ihrem Kalb, von der Besatzung eines Bundespolizeischiffes zwischen Darßer Ort und Hiddensee gesichtet und fotografiert. Sie begleiteten das Polizeiboot rund vier Stunden lang und unterhielten die Besatzung mit Wellenreiten und Sprüngen.

Der einzelne Schiffsbegleiter aus dem Kattegat verhielt sich recht ähnlich. Gegen Mittag an diesem schönen Augusttag tauchte er neben der Bordwand des Bootes bei Wind aus östlicher Richtung in Lee auf. Unsicher, wie sie sich verhalten sollten, um das Tier nicht zu vertreiben, unternahmen die Segler zunächst nichts und hielten ihren Kurs.

Der Delfin und sein Schiff
Kurs der Schiffsbegleitung im Kattegat.Als hätte er nun endlich "sein" Schiff und "seine" Crew gefunden, blieb der Delfin fast 2,5 Stunden lang an der Seite des Seglers.

"Er ist uns nicht von der Seite gewichen, schwamm fast immer in Lee auf der Backbordseite, meistens in Höhe der Plicht. Unsere relativ geringe Geschwindigkeit zwischen 5,4 kn und 6 kn hat er regelrecht ausgependelt, indem er bis kurz vor den Bug schwamm, sich zurückfallen ließ und dann von achtern kommend neben der Plicht wieder auftauchte. Der seitliche Abstand zum Boot lag so zwischen 50 cm und 2,5 m", schreibt Wolf-Dieter C. voller Begeisterung.

Ende einer Begegnung der besonderen Art
Wäre es nach dem Meeressäuger gegangen, hätte die muntere Reise wohl noch sehr viel länger dauern können. Doch schließlich nahmen die Segler erkennbar Kurs auf die Hafeneinfahrt Torekov, was der Delfin mit kräftigem Schlagen mit der Fluke auf die Wasseroberfläche (Flukenschlagen) quittierte, bevor er in einem Bogen nach steuerbord schwimmend die Segler verließ. War es ein letzter Abschiedsgruß? Oder wollte das Tier körpersprachlich sein Missfallen ausdrücken, dass die gemeinsame Reise vorbei war? Große Tümmler setzen Flukenschlagen als Signal ein, wenn ihnen etwas nicht passt.

Wie kann es auch anders sein ...
Optima 101 Delphin.Und natürlich kann es bei einer derart ungewöhnlichen Mensch-Tier-Begegnung auch gar nicht anders sein, dass das Schiff der beiden Segelfreunde, die etwas betagte Optima 101 von Horst W., den Namen "Delphin" trägt.

Seit über 35 Jahren ist Wolf-Dieter C. mit Familie und Freunden unter Segeln unterwegs. Auf all diesen Fahrten traf er auch immer wieder auf Meeressäuger, meist Robben und Schweinswale: "Wir hatten viele interessante Begegnungen an Land und auf dem Wasser, die Delfinbegegnung im letzten Sommer war für mich jedoch in jeder Hinsicht einmalig."

Die Entdeckung des Gemeinen Delfins im Kattegat reiht sich nahtlos ein in das ungewöhnliche Ostsee-Meeressäuger-Jahr 2016. Neben einem Buckelwal vor Rügen, einem Pottwal im Öresund, und einem Sowerby-Zweizahnwal vor Wismar sorgten besonders die zu überregionaler Berühmtheit gelangten, sehr kontaktfreudigen Großen Tümmler "Selfie", "Delfie" und "Freddy" für Furore.

Es gab 2016 aber auch ein gänzlich unspektakuläres Ostsee-Meeressäuger-Highlight als ein Gemeiner Delfin für kurze Zeit "sein" Schiff und "seine" Crew gefunden hatte.
Nach Informationen von Wolf-Dieter C.
Fotos: Wolf-Dieter C. und Horst W.

 

Gemeiner Delfin im Kattegat.Gemeiner Delfin im Kattegat.

 

⇒ 2016: Ungewöhnliches Meeressäuger-Jahr für die Ostsee

⇒ Gemeine Delfine in der Adria gesichtet

 

Heaviside-Delfin im Sprung vor der Küste von Namibia.

 

Internationale Proteste verhindern Ausverkauf der marinen Artenvielfalt Namibias! 

Untermalt von Rassismus-Vorwürfen gegen Delfin- und Meeresschützer, hat sich das chinesische Unternehmen, das vor der Küste Namibias Delfine, Orcas, Haie, Südafrikanische Seebären und andere Meerestiere fangen und für asiatische Aquarien und Delfinarien exportieren wollte, kurz vor Weihnachten anscheinend von dem Vorhaben verabschiedet. Auf der "Einkaufsliste" der Chinesen stehen über 1 000 Meerestiere, darunter auch Atlantische Große Tümmler, die vor Namibia vom Aussterben bedroht sind. Als Gründe für den Rückzug werden öffentliche Proteste und mangelnde Unterstützung der Regierung genannt.

Großartiger Erfolg für den Delfin- und Meeresschutz im südlichen Afrika
Zwei der seltenen Heaviside-Delfine vor der Küste Namibias.Heaviside-Delfine vor der Küste Namibias. Die Art kommt nur vor Namibia und dem westlichen Südafrika vor.
Foto: Manfred Marschner
Sollte die Fangaktion tatsächlich eingestellt werden, wäre dies ein großartiger Erfolg für den Delfin- und Meeresschutz im südlichen Afrika und für den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft über Ländergrenzen hinweg. Wir unterstützen seit Anfang Oktober 2016 eine Protestaktion der Earth Organisation Namibia und haben den namibischen Staatssekretär Dr. Moses Maurihungirire vom Ministerium für Fischerei und Meeresressourcen (MFMR) aufgefordert, keine Fang- und Exporterlaubnis zu erteilen.

An der avaaz-Petition der Earth Organisation Namibia "Stop the Live Capture of our Marine Species" haben sich über 15 000 Menschen aus der ganzen Welt beteiligt.

Gegner der Fangaktion hätten wegen ihrer weißen Hautfarbe von Apartheid-Regelungen profitiert
Laut eines Berichts der Allgemeinen Zeitung Namibia kritisiert die für die Fangaktion verantwortliche Beijing Ruier Animal Breeding and Promotion Company, dass unter den "wenigen Gegnern" des Projekts in und außerhalb Namibias auch solche seien, die im Wohlstand lebten, die die Apartheid unterstützt und "wegen ihrer weißen Hautfarbe direkt von den diskriminierenden Apartheid-Regelungen profitiert" hätten. Gleichzeitig wird bedauert, dass nun eine Anfangsinvestition von angeblich "mehr als 100 Millionen namibischen Dollar" (umgerechnet knapp 7 Millionen Euro) nicht umgesetzt werde.

Gefahr noch nicht gebannt? Werden doch Delfine gefangen?
Das russische Fangschiff Ryazanovka ankert vor der Küste von Namibia.Der russische Frachter "Ryazanovka" ankert vor der Küste von Namibia.
Foto: EII
Anfang Januar 2017 sorgte laut Allgemeiner Zeitung Namibia eine anonyme Nachricht für viel Aufregung. Demnach habe der von der chinesischen Firma angeheuerte altersschwache russische Frachter "Ryazanovka" den Hafen von Walvis Bay verlassen und vor Langstrand, etwa 19 Kilometer nördlich von Walvis Bay, Anker geworfen. Vor Langstrand sollen regelmäßig Delfine vorkommen.

Namibische Bürger, die sich dort an der Küste aufhalten, sollen verdächtige Aktivitäten der "Ryazanovka" umgehend telefonisch melden.

Namibian Broadcasting Corporation berichtet, dass auch die örtliche Polizei das Schiff überwacht, um mögliche illegale Fangaktionen und den Schmuggel von gefangenen Delfinen außer Landes unterbinden zu können. Dies wird allerdings von der Gruppe ⇒ Namibians Against Plundering Our Seas, die die "Ryazanovka" als "Killer Vessel" bezeichnet, stark in Frage gestellt. Laut vorliegenden Hintergrundinformationen beobachte die Namibische Polizei das Schiff nicht!

Angeblich soll das Schiff repariert werden
Am 18. Januar dann berichtet die Allgemeine Zeitung Namibia, dass die "Ryazanovka" auf einen Platz im Walvis Bayer Hafen warte, wo Reparaturarbeiten ausgeführt werden sollen und zitiert Staatssekretär Moses Maurihungirire vom Fischereiministerium mit der Aussage: "Unsere Fischereiinspektioren beobachten das Schiff genau."
Ulrich Karlowski, 26. Januar 2017

 

 

Weitere Informationen:

Video "Save Our Marine Life March and Petition" - 14. Oktober 2016

"I think you will feel like you were right there with us! I can see it has really helped that you have shared this and alerted people in Germany. Thanks so much again for your support!!"

Marcia A. Fargnoli
Director, The Earth Organization Namibia

 

 

 

 

 

 

⇒ Namibia: Protestaktion gegen Delfinfänge für Delfinarien

 

Ein Vaquita Golf von Kalifornien.Die Regierung Mexikos will mit einem letzten Kraftakt so viele der letzten überlebenden Vaquitas wie möglich einfangen, um ein Gefangenschaftszuchtprogramm aufzubauen, das berichtet die New York Times. Es wird befürchtet, dass es überhaupt nur noch acht fortpflanzungsfähige Vaquitaweibchen in freier Wildbahn gibt. Jedoch wurde diese Art noch nie in Gefangenschaft gehalten!

Keine Chance für die Kleinen?
Vaquitas gehören zur Familie der Schweinswale (Überfamilie Delfinartige). Aufgrund ihres geringen Verbreitungsgebietes im nördlichen Golf von Kalifornien (Mexiko) verbunden mit dem enorm hohen Nutzungsdruck in ihrem Lebensraum gelten sie als eine der am stärksten bedrohten Säugetierarten der Welt. Die nur bis etwa 1,5 Meter groß werdenden Miniaturwale gehören zu den kleinsten Delfinartigen.

Erst im Oktober wurden auf der 66. Tagung der Vertragsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) im slowenischen Portorož Schutzmaßnahmen für den akut vom Aussterben bedrohten Vaquita (Phocoena sinus), auch Hafenschweinswal genannt, beschlossen. Nur wenige Wochen später erweist sich: Das kommt zu spät und ist zu wenig. Im Mai 2016 teilte die mexikanische Regierung mit, dass der Bestand vor einem Jahr auf etwa 63 Individuen gesunken sei, darunter nur etwa 25 Weibchen.

Nachfrage aus China nach Totoaba-Schwimmblasen rottet die kleinen Wale aus
Hauptursache für den dramatischen Bestandsrückgang ist die illegale Stellnetzfischerei im Golf von Kalifornien, bei der Vaquitas als Beifang ertrinken. Die Fischer haben es dabei auf den gleichfalls bedrohten Totoaba (Totoaba macdonaldi), einen Umberfisch, der über 2 m Länge erreichen und über 100 kg schwer werden kann, abgesehen. Seine Schwimmblase wird in der traditionellen chinesischen Medizin und als spezielle Delikatesse verwendet und ist mehrere Tausend Dollar wert.

Trotz gewaltiger Anstrengungen der mexikanischen Küstenwache, die illegale Stellnetzfischerei im Golf von Kalifornien zu unterbinden, gelingt es den Fischern immer wieder ihre Netze auszubringen. So wurden allein zwischen dem 10. Oktober und dem 7. Dezember 103 Stellnetzte konfisziert. Selbst der Einsatz von Überwachungsdrohnen konnte dem kriminellen Treiber der Fischer kein Ende bereiten.

Überleben in einer geschützten Bucht?
Die letzten Vaquitas sollen nun in einer geschützten Bucht vor den tödlichen Netzen Schutz finden. Doch es gibt weder Erfahrungen mit dem Einfangen noch mit der Haltung dieser Art in Gefangenschaft. Fangaktionen von Meeressäugetieren gehen mit immer mit hohen Verlusten einher. So könnte die verzweifelte Rettungsaktion den Untergang der Art noch beschleunigen und auch den Totoaba mit in den Untergang reißen, befürchten Experten. Denn ist die Leuchtturm-Art - der Vaquiata - nicht mehr im nördlichen Golf von Kalifornien vorhanden, wird es auch weniger Kontrollen geben. Das Gebiet und die dort noch lebenden Arten wären "zum Abschuss freigegeben". Für die Fischer bräche eine Art Goldrausch aus.

Nur die Freiheit bietet eine Überlebenschance
Nach Meinung der GRD, wie auch anderer Experten, hat der Vaquita nur in freier Wildbahn eine Überlebenschance, auch wenn diese mittlerweile extrem klein ist.

Gelingt es nicht, die illegale Fischerei abzustellen, werden die kleinen Schweinswale angesichts der derzeitigen Verlustraten von etwa 40 Prozent im Jahr in spätestens fünf Jahren ausgestorben sein.
Ulrich Karlowski, 19. Dezember 2016
Foto Vaquita: Paula Olson | NOAA | public domain

 

Schädel eines Grossen Tümmlers.Josh Frydenberg, neuer australischer Umweltminister, hat mit einer Sondererlaubnis das Stellen von bis zu 10 Hainetzen an fünf Stränden entlang der Nordküste des Bundesstaates New South Wales ermöglicht. Frydenberg, der mit seiner Entscheidung die lokale Tourismusindustrie stützen möchte, verurteilt damit unzählige bedrohte Meerestierarten, darunter Delfine, Haie, und Meeresschildkröten, zu einem sinnlosen und grausamen Tod.

Wir haben Josh Frydenberg aufgefordert, die Sondererlaubnis aus Artenschutzgründen unverzüglich rückgängig zu machen und sich stattdessen für nicht-tödliche Haischutzmaßnahmen einzusetzen.

Hainetze töten unterschiedslos
Toter Bullenhai in Hainetz.Toter Bullenhai in Hainetz.
Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank
Mit sogenannten Hainetzen wird in Australien, Südafrika oder Brasilien versucht, Schwimmer oder Surfer vor Angriffen großer Haie zu schützen. Es handelt sich um vor der Küste angebrachte tödliche Fallen aus jenseits der Brandung parallel zur Küste ausgebrachten Stellnetzen. In Australien sind sie jeweils ca. 150 Meter lang, vier bis sechs Meter hoch und unter der Wasseroberfläche treibend in 7 bis 10 Meter tiefem Wasser verankert.

Meist fangen die Netze jedoch für den Menschen völlig harmlose Tiere (in Australien bis zu 80 Prozent), wie Delfine, kleinere Haie, Rochen, Meeresschildkröten oder Seekühe – und das in großer Zahl, darunter auch vom Aussterben bedrohte und geschützte Arten.

Entscheidung im "nationalen Interesse"
Das Stellen neuer Hainetze ist nach den Bestimmungen des australischen Surf- und Badestrand New South Wales.Umweltschutz- und Biodiversitätsschutzgesetzes nicht erlaubt. Frydenberg ermöglichte es nun mit einer Sondererlaubnis im "nationalen Interesse", wie "The Guardian Australia" berichtet, um die lokale Tourismusindustrie und die beliebten "Nipper Clubs" zu schützen.

"Nippers" sind ein in Australien und Südafrika beliebter Sport, bei dem Kinder zwischen 5 und 14 Jahren von Rettungssportclubs in Wettbewerben spielerisch an den Stränden einerseits als Lebensretter angelernt und andererseits mit den Gefahren von Wetter, Brandung, Quallen und Felsen vertraut gemacht werden.

Negative Auswirkungen auf bedrohte Arten werden in Kauf genommen
Das neue Hainetz-Programm wurde gegen starke lokale Proteste nach dem dritten tödlichen Haiangriff vor New South Wales in den letzten 12 Monaten von Niall Blair, Minister für Industrie, Land und Wasser des Bundesstaates, initiiert, wie "The Guardian" schreibt.

Laut Umweltminister Frydenberg spült die Tourismusindustrie jährlich viele Millionen Dollar ins Land, dies sei auch durch den starken Widerhall, den Haiangriffe in den Medien finden, gefährdet. Nach Hai-Angriffen mussten einige Strände in New South Wales mehrere Tage geschlossen werden. Es habe bereits Rückgänge bei den Buchungen für die "Nipper Clubs" und Strandurlaubern gegeben. Frydenberg nimmt in Kauf, so "The Guardian", dass das Stellen der Hainetze auch Auswirkungen auf bedrohte Arten, wie Sandtigerhaie und Delfine haben wird.

Wirkungsloser Schutz?
Karte mit Hainetz vor Bondi Beach.Das Hainetz (weiße Markierung) vor Bondi Beach konnte den Haiangriff nicht verhindern (roter Punkt).In New South Wales stehen derzeit an 51 Stränden Hainetze. Haiangriffe können sie dennoch nicht gänzlich verhindern, denn es ist nur allzu leicht, seitlich an den Stellnetzen vorbei oder unterhalb von ihnen durchzuschwimmen.

Die neuen Todesstrände in New South Wales für Delfine, Seekühe, Haie, Rochen oder Meeresschildkröten sind: Lighthouse Beach, Sharpes Beach, Shelly Beach nahe Ballina, Seven Mile Beach bei Lennox Head and Evans Head Beach.
Ulrich Karlowski, 05. Dezember 2016

 

Weitere Informationen:

⇒ Erste Opfer: A 3.2-metre great white the first of five sharks caught in new nets along mid-north NSW coast

⇒ Commonwealth of Australia - Statement of reasons for granting an exemption under section 158 of the Environment Protection and Biodiversity Conservation Act 1999 (Cth)

 

Delfin springt vor Kajak schaut über die Kaimauer.Dieses Jahr ist ein ungewöhnliches Meeressäuger-Jahr für die Ostsee. Neben mindestens drei, vielleicht auch fünf oder mehr Großen Tümmlern (Tursiops truncatus), die für gewöhnlich in der Nordsee und im Atlantik leben, gab es noch andere seltene Gäste.

Ein Buckelwal vor Rügen
Ende Juli tauchte ein Buckelwal vor Rügen auf und hielt sich dann mehrere Wochen im Greifswalder Bodden auf. Am 6. September kollidierte der etwa zehn Meter große Koloss bei Rügen mit einem Segelboot. Seither gab es keine weitere Sichtungsmeldungen.

Ein Pottwal im Öresund
Am 9. Mai 2016 wurde ein ca. 15 m langer Pottwal im Öresund, der Meeresenge zwischen Dänemark und Schweden, gesichtet. Sein Schicksal ist unklar.

Sowerby-Zweizahnwal vor Wismar
Der Schnabelwal in der Ostsee im Sprung.Nicht ganz ins Jahr 2016 schaffte es ein junges, 4 m großes Schnabelwalweibchen, das Ende September 2015 in der Wohlenberger Wiek strandete, von Anglern gerettet wurde und sich dann mehrere Wochen nahe Wismar aufhielt. Ende Oktober wurde das Tier an der schwedischen Küste bei Karlskrona tot angespült. Es hatte in der Ostsee keine Nahrung gefunden.

Gemeiner Delfin im Kattegat
Im August wurden zwei Segelfreunde auf ihrer Tour rund ums Kattegat sie fast 2,5 Stunden lang von einem Gemeinen Delfin begleitet. In dieser Zeit wich das Tier dem Boot nicht von der Seite. Als die Segler schließlich Kurs auf die Hafeneinfahrt Torekov nahmen, nahm der Delfin auf seine Art Abschied von den Seglern.

In der Gemeiner Delfin im Kattegat.Ostsee tauchen Gemeine Delfine (Delphinus delphis) nur äußerst selten auf.

Ostsee-Tümmler: Gekommen, um zu bleiben?
Als einziger Art unter den Meeressäuger-Irrgästen werden dem Großen Tümmler gute und dauerhafte Überlebenschancen eingeräumt. Genügend Nahrung in Form von Heringen oder Dorsch ist vorhanden. Und harte Ostseewinter sind kein Thema, wie "Selfie" und "Delfie" unter Beweis gestellt haben.

Was fehlt sind Weibchen. Dann könnten Große Tümmler dauerhaft in der Ostsee eine eigene Population gründen und hätten sich somit einen neuen Lebensraum erobert.
Ulrich Karlowski, Oktober 2016
Foto Delfin und Kajakfahrer: Michael Schulz
Foto Sowerby-Zweizahnwal: Birgit Ischner

 

Weitere Informationen:

⇒ Kein Seemannsgarn: Gemeiner Delfin im Kattegat

⇒ Verhaltenstipps bei Begegnungen mit Delfinen in freier Natur

 

Ein Irawadi-Delfin schaut aus dem WasserSie sollen es also nicht geschafft haben, die letzten Irawadi-Delfine im laotischen Teil des Mekongs. Es ist zwar an der IUCN (Weltnaturschutzorganisation), Arten oder Populationen für ausgestorben zu erklären, doch angesichts angeblich nur noch drei überlebender Exemplare besteht nur wenig Hoffnung, dass sich die Population noch einmal erholen wird. Wenn es denn tatsächlich nur noch drei sind...

Weiß man es wirklich so genau?
Noch vor wenigen Monaten soll es, laut WWF, in dem an der Grenze zu Kambodscha gelegenen laotischen Teil des hier sehr verästelten Mekong-Flusses sechs Irawadi-Delfine gegeben haben. Doch das Beispiel des 2007 nach langer und intensiver Suche als wahrscheinlich ausgestorben eingestuften Chinesischen Flussdelfins Baiji zeigt, wie schwer es ist, das tatsächlich "letzte" Tier gezählt zu haben und die Hoffnung begraben zu müssen. Noch immer wird nicht gänzlich ausgeschlossen, einzelne Baijis übersehen zu haben.

Noch 70 bis 80 Irawadi-Delfine leben im kambodschanischen Teil des Mekong
Auf einem 180 Kilometer langen Mekongabschnitt zwischen der östlichen Provinz Kratie und der Grenze zu Laos wurde 2012 ein Schutzgebiet eingerichtet. Die Fischerei mit Stellnetzen und Fischkäfigen ist hier verboten, gänzlich eingestellt wurde der Fischfang im Schutzgebiet allerdings nicht.

Fischerei, Umweltgifte und Inzucht
Die Mekong-Populationen der Irawadi-Delfine sind hauptsächlich durch die Flussfischerei mit Stellnetzen, durch Inzucht und die Schwächung ihres Immunsystems durch Pestizide und Giftstoffe (DDT und PCB) gefährdet. Besonders das Immunsystem der Delfinkälber, die die gefährlichen Substanzen über die Muttermilch aufnehmen, wird zunehmend geschwächt. Das Insektizid DDT ist in Kambodscha zwar offiziell verboten, kommt jedoch immer noch zum Einsatz und gelangt so in das Ökosystem. PCB findet sich vor allem in Schiffsanstrichen, wo es Algenbewuchs verhindern soll. Es gibt keine Hoffnung, die Einleitung der Giftstoffe rechtzeitig zu stoppen.

Wanderer zwischen den Wasserwelten
Irawadis (Orcaella brevirostris) stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN mit dem Status "gefährdet" (mittelfristig hohes Risiko des Aussterbens). Die bis 2,6 m großen, hell gefärbten und äußerlich einem Belugawal ähnelnden Delfine sind in seichten Küstengewässern des tropischen Indopazifiks und großen Flusssystemen, wie Ganges oder Mekong, verbreitet. Irawadi-Delfine können bis zu 1300 Kilometer flussaufwärts wandern, manche wiederum leben vermutlich zeitlebens im Salzwasser. Sie halten sich nur wenige Kilometer von der Küste entfernt auf. Wie viele Exemplare es überhaupt noch gibt, ist nicht bekannt.

Irawadi-Delfine können ihren Gesichtsausdruck ändern
Irawadi-Delfine gehören zur Gruppe der Meeresdelfine. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Belugas werden sie, als ihr tropisches Äquivalent, oft auch zur Familie der Monodontidae (Gründelwale) gezählt. Beluga und Irawadi sind die einzigen Cetaceen, die ihren Gesichtsausdruck ändern können. Ähnlich wie der Beluga und der Narwal hat der Irawadi ein bewegliches Genick.

Gelegentlich sind Irawadi-Delfine mit Chinesischen Weißen Delfinen (Sousa chinensis) zu sehen, können aber mit diesen kaum verwechselt werden. Sehr häufig wird der Irawadi dagegen mit dem allerdings deutlich kleineren und finnenlosen Indischen Schweinswal oder mit wiederum deutlich größeren und schwereren Seekühen (Dugongs) verwechselt.

Irawadis sind immer für eine Überraschung gut
2005 wurde die Irawadi-Population vor Australien und Papua Neuguinea als eigene Art (Orcaella heinsohni), Australischer Stupsfinnendelfin, eingestuft. 2009 entdeckten Forscher der Wildlife Conservation Society (WCS) im Süßwasser der Sundarbans (Bangladesch), eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen völlig überraschend fast 6000 Irawadi-Delfine.
Ulrich Karlowski, 03. Oktober 2016
Foto: © Department of Fishery of Thailand

 

Weitere Informationen:

⇒ Kambodscha: Letzte Chance für bedrohte Mekong-Delfine

⇒ ntv - Traurige Mutmaßung: Baiji ausgestorben

Erneut ist ein ungewöhnlich zutraulicher Großer Tümmler vor Kiel aufgetaucht. Der sehr verspielte Delfin schwamm am 10. September gleich mehrmals in die Schleuse Kiel-Holtenau, als wollte er durch den Nord-Ostsee-Kanal eine Abkürzung in die Nordsee nehmen.

Der Schiffsverkehr in der Schleuse wurde für 20 Minuten gestoppt, bis der Tümmler die Schleuse dann doch wieder den Weg zurück in die Ostsee nahm.

In der Förde angekommen, spielte er dann intensiv mit badenden Kindern und bescherte ihnen ein unvergessliches Erlebnis.

Immer wieder suchte er Kontakt zu Menschen, stupste sie sogar an, drehte sich auf den Rücken und ließ sich streicheln. Nach einem weiteren Ausflug in den Nord-Ostsee-Kanal hält er sich seit dem 13. September wieder in der Kieler Förde aus, wie von aufmerksamen Beobachtern über das Internet dokumentiert wird.

Immer mehr Große Tümmler in der Ostsee!
Ein Delfin springt vor zwei Kajakfahrern, Flensburger FördeSeit gut einem Jahr scheint die Ostsee zunehmend als Lebensraum für Große Tümmler interessant zu werden. Den Anfang machten die beiden mittlerweile berühmten und gleichfalls sehr zutraulichen Tümmler "Selfie" und "Delfie", die vor über einem Jahr in Schweden auftauchten und auf einer mehrmonatigen Ostsee-Rundreise die Herzen der Menschen an der Küste von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erfreuten und nun die dänischen Küstenbewohner begeistern.

Es folgte ein weiterer Delfin, der im Juni vor Weissenhäuser Strand auftauchte und wegen seiner unauffälligen Finne identisch mit dem Tier sein könnte, das 2015 vor der schwedischen Küste gesichtet wurde und den Namen "Vilse" (Deutsch: verirrt) erhielt. Nach den bislang vorliegenden Informationen handelt sich bei dem "Schleusen-Tümmler" um einen neuen Gast, jedenfalls nicht um eines der Tiere aus der "Selfie-und-Delfie"-Gruppe. Der Neuankömmling ist ein Männchen, das gut an einer nierenförmigen Zeichnung mit zwei Löchern an der rechten Körperseite zu identifizieren ist.

Ostseeaufenthalt birgt hohes Risiko für Delfine
Heringsstellnetze in der Kieler Förde.Abgesehen von zu viel Zuneigung seitens begeisterter Menschen, der sich ein Großer Tümmler allerdings leicht entziehen kann, wenn es ihm zu viel wird, ist der Aufenthalt in der Ostsee für die Meeressäuger riskant. Hauptbedrohung für Delfine und die in der Ostsee heimischen Schweinswale sind unzählige Stellnetze die entlang der deutschen und dänischen Küste lauern und eine tödliche Gefahr darstellen. Die Lungenatmer verheddern sich und ertrinken qualvoll.

Während des Aufenthalts von "Selfie" und "Delfie" in der Kieler Bucht hatten wir an die Vorsitzenden des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein und des Fischereischutzverbandes Schleswig-Holstein e.V. appelliert, sich für ein Stellnetz-Moratorium in Gebieten einzusetzen, in denen sich die beiden Delfine aufhalten.

Genießen ja, anfassen bitte nicht!
Von Holtenauer Fischern getöteter Delfin aus 1929.Auch wenn der Kieler "Schleusen-Delfin" - wie auch "Selfie" und "Delfie" - aktiv und fordernd den Kontakt zu Menschen suchte, sollte man die Tiere nicht anfassen. Es besteht hier immer die Gefahr der Krankheitsübertragung von Mensch zu Tier und umgekehrt.

Vor 87 Jahren gab es schon einmal einen Delfin im Nord-Ostsee-Kanal
Nach Informationen des Meeressäugerexperten Dr. Andreas Pfander ließ sich schon einmal ein Großer Tümmler in den Nord-Ostsee-Kanal einschleusen. Im Herbst 1929 durchschwamm er den Kanal und wurde am 12. Oktober schließlich von Holtenauer Fischern getötet.

Es hatte sich um ein sehr großes, altes männliches Individuum gehandelt, das die eigentliche Ostsee nie erreichte.
Ulrich Karlowski, 12. September 2016

 

Weitere Informationen:

⇒ Gefahr für "Selfie" und "Delfie": Stellnetze in der Kieler Bucht

⇒ Gesundheitsaspekte im Zusammenhang mit Krankheiten bei Meeressäugetieren

⇒ Verhaltenstipps bei Begegnungen mit Delfinen in freier Natur

⇒ Kieler Nachrichten - Ein Erlebnis: Baden mit Delfin in Kiel-Holtenau

⇒ Kieler Nachrichten - Walexperte: Delfin in Kiel ist "abgebrühter Bursche"

⇒ Hamburger Morgenpost - Das Flipper-Märchen in Kiel Darum lieben Delfine plötzlich die Ostsee

 

Heringsstellnetze in der Kieler Förde.Die beiden Großen Tümmler "Selfie" und "Delfie", die in den vergangenen Wochen auf ihrer Ostsee-Rundreise die Herzen der Menschen an der Küste von Schleswig-Holstein und weit darüber hinaus erfreut hatten, könnten ihren Aufenthalt in der Kieler Bucht mit dem Leben bezahlen. Nach Informationen der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurden dort über viele Kilometer Stellnetze ausgebracht.

Freiwillige Vereinbarung zur Netzreduktion auf dem Prüfstand
"Wieder einmal zeigt sich, dass die freiwillige Vereinbarung zur Netzreduktion, die der Grüne Umweltminister Robert Habeck mit den Fischereiverbänden getroffen hat, völlig an den Schutzbedürfnissen für Meeressäuger vorbei geht", kritisiert der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD.

Die Vereinbarung gelte zwar "nur" für Schweinswale, soll aber auch den berechtigen Interessen des Naturschutzes Rechnung tragen.

Appell an Fischereiverbände
"Gibt es ein größeres Naturschutzanliegen, als angesichts der absoluten Ausnahmesituation, der Anwesenheit zweier Großer Tümmler an der Küste, auf das Ausbringen gefährlicher Fischereinetze zu verzichten?", fragt Ulrich Karlowski.

Delfin springt vor Kajak schaut über die Kaimauer.Die GRD hat an die Vorsitzenden des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein und des Fischereischutzverbandes Schleswig-Holstein e.V. appelliert, sich für ein Stellnetz-Moratorium in Gebieten einzusetzen, in denen sich "Selfie" und "Delfie" aufhalten.

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass die beiden Tümmler meist nach nicht allzu langer Zeit wieder weiterziehen, da sollte es auch für Fischer eine Selbstverständlichkeit sein, in diesem Zeitraum kurzfristig auf das Ausbringen von potenziell gefährlichen Netzen zu verzichten.
GRD-Presse, 17.03.2016

Weitere Informationen:

⇒ Verhaltenstipps bei Begegnungen mit Delfinen in freier Natur

⇒ Sind die Ostsee-Delfine "Selfie" und "Delfie" in Gefahr?

 

Ein beeindruckendes Video mit "Selfie" und "Delfie", gefilmt von einer Drohne aus Luft:

 

 

Delfin springt vor Kajak schaut über die Kaimauer.Seit einigen Wochen erfreuen die beiden auf den Namen "Selfie" und "Delfie" getauften Delfine Bewohner und Touristen an der deutschen Ostseeküste. Zur Zeit halten sie sich in der Flensburger Förde auf, davor sorgten sie im Warnemünder Seekanal bei Rostock und im Jachthafen des Ostseebads Grömitz bei Travemünde für reichlich Aufregung. Ihre Namen erhielten sie übrigens in Schweden, wo sie vor Kalmar den letzten Sommer verbrachten.

Die beiden Großen Tümmler locken mit ihren Sprüngen und ihrer puren Lebensfreude Kajakfahrer, Delfin-Fans und Wassersportler aufs kalte Wasser und an die Uferpromenade und zeigen beim Kontakt mit den Menschen keinerlei Scheu.

Genau das macht die von den Delfinen ausgehende Faszination aus:
Diese spielerische Neugier, mit einer anderen Art friedlich und ganz ohne Scheu "Kontakt" aufzunehmen. Natürlich ist nicht jeder Vertreter so gesellig, doch wurde ähnliches Verhalten bei Großen Tümmlern auch schon in anderen Gebieten der Welt beobachtet. Immer wieder kann man es in freier Wildbahn erleben, wie Delfine in den Bugwellen kleiner und großer Schiffe, aber auch in denen von Bartenwalen schwimmen – eine energiesparende Weise des Weiterkommens, die ihnen vielleicht auch noch viel Spaß bereitet!

Delfine sind in Deutschland streng geschützt
Große Tümmler gelten in deutschen Gewässern als ausgestorben, sie schauen lediglich noch als "Gäste" vorbei. Sie sind in Deutschland, wie alle anderen Klein- und Großwale gesetzlich geschützt. Das heißt, sie dürfen nicht absichtlich getötet, verletzt oder belästigt werden. Grundsätzlich sind die Überlebenschancen für die beiden "Gäste" in der Ostsee sehr gut, da reichlich Hering vorhanden ist.

Sind sie auf der Suche nach Sozialkontakten?
Ein Delfin springt vor zwei Kajakfahrern, Flensburger FördeVielleicht suchen "Selfie" und "Delfie" sich mangels Artgenossen andere "Spielkameraden", vielleicht sind es einfach auch nur zwei besonders kontaktfreudige Exemplare. Auf den im Internet kursierenden Bildern und Videoaufnahmen ist zu sehen, dass die Kontaktaufnahme von den Delfinen ausgeht und nicht vom Menschen.

Beeinträchtigung oder Gefährdung derzeit nicht erkennbar
"Eine Störung oder Belästigung der Tiere ist derzeit nicht erkennbar", erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine. "Sollten sich die beiden entschließen, auch die wärmere Jahreszeit an der deutschen Küste zu verbringen, werden Maßnahmen zu ergreifen sein, die die Meeressäuger vor zu viel menschlicher, vor allem rücksichtsloser Neugier schützen."
Ulrike Kirsch, 22.02.2016
Fotos: "Delfin und Kajakfahrer in der Flensburger Förde" mit freundlicher Genehmigung von Michael Schulz

⇒ Gefahr für "Selfie" und "Delfie": Stellnetze in der Kieler Bucht

⇒ Erstmals Delfine in der Flensburger Förde

⇒ Verhaltenstipps bei Begegnungen mit Delfinen in freier Natur

Schnorchler taucht parallel mit Delfin Bimini.

 

Was ist es, das mich jedes Jahr Ende Mai antreibt, mit freilebenden Delfinen zu schwimmen? Es ist das Gefühl, welches ich als "immerwährende Sehnsucht" nach Freiheit, Glück und bedingungsloser Liebe von Seiten der Meeressäuger bezeichnen kann und die Begegnung hilft mir bei meiner persönlichen (Weiter-) Entwicklung.

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der GRD ist es mir eine Herzensangelegenheit einen Reisebericht über das Schwimmen mit freilebenden Delfinen auf den Bahamas, genauer gesagt auf der Insel Bimini, zu verfassen.

Es geht auch anders!
Zwei Fleckendelfine schwimmen eng zusammen neben einem Schnorchler.Schon viele Jahre reise ich alljährlich nach Bimini und die Reise schenkt mir nicht nur Erholung sondern auch magische Erlebnisse mit freilebenden Delfinen. "Wildquest" ist die Organisation, welche in einer besonderen Art und Weise, eben auf sanfte Art, Menschen zu den Delfinen bringt. Bevor die Urlauber täglich von erfahrenen Crewmitgliedern auf dem Katamaran aufs offene Meer hinausgefahren werden, haben die Touristen die Möglichkeit, sich mental durch Yogaübungen auf die Delfine vorzubereiten, es wird viel Wissenswertes über Delfine und den Umgang mit ihnen vermittelt.

Begegnungen zwischen Mensch und Tier mit großem, gegenseitigem Respekt
Alle Mitarbeiter von Wildquest üben ihren Job mit viel Leidenschaft, Einfühlungsvermögen, Liebe und Respekt zu den Delfinen aus. Die Begegnungen mit den Delfinen sind in keiner Weise planbar, denn es kann nicht garantiert werden, dass jeden Tag Delfinschulen gesichtet werden. Manchmal sind es nur wenige Minuten am Tag, die wir mit den Delfinen zusammen verbringen, manchmal auch ein oder zwei Stunden. Das Wasser ist kristallklar, ca. 10 m tief und hat angenehme 28-30 Grad Celsius, die Lufttemperatur beträgt über 30 Grad. Eine Schnorchelausrüstung genügt.

Das Schwimmen mit den Meeressäugern ist echt und beglückend weil die Begegnung zwischen Mensch und Tier mit großem, gegenseitigem Respekt abläuft. Es kommt zu keinerlei Berührungen, die Tiere werden nicht beim Schlafen gestört, nur wenn die Delfine die Nähe des Menschen suchen, sie unser Boot umkreisen, gleiten wir ruhig ins Wasser und warten ab, was geschieht. Wir schwimmen nicht auf die Delfine zu oder hinter ihnen her sondern warten, bis sie auf uns zukommen und wir mit ihnen Seite an Seite schwimmen oder gar abtauchen.

Die Delfine laden uns ein in ihr Reich und wir nehmen respektvoll die Einladung an
Drei Tümmler liegen dicht beieinander ruhig im Wasser.Enger Blickkontakt zum Tier ist gegeben und von ihm sogar erwünscht. Die Delfine sind neugierig und manchmal zum Spielen aufgelegt. Immer wieder sind während der Bootstouren Jubelschreie von Urlaubern an Bord zu hören, wenn Delfine sich dem Katamaran nähern. Da die Delfine um die Insel Bimini "ortsansässig" sind, kommt es immer wieder zu Begegnungen mit "bekannten" Delfinen. Auch ich habe in den vergangenen Jahren schon "alte Bekannte" getroffen.

Die Delfine laden uns ein in ihr Reich und wir nehmen respektvoll die Einladung an. Beachtet man die Grundverhaltensregeln gegenüber Delfinen, so stellen sie für uns Menschen keine Gefahr dar und wir nicht für sie, im Gegenteil, sie sind unsere Freunde, bereichern unser Leben, erfüllen uns mit Glück, Freude und Energie.

"Wildquest" hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese wundervollen, magischen Momente mit Delfinen in ihrer natürlichen Umgebung zu ermöglichen. Ich bin sehr dankbar dafür!
Traudel Nierle, November 2015 | Fotos: Atmo Kubesa, Wildquest

⇒ Nachhaltiger Delfin-Tourismus ist möglich! Reisebericht: Wal- und Delfinexkursion Azoren, September 2015

⇒ Reisetipps - Delfine erleben: mit verantwortungsvoll operierenden Veranstaltern

⇒ Schwimmen mit Delfinen - Was Sie beachten sollten...

Gemeine Delfinen surfen in den Wellen vor der Azoreninsel Pico.

Am 1. September begann unsere Wal- und Delfinexkursion auf der Insel Pico. Ein perfekter Ort, um Wale und Delfine in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Bis zum 11. September hatten wir genügend Zeit, um viel über das Verhalten der Meeressäugetiere zu erfahren und sie hautnah in ihrem Lebensraum zu erleben.

Die Delfine entscheiden, ob sie Kontakt zu den Menschen aufnehmen wollen
Erlaubte es die Situation, konnten wir auch mit wilden Delfinen schnorcheln! Doch dies entschieden die wild im weiten offenen Ozean lebenden Tiere. Sie werden hier nicht von Touristenboote gehetzt - das Wohl der Tiere hat erste Priorität!

Organisiert wurde die Reise durch Pico Sport, stationiert in Madelena. Wissenschaftlich begleitete die Biologin Angela Ziltener von unserem Projektpartner "Delfinschutz im Roten Meer" Dolphin Watch Alliance (DWA) die Reisegruppe. Sie vermittelte viel Wissenswertes über die Biologie und den Schutz der Meeressäugetiere.

Auf den Azoren werden die Richtlinien vorbildlich und strikt kontrolliert
Einweisung von Angela Ziltener fuer Gäste der Azoren-Delfinexkursion.Für einen nachhaltigen Tourismus ist es wichtig, dass Richtlinien (Code of Conduct) bestehen und auch angewandt werden. Unzählige wissenschaftliche Studien zeigen, dass "Wale Watching" und "Schwimmen mit Delfinen-Programme" ein hohes Maß an Stress für wilde Delfine darstellen können. Begegnungsgarantien setzen die Veranstalter unter Druck und führen zu Hetzjagden, die nicht zum Wohle der Tiere und der Natur sind. Deshalb haben wir uns für die Azoren entschieden.

Auf den Azoren werden die Richtlinien vorbildlich und strikt kontrolliert. Wer sich nicht daran hält, muss hohe Geldstrafen zahlen und/oder verliert seine Lizenz. Nur so kann nachhaltiger Tourismus betrieben werden! Es werden auch "Landspotters" eingesetzt, welche die Tiere (und die Boote) von der Ferne aus beobachten und den Touren Bescheid geben, wo welche Tiere zu finden sind.

Delfinschulen von über 200 Gemeinen Delfinen
Auf unseren Touren konnten ortstreue Arten wie Gemeine Delfine, Atlantische Fleckendelfine, Atlantische Große Tümmler, Rundkopfdelfine und Pottwale hervorragend beobachtet werden. An manchen Tagen hatten wir Delfinschulen von über 200 Gemeinen Delfinen. Auch trafen wir auf eine grössere Gruppe von über 100 Atlantischen Grossen Tümmlern.

Delfine schwimmen auch während des Schlafs - einäugig
Schnorcheln mit Atlantischen Großen Tümmlern vor Pico.Es war für alle Teilnehmer sehr beeindruckend, diese Tiere über und unter Wasser zu beobachten. Was viele nicht wussten: Delfine schwimmen auch während des Schlafs. Oft eng zusammen in Gruppenformation kommen sie in regelmäßigen Abständen an die Wasseroberfläche um zu Atmen und tauchen dann wieder ab. Eine Gehirnhälfte schläft dabei, die andere ist wach. Das gegenüberliegende Auge der schlafenden Hälfte ist zu, das andere offen.

Dieses Schlafverhalten konnte für den Atlantischen Großen Tümmler an einem Tag vom Boot aus sehr schön beobachtet werden. Es wurde auch ein "Hydrophon" eingesetzt, um die Tiere unter Wasser zu hören. Bei einer Sonnenuntergang-Ausfahrt hatten wir das Glück, drei ausgewachsene Pottwalweibchen und ein Jungtier zu sichten. Von weitem konnten wir das Kalb sogar springen - sogenanntes breaching - sehen!

Nachhaltiger Delfin-Tourismus ist möglich!
Die Richtlinien der Azoren sind vorbildlich und zeigen, dass nachhaltiger Tourismus möglich ist. Wir konnten mit „gutem Gewissen“ eindrückliche Sichtungen erleben und diesen wundervollen Meeressäugetieren den Respekt entgegenbringen, den sie verdienen.

Ganz herzlichen Dank für die tolle Organisation von Pico Sport! Vom Reisepreis fließen 10 Prozent in das von uns unterstützte DWA-Projekt „Delfinschutz im Roten Meer“ - ganz herzlichen Dank dafür!
GRD-Presse, nach Informationen von Angela Ziltener, September 2015

Organisation: Pico Sport | Wissenschaftliche Begleitung: Dolphin Watch Alliance

Delfinexkursion Azoren 2016
Die nächste Delfinexkursion ist im Juni 2016 geplant (18.6. bis 28.6.2016):

⇒ Vollständiger Bericht: Wal- und Delfinexkursion Azoren, 1.-11. September 2015 (PDF)

⇒ Reisetipps - Delfine erleben: mit verantwortungsvoll operierenden Veranstaltern

⇒ Delfinschutz im Roten Meer

Drei im türkischen Delfinarium Sealanya gefangene Große Tümmler dümpeln traurig an der Wasseroberfläche vor einer Absperrung zu einem anderen Becken. Ein Delfin befindet sich direkt mit dem Maul an der Absperrung.Für Delfine, Wale und weitere 31 Tierarten brachte die elfte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS), die am 09.11.2014 im ecuadorianischen Quito endete, einige erfreuliche Ergebnisse.

Größte und wichtigste Gruppe der neu in die CMS-Schutzlisten aufgenommenen Tiere sind 21 Hai-, Rochen- und Sägefischarten. Auf der Konferenz wurde unterstrichen, dass diesen Arten, die auch kommerziell befischt werden, bessere Überlebenschancen gewährt werden sollen.

Für Mantas und Teufelsrochen gilt sogar ein absolutes Fangverbot. Bedauerlicherweise gehören allerdings große Fischereinationen wie Russland, China und Japan nicht zu den 120 Mitgliedsländern der CMS.

Auch die Cuvier-Schnabelwale (Ziphius cavirostris) im Mittelmeer haben jetzt den höchsten CMS-Schutzstatus. Diese besonders lang und tief tauchende Art (bis zu 40 Min. mit Tauchtiefen von über 1000 m) ist besonders durch akustische Meeresverschmutzung gefährdet, wie sie z.B. im Zusammenhang mit militärischen Sonarübungen oder seismischen Messungen zur Erkundung von Erdgas- und Erdöllagerstätten auftritt, gefährdet.

Resolution gegen Lebendfänge von Delfinen und Walen für Delfinarien
CMS-Mitgliedsländer sind jetzt gefordert, nationale Gesetze zu schaffen, die den Fang wild lebender Delfine und Wale zu kommerziellen Zwecken verbieten. Außerdem sollen CMS-Länder den Import und internationalen Transit von Delfinen und Walen zu kommerziellen Zwecken unterbinden und Staaten, die sich nach wie vor an Fangaktionen für kommerzielle Zwecke beteiligen, zur Einstellung der Fänge auffordern.

Resolution zur Bedeutung von Kultur bei intelligenten Säugetierarten
In einer weiteren Resolution erkannten die über 900 CMS-Delegierten an, dass einige hoch entwickelte Säugetierarten wie z.B. verschiedene Delfin- und Walarten aber auch Menschenaffen und Elefanten eine nicht-menschliche Kultur entwickelt haben. Von der Erforschung derartiger nicht-menschlicher kultureller Entwicklungen erhofft man sich wichtige Argumente für den Schutz dieser Tierarten.

So hat der Verlust oder die Entnahme bestimmter, bedeutender Individuen bei diesen Arten weit über die bloße Reduzierung der Bestandszahl hinausgehende Folgen für die betroffene Gruppe oder Population. Der Verlust von Individuen mit speziellem kulturellem Wissen, wie z.B. einer speziellen Jagdtechnik, kann verheerende Auswirkungen haben.

Leider kein zusätzliches Geld für den Tier- und Artenschutz
Ein ganz entscheidender Punkt wurde auf der Konferenz jedoch abgeschmettert. Mit Verweis auf die Finanzkrise lehnten die Mitgliedsstaaten eine Erhöhung des CMS-Etats leider ab.
U.Karlowski, 10.11.2014

Weiterführende Informationen:

⇒ Indien erkennt Delfine als nicht-menschliche Personen an

⇒ Traurige Bilanz des "UN-Jahr des Delfins 2007/2008"

Der berühmte australische Buckeldelfin Mystique war deutlich rosa gefärbt. Hier liegt er im klaren sehr flachen Wasser und streckt seine lang gezogene Schnauzenspitze vorsichtig dem Betrachter entgegen ein wenig aus dem Wasser.Der geplante Bau der dritten Landebahn des Hongkong International Airport gefährdet das Überleben der bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis) in den Gewässern der Millionenmetropole.

Seit Jahren warnen Experten vor dem Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Populationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong.

Eine sehr küstennah lebende Delfinart
Das Verbreitungsgebiet der auch als Indopazifischer Buckeldelfin bekannten Art erstreckt sich auf die Küstengewässer des Indischen und Westpazifischen Ozeans. Man findet sie z.B. in der Straße von Taiwan, vor der afrikanischen Ostküste, vor Australien und China. Gelegentlich werden sie auch im Mündungsbereich von Flüssen gesichtet.

Küstennahe menschliche Aktivitäten stellen diese Delfinart vor große Probleme, da sie ganz überwiegend in Küstennähe und flachen Gewässern lebt. Selten halten sich die Tiere in Wassertiefen von mehr als 20 Metern auf. Nach Schätzungen der Chinesischen Akademie für Fischereiwissenschaften sollen nur noch rund 2000 dieser Meeressäuger in den Meeresgebieten rund um China leben.

Rätselhafter Anstieg der Jungensterblichkeit
Zwei Chinesische Weiße Delfine schwimmen dicht vor der Küste, OmanSeit mehr als einem Jahr wird in den Gewässern vor Hongkong ein besorgniserregender Anstieg der Jungensterblichkeit unter den Delfinen beobachtet. Vermutungen, dass die kleinen Delfine an kontaminierter Muttermilch sterben, konnten bislang allerdings nicht bestätigt werden.

Landgewinnung für neue Landebahn
Für den Bau der dritten Landebahn des Hongkong International Airport werden 672 Hektar Land trockengelegt. Die Kapazität des Flughafen soll so bis 2030 auf jährlich 102 Millionen Passagiere erweitert und die Frachtkapazität auf 8,9 Millionen Tonnen pro Jahr ausgebaut werden.

Für die Delfine wäre besonders die Bauphase durch Unterwassersprengungen und –ausbaggerungen und zusätzlichem Schiffsverkehr mit erheblichen zusätzlichen Belastungen wie Verschmutzung, Lärm sowie Gefahr durch Schiffskollisionen verbunden. Zusätzlich verkleinert die neue Landebahn ihren Lebensraum. Professor Lam Chiu-ying von der Chinesischen Universität von Hongkong schlägt deshalb vor, die Auslastung der beiden bestehenden Landebahnen zu erhöhen.

Nur noch knapp 1100 Delfine leben vor Hongkong
Im Rahmen eines Langzeitsprojekts des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Umweltschutz Hongkongs wurden vom April 2012 bis zum März 2013 die in den Gewässern um Hongkong lebenden Chinesischen Weißen Delfine von Schiffen, Helikoptern, mit Hydrophonen und von Beobachtungsstationen an Land aus gezählt. Dabei fand man 345 Gruppen mit insgesamt 1097 Delfinen – der niedrigste Stand seit 10 Jahren.

Besonders in den Gewässern um die Insel Lantau, der größten Insel Hongkongs, stellten die Wissenschaftler einen starken Rückgang der Bestände fest. Diese waren auf den niedrigsten Stand innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 10 Jahren gefallen.

Ihre Beliebtheit hilft ihnen nicht
Zwei Chinesische Weiße Delfine vor der Küste von Mosambik, Mutter mit Jungtier, das gerade direkt neben ihrer Rückenfinne auftaucht und dabei den Kopf aus dem Wasser streckt. Es hilft den oft rosa gefärbten langschnabeligen Tieren mit ihrem charakteristischen Buckel offenbar wenig, dass sie als eine Art Maskottchen für die Giga-Metropole gelten und sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Zu groß sind Landhunger und wirtschaftlicher Wachstumsdruck der drittgrößten Metropolregion der Volksrepublik China.

Delfinmutter "bestattet" ihr totes Baby
Im Juli 2012 sorgte ein sehr bewegendes Video über einen weiblichen Chinesischen Weißen Delfin weltweit für Aufsehen. Es zeigte wie die Delfinmutter ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer brachte. Aus menschlicher Perspektive gesehen, hatte dieses Verhalten fast schon den Anschein eines Bestattungsrituals.
U. Karlowski, Juli 2014

Zwei Chinesische Weiße Delfine vor der Küste von Mosambik, Mutter mit Jungtier, das gerade direkt neben ihrer Rückenfinne auftaucht und dabei den Kopf aus dem Wasser strecktAn der Westküste von Taiwan wird das erste Schutzgebiet für die bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis), die auch Buckeldelfine genannt werden, entstehen, wie "Taiwan Today" berichtet.

Die 763 Quadratkilometer große Schutzzone umfasst das Meeresgebiet zwischen dem im zentralen Westen der Insel gelegenen Fischereihafen von Longfeng (Miaoli Distrikt) und dem Leuchtturm auf der Waisanding Sandbank (Chiayi Distrikt) im Süden, auf Höhe der in der Formosa- oder Taiwanstraße liegenden Penghu- oder Pescadoreninselgruppe.

Effektiver Schutz einer sensiblen Küstenregion
Nach Aussagen der staatlichen Landwirtschaftsbehörde sollen in der Schutzzone fortan Baumaßnahmen an der Küste und Fischereiaktivitäten strengen Restriktionen unterliegen. Ziel sei es, die besonders sensiblen und für die Delfine aber auch einheimische Fischpopulationen wichtigen Überflutungsbereiche zu schützen.

Rettung einer stark bedrohten Delfinpopulation in letzter Minute?
Zwei Chinesische Weiße Delfine schwimmen dicht vor der Küste, OmanDas Verbreitungsgebiet der Chinesischen Weißen Delfine erstreckt sich auf die Küstengewässer des Indischen und Westpazifischen Ozeans. Man findet sie z.B. in der Taiwanstraße, vor der afrikanischen Ostküste, vor Australien und China. Gelegentlich werden sie auch im Mündungsbreich von Flüssen gesichtet.

Die in der Taiwanstraße lebende Population hat stark unter menschlichen Aktivitäten wie Überfischung, Lärm, Wasserverschmutzung und baulichen Eingriffen an der Küste gelitten. Nur noch etwa 100 Tiere sollen heute dort leben.

Taiwan will seine Delfine vor der Ausrottung bewahren
In 2008 wurden Chinesische Weiße Delfine in Taiwan zur bedrohten Art erklärt, seit 2009 gibt es eine Task-Force, die sich für eine Erholung des Bestands einsetzt. Im September 2010 verabschiedete das Landwirtschaftsministerium einen umfassenden Schutz- und Managementplan, der neben direkten Schutzmaßnahmen auch Umweltbildungskampagnen für die Bevölkerung enthält.

Auch Fischer beteiligen sich und nehmen Einschränkungen in Kauf
Nach intensiven Gesprächen mit der Fischfangindustrie und lokalen Fischern, stimmten diese schließlich zu, dass im Schutzgebiet nur noch selektiver Fischfang möglich ist, Trawler, die unterschiedslos fangende Netze, wie z.B. Schleppnetze, einsetzen, dürfen sich der Küste nicht näher als bis auf 3 Seemeilen nähern. Zudem wollen die Fischer sich beim Delfinmonitoring beteiligen und Patrouillenfahrten durchführen.

Was in Taiwan geht, geht in Deutschland leider nicht
Was den Taiwanesen gelingt, gemeinsam mit allen Beteiligten einen effektiven Rettungsplan für eine hochgradig bedrohte Meeressäugerpopulation auf den Weg zu bringen, ist in Deutschland offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit.

So geht die halbseidene Vereinbarung über eine freiwillige Netzreduktion in Schleswig-Holstein, die der grüne Umweltminister Robert Habeck zum angeblichen Schutz unserer vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswale als großen Erfolg proklamiert, völlig an den eigentlichen Schutzbedürfnissen vorbei und wird nach Ansicht von Experten keinerlei positive Wirkung für das Überleben der Schweinswale entlang der deutschen Ostseeküste zeitigen.

Rätselhaft, beliebt und bedroht: Chinesische Weiße Delfine
Der berühmte australische Buckeldelfin Mystique war deutlich rosa gefärbt. Hier liegt er im klaren sehr flachen Wasser und streckt seine lang gezogene Schnauzenspitze vorsichtig dem Betrachter entgegen ein wenig aus dem WasserObwohl Chinesische Weiße Delfine extrem küstennah leben, sind sie bislang kaum erforscht. Die zwischen 2m und 3m großen und bis zu 200kg schweren Delfine zeichnen sich durch ihren charakteristischen längsgezogenen Rücken-Buckel in der Mitte ihres massigen Körpers, eine lange, schlanke Schnauze und die Farbvariationen ihrer Körperfarbe (Braungrau, Hellgrau, Pink oder Weiß) aus und werden z.B. auch "pink dolphins" genannt.

Die Tiere bevorzugen Mangrovensümpfe, Lagunen und Mündungen aber auch Areale mit Riffen, Sand- und Schlammbecken wo sie Fische, Krustentiere und Mollusken jagen. Jungtiere springen oft und machen dabei komplette Rückwärtssaltos. Gelegentlich liegen diese Delfine auf der Seite und "winken". Die langsam schwimmenden Tiere schließen sich gern mit Großen Tümmlern, Indischen Schweinswalen und Ostpazifischen Delfinen zusammen.

Ihre ausgeprägte menschennahe Lebensweise macht diese Delfinart besonders anfällig. Zu den größten Gefahren zählen Lebensraumzerstörung und Beifang. In China gilt der Weiße Delfin auch als "Panda der Meere", da es sich um eine stark bedrohte Art handelt, die streng geschützt ist. Auf der Roten Liste der bedrohten Arten der World Conservation Union (IUCN) ist die Art in der Kategorie "Gefährdung droht" eingestuft. Die in der Taiwanstraße lebende Population gilt laut IUCN als "stark bedroht" (critically endangered).

Delfinmutter "bestattet" ihr totes Baby
Im Juli 2012 sorgte ein sehr bewegendes Video eines Chinesischen Weißen Delfins weltweit für Aufsehen: Eine Delfinmutter trug ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer, wo es seine letzte Ruhe finden sollte.

Augenzeugen berichteten, dass der kleine Körper des toten Babys der Mutter durch die starke Strömung immer wieder vom Rücken rutschte. Doch stets brachte sie den kleinen Delfin erneut in Position quer vor ihrer Rückenfinne, um ihn weiter zu transportieren, bis der Platz für die letzte Ruhe erreicht war. Insgesamt blieb die Mutter zwei bis drei Tage bei ihrem toten Baby.
27.04.2014 – U. Karlowski

 

Weitere Informationen:

⇒ Vor Hongkong sterben die rosa Delfine

⇒ China: Neues Forschungsinstitut für gefährdete Delfinart

Ein Großer Tümmler in der Paracas-Bucht voller Lebensfreude halb aus dem Wasser springend05.09.2013 - Das Parlament der Republik Uruguay, des zweitkleinsten Landes Südamerikas, hat ein Gesetz für einen besseren Schutz von Walen und Delfinen in seinen Küstengewässern verabschiedet.

Jagd, Besitz und Transport von Walen und Delfinen sind jetzt verboten. Das Verbot gilt sowohl für inländische als auch ausländische Schiffe. Man will so die Tiere auf ihren Wanderungen besser schützen und ein Anwachsen der Populationen erreichen. Das Gesetz wurde parteiübergreifend beschlossen. Uruguay will sich so international als Vorkämpfer für den Schutz bedrohter Wale und Delfine positionieren und gleichzeitig den eigenen Whale-Watching-Tourismus fördern.

In der neuen Schutzzone sind jegliche Aktivitäten verboten, die Meeressäuger gefährden können. Laut "poonal/npla.de" wurde die Initiative vor fast einem Jahr von der Organisation zum Schutz der Meeressäugetiere OCC (Organización para la Conservación de Cetáceos) eingebracht. OCC hatte das Projekt zusammen mit einer Gruppe von Schulkindern aus den südöstlichen Provinzen Maldonado und Rocha vorgestellt.

Das im Norden an Brasilien und im Westen an Argentinien grenzende Uruguay hat in den vergangenen Jahren stark auf die Entwicklung des Whale-Watching-Tourismus gesetzt. Entlang seiner 660 Kilometer langen Küste tummeln sich bis zu 26 Wal- und Delfinarten, unter anderem Glattwale, La-Plata-Delfine und Orcas. Besonderes touristisches Highlight sind die südlichen Glattwale (Eubalaena australis), auch Südkaper genannt, die sich von Juli bis Oktober an der uruguayischen Atlantikküste aufhalten.

Ähnliche Schutzzonen hatten bereits Brasilien, Mexiko, Panama, Chile, Costa Rica und die Dominikanische Republik auf den Weg gebracht. Es handelt sich um die Länder, die als "Gruppe von Buenos Aires" Mitglieder der Internationalen Walfangkommission (IWC) sind. Wiederholt scheiterten Versuche der Gruppe und weiterer südamerikanischer Länder bei der IWC, im Südatlantik ein Walschutzgebiet einzurichten, am Widerstand Japans und seiner Verbündeten. Zuletzt auf der Tagung der Internationalen Walfangkommission im Juli 2012.
Ulrich Karlowski

Ein toter Großer Tümmler liegt auf einem StrandJetzt ist der Grund für das mysteriöse Delfinsterben entlang der US-amerikanischen Ostküste zwischen New Jersey und Virginia bekannt. Ein Morbillivirus soll für den Tod der etwa 330 Großen Tümmler verantwortlich sein, die seit Anfang Juli tot an die US-Ostküste angespült wurden. Dies teilte die Wetter- und Ozeanographiebehörde der USA (NOAA) jetzt mit. Die tatsächliche Zahl der an der Infektion gestorbenen Delfine dürfte weitaus höher sein, da der Großteil der gestorbenen Delfine nicht an Land gespült wurde, sondern im Meer bleibt.

Keine Wiederholung des Massensterbens von 1987
Damit hat sich die ursprüngliche Vermutung, es könnte sich um eine Wiederholung eines Infektionszuges handeln, an dem vor 26 Jahren, im Juli 1987, mindestens 750 Delfine an der US-Ostküste starben, nicht bestätigt. Damals durchgeführte Untersuchungen zeigten, dass Streptokokken und Vibrio-Bakterien – die den Delfinen normalerweise nichts anhaben können – eine Septikämie, eine Gesamtinfektion des Organismus durch Bakterien oder Toxine im Blut bei gleichzeitigem Ausbleiben der normalen Immunabwehr, ausgelöst hatten. So führten die sonst eher harmlosen Infektionen zu schweren inneren Blutungen mit tödlichem Verlauf.

Morbiliviren sind extrem ansteckend
Infektionen mit Morbilliviren, zu denen auch die Erreger der Staupe und der Rinderpest sowie das menschliche Masernvirus gehören und die extrem ansteckend sind, treten immer wieder in Delfinpopulationen auf. Das gefährliche Virus befällt die Atemorgane und das Nervensystem der Tiere und kann außer Delfinen auch andere Meeressäuger wie Finnwale oder Pottwale befallen. Auch wenn Große Tümmler normalerweise sich dem Virus gegenüber recht robust erweisen, könnte das Delfinsterben noch bis zum Frühjahr 2014 anhalten. Die Verbreitung des Virus kann nicht aufgehalten werden.

Massensterben im Mittelmeer
Besonders empfindlich reagieren Streifendelfine oder Blau-Weiße Delfine (Stenella coeruleoalba). So kam es 2007 zu einer Epidemie unter Streifendelfinen vor der Küste von Valencia, bei der über 35 Delfine starben. Dieser Virus war eine Variante des Morbillivirus, der Anfang der 1990er-Jahre die Population der Streifendelfine im Mittelmeer massiv schwächte. Auch damals ging sie von der spanischen Küste aus und verbreitete sich bis ins östliche Mittelmeer. Innerhalb von zwei Jahren sollen über 1200 Streifendelfine an der Infektion gestorben sein. Auch hier dürfte das wahre Ausmaß wesentlich höher gelegen haben, Schätzungen reichen von einer 10- bis 50-mal höheren Sterblichkeitsrate.
U. Karlowski, 28.08.2013

Zwei Chinesische Weiße Delfine vor der Küste von Mosambik, Mutter mit Jungtier, das gerade direkt neben ihrer Rückenfinne auftaucht und dabei den Kopf aus dem Wasser strecktIn den verschmutzten Gewässern vor der Millionenmetropole Hongkong treiben immer mehr tote Jungtiere der bedrohten Chinesischen Weißen Delfine (Sousa chinensis).

Experten warnen vor dem Erlöschen der etwa fünf noch existierenden Populationen dieser noch weitgehend rätselhaften und streng geschützten Delfinart vor Hongkong.

Die Ursachen für das jetzt beobachtete Sterben von so vielen Jungtieren sind unklar, am ehesten kommen wohl die starke Verschmutzung der Gewässer, Überfischung, Schiffskollsionen und Lebensraumverlust durch Landgewinnungsprojekte als Ursachen in Frage.

Eine sehr küstennah lebende Delfinart
Das Verbreitungsgebiet der auch als Indopazifischer Buckeldelfin bekannten Art erstreckt sich auf die Küstengewässer des Indischen und Westpazifischen Ozeans. Man findet sie z.B. in der Straße von Taiwan, vor der afrikanischen Ostküste, vor Australien und China. Gelegentlich werden sie auch im Mündungsbereich von Flüssen gesichtet.

Küstennahe menschliche Aktivitäten stellen für diese Delfinart eine besonders starke Bedrohung dar, da sie ganz überwiegend in Küstennähe und flachen Gewässern lebt. Selten halten sich die Tiere in Wassertiefen von mehr als 20 Metern auf. Nach Schätzungen der Chinesischen Akademie für Fischereiwissenschaften sollen nur noch rund 2000 dieser Meeressäuger in den Meeresgebieten rund um China leben.

Vermutungen, dass die kleinen Delfine vor Hongkong an kontaminierter Muttermilch sterben, konnten bislang nicht bestätigt werden.

Niedrigster Stand seit 10 Jahren
Im Rahmen eines Langzeitsprojekts des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Umweltschutz Hongkongs wurden vom April 2012 bis zum März 2013 die in den Gewässern um Hongkong lebenden Chinesischen Weißen Delfine von Schiffen, Helikoptern, mit Hydrophonen und von Beobachtungsstationen an Land aus gezählt. Dabei fand man 345 Gruppen mit insgesamt 1097 Delfinen.

Zwei Chinesische Weiße Delfine schwimmen dicht vor der Küste, OmanBesonders in den Gewässern um die Insel Lantau, der größten Insel Hongkongs, stellten die Wissenschaftler einen starken Rückgang der Bestände fest. Diese waren auf den niedrigsten Stand innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 10 Jahren gefallen.

Ihre Beliebtheit hilft ihnen nicht
Es hilft den oft rosa gefärbten langschnabeligen Tieren mit ihrem charakteristischen Buckel offenbar wenig, dass sie als eine Art Maskottchen für die Giga-Metropole gelten und sich bei Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Zu groß sind Landhunger und wirtschaftlicher Wachstumsdruck der drittgrößten Metropolregion der Volksrepublik China.

Delfinmutter "bestattet" ihr totes Baby
Im Juli 2012 sorgte ein sehr bewegendes Video über einen weiblichen Chinesischen Weißen Delfin weltweit für Aufsehen. Es zeigte wie die Delfinmutter ihr durch eine Schiffskollision getötetes Baby weit hinaus ins Meer brachte, wo es seine letzte Ruhe finden sollte.
U. Karlowski, Juni 2013

NMMP dolphin with locatorWer dachte, die militärische Verwendung von Tieren im Krieg sei ein Relikt aus den Zeiten Hannibals, sah sich beim letzten Irak-Krieg getäuscht. Die US-Navy setzte vier sogenannte Kampf-Delfine sowie Seelöwen im Hafen von Um Kasar zur Minenräumung ein.

Die als "Soldaten der Meere" ausgebildeten Kampf-Delfine können feindliche Taucher töten und See-Minen aufspüren. Abgesehen von dem mehr als fragwürdigen militärischen Wert derartiger "Waffen" sind Ausbildung, Transport und Einsatz für die intelligenten Meeressäuger mit großen Qualen und Schmerzen verbunden. Viele Tiere überleben die harte Ausbildung nicht.

Seit 1959 trainiert die US-Navy wild gefangene Delfine für militärische Zwecke und setzte sie erstmals in der Bucht von Cam Ranh im Vietnamkrieg ein. Die mit speziellen Nasenwaffen ausgerüsteten Meeressäuger sollten dort feindliche Taucher töten. Kampf-Delfine gehörten zu Zeiten des Kalten Krieges zu einem der bestgehüteten militärischen Geheimnisse, um das ein regelrechtes Wettrüsten zwischen der USA und der ehemaligen UdSSR ausbrach.

Während die etwa 120 russischen Kampf-Delfine nach dem Zusammenbruch der UdSSR größtenteils verkauft wurden, setzte die USA die Tiere unter anderem im ersten Golf-Krieg 1991 und bei einem NATO-Manöver vor 3 Jahren in der Ostsee ein. Auch die Marine von Indien besitzt Kampf-Delfine, die gezielt Minen an feindlichen Schiffen anbringen können.

Die Militärs machen sich dabei die Neugierde und das ausgeprägte Ortungsvermögen der Tiere zunutze. Hat der Delfin ein verdächtiges Unterwasserobjekt entdeckt, kann er es mittels einer Sonde markieren oder er schwimmt an die Oberfläche und gibt durch Zeichen zu verstehen, was er entdeckt hat. Als Belohnung gibt es etwas zu fressen.

Doch für den Delfin "Takoma" war der Irakeinsatz nach nur zwei Tagen schon wieder zu Ende. Der 22 Jahre alte Große Tümmler verschwand angeblich gleich bei seiner ersten Mission. Vielleicht war Takoma" auch zu neugierig und wurde von einer Mine zerrissen. Ob entkommen oder getötet, das Ergebnis bleibt gleich. In der freien Wildbahn hat "Takoma" so gut wie keine Überlebenschance.

Zugeben würde die US-Navy den Tod des Tieres beim "Kampfeinsatz" sowieso nicht, das klingt für die amerikanische Öffentlichkeit ebenso unpopulär wie der Tod eigener Soldaten im Einsatz...
Ulrich Karlowski, Juni 2003

Ein Irawadi-Delfin schaut aus dem WasserNur wenige Tage nach der beunruhigenden Nachricht über das drohende Aussterben der etwa 70 noch im Mekong lebenden Irawadi-Delfine (Orcaella brevirostris) wurde die ebenso sensationelle wie kaum glaubliche Nachricht bekannt, dass Forscher der angesehenen Wildlife Conservation Society (WCS) im Süßwasser der Sundarbans, eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen fast 6000 Irawadi-Delfine entdeckt haben.

Die WCS gab dies am 01.04.2009 auf einer Fachkonferenz bekannt und betonte zugleich, dass die Meeressäuger durch Fischerei und Klimawandel gefährdet seien.

Es handelt sich damit um das mit weitem Abstand größte bisher bekannte Vorkommen dieser Delfinart. "Die Entdeckung gibt uns große Hoffnung, dass die Irawady-Delfine eine Zukunft haben", erklärte der Leiter der Studie, Brian Smith. Bangladesch diene den Tieren eindeutig als wichtige Zuflucht. Daher müsse ihr Schutz in der Region höchste Priorität haben, forderte er.

Gelegentlich sind Irawadi-Delfine mit Chinesischen Weißen Delfinen zusehen, können aber mit diesen kaum verwechselt werden. Sehr häufig wird der Irawadi dagegen mit dem allerdings deutlich kleineren und finnenlosen Indischen Schweinswal oder mit Dugongs verwechselt.
01.04.2009 / Foto: © Department of Fishery of Thailand

Ein toter Schweinswal liegt am Strand des Schwarzen MeeresNach dem immer noch rätselhaften Delfin-Massensterben an der Nordküste von Peru, bei dem bislang etwa 1000 Langschnäuzige Gemeine Delfine und Burmeister-Schweinswale ums Leben kamen, ist jetzt auch im Schwarzen Meer ein schlimmes Delfin-Massensterben aufgetreten.

Nach Angaben ukrainischer Biologen sollen in den vergangenen zwei Wochen fast 200 Delfine und Schweinswale verendet und an der südöstlichen Krim-Küste gestrandet sein. Ein Tier jedoch konnte spektakulär gerettet werden. Die drei im Schwarzen Meer isoliert lebenden Kleinwal-Unterarten, Gemeiner Delfin, Großer Tümmler und Schweinswal, sind vom Aussterben bedroht und streng geschützt.

Größtes Massensterben von Meeressäugern im Schwarzen Meer seit mehr als zehn Jahren
Ukrainische Meeresbiologen gehen bislang von einer Vergiftung aus, da höchstens bei der Hälfte der gefundenen toten Meeressäuger die üblichen, durch Fischernetze verursachten Verletzungen festgestellt wurden. In ersten Meldungen hatte es noch geheißen, dass keines der gefundenen Tiere Netzspuren aufweist. Weitere Angaben über die Ursache der Vergiftung sind allerdings nicht bekannt. Ob die Ursache genauer untersucht wird, ist unklar aber eine speziell eingerichtete Kommission soll den Tod der fast 200 Tiere untersuchen.

Piratenfischer an Massensterben beteiligt
Auch von der russischen Schwarzmeerküste gab es in den vergangenen Wochen Meldungen über gestrandete Meeressäuger. In der Ukraine ist man der Meinung, dass Schwarzmeerfischer zumindest für einen Teil des Massensterbens verantwortlich sind. Sie hätten die in den Netzen verendeten Schweinswale und Delfine aus ihren illegalen Fangnetzen geschnitten. Meeresbiologen haben an der Küste der Ukraine besonders viele zerfetzte Netze entdeckt. In der Ukraine wird das Töten von Delfinen mit einer Strafe von umgerechnet etwa 250 Euro geahndet, wenn man die Täter denn findet, was in den seltensten Fällen gelingen dürfte.

Ein verirrter Delfin konnte durch eine ungewöhnliche Aktion gerettet werden. Das entkräftete Tier hatte sich in einem schmalen Kanal des Schwarzen Meeres verirrt. Ein Mann hob es kurzer Hand aus dem Wasser, rief ein Taxi, das den Delfin in rasanter Fahrt in den nächsten Hafen, Kertsch, transportierte. Dort wurde er dann freigelassen.
GRD-Presse, 18.05.2012

Weitere Informationen:

⇒ Peru: Delfin-Massensterben durch Dynamitfischerei?

Ein Irawadi-Delfin schaut aus dem WasserKambodscha will die hochgradig vom Aussterben bedrohte Population der Mekong-Irawadi-Delfine besser schützen und hat auf einem 180 Kilometer langen Mekongabschnitt zwischen der östlichen Provinz Kratie und der Grenze zu Laos ein Schutzgebiet eingerichtet. Hier sollen zukünftig fischereiliche Aktivitäten mit Stellnetzen und Fischkäfigen verboten sein, gänzlich verboten wird der Fischfang im Schutzgebiet allerdings nicht.

Ob die Maßnahmen noch rechtzeitig greifen, bleibt abzuwarten. Die Population der Irawadi-Delfine im Mekong soll laut der jüngsten Zählung aus nur noch etwa 70 Tieren bestehen. "Die Situation für diese Population ist extrem kritisch, die Einrichtung des Schutzgebietes ist vielleicht ihre allerletzte Chance auf Überleben, Beifangverluste in der Fischerei sind ein wesentlicher Faktor für den Rückgang des Bestandes"“, meint die GRD. Allerdings ist die Mekong-Population zusätzlich durch Inzucht und die Schwächung ihres Immunsystems durch Pestizide und Giftstoffe (DDT und PCB) gefährdet. Besonders das Immunsystem der Delfinkälber, die die gefährlichen Substanzen über die Muttermilch aufnehmen, wird zunehmend geschwächt.

Das Insektizid DDT ist in Kambodscha zwar offiziell verboten, kommt jedoch immer noch zum Einsatz und gelangt so in das Ökosystem. PCB findet sich vor allem in Schiffsanstrichen, wo es Algenbewuchs verhindern soll. Es gibt keine Hoffnung, die Einleitung der Giftstoffe rechtzeitig zu stoppen.

Als sehr küstennah lebende Delfinart leiden Irawadi-Delfine besonders unter negativen anthropogenen Umwelteinflüssen
Karte der Verbreitungsgebiete der Irawadi-Delfine (Orcaella brevirostris)Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN sind vier der fünf Süßwasserpopulationen des Irawadi-Delfins vom Aussterben bedroht. Prekär ist die Lage der rund 30 Tiere im thailändischen Songkhla-See, wo in fünf Jahren 20 Delfine in Fischernetzen verendet sind.

Es handelt sich um eine weitgehend unbekannte Delfinart, stellenweise sollen sie in ihren Verbreitungsgebieten noch häufig vorkommen.

Irawadis (Orcaella brevirostris) stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN mit dem Status "gefährdet" (mittelfristig hohes Risiko des Aussterbens). Die bis 2,6 m großen, hell gefärbten und äußerlich einem Belugawal ähnelnden Delfine sind in seichten Küstengewässern des tropischen Indopazifiks und großen Flusssystemen, wie Ganges oder Mekong, verbreitet. Irawadi-Delfine können bis zu 1300 Kilometer flussaufwärts wandern, manche wiederum leben vermutlich zeitlebens im Salzwasser. Sie halten sich nur wenige Kilometer von der Küste entfernt auf. Wie viele Exemplare es überhaupt noch gibt, ist nicht bekannt.

Irawadi-Delfine können ihren Gesichtsausdruck ändern
Der Irawadi-Delfin gehört zur Gruppe der Meeresdelfine. Wegen seiner Ähnlichkeit mit Belugas wird er, als sein tropisches Äquivalent, oft auch zur Familie der Monodontidae (Gründelwale) gezählt. Beluga und Irawadi sind die einzigen Cetaceen, die ihren Gesichtsausdruck ändern können. Ähnlich wie der Beluga und der Narwal hat der Irawadi ein bewegliches Genick.

Gelegentlich sind Irawadi-Delfine mit Chinesischen Weißen Delfinen zu sehen, können aber mit diesen kaum verwechselt werden. Sehr häufig wird der Irawadi dagegen mit dem allerdings deutlich kleineren und finnenlosen Indischen Schweinswal oder mit Dugongs verwechselt.

2005 wurden die Tiere vor Australien und Papua Neuguinea als eigene Art Orcaella heinsohni, Australischer Stupsfinnendelfin, eingestuft.

2009 entdeckten Forscher der Wildlife Conservation Society (WCS) im Süßwasser der Sundarbans (Bangladesch), eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen fast 6000 Irawadi-Delfine.
August 2012; U.Karlowski

Ein Hector- oder Mauidelfin im SprungDie nördliche Unterart des neuseeländischen Hectordelfins, die Maui-Delfine (Cephalorhynchus hectori maui), steht unmittelbar vor der Ausrottung. Jüngste Zählungen in den Küstengewässern der Nordinsel Neuseelands ergaben, dass ihre Populationsgröße auf nur noch 55 Exemplare gesunken ist. Hauptgrund für den dramatischen Bestandsrückgang sind vor allem durch Hobbyfischer verursachte Beifangverluste. In den von ihnen eingesetzten Stell- und Kiemennetzen verenden die kleinen, verspielten Delfine langsam und qualvoll.

Schon seit Jahren fordern die GRD und andere Naturschutzorganisationen die Einrichtung eines neuen Schutzgebietes vor der Nordinsel zwischen Kawhia und Kaipara Harbour und ein sofortiges Fischfangverbot im gesamten Lebensraum der Maui-Delfine. Experten sind sich zwar sicher, dass die Ausrottung dieser Unterart noch verhindert werden kann, doch dazu müsste die neuseeländische Regierung unverzüglich und konsequent handeln.

Extrem küstennahe Lebensweise birgt große Gefahren
In den 1970er-Jahren soll es noch etwa 1.500 Maui-Delfine gegeben haben. Doch gerade ihre extrem küstennahe Lebensweise (fast alle Sichtungen erfolgen bis 10 km Entfernung zur Küste) machte sie besonders anfällig für menschliche Aktivitäten. Sie halten sich meist in seichtem Wasser nahe der Küste und in Flussmündungen auf, schwimmen dabei sogar kurze Strecken in die Flüsse hinein. Stellnetzfischerei, Speedboote und der Delfintourismus haben in dieser Zone die größte Intensität.

Eisenerzabbau am Meeresgrund droht den Lebensraum zu zerstören
Eine große Gefahr droht den kleinen Delfinen auch durch Pläne, am Meeresboden vor der Nordinsel großflächig Eisenerz zu fördern. Beim so genannten "seabed mining" werden gigantische Mengen Sand und Kies vom Meeresboden abgesaugt, um dann mittels Filtration und magnetischer Extraktion dem Substrat das begehrte Erz zu entziehen. Anschließend wir der restliche Sand wieder ins Meer zurückgepumpt. Die Folge: Zerstörung des gesamten Meeres-Ökosystems.

Eine der auf diesem Gebiet aktivsten Firmen ist Trans Tasman Resources Limited, zu deren Vorstand die frühere neuseeländische Premierministerin Dame Jenny Shipley gehört. Die Firma wurde 2007 speziell zu dem Zweck gegründet, den Meeresboden vor der Nordinsel Neuseelands nach vulkanischem Eisen auszubeuten. Es werden dort mehrere Millionen Tonnen Eisenerz vermutet.

Tim Rainger, Gründer von "Kiwis Against Seabed Mining", ist sich sicher, dass der kumulative Effekt der verschiedenen, geplanten Eisenerzabbaumaßnahmen eine ökologische Katastrophe nach sich ziehen wird.

Verspielte Akrobaten
Hectordelfine (Cephalorhynchus hectori) gehören zu den seltensten Kleinwalen und sind mit nur 1,4m Körperlänge die kleinsten Delfine. Sie sind an ihrer abgerundeten Rückenflosse, dem rundlichen Körper und ihrer grauen Stirn leicht zu erkennen, springen oft und schwimmen gerne auf langsam fahrende Boote zu. Häufige zu beobachtende Aktivitäten der meist kleinen Gruppen sind die verschiedensten akrobatischen Sprünge, Schlagen mit der Fluke auf die Wasseroberfläche oder die Jagd auf Sprotten und Meeräschen, die sie auf ihren etwa zweiminütigen Tauchgängen erbeuten. Hectordelfine gehören zu den verspieltesten Delfinen. Oft sieht man sie in der Brandung surfen oder mit den Flossen Seetang durchs Wasser bewegen.

Hectordelfine vermehren sich nur sehr langsam, Weibchen haben nur alle 2-4 Jahre ein Junges und werden erst im Alter von 6-9 Jahren geschlechtsreif, deshalb ist die Population bereits durch den Verlust einiger weniger Individuen gefährdet. Die Gesamtpopulation der südlichen Hauptart soll laut IUCN (Weltnaturschutzunion) bei etwa 7.300 Exemplaren liegen.
August 2012; U.Karlowski

Delfinbeobachtung in der AdriaWeltweit werden die Populationen von Delfinen und Walen zu wenig beobachtet, was ihren Schutz erschwert. 

Eine von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Freiburg und St. Andrews/Schottland erstellte Weltkarte deckt auf, dass in den vergangenen Jahrzehnten lediglich ein Viertel der Meeresfläche auf Wale und Delfine untersucht wurde.

Nur wenn regelmäßig Daten über die Meeresbewohner erhoben werden, können schädliche Einflüsse identifiziert und für die Forschung und den Umweltschutz grundlegende Informationen zusammengestellt werden. In erster Linie müssen internationale Gewässer stärker beobachtet und neue Analyseverfahren entwickelt werden, folgern die Wissenschaftler in ihrer Studie in der Zeitschrift PLoS ONE.

Weltkarte zur Datenerhebung mit den untersuchten GebietenFür ihre Studie durchforstete das Team mehr als 400 Untersuchungen über Wale, die zwischen 1975 und 2005 erstellt wurden.

Die Wissenschaftler digitalisierten tausende Karten und identifizierten dabei erschreckende Lücken. Sie stellten fest, dass der Großteil der aufwändigen Beobachtungen in Gewässern von wirtschaftlich starken Staaten auf der nördlichen Hemisphäre stattfanden, wie insbesondere von den USA und Europa. Mit Ausnahme der Antarktis, wo die Internationale Walfangkommission die Abnahme der Zwergwalpopulation durch japanischen Walfang überwacht, gibt es bei der Erforschung von Walen auf der südlichen Erdhalbkugel riesige weiße Flächen.

Markt für "delfinfreundlichen" Thunfisch fördert Bestandserfassungen
SAFE LogoAls Hauptursache dafür, dass Delfine und Wale beobachtet werden, machten die Forscherinnen und Forscher den Markt für "delfinfreundlichen" Thunfisch aus, bei dem darauf geachtet wird, dass Delfine nicht durch Beifang getötet werden. "Der östliche tropische Pazifik wurde daher öfter untersucht, als alle übrigen Meeresgebiete zusammen", sagt die Freiburger Meeresbiologin Dr. Kristin Kaschner. Doch selbst diese relativ gut erforschte Gegend liege am unteren Ende der erforderlichen Beobachtungshäufigkeit. Um zeitliche Veränderungen feststellen zu können, sei es wichtig, die Populationen der Meeressäuger möglichst regelmäßig zu beobachten. "Dies trifft bisher nur auf sechs Prozent der Fläche aller Ozeane annähernd zu", sagt Kaschner.

Neue Ansätze zur Datenerhebung müssen entwickelt werden
Eine ausreichende Datenbasis über die Populationen von Walen und Delfinen ist aber Voraussetzung für erfolgreiche Forschung und wirksamen Schutz der Meeressäuger. Sie wurden durch früheren Walfang dezimiert und sind weiterhin durch den Einsatz militärischer Sonaranlagen, Beifang und Wasserverschmutzungen bedroht.

Internationale Anstrengungen zur Erhaltung der Biodiversität müssten auch dazu führen, dass neue Ansätze zur Datenerhebung entwickelt werden, so die Wissenschaftler. Dies gelte insbesondere für die Frage, wie sich künstliche Schallquellen wie Sonaranlagen oder seismische Untersuchungen potentieller Öl- und Gasvorkommen auf Wale auswirkten. "Datenlücken betreffen jeden Aspekt der Meeresbiologie und der Planung, von der Fischereipolitik bis hin zu Meeresschutzgebieten", sagt Kaschner. "Für Haie, die Tierwelt in der Tiefsee oder für Meeresviren ist die Datenlage noch viel bruchstückhafter."

Dr. Kristin Kaschner, Institut für Biologie I, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Originalveröffentlichung: K Kaschner, N Quick, R Jewell, R Williams, C Harris. Global coverage of cetacean line-transect surveys: status quo, data gaps and future challenges. PLoS ONE, 2012.

⇒ Global Coverage of Cetacean Line-Transect Surveys: Status Quo, Data Gaps and Future Challenges

Ein Kampf-Delfin der US-Navy springt aus dem Wasser, auf seinem rechten Flipper ist eine kleine Kamera angebracht befestigtTiere für militärische Zwecke einzusetzen, ist ethisch verwerflich und barbarisch. Dies gilt in besonderem Maße für hoch entwickelte Tiere, wie Delfine, für die zahlreiche Wissenschaftler eine eigene "Delfin-Ethik" und die Anerkennung eines besonderen Status als "nichtmenschliche Personen" fordern.

Und doch bewegen sich einige Nationen nach wie vor auf diesem weiteren Tiefpunkt menschlichen Denkens und Handelns.

Anfang Oktober begann eine amerikanische Spezialeinheit mit Unterstützung von sechs durch die US-Navy ausgebildeten Kampf-Delfinen eine dreiwöchige Suche nach Bomben, Torpedos und Minen in der montenegrinischen Bucht von Kotor. Die Militärs machen sich dabei die Neugierde und das ausgeprägte Ortungsvermögen der Tiere zunutze. Hat der Delfin ein verdächtiges Unterwasserobjekt entdeckt, kann er es mittels einer Sonde markieren oder er schwimmt an die Oberfläche und gibt durch Zeichen zu verstehen, was er entdeckt hat. Als Belohnung gibt es etwas zu fressen.

Die nicht explodierte Munition stammt sowohl aus den beiden Weltkriegen als auch aus den Kriegen beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens in den 90er-Jahren. Trotz großzügiger US-Finanzhilfen sahen sich die Behörden von Montenegro außer Stande, das explosive Erbe aus eigener Kraft unschädlich zu machen. Und man kann sich gut vorstellen, wohin die Mittel der USA geflossen sind - sicher nicht in die notwendigen Munitionsräumungsmaßnahmen. Die im Süden der Adria gelegene Bucht von Kotor ist ein etwa 30 Kilometer langer, von steilen Bergen begrenzter Fjord, der auf der Weltnaturerbeliste der UNESCO steht.

Ukraine will neue Kampfdelfine ausbilden
In der Ukraine soll sogar ein verschüttetes Erbe des Kalten Krieges wiederbelebt werden. Man plant dort, zehn Große Tümmler zu Kampfdelfinen auszubilden, die angeblich bei der Landesverteidigung, so beim Anbringen von Minen an feindlichen Schiffen, eingesetzt werden sollen. Das Training in der auf der Halbinsel Krim gelegenen Hafenstadt Sewastopol soll bereits begonnen haben, wie es aus Kreisen der Armee heißt.

Rüstungswettlauf um Kampfdelfine im Kalten Krieg
Kampfdelfine gehörten zu Zeiten des Kalten Krieges zu einem der bestgehüteten militärischen Geheimnisse, um das ein regelrechtes Wettrüsten zwischen der USA und der ehemaligen UdSSR ausbrach. Seit 1959 trainiert die US-Navy wild gefangene Große Tümmler für militärische Zwecke und setzte sie erstmals in der Bucht von Cam Ranh im Vietnamkrieg sowie im ersten Golf-Krieg 1991 ein. Die mit speziellen Nasenwaffen ausgerüsteten Meeressäuger sollten dort feindliche Taucher töten.

Die ehemalige UdSSR zog nach und soll zuletzt sogar über 120 Kampfdelfine im Ausbildungszentrum in Sewastopol verfügt haben. In den Jahren nach dem Zusammenbruch der Riesenreiches 1991 gingen sie in den Besitz der Ukraine über und wurden größtenteils verkauft, so an Delfin-Therapiezentren in der Türkei.

Iranische Kampf-Delfine in der Straße von Hormus im Einsatz?
Angeblich hat damals auch der Iran viele der ukrainischen Kampfdelfine erworben, die jetzt in der Straße von Hormus patrouillieren sollen. Ukrainische Quellen schließen denn auch nicht aus, dass die Wiederaufnahme des Trainings von Kampfdelfinen in der Ex-Sowjetrepublik weniger mit Landesverteidigung, denn viel mehr mit einem neuen Auftrag seitens des iranischen Militärs zu tun haben könnte.
U. Karlowski; Oktober 2012

Untwasseraufnahme einer Gruppe Großer Tümmler bei ElQuadim im Roten Meer, die ganz dicht unter der Wasseroberfläche schwimmtDie Erkenntnis, dass Delfine, speziell die Art Großer Tümmler, nie vollständig einschlafen, ist weder neu noch erstaunlich. Da die Meeressäuger ihre Atmung bewusst steuern, wäre ein vollständiger Tiefschlaf beider Gehirnhälften, wie beim Menschen, tödlich und so wechseln sich bei Delfinen beide Gehirnhälften beim Schlafen ab.

US-Forscher haben jetzt in Versuchen herausgefunden, dass Große Tümmler (Tursiops truncatus) auch während der Schlafphasen kontinuierlich Echolot-Signale aussenden, um sich zu orientieren, Objekte aufzuspüren oder Kontakt zu ihren Artgenossen zu halten. Und das mindestens 15 Tage lang – ein anderes als dieses Ergebnis wäre auch mehr als verwunderlich gewesen.

Delfine im Dauertest und Dauerstress?
Die Wissenschaftler um Brian Branstetter von der National Marine Mammal Foundation in San Diego (US-Staat Kalifornien) verwendeten für ihre Versuche zwei Große Tümmler, ein 30 Jahre altes Weibchen und ein 26-jähriges Männchen.

Jeweils einer der Delfine musste in einem mit einer speziellen Testanlage ausgestatteten Meerwasserbassin bestimmte Ziele finden. Bei einem Treffer gab es zur Belohnung einen Fischhappen. Jedes Tier absolvierte drei fünftägige Tests, wobei sie nur leichte Ermüdungserscheinungen zeigten und mit einer Trefferquote von 75 bis 86 Prozent für das Männchen und von 97 bis 99 Prozent beim Weibchen sehr gute Leistungen an den Tag legten. Besonders motiviert sei das Weibchen gewesen, berichten die Forscher, es reagierte teilweise mit "Sieges-Quietschlauten" auf richtige Treffer. Daraufhin entschlossen sich die Forscher, sie in einem Langzeitversuch, der schließlich nach 15 Tagen wegen einer Sturmwarnung abgebrochen werden musste, zu testen. Über den gesamten Versuchszeitraum hinweg setzte sie ihr Echolot ein und erfüllte ihre Aufgaben mit erstaunlicher Präzision.

Fragwürdige Ethik, fragwürdige Versuche
Diese extrem lange Aufmerksamkeitsspanne sei eine natürlich Folge des "Halbseitenschlafs" meinen die Forscher – es wäre auch reichlich fatal, wenn Delfine während der Schlaf- und Ruhephasen ihr Orientierungs- und Ortungssystem nicht benutzen würden. Bereits 2009 hatte ein Forscherteam um Sam Ridgway vom US Space and Naval Warfare Systems Center in San Diego festgestellt, dass Große Tümmler mehrere Tage lang – auch während ihrer eigentlichen Ruhephasen – extrem aufmerksam sind und komplexe Aufgaben lösen können.

Abgesehen von der ethischen und wissenschaftlichen Fragwürdigkeit derartiger Versuche mit nur zwei und dann noch aus Gefangenschaft stammenden Tieren von einer Delfinart, steht hinter der "neuen" Erkenntnis, dass "Delfine auch im Halbschlaf wachsam bleiben", nichts wirklich Erstaunliches oder Neues - abgesehen davon, dass es schon extrem wagemutig ist, vom Verhalten zweier Großer Tümmler auf alle Delfine im allgemeinen schließen zu wollen.

Was übrig bleibt, ist Forschung um der Forschung willen.
U.Karlowski, Oktober 2012

Cover des Buchs Jojo und ich von Dean BernalIm Mai 2012 stellte der Amerikaner Dean Bernal im Münchner Sealife sein jetzt erschienenes Buch "JoJo und ich" vor, die Geschichte einer tiefen und außergewöhnlichen Freundschaft zwischen ihm und einem Großen Tümmler. In einem persönlichen Gespräch mit der GRD erzählt er mehr über diese wundersame Beziehung und seine Vision.

Fünfzig bis sechzig Angebote zur Verfilmung "seiner" Geschichte von ihm und JoJo habe er schon aus Hollywood erhalten. Aber Herz zeigt die Traumfabrik nur im Film. Bernals Bedingung, dass ein Teil der Einnahmen an gemeinnützige Natur- oder Tierschutzorganisationen fließt, hat sie bislang abgelehnt. „Das ist Hollywood“, erklärt Dean ohne jeden Missmut. Er strahlt die Ruhe eines Buddhas aus, ist völlig uneitel und bescheiden, auch wenn er äußerlich wie ein typischer "Sonnyboy" wirkt, sonnengebräunt und ein stetes Lächeln mit strahlend weißen Zähnen.

Kein Wunder, Dean Bernal ist Kalifornier – aufgewachsen am Meer. Surfen, Schwimmen, Tauchen bestimmten seit jeher sein Leben. Allerdings hat er die meiste Zeit nicht dort, sondern auf den Turks und Caicos verbracht, einer Inselgruppe, die gewöhnlich zur Karibik gezählt wird, genau genommen aber im Atlantik liegt. Und dort hatte er vor knapp 30 Jahren eine schicksalshafte Begegnung, die sein Leben nachhaltig verändern sollte und ihm seine Bestimmung gab.

Anfang der 80er-Jahre verschlug es den Zwanzigjährigen als Tauchlehrer in das britische Überseegebiet, das damals noch als Geheimtipp unter Touristen galt. Gleich zu Beginn begegnete er beim Schwimmen drei jungen Delfinen. Einen von ihnen sollte er im Laufe der Zeit näher kennenlernen, denn JoJo, wie er den Großen Tümmler taufte, hat ihn zum Freund erkoren.

"Damals haben wir viel spielerisch gekämpft, wie Kinder eben oder kleine Delfine", erinnert sich Dean, dessen von einer Moräne stammende, kaum wahrnehmbare Narbe auf der linken Wange auch von "Kämpfen" mit anderen Meerestieren zeugt.

Der Problemdelfin
Auf den Turks- und Caicosinseln war das Tümmlermännchen als "aggressiv" verschrien, als "Delfin-Raubein", das "arglose Schwimmer anfiele" und auch beißen würde. Dean fand jedoch heraus, dass JoJo sich lediglich gegen aufdringliche Besucher wehrte und dass die Bucht vormals eine Art Stammgebiet für ihn und etwa 15-20 Artgenossen war – bevor die ersten Ferien- und Wasserskianlagen entstanden und die Großen Tümmler vertrieben.

Nur JoJo kehrte immer wieder zurück. Vielleicht weil er bei einem Hurrikan von seiner Mutter getrennt wurde, ebenso wie zwei weitere Jungdelfine, denen jedoch kein langes Leben beschieden war: Der eine starb an den Folgen eines Zusammenstoßes mit einem Boot, der andere war von Einheimischen mit einem Fischspeer getötet worden.

Dean Bernal im Sealife-München"Warum JoJo mir Gelegenheit gab, seinen Lebensweg zu teilen, weiß ich bis heute nicht, erzählt der studierte Zoologe in seinem Buch. Es ist eine einzigartige Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Delfin. Dean glaubt, dass es sich dabei um eine für Große Tümmler typische "Männerfreundschaft" handelt, wie sie sich gewöhnlich unter Jungtieren entwickelt und die ein Leben lang andauern kann.

Als exzellentem Schwimmer und Freitaucher ist es Dean möglich, viele Stunden mit seinem tierischen Freund in dessen Welt verbringen. Gemeinsam ziehen sie durchs Wasser, bestehen "Abenteuer" und lernen, miteinander zu kommunizieren. Per Zeichensprache teilt Dean JoJo mit, dass die "Spielstunde" zu Ende ist, dass er ihm etwas bringen oder nach Haien Ausschau halten soll.

Oder dass der über 300 kg schwere Delfin Verarztungen über sich ergehen lassen muss, wenn er mal wieder von einem Hai gebissen oder von einer Bootsschraube verletzt worden war.

Wie Dean einem frei lebenden Großen Tümmler dies alles beigebracht habe? Er wehrt sich gegen Bezeichnungen wie "trainieren" oder "dressieren".

"Ich habe ihn beobachtet, er hat mich beobachtet, es ist eine Art Kommunikation", erklärt er, vergleichbar mit der Art und Weise, wie die Indianer Wildpferde gezähmt hätten. Dies sei ein Zusammenspiel aus Beobachtung und Kommunikation gewesen. Überhaupt scheint sich Dean viel mit der Urbevölkerung Nordamerikas befasst zu haben. So stammt der Name "JoJo" von den Lakotas und bezeichnet die Verständigung mittels Pfeiftönen – auch Delfine verständigen und erkennen sich anhand von Pfiffen.

Vertreibung aus dem Paradies
Rasch verbreitete sich die Geschichte dieser ungewöhnlichen Freundschaft. Immer häufiger kamen Menschen, die den knapp 2,50 m großen Meeressäuger ebenfalls hautnah erleben wollten. Und so begann für Dean ein zäher Kampf gegen die kommerziellen Interessen von Regierungsmitgliedern, Reiseveranstaltern oder Hotelbesitzern, die in JoJo eine potenzielle Geldmaschine sahen.

Es waren harte Jahre für den Tierschützer, der sich zudem mit einer korrupten Regierung auseinandersetzen musste, die auch vor Morddrohungen nicht zurückschreckte und ihn schließlich als unerwünschte Person aus dem Karibikparadies vertrieb.

Aber Dean entschied den Kampf für JoJo und sich: Er hatte erreicht, dass in einem Großteil von JoJos Lebensraum Jetskis und Fischerei verboten und Nationalparks eingerichtet wurden, dass JoJo zum nationalen Kulturgut erhoben und er selbst, in einem persönlichen Schreiben von Prinz Charles, als JoJos "Wärter" bestimmt wurde. Inzwischen ist eine neue Regierung an der Macht, der Nationalpark hat mehrere Ranger und Dean kann wieder unbehelligt einreisen. Alle ein bis zwei Monate fliegt er von seinem jetzigen Wohnort Hawaii rüber in den anderen Ozean – länger hält er es ohne seinen Delfinfreund nicht aus...

Zerrbilder
Dean Bernal und JoJo bei der Muschelsuche. Dean zeigt mit einer Hand auf etwas am Meeresboden, sein Freund, der Delfin Jojo, schaut interessiert zu der angezeigten Stelle.Für die Gefangenschaftshaltung der Meeressäuger hat Dean nichts übrig, ihr Leben hat kaum mehr etwas mit dem ihrer wilden Artgenossen gemein. Sie werden als Spaßmacher präsentiert, die den ganzen Tag lang nichts lieber machen, als mit Menschen zu spielen und zu schwimmen. Die fatalen Auswirkungen dieses Zerrbilds konnte der Tauchlehrer oft genug selbst erleben.

So sprangen Touristen trotz Verbot auf JoJo, wenn der sich gerade neben dem Bootssteg am Strand aufhielt. Und wunderten sich dann, wenn er sich mit Bissen oder heftigen Flukenschlägen wehrte. Auch wurde er Zeuge, wie Eltern ihre Kinder am Steg übers Wasser hielten und auf den Delfin fallen ließen, der daraufhin zum Glück nur wegschwamm, denn "Kinder verletzt er nie", versichert Dean.

Dabei mögen Delfine es nicht, wenn man sie anfasst. "Berührungen zwischen mir und JoJo gehen immer von ihm aus", betont Dean. Gewöhnlich weichen wilde Delfine "Grapschversuchen" aus, JoJo beißt sogar. Daher erklärt sich auch einer der vielen Unterschiede im Verhalten zwischen frei lebenden und gefangenen Delfinen.

"Freie Delfine kommunizieren mit dir immer über Blickkontakt", erklärt Dean. Ihre in Ozeanarien lebenden Artgenossen dagegen, zu denen Menschen ins Becken dürfen, behalten ständig deren Hände im Blick.

Kleine Scherze müssen sein
Intelligenten, sozial lebenden Tieren, wie Elefanten, Primaten oder Delfinen, wird auch die Fähigkeit zum Humor nachgesagt. Humor ist ein komplexer gedanklicher Vorgang, bei dem man sich in die Gefühls- und Gedankenwelt des Gegenübers versetzen können muss – die sogenannte "Theory of Mind".

Und ja, auch der von Dean als Exzentriker eingestufte JoJo hat so einiges auf Lager: Er klaut Tauchern schon mal gern die Kamera aus der Hand, versteckt sie, schaut zu, wenn diese verzweifelt danach suchen und bringt sie irgendwann zurück zu seinem Freund – wenn die Touristen abgereist sind!

Auch Dean zu foppen scheint dem intelligenten Meeressäuger tierisches Vergnügen zu bereiten. Zum Beispiel bei der gemeinsamen Suche nach – wie auch JoJo weiß – leeren Muscheln.

Dean steckt die Schalen zur Zwischenlagerung in seine Badehose, bevor er sie an anderer Stelle dem Meeresboden zurückgibt. Wenn JoJo der Schalk im Nacken sitzt, bringt er seinem Freund ein bewohntes Exemplar. "Nichts ahnend stecke ich die Muschel in die Badehose und wenn ich plötzlich wild herumfuchtele, weil sich ein Einsiedlerkrebs bemerkbar macht, dann "lacht" der Delfin", erzählt Dean schmunzelnd. Er wolle derartige Verhaltensweisen zwar nicht vermenschlichen, aber dies sei eindeutig ein Lachen mit keckernden Lauten.

Einzelgängerische Delfine
Großer Tümmler springt zu jungem Mädchen auf Kaimauer empor, das einen Fisch in der Hand hält.Berichte von Großen Tümmlern, die in einer Bucht oder einem Hafen allein lebend die Nähe von Menschen suchen, sind aus etlichen Ländern bekannt, z.B. Griechenland, Italien, Frankreich, Irland oder Belize.

Doch in diese Kategorie fällt JoJo nicht wirklich. Der inzwischen etwa 34 Jahre alte Delfin hat regelmäßig Kontakt mit seinesgleichen, ist oft unterwegs und fern von seiner angestammten Bucht. Er trägt Schrammen und Kratzer, die von Kampf und Spiel mit Artgenossen zeugen.

Und er hat sogar "Familie". So durfte Dean eine Freundin von JoJo kennenlernen und auch ihr gemeinsames Kind, das Dean auf den Namen "Mojo" taufte.

Deans Vision
Im Französischen werden solche Einzelgänger als "Botschafter-Delfine" bezeichnet. Genau das sieht auch Dean in JoJo. Denn von ihm können wir viel über die faszinierenden Meeressäuger und über unseren Umgang mit ihnen lernen.

JoJo hat Deans Leben verändert. Durch die außergewöhnliche Freundschaft wurden ihm Einblicke in die Welt der Delfine gewährt, die selbst Wissenschaftler verblüfften. Und aus seinem Einsatz für JoJos Wohlergehen erwuchs sein Engagement für Meeressäuger weltweit, was schließlich zur Gründung seiner Stiftung "Marine Wildlife Foundation" führte.

Ein aktuelles Projekt, das ihm dabei besonders am Herzen liegt, ist die Entwicklung einer technischen Simulation, bei der man nahezu lebensecht im virtuellen Ozean mit Delfinen und anderen Meerestieren schwimmen kann.

Sie werde Delfinarien einst überflüssig machen, so Deans Hoffnung. Bis dahin reist er weiter durch die Welt und zeigt, dass Delfine Lebewesen mit Empfindungen sind, die beispielsweise Ärger, Eifersucht und Freude mit ihren Mitteln ausdrücken können, die unterschiedliche Charaktere besitzen wie Menschen auch und die es verdient haben, dass wir ihnen mit Respekt begegnen und ihren Lebensraum vor menschlichen Eingriffen schützen.
Ulrike Kirsch

 

⇒ Dean Bernals Marine Wildlife Foundation

⇒ Das Buch "Jojo und ich" gibt es im GRD-Delphin-Shop (18,99 €)

Ans Licht: Ein Großer Tümmler schwimmt der hell leuchtenden Meeresoberfläche entgegenMehr als erstaunliche Nachrichten gibt es aus Japan. Während einerseits in der Todes-Bucht bei Taiji am 1. September Fischer erneut mit ihren brutalen Delfinmassakern beginnen werden, erklärten die Fischer der kleinen, etwa 160 Kilometer vor Tokio gelegenen Insel Toshima ihre Delfine zu Mitbürgern. Dies ist einmalig auf der Welt. Die Meeressäuger genießen jetzt den vollen Schutz in den Gewässern rund um die Insel, zu deren Einwohnern neuerdings auch 16 Delfine zählen.

Toshima ist Teil des Fuji-Hakone-Izu-Nationalparks und gehört zu den Izu-Inseln, die durch die Tokio-Metropol-Regierung verwaltet werden. Sie ist die zweitkleinste bewohnte Insel der Izu-Inselkette, nur etwa 300 Einwohner leben auf dem 4,12 Quadratkilometer kleinen Eiland und jetzt eben auch 16 neue "Einwohner" der Delfingruppe, die sich ständig in den Gewässern rund um das Inselchen aufhält.

Die Fischer von Toshima wollen mit ihrem ungewöhnlichen Schritt der Welt beweisen, dass es Menschen in Japan gibt, die wild lebende Delfine verehren und sie schützen. Ihre Entscheidung wurde durch das "Toshima Island Project" unterstützt, das von japanischen und US-amerikanischen Naturschutzorganisationen gefördert wird.

Leider verstarb der langjährige und wesentliche Wegbereiter des Projekts, Herr Moriyama, im Februar 2012. Doch sein Traum lebt weiter!

Delfine sind unsere Freunde, die wir beschützen
Zwei Große Tüemmler blicken unter Wasser schwimmend interessiert in die Kamera"Wir werden die Delfine von Toshima schützen. Ganz so wie es der Wunsch von Herrn Moriyama war. Wir sind gegen die Jagd auf Delfine, das ist uns sehr wichtig. Es ist uns aber auch wichtig, dass viele Menschen begreifen, dass Delfine Tiere sind, die unsere Freunde sind und mit denen wir zusammenleben können. Toshima ist ein sehr wichtiges Symbol, um das Bewusstsein der japanischen Bevölkerung für den Schutz der Delfine zu stärken", erklärt Sakae Hemmi von der japanischen Naturschutzorganisation Elsa Nature Conservancy.

Ein wegweisendes Beispiel für die Anerkennung von Delfinrechten
Die GRD freut sich sehr über den ungewöhnlichen Schritt der Fischer von Toshima und hofft, dass dieses Beispiel für die Anerkennung der Delfine als eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten nicht nur in Japan, sondern auch weit darüber hinaus Schule machen wird. Es ist ein bedeutender Meilenstein im Delfinschutz, dessen Tragweite gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, und ein heftiger Schlag ins Gesicht für die Fischer von Taiji, das wiegt schwer, besonders in Japan.

Die Fischer von Taiji töten jetzt Tiere, denen ihre eigenen Landsleute Bürgerstatus zuerkannt und die sie als dem Menschen ebenbürtig anerkannt haben.

Die GRD: "Auf ein derartiges, eindeutiges Signal aus Japan haben wir lange gewartet. Erstmals hat eine Menschengemeinschaft eine Delfingemeinschaft als Mitbürger anerkannt, aufgenommen und ihr Bürgerrechte verliehen. Die Fischer von Toshima kommen damit der Forderung zahlreicher Wissenschaftler nach, Delfinen wegen ihrer großen Intelligenz und Menschenähnlichkeit basierend auf einer eigenen "Delfin-Ethik" den Status "nichtmenschlicher Personen" zuzusprechen. Vielleicht ist dies ein weiteres Zeichen für einen beginnenden Wandel in der japanischen Gesellschaft, dem ungewöhnlich starken und für das Land geradezu sensationellen Protesten gegen die Atomkraft folgt jetzt dieser symbolische Akt von hoher moralischer und ethischer Bedeutung für das Zusammenleben von Menschen und Delfinen - das gibt Hoffnung!"
August 2012; U.Karlowski

Unterwasseraufnahme von fünf Tümmlern im Roten Meer, die fast senkrecht unter der Wasseroberfläche stehen. Die Frage ist eigentlich so nicht zulässig. Delfine sind genauso schlau, wie sie es als Delfine sein müssen, sonst hätte sich ihre heutige Artenvielfalt nicht in dieser Weise im Laufe ihrer fast 60 Millionen Jahre langen Evolution durchsetzen können.

Wenn Delfine "nur" so schlau wie Menschen wären, gäbe es sie in den Weltmeeren schon lange keine mehr. Und doch ziehen Menschen immer wieder gerne diese falschen Vergleiche zwischen der Delfin-Intelligenz mit der von Menschenaffen und Menschen heran - vielleicht, damit wir uns selbst besser einsortieren können ins Gefüge der Phalanx der intelligenten Lebewesen auf diesem Planeten?

So analysierte die Neurobiologin Lori Marino von der Emory-Universität in Atlanta die Gehirne von drei Großen Tümmlern. Zwar hatten diese drei Tiere, gemessen an ihrer Körpergröße, jeweils etwas weniger Hirnmasse als der Mensch. Dafür ist das Delfin-Gehirn stärker gefaltet, vor allem in Bereichen, die Denkvorgänge und Bewusstsein steuern. Keine andere Art der Welt hat ein so gewundenes Gehirn wie die untersuchten Tümmler. Unterm Strich erreicht ein Gehirn des großen Tümmlers damit eine vergleichsweise größere Oberfläche als das Gehirn des Menschen. Dies könnte, so Marino, die fehlende Masse wettmachen.

Die an sich nicht so neue Erkenntnis der stark gefalteten Delfingehirne könnte andererseits aber auch mit der enormen Datenmenge zu tun haben, die diese sich vornehmlich akustisch orientierenden und kommunizierenden Meereslebewesen verarbeiten müssen, um in ihren Lebensräumen so perfekt zurechtkommen zu können.

Delfine sind nicht-menschliche Personen
Auch wenn es dem Menschen mit seinen Sinnes- und Messapparaten und seinem Verstand wohl niemals möglich sein wird, Persönlichkeit und Intelligenz von Delfinen vollumfänglich begreifen zu können - zu unterschiedlich sind dafür die Wege, den sie und wir im Laufe der Evolution eingeschlagen haben - sind die bislang bekannten Erkenntnisse zur Intelligenz dieser in ihrer Welt des Schalls und mit den "Ohren sehenden" Unterwasserlebewesen überwältigend.

Große Tümmler haben den Spiegeltest bestanden – ein ganz wesentlicher Hinweis für Ich-Bewusstsein. Diese Tiere wissen, wer sie sind, wie ihre Stellung in ihrer Gruppe ist und können sich gegenseitig individuell erkennen. Sie geben sich Namen und rufen sich gegenseitig beim Namen. Sie haben Humor und können sich nicht nur in die Gefühle anderer Artgenossen, sondern auch in die anderer Arten wie den Menschen hineinversetzen. Sie setzen Werkzeuge ein und geben ihr Wissen an ihre Nachkommen weiter, das nennt man kulturelle Entwicklung. Und sie trauern um ihre Toten. Sie erfüllen alle Voraussetzungen der Theory of Mind, der Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren.

Eine Touristen hält sich an der Finne eines Großen Tümmlers fest und lässt sich durchs Wasser ziehen, Delfinarium Belek, TürkeiWenn man all diese und die vielen anderen noch unentdeckten Eigenschaften dieser faszinierenden Meereslebewesen überdenkt, dann drängt sich zwangsläufig der Schluss auf, dass man es hier mit eigenständigen, nicht-menschlichen Personen zu tun hat, die dasselbe (gesetzlich verbriefte) Recht auf Leben, Freiheit und Gesundheit wie Menschen haben sollten.

Allein auf Basis dessen, was wir bislang über diese intelligenten Meeressäuger wissen, verbietet es sich eigentlich von selbst, diese Tiere für Shows oder das angeblich "therapeutische Schwimmen" in Gefangenschaft zu halten, sie zu Tausenden als Beifangopfer auf dem Alter der Profitmaximierung der industriellen Fischerei zu opfern oder als Nahrungsquelle zu nutzen.
Ulrich Karlowski, April 2013

Zwei tote Pilotwale liegen mit durchtrenntem Rückgrat im flachen Wasser, das wie ein See aus Blut aussieht. Weitere tote Delfine liegen etwas entfernt, bei ihnen stehen einige Menschen. Gegen Ende Juli 2015 fanden während zweier Treibjagden auf den Färöer-Inseln über 250 den Tod. Die Tiere wurden grausam abgeschlachtet und verbluteten bei lebendigem Leib.

Während in Australien oder Neuseeland Rettungsnetzwerke für Meeressäuger existieren und regelmäßig Hunderte von freiwilligen Helfern bei Strandungen von Grindwalen oder Delfinen herbeieilen, um aufopferungsvoll Hilfe zu leisten, finden vor den Toren Europas, auf den Färöer-Inseln, ebenso regelmäßig gnadenlose Hetzjagden statt.

In der Bucht von Bøur starb eine Gruppe von 111 dieser zu den Delfinen gehörenden Meeressäuger, nur wenige Stunden später endete vor den Toren der Hauptstadt Tórshavn eine zweite Treibjagd, bei der 142 Pilotwale ihren Reise zu der zu Dänemark gehörenden, im Nordatlantik gelegenen Inselgruppe mit dem Leben bezahlen mussten. Damit sind in diesem Jahr bereits mehr als 400 Grindwale von Bewohnern der Färöer-Inseln abgeschlachtet worden.

Mordritual mit Volksfestcharakter
Einst diente die Jagd auf die bis zu knapp acht Meter langen Grind- oder Pilotwale (Globicephala melas) und andere Arten wie Große Tümmler, Atlantische Weißseitendelfine oder Nördliche Entenwale der Nahrungsbeschaffung. Doch heute ist sie zu einem alljährlichen Mordritual mit Volksfestcharakter geworden. "Das blutige Mordspektakel ist Ausdruck der Entmenschlichung und Verrohung weiter Teile der färingischen Gesellschaft", erklärt Ulrich Karlowski, Biologe bei der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) aus München. "Es geht hier nur noch um den Spaß am Quälen und Töten anderer Lebewesen".

Dabei warnt die Gesundheitsbehörde der Färöer schon seit 2008 davor, das Fleisch von Grindwalen zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.

Noch lebend verbluten die Meeressäuger langsam und sehr qualvoll
Bei den grausamen Treibjagden werden ganze Grindwalfamiliengruppen mit vielen kleinen, hoch motorisierten Booten in enge, flache Buchten gehetzt und dort zusammengetrieben. Dann rammen die Jäger ihnen Eisenhaken ins Blasloch, um sie orientierungslos zu machen und an Land ziehen zu können, anschließend werden Rückgrat und Kopfarterien mit Messern durchgeschnitten.

Karte der 24 Whaling-Bays auf den Färöer InselnZum sogenannten "Grindadrap" oder "Grind" sind 24 Buchten mit flachen, sandigen Stränden auf verschiedenen der 18 Färöer Inseln freigegeben.

Kein Tier hat eine Chance zu entkommen, selbst neugeborene Kälber und ihre Mütter werden gnadenlos getötet
Von April bis Juli gebären weibliche Grindwale in den Gewässern bei den Färöer-Inseln ihre Jungen und richten "Kinderstuben" ein. Die Populationsgröße der Nordatlantischen Grindwale ist unbekannt. Sie sind durch internationale Abkommen, wie die Berner Konvention zum Erhalt der europäischen wild lebenden Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten streng geschützt.

Dänemark entzieht sich der Verantwortung
Beide Abkommen wurden auch von Dänemark unterzeichnet und ratifiziert. Dänemark entzieht sich der Verantwortung, indem es auf den autonomen Status der Färöer unter der dänischen Krone hinweist. Doch ist Dänemark für das färöische Justizsystem zuständig, repräsentiert die Färöer auf internationaler Ebene und stellt jährlich Millionen von Kronen als Subventionen zur Verfügung.

Wenn das Meer sich rot färbt - Grindwal-Massaker auf den Färöer-Inseln: ein kleines Dorf in einer Bucht, das Wasser am Ende der Bucht ist großflächig rot verfärbt vom Blut der abgeschlachteten Delfine. Das grausame Ritual findet das ganze Jahr über statt
Indem sie hunderte Tiere auf einmal töten, löschen die Färinger ganze Familien und soziale Gruppen aus. Abgesehen von der Grausamkeit dieser Methode vernichten sie damit Bausteine des Genpools und zerstören die genetische Vielfalt dieser Art.

Das grausame Ritual findet das ganze Jahr über statt, Schwerpunkt ist allerdings der Sommer, wenn das Wetter für den Einsatz der Boote geeigneter ist und sich die Grindwale während ihrer Paarungszeit dann mehr in Küstennähe aufhalten. Im Jahr 2013 starben nach Angaben der britischen Organisation "Campaign Whale" insgesamt 1534 Delfine, darunter 1104 Grindwale.

GRD appelliert an die Verbraucher, keine Produkte der Färöer zu kaufen und die Inseln als Reiseziel zu meiden
Wichtigster Erwerbszweig ist neben dem Export von Fischprodukten der Tourismus. Fischprodukte wie z.B. Lachs machen mehr als 95% der Exportwaren der Inseln aus.
GRD-Presse, Juli 2015

⇒ Protestieren Sie jetzt für ein Ende der grausamen Grindwal-Massaker!

Zwei tote Pilotwale liegen mit durchtrenntem Rückgrat im flachen Wasser, das wie ein See aus Blut aussieht. Weitere tote Delfine liegen etwas entfernt, bei ihnen stehen einige Menschen. Das Leben von 33 Pilotwalen endete am 30. August auf einem Sandstrand der färöischen Insel Sandoy. Die Tiere wurden von den barbarischen Inselbewohnern abgeschlachtet. Sie starben einen langsamen und grauenvollen Tod. Die Bewohner der Inseln nutzen das Fleisch der Delfine zum Eigenverzehr.

Das Massaker von Sandoy geht als zweite Pilotwaljagd oder "Grind" in die Todesstatistik für 2014 ein. Insgesamt sollen 2014 "erst" 46 dieser großen Delfine vor den Färöer-Inseln ihr Leben gelassen haben.

Außerdem wurden wohl fünf Entenwale, die noch lebend gestrandet waren, am 28. August getötet.

Blutiges Jahr 2013: 1533 massakrierte Meeressäuger
Ungeachtet starker internationaler Proteste war das vergangene Jahr von besonders intensiven Jagden auf die friedfertigen Meeressäuger geprägt. Als wären sie in einem nicht enden wollenden Blutrausch, töteten Bewohner der Färöer-Inseln 1103 Pilotwale und 430 Atlantische Weißseitendelfine.

Die diesjährige Jagdsaison reicht zwar noch bis in den Dezember, es besteht aber immerhin die Hoffnung, dass die hohe Todesrate vom vergangenen Jahr nicht wieder erreicht wird. Seit 2010 sollen fast 3650 Pilotwale ihre Reise entlang der im Nordatlantik liegenden Inselgruppe, die zu Dänemark gehört, mit dem Leben bezahlt haben.

Pilotwalfleisch ist gesundheitsgefährdend
Obwohl die Gesundheitsbehörde der Färöer schon seit 2008 davor warnt, das Fleisch der Meeressäuger zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist, lassen die Bewohner der Inseln nicht ab von ihrem grausamen Tötungsritualen.

Wenn das Meer sich rot färbt - Grindwal-Massaker auf den Färöer-Inseln: ein kleines Dorf in einer Bucht, das Wasser am Ende der Bucht ist großflächig rot verfärbt vom Blut der abgeschlachteten Delfine. Die Tiere haben keine Chance zu entkommen
Bei den grausamen Treibjagden werden ganze Grindwalfamiliengruppen mit vielen kleinen, hoch motorisierten Booten in enge, flache Buchten gehetzt und dort zusammengetrieben. Selbst neugeborene Kälber und ihre Mütter werden gnadenlos abgeschlachtet. Von April bis Juli gebären weibliche Grindwale in den Gewässern bei den Färöer-Inseln ihre Jungen und richten "Kinderstuben" ein.

Sie verbluten langsam und qualvoll
Um die Delfine an Land ziehen zu können, rammen die Jäger ihnen einen Eisenhaken ins Blasloch, anschließend werden Rückgrat und Kopfarterien mit Messern durchgeschnitten. Noch lebend verbluten die Meeressäuger langsam und sehr qualvoll.
U. Karlowski, 01.09.2014

Was können Sie tun?

  • Meiden Sie die Färöer-Inseln als Reiseziel
  • Kaufen Sie keine Produkte, die von den Färöer-Inseln stammen
  • Informieren Sie Freunde und Bekannte

⇒ Protestaktion gegen das Blutbad auf den Färöern

Zwei abgeschlachtete Grindwale am Strand, Färöer-InselnWas den Wikingern einst recht und billig war, bringt bei einigen ihrer Nachfahren heute die Familienplanung durcheinander. Die Bewohner der im Nordatlantik gelegenen Färöer, einer zu Dänemark gehörenden Inselgruppe mit Selbstverwaltung, laben sich, wie ihre Vorfahren, gerne am Fleisch von Grindwalen (einer Delfinart) und Delfinen.

Neben den Norwegern, Isländern und Grönländern gehören die knap 50.000 Bewoner der Färöer-Inseln zu den Europäern, die regelmäßig Fleisch von Meeressäugern konsumieren. Sie täten gut daran, dies sein zu lassen. Grindwalfleisch ist eigentlich Sondermüll, vollgestopft mit Umweltgiften wie Quecksilber, PCB (polychlorierte Biphenyle), Kadmium und Pestiziden wie Dieldrin, die sich bei den am Ende der Nahrungskette stehenden Zahnwalen im Körper anreichern. Insbesondere der extrem hohe Quecksilbergehalt verursacht bleibende Schäden beim Menschen.

Zwar sind diese Erkenntnisse schon seit Jahren bekannt. Doch nun wurden sie auch von offizieller färöischer Stelle bestätigt. Wie der New Scientist am 28.11.2008 berichtet, hat die Gesundheitsbehörde der Färöer dazu aufgerufen, ab sofort kein Fleisch von Grindwalen mehr zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sei."Es ist sehr bedauerlich, dass wir diese Empfehlung geben müssen. Grindwale haben viele Färöer über Jahrhunderte hinweg am Leben erhalten", erklären Pal Weihe und Hogni Debes Joensen von der Gesundheitsbehörde.

Heutzutage führt der Genuss von Walfleisch zu Störungen in der neuronalen Entwicklung bei Föten, zu Bluthochdruck, Immunschwächen bei Kindern sowie Kreislauferkrankungen. Auch wurde eine Zunahme von Parkinson-Erkrankungen und möglicherweise Unfruchtbarkeit bei Erwachsenen festgestellt.

Bereits 2000 zeigte eine von Wissenschaftlern der Universität Odense, Dänemark, durchgeführte Langzeitstudie, dass die rund 45.000 Bewohner der Schafsinseln auffallend hohe Konzentrationen der bei Grindwalen nachgewiesenen toxischen Stoffe aufweisen. Die Forscher stellten insbesondere bei Kindern Sprach-, Konzentrations- und Erinnerungsstörungen fest – typische Symptome einer Quecksilbervergiftung. Diese Ergebnisse veranlassten die färöische Gesundheitsbehörde jedoch lediglich zu der Empfehlung, den Konsum von Grindwalfleisch einzuschränken.

Seit Jahren kämpft die GRD, gemeinsam mit vielen anderen Organisationen, gegen die Grindwal- und Delfinmassaker auf den Färöern.
Ulrich Karlowski & Ulrike Kirsch, November 2008
Copyright Foto: eia

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Fischkutter liegen im Hafen von Zadar.Es ist die ewig gleiche Klage. Nein, nicht das eigene rücksichtslose Tun – hemmungsloses Überfischen – ist schuld am mangelnden Fangerfolg. Schuld sind natürlich andere. So jedenfalls sehen das die Fischer, die im Fanggebiet um die Äolischen Inseln nördlich von Sizilien, nach Kalmaren fischen. Sie verzeichnen dramatische Umsatzeinbußen, um bis zu 70 Prozent, angeblich weil sich in dem Gebiet Delfine stark vermehrt hätten, berichtet ORF.at. Jetzt wollen die Kalmarfänger für zwei Tage streiken, da muss man auch erst mal drauf kommen.

Angebliche Nahrungskonkurrenten
Mit dramatischen Worten schildern die Fischer der Archipels ihren tagtäglichen "Kampf ums Überleben". Fischer gegen Delfine, die Beute aus den Netzen stibitzen und selbige dabei beschädigen. Für die Meeressäuger allerdings birgt diese Jagdtechnik höchste Lebensgefahr. Immer wieder verheddern sie sich, ertrinken in den Netzen.

Regierung soll finanzielle Unterstützung leisten
Wie in derart gelagerten Fällen üblich, soll nun der Steuerzahler einspringen und mangelnden wirtschaftlichen Erfolg nach eigenem eklatantem Fehlverhalten ausgleichen. Liegt doch das eigentliche Problem bei den Fischern selbst: Überfischung hat zu allgemein sinkenden Fischbeständen geführt. Da ist ein Streik im Grunde keine schlechte Idee und ein zielführender Ansatz. Der müsste allerdings über viele Monate gehen, damit die erschöpften Bestände eine Chance hätten, sich zu erholen.

Pinger sollen die Delfine von den Netzen fernhalten
Eine Blume blüht auf aufgerolltem Fischernetz.Fischernetze zu Blumenwiesen - So sollte es sein!Von zu vielen Delfinen kann jedenfalls keine Rede sein. Sie leiden gleichfalls unter den Folgen der Überfischung und gehen deshalb das hohe Risiko der Netz-Jagd ein. Wie ORF.at berichtet, will man jetzt Pinger – akustische Vergrämer – testen, die die Delfine von den Netzen fernhalten sollen. Erfahrungen mit diesen Warngeräten sind widersprüchlich. Immer wieder gibt es Beispiele, dass die Signalgeber Delfine erst recht anlocken. Denn die lernen schnell, wo es derart tönt, gibt es Beute zu machen.

Welche großartige Kunstfertigkeit gerade Große Tümmler beim Jagen in der Nähe von Fischernetzen entwickeln können, zeigen die "Trawler-Delfine von Westaustralien". Einige Tiere aus der dort lebenden Population haben gelernt, todesmutig gezielt in Grundschleppnetze hineinzuschwimmen, um dort zu jagen. Ein hoch riskantes Verhalten, das nur wenige Delfine beherrschen.

Im Grunde können die sizilianischen Fischer froh sein, dass es keinen dieser hochspezialisierten "Trawler-Delfine" jemals in Mittelmeer verschlagen wird. Die könnten ihren Artgenossen sicherlich noch so manchen cleveren Trick beibringen, wie man geschickt Beute aus den Netzen holt.
Ulrich Karlowski, März 2017

 

⇒ Trawler-Delfine: Todesmutige Fischzüge vor Westaustralien

 

Gestrandeter Schweinswal am Schwarzen Meer.

 

Wie "MDR Wissen" berichtet, hat die bulgarische Regierung die Fischerei in Gebieten, in denen sich viele Delfine aufhalten, vorsorglich untersagt. Sofia setzte diese Sondermaßnahme in Kraft, weil in diesem Jahr bereits mehr als 108 Delfine tot an Bulgariens Küsten strandeten. An einigen Stränden hat es aber auch Lebend-Strandungen gegeben.

So sollen allein an den Stränden des beliebten Urlaubsortes Burgas bereits 77 tote Delfine gefunden worden sein, so die Behörden. Man hofft, dass die Todesursache noch geklärt werden kann.

Zweites Delfin-Massensterben im Schwarzen Meer
Bereits 2012 waren im Schwarzen Meer 200 Delfine und Schweinswale verendet und an der südöstlichen Krim-Küste gestrandet. Ukrainische Meeresbiologen gingen damals auch von einer Vergiftung als möglicher Ursache aus, da bei höchstens der Hälfte der gefundenen toten Meeressäuger die üblichen, durch Fischernetze verursachten Verletzungen festgestellt wurden. 

Die drei im Schwarzen Meer isoliert lebenden Kleinwal-Unterarten, Gemeiner Delfin, Großer Tümmler und Schweinswal, sind vom Aussterben bedroht und streng geschützt. In Bulgarien wird ihr Töten mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet.

Die GRD begrüßt die ungewöhnliche Maßnahme der bulgarischen Regierung, fordert aber gleichzeitig ein Umdenken zu einem nachhaltigen und langfristigen Fischereimanagement mit drastischer Beifangreduzierung und konsequenter Überwachung fischereilicher Aktivitäten im Schwarzen Meer.
GRD-Presse, Juli 2016

Weitere Informationen:

⇒ Fast 200 Delfine und Schweinswale verenden im Schwarzen Meer

⇒ sueddeutsche.de: Die Delfin-Tragödie im Schwarzen Meer

 

Grundschleppnetzfischer im Hafen von Büsum.Nach einem zähen, vierjährigen Verhandlungsmarathon hat sich die EU endlich auf ein weitgehendes Verbot des Einsatzes von Bodenschleppnetzen in den Tiefseeregionen des Atlantiks ab einer Meerestiefe von 800 Metern verständigt. Der letztendlich dann doch überraschende Durchbruch im Vermittlungsausschuss kam am letzten Tag der niederländischen Präsidentschaft zu Stande.

Meeresschutzorganisationen wie die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) werten die Entscheidung als wichtigen Erfolg für den Schutz der betroffenen Tiefsee-Ökosysteme. "Dennoch setzen wir uns weiterhin für ein generelles Verbot dieser Fangmethode und der Fischerei in der Tiefsee ein", erklärt die Organisation.

Bodenschleppnetze gehören zu den zerstörerischsten Fischfangmethoden überhaupt. Ein über mehrere Tausend Jahre gewachsenes Tiefseekorallenriff können sie innerhalb von nur einer halben Stunde komplett und unwiederbringlich zerstören. Nach der Fangfahrt mit einem Bodenschleppnetz gleicht der Meeressboden einer öden Mondlandschaft.

Niederlage für Fischereilobby und Fischereiministerrat
Zerstörungen durch Grundschleppnetz an einem Tiefseeberg.Das Verbot gilt zwar nur für EU-Gewässer bis 200 Seemeilen vor der Küste und nicht auch für die Hohe See im Nordostatlantik, wohl aber für die Hohe See vor Westafrika um die Kanarischen Inseln und Madeira. Tiefseebewohner wie Rotbarsche, Tiefseekorallen oder Tiefseehaie haben jetzt eine Chance zu überleben.

Entscheidenden Anteil an dem jetzt erzielten Erfolg hatten die "Deep Sea Conservation Coalition (DSCC)", der sich auch die GRD angeschlossen hat sowie Teile des Fischereiausschusses des EU-Parlaments, die sich in wichtigen Punkten gegen die Interessen des Fischereiministerrats durchsetzen konnten.

Weitere wichtige Reformen für den Fischerei-Sektor
Neben dem Grundschleppnetzverbot für die Tiefsee wurden noch weitere dringend notwendige Reformen für den Fischerei-Sektor beschlossen. Stellnetze und Kiemennetze sind in Regionen unterhalb von 600 Meter zukünftig verboten. Für bisher nicht befischte Gebiete wird jetzt immerhin eine Verträglichkeitsprüfung verlangt, bevor eine Fangerlaubnis für Tiefseefische erteilt wird. Außerdem müssen zukünftig auf 20 Prozent der Ausfahrten von Tiefseefischern innerhalb der EU-Gewässer und auf der Hohen See Beobachter eingesetzt werden. Das EU-Parlament hatte hier ursprünglich gefordert, dass auf allen Tiefseetrawlern unabhängige Beobachter eingesetzt werden.

Außerdem muss bei Kontakt mit Tiefseekorallen, -schwämmen und anderen empfindlichen Tiefsee-Ökosystemen der Fang abgebrochen und anderswo fortgesetzt werden. Allerdings ist dann meist schon zu spät und für die überwiegende Zahl der Tiefseefischer dürfte diese Bestimmung Schall und Rauch sein, mangels Beobachtern an Bord. Dennoch ist es ein großer Schritt in die richtige Richtung und eine Niederlage für die Fischereilobby, deren Ziel die ultimative und nicht nachhaltige Ausbeutung sämtlicher Ressourcen der Meere ist.
Ulrich Karlowski, Juli 2016
Foto Zerstörungen durch Grundschleppnetz an einem Tiefseeberg: CSIRO Marine Research

Weitere Informationen:

⇒ Wissenschaftler: Fischerei in internationalen Gewässern beenden

⇒ Strategien zur Beifangreduzierung in der Ostsee (PDF)

⇒ Europas Fischereipolitik: Eine ökologische Katastrophe

⇒ EU fördert Piratenfischerei vor Westafrika

⇒ UN warnen vor Überfischung der Meere

⇒ Falscher Fisch auf dem Tisch: Importware und Billigfisch nehmen zu

Geisternetze töten sinnlos weiter ...

Verletzter Adria-Tümmler schwimmt auf dem Rücken, deutlich zu sehen sind die eingewachsenen Netzreste an einem FlipperSogenannte Geisternetze werden zu einer immer größeren Gefahr für Meerestiere und das marine Ökosystem. Reste zerstörter Netze, von Fischern nicht wiedergefundene oder weggeworfene Netze fangen fast endlos weiter, da sie meist aus extrem langsam verrottenden Kunststoffen bestehen. Fische, Krabben, Meeresschildkröten, Seevögel, Delfine, Haie und sogar Wale verheddern sich ihnen, sterben langsam und qualvoll.

Irgendwann sinkt das Netz durch das Gewicht der in den Maschen hängenden Leichen auf den Meeresboden, über den es sich wie ein Leichentuch legt. Dort werden die Tierkörper zersetzt und dann steigt das Netz durch seine Auftriebskörper wieder an die Meeresoberfläche, wo es sein tödliches Werk fortsetzt.

Dieser Todes-Kreislauf kann sich über bis zu 500 Jahre hinziehen, so lange kann es dauern, bis sich Plastik in der Meeresumwelt zersetzt. Viele der verloren gegangenen oder weggeworfenen Netze bleiben auch an Wracks oder Riffen hängen und führen ihr zerstörerisches Werk im Verborgenen fort.

Etwa 10 Prozent des jährlichen Abfalls auf See sind Geisternetze
Bootsfahrer schneiden einen Delfin aus aus Fischernetz.Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) machen Geisternetze mit 640.000 Tonnen etwa zehn Prozent des Abfalls aus, der jedes Jahr in den Weltmeeren landet. Allein in die Ostsee sollen jedes Jahr bis zu 10.000 Geisternetze gelangen. Tausende Kilometer dieser herrenlosen Todesnetze treiben mittlerweile auf den Weltmeeren, wo sie auch eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen. Laut Umweltbundesamt ist für 136 Arten von Meereslebewesen bekannt, dass sie sich regelmäßig in Müllteilen verheddern und strangulieren, darunter mindestens 43 Prozent aller Wal- und Delfinarten.

Geisternetze an Unterwasserhindernissen
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat allein vor der deutschen Ostseeküste Geisternetze an rund 100 Unterwasserhindernissen festgestellt. Experten des Deutschen Meeresmuseums gehen allerdings von einer deutlich höheren Zahl aus. Die Schifffahrtsbehörde dokumentiert nur Netze, die eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen können.

Dringender Handlungsbedarf
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die UNEP warnten bereits 2009 vor der von Geisternetzen ausgehenden Gefahr für das Meeresökosystem und sahen dringenden Handlungsbedarf, sich des Problems auf internationaler Ebene anzunehmen. Geschehen ist seitdem wenig. Im September 2014 bargen Taucher vor Rügen eine ganze Tonne an Netzresten die sich an nur zwei Wracks verheddert hatten. An der polnischen Küste konnten Taucher an nur 20 Tagen auf See rund sechs Tonnen Netze von Wracks und vom Meeresgrund bergen.

Ein um die Schwanzfluke eines Delfine verheddertes Seil wird durchgeschnitten.Rückholbarkeit der Netze ist entscheidend
Meeresschützer fordern, dass Fischernetze mit akustischen Signalgebern ausgestattet werden, damit sie bei Verlust geortet und eingesammelt werden können, denn finanzielle Anreize zeigen keine Wirkung. Bereits in den 1980er-Jahren hatte man in Frankreich versucht, mittels einer Belohnung für bei der Küstenwache abgelieferte Geisternetze das Problem in den Griff zu bekommen. Das Projekt musste allerdings eingestellt werden, da Fischernetze bewusst so zugerichtet wurden, als seien sie aus dem Meer gezogen worden, um die Belohnung zu kassieren.

Eine andere Lösung wären Netze aus biologisch abbaubaren Materialien.

Weniger Fischerei ist mehr
Generell empfehlen wir, weniger Fisch zu essen. Die Ozeane sind akut überfischt, viele Zielfischarten sind vom Aussterben bedroht.
Ulrich Karlowski, November 2015

Verletzter Adria-Tümmler blickt aus dem Wasser, deutlich zu sehen sind große Wucherungen auf dem Rücken am Finnen-Ansatzn sind große Wucherungen auf dem Rücken am Finnen-Ansatz

 

Delfine und Geisternetze:

⇒ Freudiges Wiedersehen mit schwer verletztem Delfin Košara

⇒ Ein echter Glückspilz - Adria-Delfin kann aus tödlicher Gefahr gerettet werden

⇒ Delfine helfen sich gegenseitig aus Fischernetz

⇒ Verletzter Adria-Delfin bleibt unauffindbar

⇒ Ein kleiner Delfin befreit sich selbst aus tödlicher Gefahr

Tiefgefroner Thunfisch wird auf See mit einem Ladekran verladen. Für ein Ende der Fischerei in internationalen Gewässern – also außerhalb der 200-Meilen-Zonen vor den Küsten – plädiert eine Gruppe Wissenschaftler in einem Beitrag der Zeitschrift Scientific Reports, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 19.02.2015.

Die radikal klingende Maßnahme würde, so die Forscher, den weltweiten Fischereiertrag sogar steigern, auch die Verteilung der Fangmengen würde gerechter sein. Meeresschutzorganisationen wie die GRD fordern seit vielen Jahren strikte Beschränkungen der Hochseefischerei und insbesondere ein weltweites, kategorisches Verbot der für die Meeresumwelt desaströsen Fischerei mit Grundschleppnetzen.

Totmacher der Meere
Die industrielle Fischerei ist heutzutage die mit Abstand gefährlichste Bedrohung nicht nur für Delfine, sondern für das gesamte Leben in den Meeren. Jedes Jahr sterben über 300.000 Delfine und Wale einen grausamen Tod als ungewollter Beifang in Fischernetzen. Der Großteil davon in den Netzen der Hochseefangflotten.

Die Plattmacher
rafik Herings-Grundschleppnetz, charakteristisch sind die nach vorne geöffneten Flügel, die das Netz wie ein riesiges Fischmaul aussehen lassen. Neben den mittlerweile fast nur noch von Piratenfischern eingesetzten und seit 1991 von der UN geächteten Treibnetzen, sind Grundschleppnetze weltweit die mit Abstand zerstörerischte Fischfangmethode. Die wie ein Bulldozer arbeitenden Fanggeräte verwandeln Meeresboden-Ökosysteme in leblose Wüsten. Besonders in der Tiefsee ist dies fatal - es braucht dort Jahrzehnte bis Jahrhunderte zur Regeneration.

Küstennahes Fischen bringt Vorteile für alle
Da Fische sich nicht an 200- Meilen-Zonen halten, könne man sie auch dort fangen. Was die Trawler der Industriefischerei auf hoher See wegfischen, entgeht den Fischereien der Küstenländer. Unterm Strich würden die Fangergebnisse - bei gerechterer Verteilung – um 42 Prozent steigen, da die Fische bei einem Fangstopp auf der hohen See genügend Regenerations- und Rückzugsräume hätten, lautet das verblüffende Fazit der Studie der Forschergruppe um den Fischerei-Ökonomen Rashid Sumaila von der University of British Columbia in Vancouver.

Übermächtige Fischereilobby auch in der EU
Wie schwierig es ist, selbst kleinste Einschränkungen der Fangmengen und Fangmethoden zu erreichen, zeigt die quälende Reform der EU-Fischereipolitik. Ein auch von der GRD unterstütztes EU-Verbot der Grundschleppnetzfischerei in der Tiefsee wurde von der Fischfanglobby erfolgreich verhindert. Auch wenn es nur wenige und dazu noch hoch subventionierte EU-Trawler gibt, die von einem Verbot betroffen gewesen wären.

Ende der Fischerei in Sicht – so oder so
Bereits 2012 warnte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dass nahezu 30 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt seien, 57 Prozent befänden sich an der Grenze ihrer maximaler Ausbeutung. Lediglich 13 Prozent der Bestände sollen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht voll ausgebeutet gewesen sein.

Experten schätzen, dass – sollte sich an der gängigen Praxis nichts ändern –, der kommerzielle Fischfang spätestens 2050 zum Erliegen kommt.
Ulrich Karlowski, Februar 2015

Weitere Informationen:

⇒ Strategien zur Beifangreduzierung in der Ostsee (PDF)

⇒ Europas Fischereipolitik: Eine ökologische Katastrophe

⇒ EU fördert Piratenfischerei vor Westafrika

⇒ UN warnen vor Überfischung der Meere

⇒ Falscher Fisch auf dem Tisch: Importware und Billigfisch nehmen zu

Ein Schweinswal hängt tot im Stellnetz.Pressemitteilung, 21.11.2014 - Die Vereinbarung über eine freiwillige Netzreduktion, die der grüne Umweltminister Robert Habeck mit dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband vereinbart hat, erweist sich als umweltpolitischer Rohrkrepierer. Mit der Regelung soll die Todesrate von Schweinswalen und Seevögeln in Stellnetzen vor der Küste Schleswig-Holsteins gesenkt werden.

Bereits im März dieses Jahres hatten GRD und der NABU Schleswig-Holstein nach der Analyse einer Wasservogelzählung zwischen Neuland und Hohwacht gewarnt, dass die freiwillige Vereinbarung nicht greift und weiterhin massive Verluste von Schweinswalen und Seevögeln in Stellnetzen entlang der Küsten Schleswig-Holsteins zu befürchten sind.

Sechs Stellnetze direkt neben Tausenden rastender Wasservögel
Während einer erneuten Wasservogelzählung zwischen Neuland und Hohwacht wurden am 17. November neben vielen Tausend Eiderenten, über 1.400 Trauerenten, 172 Eisenten, 11 Sterntaucher, hunderte fischende Kormorane und sechs ausgebrachte Stellnetze beobachtet.

Laut der freiwilligen Vereinbarung sollen zwischen November und März keine Stellnetze ausgebracht werden, wenn große Wasservogelansammlungen rasten.

Bis heute hat sich offenbar auch noch keine der Vertragsparteien Gedanken gemacht, wie eine erhöhte Rastvogelkonzentration zu definieren ist. Das Ostseeinformationscenter soll dazu Warnmeldungen an die Fischer herausgeben. Doch ist es weder personell noch logistisch in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen.

"Die Fischer halten sich nicht an die Vereinbarung, müssen sie auch nicht. Bei Verstößen drohen keine Sanktionen. Die hohen Tierverluste in Stellnetzen gehen ungemindert weiter", betont Ulrich Karlowski, Diplom-Biologe bei der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD). "Die Regelung geht völlig an den objektiven Schutzbedürfnissen für Seevögel und Schweinswale vorbei".

Mehr zum Thema:

⇒ Schweinswale und Seevögel: Opfer verheerender grüner Umweltpolitik in Schleswig-Holstein

⇒ Grüner Umweltminister setzt Schweinswalschutz auf Null

⇒ Strategien zur Vermeidung von Beifang von Seevögeln und Meeressäugetieren in der Ostseefischerei (PDF)

Glasklares Wasser einer einsamen flachen Bucht mit sandigem Meeresgrund, umrahmt von grün bewachsenen wenig hohen Felsen.Es scheint ein Faible von aus dem Amt scheidenden US-Präsidenten zu sein, ökologisch bedeutende Fußabdrücke im Meeresschutz zu hinterlassen.

So hat US-Präsident Barack Obama angekündigt, das einst von seinem Vorgänger eingerichtete, in der Nähe von Hawaii im südzentralen Pazifik gelegene Pacific Remote Islands Marine National Monument Schutzgebiet um fast das Neunfache auszuweiten. Es wäre damit das größte Meeresschutzgebiet der Welt.

Obama macht seinen bedeutsamen Wurf im Meeresschutz bereits zur Mitte seiner letzten Amtszeit, während es bei George W. Bush eine der letzten Amtshandlungen war. Er hatte im Januar 2009 das damals weltweit größte Meeresschutzgebiet (MPA) rund um US-Besitzungen im Südpazifik errichtet.

Bush stellte ein Gebiet von der Größe Spaniens unter Schutz
Zu den von Bush eingerichteten drei Reservaten mit einer Fläche von 500.000 km2 gehören neben dem Pacific Remote Islands Marine National Monument das Marianas Trench Marine National Monument und das Rose Atoll Marine National Monument. Das Schutzgebiet umfasst damit auch den 2400 km langen Marianengraben mit dem tiefsten Punkt der Erde, Inseln der Nördlichen Marianen, das Rose-Atoll in Amerikanisch-Samoa und eine Kette abgelegener Inseln im Zentralpazifik, die sogenannten Remote Islands.

Obama übertrumpft Bush
Das für den Erhalt der Biodiversität in den Meeren erfreuliche Muskelspiel der beiden US-Präsidenten führt dazu, dass das Schutzgebiet "Pacific Remote Islands Marine National Monument" jetzt von derzeit knapp über 225.000 km2 auf eine Größe von mehr als zwei Millionen Quadratkilometer ausgedehnt werden soll.

Millionen für den Meeresschutz
Schattenhaft im tiefen Abendrot versinkende Küstenlinie. Als flankierende Maßnahmen will die US-Regierung zusätzlich noch umgerechnet gut 75 Millionen Euro für den Schutz der sensiblen Küstenregionen bereitstellen.

Der entsprechende Erlass könnte bereits Ende 2014 in Kraft treten, falls der zu erwartende Widerstand der Fischereilobby das Ganze nicht doch noch zu Fall bringt. Erst vor Kurzem hatte die industrielle Fischerei eine schmerzhafte Niederlage verkraften müssen, als die Regierung des Inselstaats Kiribati bekannt gab, in der über 408.000 km2 umfassenden Phoenix Islands Protected Area (PIPA), ab Januar 2015 jegliche kommerziellen Fischereiaktivitäten zu verbieten.

Damit wird eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt zur "No Take Zone". PIPA ist ungefähr so groß wie Kalifornien.
U. Karlowski, Juli 2014

Ein Schwarm Blauflossenthunfische im tief blauen Meer, gegen die weiß leuchtende Meeresoberfläche fotografiert. Die Regierung des Inselstaats Kiribati hat in einem der derzeit größten Meeresschutzgebiete, der über 408.000 km2 umfassenden Phoenix Islands Protected Area (PIPA), ab Januar 2015 jegliche kommerziellen Fischereiaktivitäten verboten und damit das gesamte Schutzgebiet zur "No Take Zone" erklärt. PIPA ist ungefähr so groß wie Kalifornien.

Der mitten im Pazifik, auf der Hälfte des Weges zwischen Hawaii und Australien in Mikronesien gelegene Inselstaat hatte bislang Lizenzen auch an Fischereien aus Japan, China oder Taiwan verkauft. Mit der neuen "No Take Zone" sind nun elf Prozent der ausschließlichen Wirtschaftszone des aus einer Vielzahl von Inseln bestehenden Kleinstaates unter Schutz gestellt.

Meilenstein für den Schutz mariner Biodiversität
Logo PIPA. Die zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärte PIPA ist ein extrem artenreiches Meeresgebiet mit acht Atollen und zahlreichen kleineren Koralleninseln. Die umfangreichen Riffe sind noch weitgehend intakt. Mehr als 120 Korallenarten, 514 Arten Rifffische sowie Raubfischarten wie Thune, Haifische oder Makrelen wurden hier bislang identifiziert. Meeresschildkröten suchen die Strände der in der PIPA liegenden Inseln zur Eiablage auf, Delfine und große Ansammlungen von Seevögeln werden hier regelmäßig beobachtet.

Fischerei in deutschen Schutzgebieten an der Tagesordnung
Die mutige Entscheidung der Regierung von Kiribati gegen die kommerzielle Fischerei und damit gegen nicht unerhebliche Geldflüsse aus dem Verkauf der Fischereilizenzen ist bemerkenswert und ungewöhnlich. Viele Industrie- und Wohlstandsnationen wie leider auch Deutschland, zeigen sich unfähig zu solch konsequentem Eintreten für den Meeresschutz. In den wenigen und im Vergleich zur PIPA winzigen deutschen Meeresschutzgebieten darf munter ohne wirksame Beschränkungen weitergefischt werden – das Todesurteil für unsere vom Aussterben bedrohten Ostseeschweinswale und viele andere Meerestiere.

Ulrich Karlowski, Juli 2014

Weitere Informationen:

⇒ Phoenix Islands Protected Area

⇒ Phoenix Islands Protected Area auf Facebook

⇒ UNESCO World Heritage List

Ein kleiner toter Schweinswal liegt im feuchten SandPressemitteilung, 18.03.2014 - Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) und der NABU Schleswig-Holstein warnen vor massiven Verlusten von Schweinswalen und Seevögeln in Stellnetzen entlang der Küsten Schleswig-Holsteins in diesem Jahr.

Der Grund: Die Vereinbarung über eine freiwillige Netzreduktion, die der grüne Umweltminister Robert Habeck mit dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband im vergangenen Jahr getroffen hat, geht an den Schutzbedürfnissen völlig vorbei. Wiederholt hatten Umwelt- und Naturschutzorganisationen Umweltminister Robert Habeck scharf wegen der Vereinbarung angegriffen und sie als "umweltpolitische Bankrotterklärung eines grünen Umweltministers" bezeichnet.

Tödliche Stellnetze zur falschen Zeit am falschen Ort
Die Beobachtung auf einer Wasservogelzählung Mitte März zwischen Neuland und Hohwacht bestätigt die Befürchtungen der Umweltschützer. Vom Hohwachter Steilufer aus waren ca. 7.000 Eiderenten, 11.700 Trauerenten, 19 Sterntaucher und 4 Gruppen mit Schweinswalen zu beobachten. Die seltenen Kleinen Tümmler waren im flachen Wasser etwa 100m bis 1500m vor der Küste auf der Jagd nach Fischen.

Doch ausgerechnet in diesem Gebiet, wo sich von Oktober bis Anfang April zahlreiche Wasservögel und aktuell auch Schweinswale aufhielten, hatten Fischer 7 Stellnetze ausgebracht, 3 davon im Bereich von Lippe bis Hohwacht, wo die Schweinswale jagten.

Erste Erfahrungswerte sind niederschmetternd
Eine männliche Eiderente in der OstseeBereits diese eine Wasservogelzählung hat gezeigt, dass die Rahmenbedingungen, die in der freiwilligen Vereinbarung festgehalten sind, nicht ausreichen, um das Ertrinken von Walen und Wasservögeln zu reduzieren, solange Zeiten mit großen Wasservogelbeständen und größeren Schweinswalvorkommen nicht unter ein umfassendes Stellnetzverbot fallen.

"Stellnetze dürften derzeit auf der Gesamtstrecke von Neuland über Hohwacht bis Weißenhaus gar nicht stehen", fordert Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des NABU Schleswig-Holstein.

Ein CDU-Minister hätte das auch nicht schlechter hinbekommen
So endet die Vereinbarung zwischen Umweltministerium und Fischereiverbänden für den Schutz von Seevögeln einerseits bereits am 1. März, zu einer Zeit, in der rastende Wasservögel ihr Maximum erst erreichen, während sie andererseits für Schweinswale offenbar willkürlich nur auf die Sommermonate Juli und August beschränkt ist.

"Es ist erschütternd, dass ausgerechnet ein grüner Umweltminister eine für Meerestiere derart fatale Entscheidung getroffen hat. Die freiwillige Vereinbarung zur Reduktion von Tierverlusten in Stellnetzen ist eine umweltpolitische Katastrophe. Sie wird unweigerlich zu massiven Verlusten an Seevögeln und Schweinswalen führen. Ein CDU-Minister hätte das auch nicht schlechter hinbekommen", meint der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD.
München, Kiel – NABU / GRD

 

⇒ English version

 

Mehr zum Thema:

⇒ Grüner Umweltminister setzt Schweinswalschutz auf Null

⇒ Strategien zur Vermeidung von Beifang von Seevögeln und Meeressäugetieren in der Ostseefischerei (PDF)

Ein vor toter Schweinswal liegt auf einer orangen Plane, keine Verweseungsspuren erkennbarEine einschneidend negative Entscheidung für das Schicksal unserer heimischen bedrohten Schweinswale fällte zum Jahresende 2013 ausgerechnet ein grüner Umweltminister: Robert Habeck aus Schleswig-Holstein.

Habeck unterzeichnete eine freiwillige Vereinbarung mit dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband Schleswig-Holstein.

Statt Schweinswale wirkungsvoll vor dem grausamen Beifangtod in Fischernetzen zu bewahren, setzt man an der Küste nun darauf, dass Fischer freiwillig die Anzahl ihrer Netze beschränken. Selbst in Schutzgebieten dürfen todbringende Stellnetze weiterhin benutzt werden!

Mitunterzeichner ist das Ostsee-Info-Center Eckernförde, das die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen koordinieren soll. Vorangegangen war eine Vielzahl von Gesprächen des Ministers mit Fischern und schleswig-holsteinischen Naturschutzverbänden.

Vielversprechende Ankündigungen erweisen sich als heiße Luft
Grafik von einem Stellnetz, tödliche Gefahr für SchweinswaleNoch im Juli 2013 sah es so aus, als würde der Minister die Küstenfischereiordnung (KüFO) ändern und in einigen für Schweinswale wichtigen Meeresnaturschutzgebieten die Fischerei mit Stellnetzen zumindest zeitweise untersagen. So sollten in einem Teil der Flensburger Förde und einem Gebiet bei Fehmarn im Sommer vier Monate lang keine Stellnetze gestellt werden dürfen. Andere Gebiete sollten im Winter zum Schutz von tauchenden Seevögeln gesperrt werden. Dies wäre ein erster Schritt zu einem wirkungsvollen Schweinswal- und Seevogelschutz in der Ostsee gewesen. Leider kam es anders.

Grüner Eiertanz
Im August 2013 von Naturschutzverbänden vorgelegte Stellungnahmen zur KüFO-Änderung wurden vollkommen ignoriert. Zunächst begründete der Minister seine Kehrtwendung damit, die Koalitionspartner SPD und SSW würden eine KüFO-Änderung nicht mittragen. Die wussten davon jedoch nichts, und so wurde später nachgeschoben, eine KüFO-Änderung wäre durch die EU rechtlich zu beanstanden gewesen.

Bankrotterklärung eines grünen Ministers
Im Fischernetz ertrunkener und von den Fischern verstümmelter Schweinswal auf Seziertisch (Kopf bis Rückenfinne, Flipper wurden abgetrennt)Umweltminister Habeck, der gleichzeitig Fischereiminister ist, hat sich nicht getraut, gegen die Fischer gerichtete Maßnahmen umzusetzen. Die Lobbyarbeit der Fischer hat sich voll ausgezahlt. Sie hatten sogar eine Notgemeinschaft gegründet und auf ihren Kuttern Habeck-feindliche Sprüche zur Schau gestellt. Auch suchten sie Verbündete im Tourismus, denn Häfen ohne Fischkutter mit ihren bunten Fähnchen möchten sich viele Schleswig-Holsteiner genau wie der Minister nicht vorstellen.

Dabei kennzeichnen die schönen bunten Fischerfähnchen die kilometerlangen Todeswände und sind somit die Grabsteine des Meeres.

Eine grüne Farce: Freiwilliger Verzicht gerät zur Nullnummer
Statt Schweinswalschutz haben wir nunmehr eine freiwillige Vereinbarung, die vorsieht, dass im Juli und August die Fischer freiwillig die Anzahl ihrer Netze beschränken. Dies ist abhängig von der Größe ihrer Kutter. So sollen nach der Vereinbarung Fahrzeuge über 8 Meter Länge ihre Netze auf 4 km, Fahrzeuge unter 8 Metern auf 3 km und Fahrzeuge unter 6 Metern auf 1,5 km begrenzen. Laut EU-Ostseefischereiverordnung dürfen Fahrzeuge unter 12 m derzeit 9 km lange Stellnetze verwenden.

Da gibt es natürlich auch viel Beifall von der CDU
Ob die freiwillige Reduzierung tatsächlich eine ist, ist jedoch auch dem Ministerium nicht bekannt, da es keine verlässlichen Daten zum tatsächlichen Fischereiaufwand gibt. Die in einer Pressemitteilung des Ministeriums genannte Reduzierung um "je nach Fahrzeuggröße 60 bis 85 Prozent gegenüber der EU-rechtlich erlaubten Stellnetzlänge" ist also eine Mogelpackung. Das weiß auch der Minister, nur sagt er es nicht so laut.

Auch mit der Kürzung der "Schonzeiten" von vier auf zwei Monate im Sommer und dem Schutz von Seevögeln ausschließlich in Gebieten, die von den Fischern selbst (!) aufgrund eigener Beobachtungen von Seevögeln oder Schweinswalen benannt werden, stößt der grüne Minister seine Wähler und alle Wal- und Vogelfreunde vor den Kopf. Er wurde jedoch von Landtagsabgeordneten der CDU sehr für die Vereinbarung gelobt.

Schlimm ist auch die Signalwirkung für andere Bundesländer. So wird sich auf absehbare Zeit keine große Koalition für den Schweinswalschutz formieren.

Und das Geld fliegt zum Fenster raus
Nutznießer der Vereinbarung ist neben den Fischern das Ostsee-Info-Center Eckernförde, das für die Koordinierung und Umsetzung der freiwilligen Vereinbarung 95.000 € vom Minister erhält. Man fragt sich wofür, denn umzusetzen gibt es hier recht wenig. Bitter ist, dass diese Mittel für tatsächlichen und wirkungsvollen Schweinswalschutz nun nicht mehr zur Verfügung stehen.
München/Kiel, GRD-Presse, 15.01.2014

Nahaufnahme des des toten Weißen Schweinswals, der auf Fehmarn gefunden wurdePressemitteilung, 19.09.2013 - Am 08. September wurde bei der Marienleuchte auf Fehmarn gegen 12:00 Uhr ein toter weißer Schweinswal bei einem Spaziergang von Niels Ristau gefunden, der dies an die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und den für die Bergung Zuständigen meldete.

Noch im Januar erfreute die Meldung in den Medien über die extrem seltene Sichtung eines weißen Schweinswals bei Fehmarn die Öffentlichkeit. Mit einiger Wahrscheinlichkeit könnte es sich um das gleiche Individuum handeln.

Auch der GRD war im Vorjahr die Sichtung eines "weißen Wals oder Delfins in der Ostsee" - die Seglerin war sich nicht sicher - gemeldet worden. Weltweit wurden in den letzten 100 Jahren nur 14 Sichtungen von weißen Schweinswalen bekannt!

Opfer einer Schiffskollision?
"Mehrere tiefe Einschnitte vor allem im Schwanz des weißen Schweinswals könnten von einer Schiffsschraube herrühren. Doch ob die Kollision mit einem Schiff und die Verletzungen die Todesursache waren oder erst nach dem Tod passierten, ist noch nicht geklärt. Der Wal wurde aber wie alle Totfunde in Schleswig-Holstein für weitere Untersuchungen geborgen", erklärt Denise Wenger, Biologin der GRD. Es kann dann auch festgestellt werden, ob es sich um eine sehr helle Variante handelt oder um einen richtigen Albino, was aber bei Walen und Delfinen extrem selten ist.

Kein Schutz für unsere heimischen Wale
Die Schweinswale in der Ostsee sind stark gefährdet, eine genetisch unterschiedliche Population im Osten umfasst sogar nur noch etwa 300 Individuen und steht kurz vor dem Aussterben. Doch verenden viele der Wale als ungewollter Beifang in Grundstellnetzen. Auch der zunehmende Schiffsverkehr, die Verlärmung, der Bau von Offshore-Windparks und Munitionssprengungen bei der Verlegung von Unterwasserkabeln beeinträchtigen ihren Lebensraum und gefährden ihr Überleben. Die dringend notwendigen Schutzmaßnahmen für die Wale werden unverständlicherweise bislang nicht umgesetzt.

"Dass nun auch dieser seltene weiße Schweinswal tot aufgefunden wurde, ist sehr traurig und zeigt eigentlich, wie stark die Bedrohungssituation, wie hoch die Todesrate wirklich sein muss, zudem da seit dem Auffinden des weißen Wals weitere drei tote Schweinswale auf Fehmarn geborgen wurden. Es müssen dringend effektive Schutzmaßnahmen und selektive Fischereimethoden eingeführt werden, die Anrainerstaaten müssen endlich handeln!", fordert Denise Wenger.
Foto Copyright: Niels Ristau

In der Europäischen Union verkaufter Fisch stammt immer öfter aus Importen und ist zunehmend von minderwertiger Qualität. Verantwortlich dafür ist die Erschöpfung vieler europäischer Fischbestände durch Überfischung.

Zu dieser Erkenntnis kommt ein am 26.04.2012 von OCEAN2012 veröffentlichter Bericht. Dieser kritisiert darüber hinaus, dass in einigen Fällen Arten mit geringem Wert als höherwertige Fischprodukte vermarktet und gekennzeichnet werden, um den Verbraucher zu täuschen. "Indem man falsch gekennzeichnete Fischprodukte als am Markt wertvollen oder sogar als nachhaltig gefangenen Fisch verkauft, täuscht man bewusst die nichts ahnende Öffentlichkeit", sagt Nina Wolff, Meeresschutz-Expertin bei der Deutschen Umwelthilfe und Koordinatorin von OCEAN2012 in Deutschland.

"Unsere Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten wächst, während die Verfügbarkeit von lokal gefangenem Fisch aufgrund der Überfischung sinkt. So gelangen immer größere Mengen des preiswerteren Importfischs auf den EU-Markt, wo Billigfisch oft durch Verwendung falscher Bezeichnungen ,aufgewertet' wird." Zwar liegt der jährliche Fischkonsum pro Person in Deutschland mit aktuell knapp 16 Kilogramm unter dem EU-Durchschnitt. Doch auch hierzulande steigt die Nachfrage von Fischprodukten langfristig an. Das führt bei der Versorgung mit Seefisch zu Engpässen, die mit Aquakulturprodukten oder Fischimporten ausgeglichen werden.

Besonders der permanente Druck auf den Fischerei- und Verarbeitungssektor sowie den Einzelhandel, neue Quellen für Frischfisch zu finden und steigende Gewinne zu erzielen, schafft einen Anreiz, billigen Fisch falsch auszuweisen und als höherwertige Ware zu verkaufen. Das nicht vorhandene Wissen der Verbraucher über verschiedene Fischarten erleichtert die bewusst falsche Etikettierung zusätzlich. Viele verarbeitete Produkte, etwa Fischgerichte oder panierter Fisch aus dem Tiefkühl-Bereich, unterliegen nicht einmal der EU-weiten Kennzeichnungspflicht.

Für Erzeugnisse der Fischerei umfasst diese die Handelsbezeichnung (Fischart), die Produktionsmethode (Meer/Binnengewässer/Aquakultur) und das Fanggebiet der Ware. "Um nachzuvollziehen, ob es sich um ein naturverträgliches Fischprodukt handelt, sollte künftig zusätzlich die Angabe der Fangmethode verpflichtend sein", erklärt Nina Wolff. "Vor allem aber muss die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik für einen Wiederaufbau unserer lokalen Bestände sorgen."

Toter Großer Tümmler gestrandet auf einem Kiesstrand liegend

 

Erst waren es Hunderte Delfine, dann starben Tausende Pelikane und Seelöwen. Doch warum seit Jahresbeginn 2012 massenhaft Tierkadaver an Strände vom Norden Perus bis zur Hauptstadt Lima angespült werden, ist immer noch weitgehend rätselhaft, zumindest was den Tod der Delfine betrifft.

Mindestens 5000 Pelikane und andere Seevögel sind offensichtlich verhungert. Meist waren es junge Tiere, ihre Mägen mit nichts als Sand und Müll gefüllt, für Experten ein klares Zeichen, dass die Tiere verzweifelt und vergeblich nach Nahrung gesucht haben, bis sie keine Kraft mehr hatten und elendig starben.

Weitaus weniger eindeutig sieht es bei den mehreren Hundert toten Delfinen aus, die gleichfalls im Norden Perus an die Strände gespült wurden. Nicht nur, dass die Zahl der gestorbenen Meeressäuger recht spekulativ ist – so sprach die peruanische Umweltorganisation ORCA (Organization for Research and Conservation of Aquatic Animals) ursprünglich von über 3500 toten Delfinen. Auch über Todesursache herrscht weitgehend Unklarheit, allerdings gibt es eine starken Verdacht, was so viele Delfine mit den beschriebenen Verletzungen getötet haben könnte!

Rätsel um Ursache des Delfin-Massensterbens
ORCA vermutete, nach Untersuchungen einiger Kadaver, dass Tiefsee-Sonare, die zur Suche von Erdölfeldern eingesetzt wurden, für den Tod der Delfine verantwortlich sind. Die Delfine sollen an der Taucherkrankheit gestorben sein, so ein Vertreter von ORCA. Steigt ein Mensch beim Tauchen zu schnell auf, kommt es zu Gas- und Fettembolien. Eigentlich tritt die Taucherkrankheit bei Walen und Delfinen nicht auf, es wurden aber auch bei Walen, insbesondere bei Strandungen nach militärischem Sonareinsatz, ähnliche Symptome wie bei der Taucherkrankheit festgestellt.

Zusätzlich könnte der starke Unterwasserlärm auch direkt innere Verletzungen bei den Tieren verursacht haben. Spiegel-Online berichtet, dass Firmen in der betroffenen Region nach Ölvorkommen unterm Meeresboden suchen und dabei auch Sonare einsetzen. Peruanische Forscher haben einige der Kadaver untersucht. Doch wichtige Spuren gingen dabei verloren. Jetzt müssen erneut Gewebeproben entnommen werden, um der Todesursache auf die Spur zu kommen.

Die in Peru tätigen Energieunternehmen bestreiten denn auch, für das Massensterben der Delfine verantwortlich zu sein. Zwar gab die amerikanische BPZ Energy zu, die berüchtigten 3-D-Seismik zur Suche nach Erdölvorkommen eingesetzt zu haben, doch die ersten Delfinkadaver wurden schon vor deren Einsätzen an die Strände geschwemmt. Der Präsident von ORCA wies zusätzlich darauf hin, dass eine derart große Zahl toter Meeressäuger auch ursächlich auf eine Morbillivirus-Epidemie oder eine andere virale Infektion zurückzuführen sein könnte. Anfang der 1990er-Jahre starben im Mittelmeer mindestens 1.200 Blau-Weiße Delfine (Stenella coeruleoalba) durch eine Infektion mit dem gefährlichen Morbillivirus.

Die Opfer: Langschnäuzige Gemeine Delfine und Burmeister-Schweinswale
Hauptsächlich sind zwei Arten von dem Massensterben betroffen: Langschnäuzige Gemeine Delfine (Delphinus capensis) und Burmeister-Schweinswale (Phocoena spinipinnis), wobei ganz überwiegend Langschnäuzige Gemeine Delfine gefunden wurden. Bei den angeschwemmten Delfinen waren alle Altersstufen beiderlei Geschlechts vertreten (neugeborene Kälber, Jungtiere, Erwachsene), während bei den Burmeister-Schweinswalen nur Weibchen mit ihren Jungtieren gefunden wurden. Die Kadaver wiesen ganz unterschiedliche Stadien der Verwesung auf, manche Tiere waren offensichtlich nur wenige Stunden, bevor sie gefunden wurden, gestorben. Einige Tiere wurden, so ORCA, von der lokalen Bevölkerung ausgeweidet und das Fleisch als Nahrung genutzt, entsprechend zugerichtete Delfinleichen fand man im Sand vergraben am Strand.

Nach Angaben von ORCA soll es in den vergangenen 100 Jahren noch nie so viele gestrandete Delfine in Peru gegeben haben. Fraglich bleibt dabei, ob solche Daten in Peru derart weit in die Vergangenheit reichend überhaupt erhoben wurden. Allerdings hat es noch nirgendwo auf der Welt jemals eine so gewaltige Zahl gestrandeter toter Meeressäuger, wie jetzt in Peru, gegeben - falls es wirklich über 3000 gewesen sind, denn es handelt sich bei dieser Zahl lediglich um eine Hochrechnung!

Zweifel an der Darstellung von ORCA
Wenige Tage nach den ersten Meldungen wurden begründete Zweifel an der Darstellung von ORCA laut. So stellt David Williams von der Deafwhale Society (deafwhale.com) nicht nur die Zahl von über 3000 getöteten Delfinen in Frage - er schätzt, dass es höchstens 300 gewesen sind - sondern auch die Ursache für die Massenstrandung. "Es gibt nichts, das über 3.000 Delfine in derart kurzer Zeit töten und die Kadaver dann auf einen Küstenabschnitt von 200 Meilen Länge verteilen kann", erklärt Williams. Mittlerweile geht man von 900 bis 1000 toten Delfinen aus, die an den Stränden der Regionen Tumbes, Piura und Lambayeque gestrandet sind.

Große Verwirrung
Die Bevölkerung soll sich, so der Rat lokaler Behörden, von den Stränden fernhalten und möglichst auf den Verzehr von Fisch verzichten – was fatale Folgen für den Tourismus hat. Doch Perus stellvertretender Umweltminister Gabriel Quijandrìa beschwichtigt, es gäbe keine Probleme mit den Fischen, auch eine Virusbelastung des Meerwassers läge nicht vor, das Essen von Meerestieren sei sicher, es gäbe keinen Grund zur Panik, man müsse jetzt auf die Ergebnisse der Untersuchungen warten. Allerdings rät das Gesundheitsministerium Lima von einem Bad im Pazifik vorläufig ab, die Verwirrung im Land ist groß.

Haben rücksichtslos operierende Dynamitfischer die Delfine getötet?
Dynamitfischer in der Supay Bucht.Am ehesten dürfte Dynamitfischerei durch lokale Fischer als Ursache für das Massensterben der Delfine in Frage kommen, denn bei einem sich nähernden Seismik-Explorationsschiff hätte sich der Großteil der Meeressäuger durch Flucht retten können. Auch andere mögliche Ursachen wie Meeresbeben, militärische Sonare oder ein Meteoriteneinschlag kommen als Ursache nicht in Frage. Die beschriebenen Verletzungen der Delfine und die große Zahl gleichzeitig getöteter Tiere lässt sich am ehesten durch den Einsatz von Dynamit schlüssig erklären.

So ist man denn auch im peruanischen Umweltministerium sicher, dass es keinen Zusammenhang gibt, zwischen dem Sterben der Seevögel und jenem der Delfine. Die Vögel sind wohl verhungert, weil sich in kurzer Zeit das Meerwasser an der Küste um bis zu 8 Grad erwärmte. Als Folge tauchten Sardellenschwärme in tiefere Gewässer ab oder schwammen weiter in den Süden. Den Pelikanen ist die Nahrung davongeschwommen, und zwar so schnell, dass sie keine Chance hatten, sich umzuorientieren.

Wenn sich die wahrscheinlich von dem Wetterphänomen El Niño ausgelöste Situation nicht ändert, könnte es auch andere Arten hart treffen, vor allem die Pinguine. Ihr Bestand in Peru soll sich zuletzt auf über 11.000 vergrößert haben. Bei den Delfinen dagegen gibt es immer noch mehr Fragen als Antworten, allerdings einen ganz starken Verdacht: Rücksichtlose Dynamitfischer haben die Delfine getötet! Dynamitfischerei ist in Peru nach wie vor ein großes Problem. Ihre Bekämpfung ist wichtiger Schwerpunkt unseres Delfinschutzprojekts im Süden des Landes bei der Paracas-Halbinsel.
GRD-Presse, 14. Mai 2012

Viele tote Haie liegen auf einem Haufen aufeinandergestapelt, Süd-Afrika. 09.07.2012 - Angesichts überfischter Weltmeere und der damit bedrohten Lebensgrundlage von Millionen Menschen hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in ihrem Jahresbericht zur Fischerei die Regierungen zu einer nachhaltigen Fischereipolitik aufgerufen.

Nach wie vor sind nahezu 30 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt, 57 Prozent befinden sich an der Grenze ihrer maximaler Ausbeutung. Lediglich 13 Prozent der weltweiten Fischbestände sind derzeit noch nicht voll ausgebeutet. Hinzu kommt, dass etwa 40 Prozent aller weltweiten Fänge sogenannter unerwünschter "Beifang" sind (darunter Hunderttausende Wale und Delfine), der tot wieder im Meer entsorgt wird. Die industrielle Fischerei ist die mit Abstand größte Gefahr für das Überleben der Delfine in den Weltmeeren.

Typisches Beispiel: Der EDEKA/WWF-Thunfisch-Skandal
Verpackung des EDEKA-Thunfischs, bei dessen Fang jährlich etwa 1.200 Delfine als Beifang grausam getötet werden. Ein typisches Beispiel hierfür war der EDEKA/WWF-Skandal um angeblich nachhaltig gefangenen Thunfisch, bei dessen Fang jedes Jahr über 1.000 Delfine einen grausamen Beifangtod starben, wobei Experten von einer weit höheren Dunkelziffer sprechen. Die intelligenten Meeressäuger ertrinken langsam und äußerst qualvoll in den Ringwadennetzen der Fangschiffe, deren Thunfisch-Filets dann nett etikettiert als "naturschonend und selektiv gefangen" von EDEKA in Deutschland verkauft wurden.

Erst nach massiven Protesten der GRD erklärte sich EDEKA im April 2012 bereit, die Ware mit den unsäglichen "in Kauf zu nehmenden Delfinbeifängen beim Thunfischfang" nicht mehr zu beziehen.

Neuer Jahresfangrekord trotz schrumpfender Bestände
Zwar hat die Fischfangindustrie mit 128 Millionen Tonnen Fisch einen Jahresfangrekord aufgestellt und ermöglicht etwa 55 Millionen Menschen ein Einkommen, doch die Fischereiindustrie steht vor massiven Problemen: ungenügende Steuerung des weltweiten Fangs, Schwächen im Management oder Streit über die Nutzung der vorhandenen Fisch-Ressourcen.

"Überfischung hat aber nicht nur negative ökologische Folgen, sie verringert auch die Produktion, was auch negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen hat", so die FAO. Für den alle zwei Jahre erscheinenden Weltfischereibericht wertete die FAO Daten zu 395 Beständen aus, die 70 Prozent des Weltfischfangs repräsentieren. Nur durch ein wirksames Fisch-Management hätten die erschöpften und überfischten Bestände eine Chance, sich erholen zu können, sagt Arni M. Mathiesen, Chef der FAO-Abteilung für Fischerei und Fischzucht. Besonders die EU steht hier in der Verantwortung. Nirgendwo sonst auf der Welt werden die Meere derart stark ausgebeutet, drei von vier wirtschaftlich genutzten Fischbeständen in der EU sind überfischt.

Der Bedarf für Fisch wächst weltweit
Laut den Analysen der FAO stieg der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch auf die höchste je ermittelte Menge von 18,4 Kilogramm. Diese ständig wachsende Nachfrage wird in Zukunft nicht mehr gestillt werden können, zu viele Fischbestände befinden sich am Rande der Erschöpfung und drohen zusammenzubrechen. Meeresschützer fordern seit Langem einen Paradigmenwechsel in der Fischereipolitik. Mehr Schutzgebiete und fischereifreie Zonen, umweltfreundliche und nachhaltige Fangtechniken und eine massive Verkleinerung der Fangflotten sind erforderlich, um der Krise zu begegnen, die in Europa besonders drastisch ist.

Weniger Fisch für mehr Leben in den Meeren
Zum Schutz von Delfinen und anderen Meeressäugetieren sollte man generell weniger Fisch essen und auf Fischarten verzichten, deren Fischerei unselektiv und mit einer hohen Beifangrate verbunden ist.

Logo SAFELogo FoS, Friend of the SeaGreifen Sie unbedingt auf nachhaltig gefangene Produkte, z.B. von Friend of the Sea (FoS) oder bei Dosenthunfisch auf delfinsichere Produkte mit dem Label SAFE zurück.

 

⇒ State of World Fisheries and Aquaculture 2012

Die vor den Küsten Westafrikas in großem Maßstab fischenden Piratenfischer dürfen ihre Fänge ganz legal in die EU exportieren. Dies enthüllte die britische Umweltorganisation Environmental Justice Foundation (EJF) Anfang Oktober mit ihrem Bericht "Pirate Fishing Exposed".

Laut EJF, die zwei Jahre lang die Situation vor Westafrika untersuchte, ist der Anteil der IUU-Fischerei (illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei) in Westafrika mit bis zu 37 Prozent der in den dortigen Küstengewässern gefangenen Fischmenge am höchsten. Die skrupellosen Piratenfischer dringen unerlaubt in die Küstengebiete vor, greifen dort lokale Fischer an, verweigern die Zahlung von Strafen und plündern hemmungslos die Fischbestände einiger der ärmsten Länder Welt.

Dass ausgerechnet Westafrika besonders stark unter der IUU-Fischerei leidet, ist nicht erstaunlich. Den staatliche Institutionen fehlt es an allem, um eine angemessene Kontrolle ihrer Fanggebiete und den Schutz der eigenen Fischerboote sicherzustellen oder lassen sich nur allzu gerne korrumpieren.

EJF kritisiert die EU-Regelung, welche seit 2010 den Import von illegal gefangenem Fisch verhindern soll und die Tatenlosigkeit der Behörden, scharf. "Die EU verlässt sich allzu gutgläubig auf die Versicherungen der Staaten, unter deren Flagge illegal gefischt wird", beklagt EJF-Geschäftsführer Steve Trent. "Die Behörden, die in europäischen Häfen angelandeten Fisch kontrollieren, haben nur sehr wenige verlässliche Informationen über das was wirklich dort passiert, wo der Fisch gefangen wurde".

Ein Sprecher von EU-Fischereikommisarin Maria Damanaki zeigte sich angesichts der EJF-Enthüllungen besorgt. Falls sich die Informationen des Berichts bewahrheiten, würden die betreffenden Fangschiffe keinen Fisch mehr in europäischen Häfen anlanden und diese auch nicht mehr anlaufen dürfen.
U.Karlowski, 11.10.2012

Ein Blauflossenthun auf einem Fischmarkt in Japan05.01.2013 - Eine japanische Sushi- Restaurantkette hat bei einer Auktion auf dem Tsukiji-Fischmarkt (Tokio) einen 222 Kilogramm schweren Blauflossen-Thunfisch für umgerechnet etwa 1,3 Millionen Euro ersteigert.

Ein Kilogramm von diesem einen Thunfisch kostet über 6000 Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Kilogramm Thun vom bisherigen Rekordhalters aus dem vergangen Jahr als ein Bluflossenthun auf dem Tsukiji-Fischmarkt für umgerechnet etwa 540.000 Euro versteigert wurde.

Blauflossenthune, zu denen auch der im Mittelmeer noch vorkommende Rote Thun (Thunnus thynnus) zählt, werden fast ausschließlich für den japanischen Markt gefangen, als Frischfisch für Sushi oder Sashimi.

Die gravierende Überfischung dieser Thunarten hat dazu geführt, dass alle drei Arten stark gefährdet und vom Aussterben bedroht sind. Der Südliche Blauflossenthunfisch (Thunnus maccoyii) ist dabei die am stärksten überfischte Thunfischart überhaupt. Die Art steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) mit dem Status: "Critically Endangered" (extrem hohes Risiko des baldigen Aussterbens).
U.Karlowski

Viele tote Haie liegen auf einem Haufen aufeinandergestapelt, Süd-AfrikaJährlich werden über 38 Millionen Haie wegen ihrer Flossen abgeschlachtet: Bei der gezielten Haiflossen-Fischerei, dem sogenannten "Shark Finning", schneiden Fischer den Haien direkt nach dem Fang die Flossen ab, dann werfen sie die schrecklich verstümmelten und nicht mehr schwimmfähigen Tiere zurück ins Meer, wo sie langsam verenden.

Wissenschaftler schätzen, dass jährlich 38 Millionen Haifische nur wegen ihrer Flossen getötet werden.

Meeresschützer und Wissenschaftler befürchten schon lange, dass angesichts der stark gestiegenen Fänge und der sehr langsamen Reproduktionsrate dieser Knorpelfische – Haie haben nur wenig Nachwuchs und bei vielen dauert es bis zu 25 Jahre bis sie geschlechtsreif sind – den vollständigen Zusammenbruch der Bestände bestimmter Arten.

Erstes Opfer könnte der Blauhai sein. Durch seinen hohen Harnstoffgehalt riecht und schmeckt ihr Fleisch stark nach Ammoniak, wenn es nicht unmittelbar nach dem Fang verarbeitet wird. Da dies den Fischern zu mühselig ist, schneiden sie stets nur die Flossen ab, fast 99 % eines jeden Blauhais verschwinden so ungenutzt wieder im Ozean.

Haiflossen gehören bei Preisen von über 200 Dollar pro Kilo zu den teuersten Fischprodukten überhaupt. Doch die Nachfrage übertrifft das Angebot bei weitem. In über 125 Länder werden Haiflossen verkauft, größter Absatzmarkt ist Hong Kong, wo die Flossen als Delikatesse und Statussymbol gelten. Dort kann eine Schale Haifischflossensuppe von bestimmten Arten bis zu 400 Euro kosten. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre können immer mehr Menschen Haiflossenprodukte kaufen, während dies früher nur einer kleinen wohlhabenden Bevölkerungsschicht vorbehalten war.

Auch Heilmittel aus Haiknorpel werden immer beliebter und heizen die Nachfrage weiter an, obwohl eine Wirkung der als Wundermittel gegen Krebs angepriesenen Pülverchen bis jetzt nicht bewiesen werden konnte.

Bereits 1994 warnten Experten auf der neunten Internationalen Artenschutzkonferenz in Fort Lauderdale vor der drohenden Ausrottung vieler Hai-Arten, geschehen ist seitdem allerdings herzlich wenig. Und so kämpfen diese den Delfinen in Sachen Unterwassermanövrierfähigkeit in nichts nachstehenden Knorpelfische heute, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, weiter um ihr Überleben.
© U. Karlowski
© Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank

Ein Dorsch im Kieler AquariumÖkologisch katastrophal, wirtschaftlich unsinnig, aus demokratischer Sicht fragwürdig – so beschreibt der Fischereibiologe Dr. Rainer Froese vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) im international renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature" die europäische und deutsche Fischereipolitik der vergangenen Jahrzehnte. Dabei sind Alternativen schon lange bekannt.

Wirtschaftlicher Erfolg mit hohen Umweltschutzstandards – die EU und speziell Deutschland sehen sich in diesem Bereich gern als globale Vorreiter. Dr. Rainer Froese, Fischereibiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und Mitglied im Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft", kommt in Bezug auf die Fischereipolitik jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis.

Eine starre Allianz aus Lobbygruppen, Landwirtschaftsministerien und nationalen Fischereiverwaltungen habe seit Jahrzehnten echte Reformen verhindert, schreibt Froese im weltweit renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature". Darin stellt er Ergebnisse der fachübergreifenden Forschungen im "Ozean der Zukunft" zum Fischereimanagement in Europa vor. Sein Fazit: Die gemeinsame Fischereipolitik Europas hält die Fischbestände vorsätzlich an der Grenze zum Kollaps. "Das schadet letztendlich allen: Fischbestände stehen vor dem Zusammenbruch, Fischer haben Mühe, die wenigen verbleibenden Fische zu fangen, und Verbraucher zahlen für ihren Speisefisch doppelt, weil ohne hohe Subventionen aus Steuergeldern Fischerei nicht mehr rentabel wäre", erläutert Froese.

Nicht nur mit der Fischereipolitik der EU, sondern auch mit der deutschen geht Froese hart ins Gericht. "Den ,deutschen’ Fischen geht es oft noch schlechter als ihren Nachbarn", sagt der Fischereibiologe. "Kabeljau und Hering in der deutschen Bucht geht es beispielsweise schlechter als dem Kabeljau in der Barentssee oder dem Hering vor der norwegischen Küste. Und Dorsch und Hering an der deutschen Ostseeküste geht es schlechter als dem Dorsch in der restlichen Ostsee und dem Hering in der Bothnischen See. Die Ursache liegt in dem weit überhöhten Fischereidruck auf die deutschen Bestände, den Deutschland Jahr für Jahr auf Drängen der Fischereilobby in Brüssel durchgesetzt hat."

Dabei hatte Froese zusammen mit Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern des "Ozeans der Zukunft" bereits in den vergangenen Jahren Pläne vorgelegt, die eine Erholung der Fischbestände mit einem gesteigerten Ertrag für die Fischer verbinden. "Beispiele aus Neuseeland, Australien und den USA zeigen, dass es funktioniert", betont Froese.

Am 13. Juli 2011 wird die Europäische Kommission ihre Vorstellungen zur Reform dieser Fischereipolitik vorlegen. Nach Einschätzung von Froese ist der Reformvorschlag ein großer Schritt in die richtige Richtung, da er auf eine Erholung der Bestände und die Abschaffung unsinniger Vorschriften zielt. So sollen die Fischer nicht mehr gezwungen werden, gute Speisefische aus rein bürokratischen Gründen tot über Bord zu werfen.

Allerdings geht Froese die Reform nicht weit genug: "Eine vollständige Erholung der Bestände und Gesundung der Fischerei wird mit den vorgeschlagenen Fangregeln nicht möglich sein. Man hat es versäumt, von den gelungenen Fischereireformen in Neuseeland, Australien und USA zu lernen." Froese befürchtet, dass die positiven Elemente des Reformvorschlags der EU-Kommission von den Landwirtschaftsministern entkräftet werden. "Denn es ist der Ministerrat, der die europäische Fischereipolitik bestimmt, die bisherige und die zukünftige."
Quelle: IFM-GEOMAR, 06.07.2011, Kiel
Foto: Gulyas/Paasch, IFM-GEOMAR

Ein toter Delfin treibt in der Adria.Britische Forscher hatten Anfang 2016 eine groß angelegte Studie veröffentlicht, die die großflächige Vergiftung von Delfinen in europäischen Gewässern mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) dokumentierte. Jetzt haben die französische Ökotoxikologin Cyrielle Zanuttini und ihre Kollegen vergleichbare Werte bei Delfinen aus dem Ärmelkanal festgestellt.

Besorgniserregend hohe Konzentrationen von Quecksilber und PCB
Laut der Studie, die am 2. September 2016 im nordfranzösischen Cherbourg vorgestellt wurde, sind die Ärmelkanal-Delfine durch hohe Konzentrationen hoch giftiger PCBs und Quecksilber belastet. Bei rund 400 untersuchten Tieren stellten die Wissenschaftler 1,4 Mal mehr PCB fest als eine vergleichbare Untersuchung aus dem USA gezeigt hatte. Auch die gemessenen Quecksilber-Konzentrationen seien besorgniserregend hoch, warnte Zanuttini.

Umweltgift PCB gefährdet Überleben von Delfinen in Europa
Zanuttini kommt damit zu ähnlichen Ergebnissen wir die der britische Zoologe Paul Jepson und sein Team von der Zoologischen Gesellschaft in London. Sie hatten im Rahmen einer 25-jährigen Studie bei Großen Tümmlern, Streifendelfinen, Orcas und Schweinswalen aus ganz Europa erschreckend hohe PCB-Werte gemessen. Als besonders belastet erwiesen sich Delfinarten im Mittelmeer. Die Konzentrationen lagen hier von 50 bis zu 350 Milligramm PCB pro Kilo Körpergewicht. Selten lagen die Messwerte darunter. Spätestens ab 40 Milligramm pro Kilo wird es für den betroffenen Organismus gefährlich.

Lautloser Killer
PCB verringert u.a. die Fruchtbarkeit. Die Tiere haben wesentlich seltener Nachwuchs, der dann auch noch mit einer lebensbedrohlichen, schleichenden Vergiftung zu kämpfen und kaum Überlebenschancen hat. Als Säugetiere geben Delfinmütter über die Muttermilch bis zu 90 Prozent aller gespeicherten Schadstoffe an ihren Nachwuchs weiter. Zusätzlich führen hohe PCB-Belastungen zu einem erhöhten Infektionsrisiko durch Schwächung des Immunsystems und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Das "Dreckige Dutzend" hochgefährlicher Umweltgifte
BiohazardPCBs, oder Polychlorierte Biphenyle, sind organische Chlorverbindungen. Sie gehören zum sogenannten "Dreckigen Dutzend" krebserregender und hochgiftiger Umweltgifte. Seit 2001 ist ihre Verwendung weltweit verboten, in Europa kamen sie schon seit den 1980er-Jahren kaum noch zum Einsatz. Sie waren beispielsweise in Weichspülern, Flammschutzmitteln oder Farben enthalten. PCB in der Natur nur sehr langsam abgebaut werden, reichern sie sich in den Nahrungsnetzen an. Man findet sie folglich auch in Gebieten, wo sie niemals zum Einsatz kamen, wie im arktischen Eis.

Trotz Verbots gelangen PCB weiterhin in die Umwelt
Ein Gemeiner Delfin springt aus dem Wasser.Erschreckend an beiden Studien ist, dass PCB, obwohl ihr Einsatz seit 15 Jahren verboten ist, in Europa offensichtlich immer noch in großen Mengen in die Umwelt gelangen. Die Forscher vermuten, dass durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Altlasten große Mengen des Giftes in die Meeresumwelt gelangen. So soll es in der EU rund 1,1 Millionen Tonnen mit PCB kontaminiertes Material geben, das noch entsorgt werden muss, vor allem in Spanien und Frankreich.

Bei Orcas und Delfinen, die an den Küsten Nordamerikas leben, sind die PCB-Werte bereits gesunken. Dagegen gibt es für Europa keinen Grund zur Entwarnung, im Gegenteil.

Wissenschaftler und Meeresschützer fordern jetzt dringend Maßnahmen, die den PCB-Eintrag in europäische Gewässer reduzieren, damit Delfine in Europa langfristig eine Überlebenschance haben.
Ulrich Karlowski, September 2016

 

Weitere Informationen:

⇒ "Erst stirbt der Delfin – dann der Mensch" - Quecksilberverseuchte Meerestiere bedrohen Gesundheit von Millionen Menschen
von Michael Odenwald auf Focus Online

⇒ Umweltgift PCB gefährdet Überleben von Delfinen in Europa

⇒ Gesundheitsbehörde der Färöer rät dringend vom Grindwalfleischverzehr ab!

⇒ Themenseite Meeresverschmutzung

⇒ UBA-Publikation "Dioxine und dioxinähnliche PCB in Umwelt und Nahrungsketten"

 

SchwertwaleGroße Tümmler, Orcas und andere Delfinarten in europäischen Gewässern sind hochgradig mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) vergiftet, und zwar so stark wie nirgendwo sonst. Zu diesem erschreckenden Fazit kommt der neue Scientific Report des Zoologen Paul Jepson und seiner Kollegen von der Zoologischen Gesellschaft in London.

Über 25 Jahre hinweg untersuchten Jepson und sein Team 1.081 Große Tümmler, Streifendelfine, Orcas und Schweinswale. Es handelte sich zum Großteil um gestrandete Tiere, 150 Meeressäuger wurden lebend untersucht.

Das "Dreckige Dutzend" hochgefährlicher Umweltgifte
BiohazardPCBs, oder Polychlorierte Biphenyle, sind organische Chlorverbindungen. Sie gehören zum sogenannten "Dreckigen Dutzend" krebserregender und hochgiftiger Umweltgifte. Seit 2001 ist ihre Verwendung weltweit verboten, in Europa kamen sie schon seit den 1980er-Jahren kaum noch zum Einsatz. Sie waren beispielsweise in Weichspülern, Flammschutzmitteln oder Farben enthalten und beeinträchtigen das Immunsystem, die Fortpflanzung und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Da PCBs in der Natur nur sehr langsam abgebaut werden, reichern sie sich in den Nahrungsnetzen an. Man findet sie folglich auch in Gebieten, wo sie niemals zum Einsatz kamen, wie im arktischen Eis.

Besondere Gefahr für Meeressäuger
Die im Fettgewebe der Meeressäuger festgestellten PCB-Werte liegen weit über den als giftig geltenden Konzentrationen. Als besonders belastet erwiesen sich Orcas, Große Tümmler und Streifendelfine aus dem Mittelmeer. Die Konzentrationen lagen hier von 50 bis zu 350 Milligramm PCB pro Kilo. Selten lagen die Messwerte darunter. Spätestens ab 40 Milligramm pro Kilo wird es für den betroffenen Organismus gefährlich. Nur bei Schweinswalen fanden sich meist deutlich niedrigere Werte.

Adria-Patendelfin Crta mit Nachwuchs.PCB verringert die Fruchtbarkeit. Die Tiere bekommen wesentlich seltener Nachwuchs, der dann auch noch mit einer lebensbedrohlichen, schleichenden Vergiftung zu kämpfen und kaum Überlebenschancen hat. Als Säugetiere geben Delfinmütter über die Muttermilch bis zu 90 Prozent aller gespeicherten Schadstoffe an ihren Nachwuchs weiter. Zusätzlich führen hohe PCB-Belastungen zu einem erhöhten Infektionsrisiko durch Schwächung des Immunsystems.

Besonders fatal ist dies für Tierarten mit einer sowieso schon niedrigen Reproduktionsrate, wie bei Meeressäugern oder Haien. Für die Forscher ist PCB damit ein Top-Kandidat bei der Ursachensuche nach Populationsrückgängen vieler Meeressäugerarten und die ausbleibende Erholung der Bestände.

Trotz Verbots gelangen PCBs weiterhin in die Umwelt
Erschreckend an der Studie ist, dass PCBs, obwohl ihr Einsatz seit 15 Jahren verboten ist, in Europa offensichtlich immer noch in die Umwelt gelangen. Die Forscher vermuten, dass auch heute noch durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Altlasten große Mengen des Giftes in die Meeresumwelt gelangen. So soll es in der EU rund 1,1 Millionen Tonnen mit PCB kontaminiertes Material geben, das noch entsorgt werden muss, vor allem in Spanien und Frankreich.

Bei Orcas und Delfinen, die an den Küsten Nordamerikas leben, sind die PCB-Werte bereits gesunken. Dagegen gibt es für Europa keinen Grund zur Entwarnung, im Gegenteil. Hier fanden sich besonders im westlichen und zentralen Mittelmeer, im Golf von Cadiz, in der Straße von Gibraltar und im Atlantik südwestlich der Iberischen Halbinsel wahre PCB-Hotspots, mit Messwerten, die alles bisher von Meeressäugern Bekannte in den Schatten stellten.

Jepson und seine Kollegen fordern von der EU jetzt dringend Maßnahmen, die den PCB-Eintrag in europäische Gewässer reduzieren, um die Delfine im Mittelmeer und im Nordost-Atlantik vor dem Aussterben zu bewahren.
Ulrich Karlowski, Januar 2016

Weitere Informationen:

⇒ Auch im Ärmelkanal sind Delfine durch Schadstoffe gefährdet

⇒ Gesundheitsbehörde der Färöer rät dringend vom Grindwalfleischverzehr ab!

⇒ Scientific Reports: PCB pollution continues to impact populations of orcas and other dolphins in European waters

⇒ UBA-Publikation "Dioxine und dioxinähnliche PCB in Umwelt und Nahrungsketten"

 

Ein Gestrandeter Großer Tümmler liegt tot auf einem vermüllten Sandstrand.780 tote Delfine: Der Tod zahlreicher Delfine im Golf von Mexiko ist auf die Ölkatastrophe durch die Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" im vergangenen Jahr zurückzuführen.

Laut einer Studie von US-Wissenschaftlern und nach Angaben der US-Behörden wurden seit Jahresanfang bereits 84 tote Delfine gefunden, 2011 starben 362 Delfine und von Februar bis Dezember 2010 fand man 260 tote Tiere an den Küsten von Florida, Labama, Mississippe und Lousiana. Auffällig waren die vielen toten Delfinbays. Es wurden zehn Mal so viel tote Delfin-Babys angespült wie in den Jahren vor der Ölkatastrophe.

In den Jahren vor der Explosion der"Deepwater Horizon" lag der Durchschnittswert bei 74 toten Delfinen im Jahr. Allein in Louisiana, dem am stärksten betroffenen Gebiet, stieg die Zahl tot angeschwemmter Meeressäuger von einem Jahresdurchschnitt von 20 vor der Katastrophe auf 138 in 2010 und 159 in 2011. Insgesamt verendeten vor der Küste Lousianas in den letzten zwei Jahren damit fast 16-mal so viele Delfine wie sonst in einem Jahrzehnt.

Mittlerweile sehen Experten einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Ölkatastrophe im vergangenen Jahr einerseits und dem massiven Einsatz chemischer Dispersionsmittel, die zur Zersetzung des ausgelaufenen Öls eingesetzt wurden. Die toten Delfine wurden in Gebieten gefunden, die besonders stark von der Ölpest betroffen waren.

Bei dem Versuch das Öl zu binden wurden große Mengen hochgiftiges Corexitin eingesetzt. Kritiker hatten vor dem Einsatz dieses Bindemittels wegen seiner Toxizität gewarnt. Das Gift könnte sich bei den Delfinmüttern über die Nahrungskette angereichert und die wachsenden Embryos langsam vergiftet haben.

Im Golf von Mexiko leben nach Angaben des Institute for Marine Mammal Studies zwischen 2000 und 5000 Delfine. Im Frühjahr ist die Fortpflanzungszeit und in diesen Zeitraum fällt auch die Explosion der"Deepwater Horizon" (20.04.2010). Die Tragzeit der Meeressäuger liegt bei elf bis zwölf Monaten und dementsprechend kamen bis in den April 2011 hinein ihre Jungen zur Welt. Und so begann fast ein Jahr nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ein großes Delfinsterben.

Das aus dem leckgeschlagenen Bohrloch ausgetretene Öl, man schätzt, dass es 780 Millionen Liter waren, war in dichten Schwaden durch den Golf von Mexiko gezogen und so auch in die Buchten und in flachen Gewässer gelangt, in denen die Delfine ihre Jungen gebären.
© U.Karlowski, 01.04.2012

Karte Lärmverschmutzung im Mittelmeer.Im Mittelmeer herrscht zu viel Lärm. Dies wird besonders für die sich vornehmlich akustisch orientierenden Delfine und Wale zu einer immer bedeutender werdenden Überlebensfrage. In vielen Lebensräumen herrscht ein infernalisch hoher Lärmpegel. Die Ursachen sind hausgemacht: Seismische Untersuchungen für die Suche nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten, der stark gestiegene Schiffsverkehr sowie Marinemanöver, bei denen Hoch- und Mittelfrequenzsonare zur U-Boot-Suche eingesetzt werden.

Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA stellten ihre Ergebnisse nach zehnjähriger Analyse im Januar 2016 in einer "Übersicht der Lärm-Hotspots im Mittelmeer" vor. Der Bericht beschreibt die zeitlich-räumliche Entwicklung des Unterwasserlärms im Mittelmeer und ist die erste flächendeckende Erhebung zur Dichte lärmintensiver Aktivitäten nebst der Kartierung der Lärmquellen. Es wurden Daten von 1446 Häfen, 228 Ölplattformen, 830 seismischen Explorationsgebieten, 7 Millionen Schiffspositionen, 52 Windfarmprojekten sowie offiziell zugänglichen Angaben zu militärischen Aktivitäten analysiert.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten
Besorgniserregend ist dabei die Zunahme seismischer Aktivitäten mit sogenannten Airguns (Schallkanonen oder Luftpulser) zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen. 2005 waren nur etwa 3,8 % der Oberfläche des Mittelmeeres diesen extrem schallintensiven Explorationen ausgesetzt, bis 2013 stieg die derart beschallte Fläche auf 27 %. Die Auswertung zeigt auch, dass im Mittelmeer zu jedem Zeitpunkt die Motoren vom durchschnittlich mindestens 1.500 größeren Schiffen dröhnen. Nicht einberechnet werden konnten die unzählbaren Freizeitschiffe und kleinen Fischerboote.

Das ernüchternde Ergebnis:
Selbst in bereits ausgewiesenen Schutzzonen sowie in Kernzonen, die besonders wichtig für Meeressäuger sind, ist es viel zu laut: Im Meeressäugerschutzgebiet Pelagos im Ligurischen Meer, in der Straße von Sizilien, in Teilen des Hellenischen Grabens, aber auch in den Gewässern zwischen den Balearen und dem spanischen Festland.

Regierung Spaniens hat Bedrohung erkannt
Das spanische Umweltministerium kündigte an, dass die Gewässer zwischen den Balearen und dem spanischen Festland als Migrationskorridor für Wale und Delfine unter Schutz gestellt werden sollen. Dies hätte auch ein striktes Management lärmintensiver Aktivitäten zur Folge. Der Report wurde vom Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen im Schwarzen Meer, Mittelmeer und angrenzenden Atlantikgebiet (ACCOBAMS) in Auftrag gegeben. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen Problemzonen sowie weiterer Forschungsbedarf und mögliche Schutzmaßnahmen identifiziert werden.
Ulrich Karlowski, Januar 2016
Karte der Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS

 

Offshore Windpark vor Norfolk in der Nordsee. Pressemitteilung, 04.06.2015 - Der forcierte Aufbau von Offshore-Windkraftparks in Nord- und Ostsee führt zu massiven Umweltschäden durch die Sprengung von versenkten Munitionsaltlasten. Davor warnt die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD).

Experten schätzen, dass während und nach dem 2. Weltkrieg rund 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten in deutschen Gewässern versenkt wurden. Heute, siebzig Jahre später, ist die vor sich hin rottende Munition ein gewaltiges Umweltproblem.

Meeressäuger durch Sprengungen besonders gefährdet
Neben der offensichtlichen Gefahr einer großflächigen toxischen Belastung mit Munitionsinhaltsstoffen ergibt sich für alle Meerestiere, insbesondere für Meeressäugetiere wie die vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswale, eine besondere Gefahr, denn üblicherweise wird marine Großmunition gesprengt. Noch in einer Entfernung von mehreren Kilometern kann dies für einen Schweinswal tödlich sein: Lungenrisse, Blutungen in Ohr oder Gehirn oder Hörschäden werden durch die Schockwelle einer Unterwasserexplosion hervorgerufen.

Deutlich mehr Vernichtungssprengungen durch Ausbau der Offshore-Windkraft
So beobachten Umweltschützer mit Sorge eine Zunahme von Vernichtungssprengungen beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen. "Es wird verstärkt nach Munition gesucht, damit die teure Infrastruktur der Anlagen nicht gefährdet wird. Marine Großmunition wie Minen, Torpedos und Wasserbomben ist auch außerhalb der bekannten Versenkungsgebiete fast überall in Nord- und Ostsee zu erwarten", warnt der GRD-Experte und Meeresbiologe Sven Koschinski.

Wurden 2012 in der Nordsee noch 10 "Vernichtungssprengungen" registriert, waren es 2014 in den Windpark-Baufeldern oder auf den Kabeltrassen bereits 25. In diesem Jahr hat es allein in den ersten fünf Monaten schon über vierzig Sprengungen gegeben. Weitere sollen in Kürze folgen. Da die Explosionen fernab der Küste stattfinden, erfährt die Öffentlichkeit davon in der Regel nichts.

Schallschutz ohne Kontrolle ist wirkungslos
Die Sprengung einer Seemine erzeugt eine gewaltige Wasserfontäne.Die Genehmigungsbehörde BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg) empfiehlt für Sprengungen in Windpark-Baufeldern zwar zur Verringerung der Schockwelle die Verwendung eines Blasenschleiers, aber eine Kontrolle ihres Einsatzes wie bei den ebenfalls lauten Rammarbeiten für Offshore-Windkraftanlagen gibt es nicht. Auch existieren keine Handlungsanweisungen, wie ein Blasenschleier konstruiert sein muss. Somit ist zu befürchten, dass auch nutzlose Blasenschleier eingesetzt werden, nur um die Vorgaben des BSH zu erfüllen.

Naturschutzverbände fordern Bergung und Vernichtung an Land
Nach Auffassung der GRD und anderer Umweltverbände ist die Sprengung von Altmunition unter Verwendung eines Blasenschleiers nur eine absolute Minimallösung. Ökologisch akzeptabel ist nur die Bergung und unschädliche Vernichtung an Land.

HELCOM-LogoDas Problem ist jetzt auch auf der Agenda des Ostseeschutzabkommens HELCOM
Auf der letzten Tagung der SUBMERGED-Arbeitsgruppe der Ostseeschutzkonvention HELCOM konnte Sven Koschinski erreichen, dass neben der reinen Kartierung von Unterwasserrisiken jetzt auch ein Kapitel zu Minderungsmaßnahmen bei Sprengungen in den Bericht der Arbeitsgruppe aufgenommen werden soll.

Er wird auf der nächsten Tagung der HELCOM-SUBMERGED-Arbeitsgruppe diskutiert, die 2016 in Göteborg stattfinden wird.

 

Weitere Informationen:

⇒ GRD setzt sich bei Ostseeschutzkonvention HELCOM für den Schutz von Schweinswalen ein

⇒ Die Welt v. 24.03.2015: Die Energiewende wird das Ende unserer Küste sein

HELCOM Expert Group on Environmental Risks of Hazardous Submerged Objects (SUBMERGED)

⇒ HELCOM - Baltic Marine Environment Protection Commission: Chemical Munitions Dumped in the Baltic Sea (PDF)

Ein toter gestrandeter Schweinswal liegt auf der Seite auf einem Sandstrand in der Nähe der Brandungszone.Airguns oder Luftpulser, die zur Exploration von Öl- und Gaslagerstätten im Meeresboden eingesetzt werden, können noch in 2.000 Kilometer Entfernung Meeressäuger stören. Das zeigt eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA). Der Störeffekt kann sowohl die Physis als auch die Psyche der Tiere verschlechtern.

Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, warnt: "Der Lärm in den Meeren nimmt zu und wird voraussichtlich weiter zunehmen. Allein schon wegen der weiter anstehenden Rohstofferkundungen in den Weltmeeren. Airguns spielen dabei eine wichtige Rolle. Für Meeressäuger sind sie eine erhebliche Störung. Ihre Schallimpulse können die Verständigung extrem einschränken. Im schlimmsten Fall sogar über ein gesamtes Ozeanbecken hinweg."

Dieser Effekt träte auch dann ein, wenn Airguns nur zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt werden.

Fähigkeit zur akustischen Wahrnehmung für Delfine und Wale lebenswichtig
Für Delfine und Wale ist die Fähigkeit ihre Umgebung akustisch wahrzunehmen lebenswichtig – sie "sehen" mit den Ohren. Werden diese Signale überdeckt, verkleinert sich ihr "Sehfeld". Dies verschlechtert ihre biologische Fitness sowohl physisch als auch psychisch. Die zur Erkundung des Meeresbodens nach Erdöl- und Gaslagerstätten großflächig und über lange Zeiträume eingesetzten Airguns haben, so das UBA, nicht nur ein hohes "Maskierungspotenzial". Dabei werden Kommunikationssignale zwischen den Meeressäugern verdeckt, also akustisch maskiert.

Schädigungen des Gehörs
Die explosionsartigen Schalldrücke von Airguns sind zwar viel kürzer als z.B. typischer Schiffslärm, dafür aber auch bis zu 1.000-mal lauter. Es wird schon länger befürchtet, dass diese lauten Schallimpulse das Gehör von marinen Säugetieren schädigen können.

Starke Einschränkung des natürlichen Verständigungsraumes
Abbildung: Fächerförmig ausgebreitete Druckluftpulser werden von einem Explorationsschiff gezogen.Die neue UBA-Studie zeigt, dass Airgunsignale noch über eine Entfernung von bis mindestens 2.000 Kilometern (km) wirken können. Bereits in mittleren Entfernungen von 500 bis 1.000 km dehnen sich Airgunsignale zu einem intervallartigen Geräusch aus, das ein hohes Maskierungspotenzial hat.

In Entfernungen ab 1.000 km werden die ursprünglich sehr kurzen Schallimpulse zu einem kontinuierlichen Rauschen, das die Verständigung von Delfinen und Walen extrem einschränken kann; auf nur noch etwa ein Prozent des natürlichen Verständigungsraumes – es ist, als ob wir uns plötzlich, ohne künstliche Beleuchtung, in ständigem Dämmerlicht zurechtfinden müssten.

Neue Risikobewertung für impulshafte Schallquellen gefordert
Die Ergebnisse der neuen UBA-Studie zeigen, dass massive Maskierungseffekte und signifikant negative Auswirkungen auf das Kommunikationsvermögen von Meeressäugern über große Distanzen auftreten können und gerade dieser Fernwirkungseffekt bei der Bewertung von Umweltwirkungen impulshafter Schallquellen wie Airguns beachtet werden sollte.

Dies gilt besonders für die Arktis, in der in den nächsten Jahren mit einer Vielzahl von Airgun-Einsätzen zur Erkundung des Meeresbodens auf Bodenschätze und zur Forschung zu rechnen ist. Das UBA will hierzu ein Folgeprojekt entwickeln.

Die durch seismische Tests ins Meerwasser eingebrachte Schallenergie steht nach Nukleartests und sonstigen Explosionen an dritter Stelle entsprechender schädlicher menschlicher Aktivitäten für die Meeresumwelt. UBA-Präsidentin Krautzberger fordert deshalb: "Wir müssen die Wirkung von Schallimpulsen aus Airguns auf die Meeressäuger genau kennen und diese in die Umweltbewertung der Meeresforschung einbeziehen. Wir brauchen deshalb auch ein internationales Lärmschutzkonzept, zum Beispiel im Rahmen des Antarktis-Vertragsstaaten-Systems."

EU-Parlament trifft Entscheidung gegen Verlärmunng
Anfang Oktober 2013 hatte das EU-Parlament immerhin beschlossen, dass für die ֖lsuche mit Unterwasser-Sonar in Zukunft Umweltverträglichkeitspüfungen durchgeführt werden müssen.
Ulrich Karlowski, Mai 2014 / Quelle: UBA

 Weiterführende Informationen:

⇒ Vollständiger Abschlussbericht zu der UBA-Studie: "Entwicklung eines Modells zur Abschätzung des Störungspotentials durch Maskierung beim Einsatz von Luftpulsern (Airguns) in der Antarktis".

⇒ UBA-Themensite Airguns

Ein Schweinswal taucht Kopf voran aufPressemitteilung, 10.02.2012 - Kanadisches Unternehmen sucht in deutschen Meeresschutzgebieten nach Erdgas und Öl - Umweltverbände bangen um letzte Schweinswale und fordern Reform des Bergrechts.

Dem vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal droht eine neue Gefahr. Das Bergamt in Stralsund hat der kanadischen Firma Central European Petroleum CEP die Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestattet.

Betroffen sind mindestens sechzehn Meeresschutzgebiete, die dem Schweinswal und anderen bedrohten und seltenen Meerestieren als Rückzugsgebiet dienen. Die GRD und andere deutsche Umweltverbände sehen darin eine Missachtung des Umweltrechts und kündigen scharfen Widerstand an.

Mehr als 13.800 Quadratkilometer Erlaubnisfelder hat CEP nach eigenen Angaben zugesprochen bekommen. Diese überschneiden sich mit Meeresschutzgebieten in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns und der deutschen "Ausschließlichen Wirtschaftszone" der Ostsee. Hier leben die streng geschützten Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben, seltene Fischarten wie Stör oder Finte und mehr als 20 geschützte Vogelarten wie Seetaucher und Flussseeschwalben. Die Umweltverbände kritisieren, dass CEP und das Bergamt Stralsund diese Tatsachen bewusst ignorieren und durch die geplanten seismischen Untersuchungen schwere Schäden in den einzigartigen und geschützten Gebieten riskieren.

Beim Einsatz der sogenannten 3-D-Seismik werden in schneller Abfolge explosionsartige Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB (p-p) re1µPa erzeugt. Der Lärm kann insbesondere die geräuschempfindlichen Wale sowie andere Meerestiere direkt verletzen und zur Vertreibungen aus wichtigen Lebensräumen führen.

Der Eingriff richtet sich nach Meinung der Umweltverbände gegen die Ziele der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie der Vogelschutzrichtlinie und verstößt wohl auch gegen artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nach Bundesnaturschutzgesetz.

Seismik Einsatzgebiet Oderbank bei Rügen

Karte des Seismik Einsatzgebietes in der Oderbank bei Rügen, Ostsee

Die Umweltverbände, darunter die Gesellschaft zur Rettung der Delphine, fordern deshalb vehement ein Verbot sämtlicher seismischer Untersuchungen in der Ostsee und einen effektiven Schutz der Meerestiere vor schallintensiven Eingriffen.

Darüber hinaus sei eine Novellierung des deutschen Bergrechts nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre unumgänglich.

Die Umweltverbände erwarten für ihren Protest eine breite gesellschaftliche Unterstützung, da auch Fischerei und Tourismus durch die Pläne der Ölfirma erheblich beeinträchtigt werden.

Schweinswalbestand in der Ostsee unter Druck
Die geplanten seismischen Untersuchungen gefährden auch die Schweinswale, die sich als selbstständige Population in der zentralen Ostsee gebildet hat und an der so genannten Darßer Schwelle heimisch geworden ist. Dort leben zwischen 200 und 600 Schweinswale, die nach Ansicht von Experten eine eigene Unterart darstellen. Sie mischen sich nicht mit dem als stabil bewerteten Bestand der rund 230.000 Nordsee-Schweinswale.

 

⇒ Antwort der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Ursula Karlowski, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (PDF)

⇒ NGO-Stellungnahme (PDF)

 

NATURA 2000-Schutzgebiete der deutschen Ostsee:

Karte der deutschen NATURA 2000-Schutzgbiete in der Ostsee

Einen Teilaspekt dieser Frage, das Verhalten von Schweinswalen und Seehunden im Einflussbereich des Unterwasserschalls von Windgeneratoren, bearbeiten die beiden Kieler Meeressäugerspezialisten Prof. Dr. Boris Culik und Sven Koschinski. Die GRD beteiligte sich an der Finanzierung einer Pilotstudie der beiden Forscher.

Bericht von Sven Koschinski:
Schweinswale in freier Wildbahn zu erforschen ist eine Herausforderung - naturgemäß halten sie sich überwiegend unter der Wasseroberfläche auf und sind außerdem noch recht scheu. Die auftauchenden Schweinswale sind zwischen den Wellen der Nord- oder Ostsee kaum auszumachen.

Ein Untersuchungsgebiet mit idealen Bedingungen fand sich in den geschützten Fjorden an der Westküste Kanadas. Das Oberflächenverhalten dort lebender Schweinswal- und Seehundpopulationen konnte mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät aus der Vermessungstechnik) beobachtet und jeder Auftauchpunkt genau vermessen werden.

Die Schweinswale wurden unter Wasser noch zusätzlich mit einem Klickdetektor belauscht, der das Biosonar der Tiere erfasst und die Anzahl der Echoortungs-Klicks im 10-Sekunden-Rhythmus registriert. Damit konnten erstmals genaue Sichtbeobachtungen und akustische Messungen "übereinander gelegt" werden.

Prof. Dr. Boris Culik sitzt auf dem Schlauchkörper eines Zodiac. Er hält einen tonnenförmigen Unterwasserlautsprecher mit beiden Händen fest.Geräusche schwedischer Offshore-Windenergieanlagen wurden den Meeressäugetieren mit einem CD-Player und einem über 70 kg schweren Unterwasserlautsprecher vorgespielt. So simulierten wir für die bis dahin ungestörten kanadischen Tiere die Geräuschkulisse in der Umgebung einer Windenergieanlage. Wir konnten innerhalb von zwei Wochen die Reaktionen von über 800 Schweinswalgruppen und über 300 Seehunden erfassen.

Die Ergebnisse sind überraschend. Die Schweinswale und Seehunde hielten im Schnitt einen größeren "Sicherheitsabstand" zur Schallquelle ein, wenn die Geräusche abgespielt wurden, doch ein Ausschlussgebiet rundherum, wie wir es in einem früheren Versuch mit Piepern (1) festgestellt hatten, konnte nicht beobachtet werden. Einige Tiere tauchten sogar wiederholt unmittelbar neben dem Unterwasserlautsprecher auf.

Die Schweinswale setzten bei angeschaltetem Geräusch ihr Biosonar etwa doppelt so häufig ein wie im Kontrollversuch. Wahrscheinlich wurde die Schallquelle auf diesem Sinneswege genauer untersucht.

Dass sich einige Tiere der Lärmquelle neugierig näherten, ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Die Schweinswale reagierten auf die Störung und in welchem Ausmaß dies bei größeren und mehreren Offshoreanlagen der Fall sein wird, muss noch näher untersucht werden.

Zudem sind nach wie vor die begleitenden Probleme zu lösen. Vor allem beim Bau der Anlagen in den sturmarmen Sommermonaten - also genau zur Fortpflanzungszeit von Schweinswalen und Seehunden, kommt es zu erhöhtem Schiffsverkehr durch Baufahrzeuge sowie weitreichenden Schallemissionen durch Rammarbeiten für die Fundamente der Windmühlen. Dieser zum Teil erhebliche Lärm könnte die Tiere aus ihrem Habitat vertreiben.

Da alle Antragsteller ihre Windparks bis 2006 fertigstellen wollen (denn nur so weit reicht die Förderung des Gesetzgebers durch die Garantie hoher Stromeinspeisevergütungen), wird es vor der deutschen Nord- und Ostseeküste kaum einen unbeeinflussten Bereich geben, der sich als ruhiges Rückzugsgebiet für die Tiere eignet. Hier müssen Genehmigungsbehörden den Bauunternehmen rechtzeitig Grenzwerte vorschreiben und geeignete Maßnahmen zur Schalldämmung gefunden werden.

Ob Blasenvorhänge (2) eine Lösung darstellen, ist noch unklar. Auch sollten die Betreiberfirmen sich nach alternativen Gründungsarten umschauen (zum Beispiel Einspülen der Fundamente). Für die spätere Betriebsphase der Windparks suchen wir weiterhin nach unkritischen Frequenzbereichen für Windräder und Turbinen.

Da das Hörvermögen von Schweinswalen und Seehunden mit tiefen Frequenzen immer weiter abnimmt, müssen die Konstrukteure darauf achten, dass die Anlagen auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht anfangen zu "jaulen". Unser Ziel ist es, bereits in der Entwicklung der Windgeneratoren mit technischen Maßnahmen das Emissionsverhalten positiv zu beeinflussen.

(1) Pieper oder englisch "pinger" sollen dazu dienen, die hohen Beifangraten von Schweinswalen zu verringern, indem die Tiere von Netzen vertrieben werden. Ungelöste Probleme bereiten dabei eine mögliche Gewöhnung an den Schall und ein eventueller Ausschluss aus ihrem Habitat.

(2) Blasenvorhang: Unterwässerschläuche mit vielen Löchern sprudeln Luftblasen. An dem dadurch entstehenden "Vorhang" brechen sich die Schallwellen bestimmter Frequenzen, dahinter ist es leiser.

Ein gewaltiges Umweltproblem: Verrottende Munition in deutschen Gewässern

HELCOM-LogoAuf der Tagung der SUBMERGED-Arbeitsgruppe der Ostseeschutzkonvention HELCOM, die vom 22.-23. April 2015 in Bonn stattfand, konnte der Meeresbiologe Sven Koschinski für die GRD wichtige Fortschritte für den Schweinswalschutz erreichen.

HELCOM
Das Helsinki-Abkommen für den Schutz der Ostsee (HELCOM) aus dem Jahr 1974 sollte das Einbringen von Schad- und Nährstoffen in die Ostsee vermindern und dazu beitragen, sie von militärischen und anderen Altlasten zu befreien.

Dem Abkommen gehören alle neun Ostsee-Anrainerstaaten und die Europäische Union an. HELCOM kann nur Empfehlungen aussprechen, aber keine Beschlüsse oder Richtlinien verabschieden. SUBMERGED ist eine von mehreren Arbeitsgruppen und beschäftigt sich mit verborgenen Risiken unter Wasser wie Schiffswracks und Munition.

Tödliche Gefahren durch den Ausbau der Offshore-Windkraft
Siebzig Jahre nach dem 2. Weltkrieg ist die in Nord- und Ostsee vor sich hin rottende Munition (1,6 Millionen Tonnen in deutschen Gewässern) ein gewaltiges Umweltproblem. Neben der offensichtlichen Gefahr einer großflächigen toxischen Belastung mit Munitionsinhaltsstoffen ergibt sich für Schweinswale eine ganz besondere Gefahr durch Munitionssprengungen.

Der forcierte Ausbau der Offshore-Windenergie hat jetzt auch zur Folge, dass wieder verstärkt nach Munition gesucht wird, damit marine Großmunition wie Minen, Torpedos und Wasserbomben die teure Infrastruktur nicht gefährdet. Insbesondere alte Minensperren sind außerhalb der bekannten Versenkungsgebiete fast überall zu erwarten.

Ein toter Schweinswal liegt auf einer orangenen Plane, das Tier sieht völlig unverletzt aus und hat noch keine Verwesungserscheinungen.Marine Großmunition wird heute üblicherweise gesprengt. Noch in einer Entfernung mehrerer Kilometer kann dies für einen Schweinswal tödlich sein: Lungenrisse, Blutungen in Ohr oder Gehirn oder Hörschäden werden durch die Schockwelle einer Unterwasserexplosion hervorgerufen.

Heftige Unterwasserdetonationen bald auch vor Warnemünde?
Wurden 2012 in der Nordsee noch 10 "Vernichtungssprengungen" registriert, waren es 2014 in den Windpark-Baufeldern oder auf den Kabeltrassen bereits 25. In diesem Jahr hat es allein in den ersten vier Monaten schon über zwanzig Sprengungen gegeben. Weitere sollen in Kürze folgen. Da die Explosionen fernab der Küste stattfinden, berichten die Medien nicht darüber.

Ein derartiges Umweltdesaster droht auch der Ostsee, z.B. im Zusammenhang mit dem heftig umstrittenen Bau eines Windparks vor dem Ostseebad Warnemünde bei Rostock. Im Entwurf des Landesraumentwicklungsprogramms M-V (LEP) ist die Nutzung der küstennahen Bereiche innerhalb der 12-Meilen-Zone für Offshore-Windkraftanlagen vorgesehen.

Vor Warnemünde sollen gewaltige Windenergieanlagen mit einer Bauhöhe von fast 200 Metern, höher als der Kölner Dom, in den Grund der Ostsee gerammt werden - ungeachtet der damit einhergehenden massiven Vernichtung von Meereslebewesen, so den vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswalen.

Die Genehmigungsbehörde BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg) fordert für Sprengungen in Windpark-Baufeldern zwar (immerhin) zur Verringerung der Schockwelle die Verwendung eines Blasenschleiers, aber eine Kontrolle wie bei den ebenfalls lauten Rammarbeiten für Offshore-Windkraftanlagen gibt es nicht.

Auch existieren keine Handlungsanweisungen, wie ein Blasenschleier konstruiert sein muss. Somit ist zu befürchten, dass auch nutzlose Blasenschleier eingesetzt werden, nur um die Auflage des BSH zu erfüllen.

HELCOM-SUBMERGED erkennt Wichtigkeit von Schallminderungsmaßnahmen bei Sprengungen an
Die Sprengung einer Seemine erzeugt eine gewaltige Wasserfontäne.Es ist als Erfolg zu werten, dass - neben der reinen Kartierung von Unterwasserrisiken – jetzt ein Kapitel zu Minderungsmaßnahmen bei Sprengungen in den Bericht der Arbeitsgruppe aufgenommen werden soll.

Sven Koschinski, der sich seit vielen Jahren mit dem Schutz von Schweinswalen und Unterwassermunition beschäftigt, wird einen Entwurf einreichen, der auf der nächsten Tagung in Göteborg diskutiert werden wird.

Naturschutzverbände fordern Bergung und Vernichtung an Land. Wir bleiben am Ball, damit es weiter vorangeht. Nach Auffassung der GRD ist die Sprengung von Altmunition unter Verwendung eines Blasenschleiers nur eine absolute Minimallösung. Die Bergung und unschädliche Vernichtung an Land ist eine unserer zusammen mit anderen Naturschutzverbänden immer wieder vorgetragene Forderung.
GRD-Presse (Bericht von Sven Koschinski), April 2015

 

Weitere Informationen:

⇒ Die Energiewende wird das Ende unserer Küste sein - Die Welt v. 24.03.2015

⇒ Die Helsinki-Kommission (HELCOM)

⇒ Fakten und Infos zur Helsinki-Kommission (HELCOM)

⇒ HELCOM Expert Group on Environmental Risks of Hazardous Submerged Objects (SUBMERGED)

⇒ HELCOM - Baltic Marine Environment Protection Commission: Chemical Munitions Dumped in the Baltic Sea (PDF)

Logo von MIREMARPressemitteilung, 03.11.2010 - Vom 16. bis 18. November 2010 veranstalten der NABU, die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) in Neumünster den internationalen Kongress MIREMAR (Minimizing Risks for the Environment in Marine Ammunition Removal in the Baltic and North Sea) zur schonenden und damit die Umwelt weniger belastenden Beseitigungsmaßnahmen von Munition in Nord- und Ostsee.

Die Konferenz knüpft an eine Veranstaltung aus dem Jahr 2007 in Kiel an, bei der erstmals auf die Gefahren von Altmunition aufmerksam gemacht und neue Methoden zur Beseitigung diskutiert wurden. Diese sind bereits die Grundlage für aktuelle Versuche in der Kieler Außenförde, mit Hilfe mit Blasenschleiern Meeressäugetiere vor Sprengungen zu schützen.

Hunderttausende Tonnen konventioneller Munition und chemischer Waffen sind in der Nord- und Ostsee während und nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg versenkt worden. Nach über 60 Jahren sind die Munitionshüllen oft durchgerostet und entlassen ihre giftige Ladung in die Meeresumwelt. Auch Schleswig-Holstein ist davon betroffen: Aktuell bemüht sich das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein, vor der Küste der Probstei in der Kieler Außenförde die gefährlichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges zu beseitigen.

Dazu kamen zum Schutz von Schweinswalen in den letzten Jahren bei Sprengungen zur Beseitigung von Altmunition Blasenvorhänge zum Einsatz, deren Optimierung in enger Abstimmung mit dem NABU seit einigen Jahren erprobt wird. Mittelfristiges Ziel ist es, Altmunition gefahrlos zu heben und an Land für die Umwelt schadfrei zu entsorgen. Noch immer ist nämlich unklar, welche Gefahren für die Umwelt und für die Menschen von nicht gehobener Munition ausgehen.

Sprengung einer Seemine vor HeidkateZiel der dreitägigen Konferenz ist es, mit der Hilfe internationaler Experten einen Überblick über die aktuelle Situation und neue Entwicklungen bei der die Umwelt schonenden Beseitigung von nicht explodierter Altmunition zu gewinnen. Die Identifizierung der besten Praxisbeispiele ist dabei ein zentrales Anliegen. An den ersten beiden Konferenztagen stehen eine Bestandsaufnahme, die Diskussion über Auswirkungen auf die Umwelt und Erfahrungsberichte über erfolgreiche Methoden zur Beseitigung von konventionellen wie chemischen Kampfmitteln im Meer im Vordergrund der Tagung.

Am dritten Tag sollen Workshops die Grundlage für ein Netzwerk legen mit dem Ziel, weitere Forschungen zu initiieren, die Erprobung neuer Technologien voranzubringen und erste Pilotprojekte zur Bergung zu befördern. Geplant ist, im Rahmen der Konferenz auf Einladung des schleswig-holsteinischen Innenministeriums die Arbeitsstätte des Munitionsbeseitigungsdienstes des Landes Schleswig-Holstein in Groß Nordsee zu besichtigen. Erwartet werden zudem Aussteller, die über ihre Arbeit an Messeständen berichten. Auch praktische Vorführungen neuer Technologien sind geplant.

Erwartet werden in der Stadthalle Neumünster rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Vortragende aus den Ost- und Nordsee-Anrainerstaaten, Kanada, den USA und Italien. Eine formelle Anmeldung für die Teilnahme an der Tagung ist bis zum 31. Oktober 2010 auf der Webseite möglich. Der Beitrag für die Teilnahme an der Konferenz beträgt 90 Euro. Konferenzsprache ist Englisch. Kooperationspartner der Veranstalter sind das Amt für Katastrophenschutz Schleswig-Holstein, Marine Services, UXB International (Kanada) und International Dialogue on Underwater Munitions (Kanada).

Die Konferenz wird gefördert von der Umweltlotterie BINGO sowie den Unternehmen ANT Applied New Technologies, HydroTechnik Lübeck, UTM Umwelt Technik Metallrecycling sowie der Okeanos-Stiftung für das Meer.

⇒ MIREMAR - Lectures and all Presentations

Der sechsjährige Junge mit orange verfärbten Händen, durch Kontakt mit SchieswollePressemitteilung, 06.08.2012 - Naturschutzverbände warnen davor, unbekannte Gegenstände oder Substanzen am Strand zu berühren. Anlass ist der Sprengstoff-Fund am 31. Juli 2012 durch einen Jungen am Ausgang der Kieler Förde und die Entdeckung eines Torpedosprengkopfes durch einen Urlaubsgast auf Wangerooge vor zwei Wochen.

Munitionsaltlasten stellen in deutschen Küsten- und Binnengewässern eine latente Gefahr dar. Durchgerostete Munitionsteile geben mittlerweile ihre hochgiftigen Inhalte frei. Sprengungen zur Munitionsbeseitigung führen offensichtlich zur weiträumigen Verteilung von Munitionsteilen, statt zu ihrer vollständigen Vernichtung.

Nach Ansicht von NABU, Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) muss in Zukunft auf Sprengungen verzichtet werden. Alternative Bergungsverfahren sind anzuwenden, die heute bereits technisch entwickelt sind.

Beim Strandbesuch während seines Urlaubs in Kalifornien bei Schönberg fand ein sechsjähriger Junge aus Baden-Württemberg am 31. Juli 2012 einen unbekannten "Stein" von der Größe eines Ziegels, den er mit in den Garten der Ferienwohnung nahm. Der Vater des Jungen berichtete dem NABU, dass sich anschließend Hände, T-Shirt, Jacke und Hose orange verfärbten und sich die Farbe nicht entfernen ließ. Es folgte langes Rätselraten und Befragen von Rettungsschwimmern, Kurverwaltung und Polizei.

Erst das Ordnungsamt kam der Substanz schließlich auf die Spur und verständigte den Kampfmittelräumdienst. Dieser bestätigte, dass es sich um Schießwolle handelt, ein Gemisch u. a. aus TNT und Hexanitrodiphenylamin.

Die beiden Substanzen sind schon bei Berührung mit bloßer Haut extrem giftig. Leberschäden und Veränderung von Blutkörperchen sind möglich. Die Explosivstoffe gelten darüber hinaus als krebserregend, reproduktionstoxisch und erbgutschädigend. Eine erste Blutuntersuchung des Jungen an der Uniklinik in Kiel lässt jedoch hoffen, dass der Kontakt für ihn glimpflich verlaufen ist.

Naturschutzverbände warnen
Wiederholt hatten NABU, GSM und GRD davor gewarnt, dass aufgrund der küstennahen Lage einiger Versenkungsgebiete hochbrisante und extrem giftige Munitionsteile an die Stränden gespült werden. Eine Detonation des gefährlichen Fundstücks in der Schönberger Ferienhaussiedlung hätte sicher drastische Auswirkungen gehabt.

Auf zwei Symposien der Verbände im Jahr 2007 und 2010 wurden Methoden zur umweltfreundlicheren Beseitigung vorgestellt. "Der aktuelle Fall sollte Anlass genug geben, das Abwiegeln zu beenden und endlich zu handeln“, fordert Ingo Ludwichowski vom NABU Schleswig-Holstein. Laut Bund-Länder Arbeitsgruppe "Munition im Meer" soll „... eine Gefährdung strandnaher Küstenbereiche … aufgrund der Strömungsverhältnisse in Nord- und Ostsee unwahrscheinlich" sein. "Der Vorfall macht amtlicherseits aber eine komplette Neueinschätzung notwendig", ergänzt Ludwichowski.

Keine Warnung durch die Behörden
Der Fund belegt eine akute Gefährdungslage ungeklärt ist, warum das Innenministerium in Kiel nicht die Bevölkerung über den Vorfall informierte. Angesichts von rd. 1,6 Millionen Tonnen konventioneller, oftmals korrodierender Munition, die allein in deutschen Küstengewässern vermutet werden, wird ein Kontakt mit den hochgiftigen Sprengstoffen in Zukunft immer wahrscheinlicher.

Zuletzt wurden im März 2012 sechs Minen vor Heidkate/Ostsee gesprengt, im April eine Mine vor Ahrenshoop/Ostsee und im Juli zwei Minen bei Borkum/Nordsee. Dort sind zudem aktuell drei weitere Sprengungen geplant. Bei Sprengungen wird der Sprengstoff jedoch nicht vollständig zerstört. Giftige Substanzen und Sprengstoffpartikel werden im Meer weit verteilt.

Verstärkte Aufmerksamkeit, aber kein Urlaubsverzicht
Nach Auffassung der Verbände besteht jedoch kein Anlass dazu, generell auf einen Urlaub an der Küste zu verzichten. Mit Altmunition ist auch an Land zu rechnen.

Urlauber sollten jedoch ausdrücklich durch die Behörden auf die besonderen Risiken hingewiesen werden. Dazu sind auch die Mitarbeiter im Tourismus entsprechend zu sensibilisieren und zu schulen, bekannte Belastungsbereiche sind zu erkunden und zu bewerten. In den gefährdeten Gebieten sind entsprechende Bergungsarbeiten vorzunehmen.

NABU, GRD und GSM fordern speziell die Entwicklung und Anschaffung von Bergungsrobotern zur Hebung alter Munition, da sich deren Zustand weiter verschlechtert. Diese wären auf Jahrzehnte hinaus beschäftigt, wie auch jüngste Munitionsfunde bei Vorbereitungsmaßnahmen zur Kabelverlegung für Offshore-Windparks gezeigt haben.

 

Sprengung eine Seemine vor Heidkate erzeugt eine pyramidenförmige WasserfontänePressemitteilung, 11.12.2012 - Die Umweltverbände NABU, Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) kritisieren die Ablehnung eines Antrags der Grünen im Schweriner Landtag zum Umgang mit Altmunition im Meer durch die Regierungsfraktionen der CDU und SPD (Drucksache 6/1347).

"Diese Entscheidung zeigt das andauernde Unverständnis der Politik über die Tragweite der Problematik und stellt die Handlungsfähigkeit des Landes bei zukünftigen Munitionsfunden in Frage", so NABU-Landesvorsitzender Stefan Schwill.

In der deutschen Ostsee lagern nach einem aktuellen Bericht einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe mehr als 360.000 Tonnen konventioneller und chemischer Altmunition. Die Fraktion der GRÜNEN hatte beantragt, dem Problem der Altmunition eine stärkere Bedeutung in der Landespolitik beizumessen und dem Landtag einmal im Jahr über die Aktivitäten des zuständigen Innenministeriums zu berichten. Weiterhin sollte geprüft werden, ob durch eine Zusammenarbeit der Kampfmittelräumdienste der Küstenbundesländer Kosten eingespart werden könnten. Alle Vorschläge wurden abgelehnt.

Munitionsproblem hat bei der Landesregierung keine Dringlichkeit
Ein toter Schweinswal treibt im Wasser"Der Vorgang zeigt, dass das Munitionsproblem in der Landesregierung noch nicht mit der Dringlichkeit wahrgenommen wird, wie es angesichts der Bedeutung für Umwelt, Tourismus und Wirtschaft nötig wäre", so NABU-Meeresexperte Kim Cornelius Detloff. In der Vergangenheit hatten die Umweltverbände NABU, GSM und GRD wiederholt den Umgang des Landes mit Munitionsaltlasten kritisiert. Erst Ende April 2012 sei in einem Schweinswalschutzgebiet vor dem Darß eine Mine gesprengt worden, ohne die Umweltbehörden in Kenntnis zu setzen, geschweige denn technische Schallschutzmaßnahmen einzusetzen.

Phosphorverbrennungen treten an Usedoms Stränden mittlerweile regelmäßig auf
Die Verbände betonten, dass die Gefährlichkeit der hunderttausenden Tonnen Munitionsaltlasten nicht allein darin liegt, dass Meeressäugetiere durch unkontrollierte Detonationen oder gezielte Sprengungen zu Tode kommen können, sondern auch in der weit fortgeschrittenen Korrosion der Munitionshüllen. Nach und nach können so hochgiftige, Krebs erregende und Erbgut schädigende Inhaltsstoffe der Munition freigesetzt werden. TNT (Trinitrotuluol) oder RDX (Hexogen) gefährden dabei die Meerestiere und setzen Touristen einem hohen Kontaminationsrisiko aus. Auch Phosphorverbrennungen treten an Usedoms Stränden mittlerweile regelmäßig auf.

Zuletzt erlitten ebenfalls im April 2012 am Strand von Karlshagen zwei Strandbesucherinnen schwere Verbrennungen an Oberschenkeln und Händen. Laut einem MDR-Bericht wurden die Opfer mit einem Blumenstrauß "entschädigt".

Mit der Ablehnung des Antrags verzichtet das Land auch auf potenzielle Kosteneinsparungen durch eine engere Kooperation mit den Küstenbundesländern und verspielt große wirtschaftliche Chancen. Schon jetzt behindert Munition in Windpark-Baufeldern und auf Kabeltrassen den Ausbau der Offshore-Windenergie.

Mecklenburg-Vorpommern verspielt leichtfertig Chance auf fünf Millionen Euro Forschungsgelder
Die in Mecklenburg-Vorpommern ansässige maritime Wirtschaft könnte von der Entwicklung innovativer Bergeverfahren wie Unterwasserrobotik, Wasserstrahlschneidtechniken oder mobilen Detonationskammern stark profitieren. Gerade erst hat die Bundesregierung signalisiert, fünf Millionen Euro Forschungsgelder zur Entwicklung innovativer Munitionsbergetechniken zu vergeben. Diese Chance scheint jetzt an Mecklenburg-Vorpommern vorbeizugehen, so die Verbände.

⇒ Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 6/1347) v. 21.11.2012 (PDF)

Toter Brydewal liegt quer auf dem Bugwulst eines Containerschiffs

Das Schicksal der vor Sri Lanka im Indischen Ozean lebenden Zwergblauwale (Balaenoptera musculus brevicauda) hängt an nur 15 Seemeilen. Die Verlegung einer Schiffsroute um diese Distanz könnte die Rettung für die Population dieser eng mit den großen Blauwalen verwandten, immerhin aber auch noch stolze 24 m groß werdenden Bartenwale bedeuten. Denn jedes Jahr kommt es vor der Südküste Sri Lankas zu über 1.000 Zusammenstößen zwischen bis zu 300 m langen Containerschiffen und den schätzungsweise 300 Zwergblauwalen, die sich dort in ihren Nahrungsgründen aufhalten. Für etwa 50 der seltenen Wale enden die Kollisionen tödlich.

Karte zur Verlegung der Schifffahrtsrouten vor Sri Lanka.

Verlegung um 15 Seemeilen verringert Kollisionsgefahr um 95%
Leider konnten sich die Regierung von Sri Lanka und der World Shipping Council (Interessenvertretung der Container-Linienreedereien) bislang nicht darauf einigen, einen Antrag auf Verlegung der Schifffahrtsrouten um 15 Seemeilen bei der International Maritime Organization (IMO) zu stellen. Der Seeweg würde dadurch um durchschnittlich nur 5 Seemeilen länger und nach Ansicht von Experten die Kollisionsgefahr um 95 % verringern.

Auch Kleinfischer und die für den regionalen Tourismus bedeutende Whale-Watching-Industrie würden profitieren, die Verschmutzung der Küsten könnte reduziert werden.

Unsere Partner von Friend of the Sea (FOS) haben am 11. Februar die IMO und die wichtigsten angeschlossenen Reedereien aufgefordert, zum Schutz der Zwergblauwale im Gebiet zwischen dem 80° und 81° Längengrad Ost wenigstens die Geschwindigkeit von Containerschiffen auf 10 Knoten (18,52 km) zu reduzieren.

 

Weitere Informationen:

⇒ Schiffskollisionen – Neue Gefahr für Meeressäuger

⇒ Spanien verhängt Tempolimit für Pottwale

Toter Wal hängt auf dem Bugwulst eines Containerschiffs.Im März 2007 verhängte die Spanische Regierung für ein Gebiet in der Straße von Gibraltar, in dem 25 Pottwale leben, ein Tempolimit von 13 Knoten. Diese für Europa beispiellose Entscheidung soll in der viel befahrenen Wasserstraße Kollisionen schnell fahrender Schiffe mit den Walen verhindern.

Der Meeresbiologe Sven Koschinski, nationale Kontaktperson der Internationalen Walfangkommission (IWC) zum Thema Kollisionen, erklärt dazu: "Ein Tempolimit von 13 Knoten (24 Stundenkilometer) ist eine sinnvolle Maßnahme, Großwale vor tödlichen Kollisionen zu bewahren. Leider gilt dieses Limit nur in einem sehr begrenzten Meeresgebiet. Rundherum fahren Schnellfähren nach wie vor mit Geschwindigkeiten bis zu 38 Knoten."

Um das Problem wirkungsvoll zu lösen, müssen Geschwindigkeitsbegrenzungen für alle Gebiete erlassen werden, in denen es regelmäßig zu Unfällen mit Walen kommt. Die IWC benennt vor allem den Ärmelkanal, Skagerrak, die Ostsee, Kattegat und Belte und die Straße von Dover als Risikogebiete. Dazu kommen die Gebiete rund um die Kanarischen Inseln, wo Schnellfähren häufig Wale rammen.

Von Schiffskollisionen betroffen sind nach derzeitiger Kenntnis mindestens 17 verschiedene Walarten, vor allem Großwale wie Pottwal, Finnwal, Buckelwal, Nordkaper oder Südkaper. Unter den Delfinen werden Großer Tümmler und Blau-Weißer Delfin gelistet. Auch Chinesische Weiße Delfine (Indo-Pazifische Buckeldelfine) sind stark gefährdet. In den letzten 10 Jahren ist ihr Bestand um 40 % zurückgegangen. Beifang und Kollisionen gelten als die Hauptursachen.

In dem schwarz umgrenzten Bereich gilt das Tempolimit, in Pink dargestellt sind Hauptverbreitungsgebiete einer lokalen Pottwalpopulation
Quelle: INSTITUTO HIDROGRÁFICO DE LA MARINA (2006)

Karte der Straße von Gibraltar, in enem schwarz umgrenzten Bereich gilt das Tempolimit, in Pink dargestellt sind Hauptverbreitungsgebiete einer lokalen Pottwalpopulation

Berlin, 27.10.2010 - Enttäuschung beim Schutz der Schweinswale - Koalition stimmt gegen GRD-Petition zum Verbot von Speedbootrennen in der Ostsee - Kein Schutz für bedrohte einheimische Schweinswale

Speedbootrennen werden auch zukünftig die vom Aussterben bedrohten Schweinswale in der Ostsee gefährden. Die Koalitionsparteien haben mit ihrer Mehrheit die GRD-Petition abgewiesen, die sich dafür einsetzte, die Rennen auf der Ostsee in den deutschen Hoheitsgewässern zu verbieten.

"Es ist sehr enttäuschend, dass die Koalition einen Rückzieher macht, wenn es um wirkungsvollen Schutz der bedrohten Tiere geht", sagt Valerie Wilms, die in der grünen Bundestagsfraktion für maritime Fragen zuständig ist. "Ein Verzicht auf solche Spaßveranstaltungen würde den enormen Lärmanstieg in der Ostsee wenigstens etwas dämpfen. Leider sind die Auflagen für die Veranstalter nicht ausreichend, denn Boote mit riesigen Motoren machen immer riesigen Lärm" so die Bundestagsabgeordnete.

Die Petition war im August letzten Jahres von der GRD im Zuge der Protestaktion gegen die Speedboot-Rallye "4 Elements Challenge" eingereicht worden und wurde heute im Petitionsausschuss verhandelt. Die grüne Bundestagsfraktion hatte sich für einen aktiven Schutz der Schweinswale eingesetzt und wollte mit einem entsprechenden Mehrheitsbeschluss die Petition dem Bundesverkehrsministerium weiter leiten, um ein Verbot von Speedbootrennen zu erreichen. Bedauerlicherweise stimmten die Koalitionäre jedoch für einen Abschluss der Petition. Damit wird sie folgenlos bleiben.

Noch im Sommer hatte es einen vielversprechenden Ansatz gegeben, als man sich fraktionsübergreifend auf eine Walschutzinitiative verständigte, mit der am Ende die internationale Einführung von Walfangquoten verhindert werden konnte. Deswegen war man jetzt optimistisch, auch beim Schutz der stark bedrohten heimischen Ostsee-Schweinswale weiter zu kommen.

Die Ostsee ist eines der am meisten befahrenen Meere. Die Lärmbelastung für die empfindlichen Tiere ist enorm und hat dazu beigetragen, dass sich die Population in den letzten zehn Jahren nahezu halbiert hat. Speedbootrennen finden auch in der Nähe von Schutzgebieten statt und stören vor allem durch die große Reichweite des Lärms die Meeressäuger. Sie verursachen Gehörschäden und verändern damit das Sozial- und Jagdverhalten.

Luxusjacht Queen-M in der kroatischen AdriaSan Diego/Kiel, 01.03.2012 - Bootslärm stört auch in mittleren Frequenzen das Walverhalten - Der Lärm, den der Mensch im Meer verursacht, stört Blauwale in ihrem Verhalten - auch wenn er nicht in Frequenzen der Walgesänge dringt.

Das berichten Biologen der University of California in San Diego im Open-Access-Journal "PLoS ONE". Je nach der Art des Geräusches stoßen die Wale selbst weniger oder mehr Töne aus, so das Ergebnis ihrer Studie. Ihre Gesänge brauchen die Meeresriesen für entscheidende Verhaltensweisen, die von der Nahrungssuche bis zur Paarung reichen.

Mehr Störfrequenzen als vermutet
Die Forscher um Mariana Melcon zeichneten im Pazifik zwei Sommer lang typische Futtersuch-Rufe der Blauwale auf. Erhoben wurden zudem Umgebungsgeräusche wie Wind und Regen, jedoch auch menschenverursachter Schall wie Schiffslärm sowie Sonarsignale in mittlerem Frequenzbereich zwischen ein und acht Kilohertz. Blauwale verständigen sich selbst mit deutlich tieferen Tönen von unter 100 Hertz, wobei der enorme Schalldruck von bis zu 180 Dezibel eine Kommunikation mit Artgenossen über hunderte Kilometer erlaubt.

Die kalifornischen Forscher konnten erstmals zeigen, dass Blauwale auch auf Frequenzen reagieren, die sie selbst nicht nutzen. Je mehr sich die Säuger einem Sonar näherten, desto seltener stießen sie selbst Laute aus, wobei dieser Effekt in einem großen Umkreis eintrat. Bei normalem Schiffslärm zeigte sich das Umgekehrte, denn die Wale waren in dessen Nähe am kommunikativsten. Die Tageszeit spielte dabei keine Rolle. Welche langfristigen Auswirkungen dieser Effekt bringt, bleibt weiterhin ungeklärt.

Ortung auf Kosten der Tierwelt
Schon früher zeigten die Forscher, dass Blauwale lautere Rufe ausstoßen, sobald Schiffe an ihnen passieren. "Der Effekt dürfte ähnlich sein wie bei Singvögeln, die in der Stadt lauter singen müssen, um sich zu verständigen", berichtet der Fischereibiologe Rainer Froese vom Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften GEOMAR, im pressetext-Interview. Schiffe seien durch ihren Lärm nach heutigem Wissensstand kein großes Problem für Wale - abgesehen davon, dass sie bei Kreuzungen mit Walwanderrouten ab und zu mit an der Oberfläche schlafenden Walen zusammenstoßen.

Als weitaus gefährlicher bezeichnet Froese die Schiffssonare. "Militärische Ortungssignale sind teils so stark, dass sie das Hörzentrum und damit auch die Orientierung von Walen beschädigen können. Auffällig ist, dass Massenstrandungen von Walen gehäuft in jenen Regionen vorkommen, in denen es zuvor militärische Übungen etwa zum Aufspüren von U-Booten gab."

Doch auch die Suche nach Erdöl- und Gasfeldern auf dem Meeresboden durch die Industrie dürfte ähnlich verheerende Wirkung haben, verwendet sie doch starke Explosionen unter Wasser.

⇒ Bericht im Open-Access-Journal "PLoS ONE"

Quelle/Autor:
pressetext.redaktion - Johannes Pernsteiner
Website: www.pressetext.com

Delfine im kleinen Pool im Hotel Gran Bahia Principe Tulum, Mexiko.

Es ist ein Anfang, auch wenn wir uns natürlich gewünscht hätten, dass das Verbot für ganz Mexiko gelten würde. Aber immerhin:

Als erster der 32 mexikanischen Bundesstaaten verbietet der Bundesdistrikt Mexico City die Delfinhaltung für Showzwecke und Schwimmprogramme mit Delfinen.

Wie die mexikanische NGO AnimaNaturalis erklärt, wurde das Gesetz einstimmig im Distriktparlament angenommen. Derzeit existiert dort ein Delfinarium mit 2 Delfinen und 2 Seelöwen. Es ist ein sehr wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, auch wenn angesichts der über 300 Delfine, die in rund 30 Einrichtungen in ganz Mexiko gehalten werden, noch viel zu tun bleibt.

Delfinpools mitten in Hotelanlagen
Mehrere Urlauber stehen um einen Delfin, um ihn zu streicheln7 Tage die Woche müssen die Delfine den Urlaubern zum Streicheln, Schwimmen, Trainieren zur Verfügung stehen. Für die intelligenten und sozial lebenden Meeressäuger ist das alles andere als ein Vergnügen.
Foto: S. Pütz
Die Initiative kam von den Grünen in Mexiko (PVEM), deren Anträge in anderen Bundesstaaten bislang scheiterten, wie etwa im April in Quintana Roo an der Karibikküste, eine Gegend, die auch als Riviera Maya bekannt ist. Dort wehrten sich die Vertreter der National Action Party (PAN) vehement gegen ein Verbot der Delfinhaltung, da dies das Ende einer Industrie bedeuten würde, die Hunderte von Jobs generiere. Allein dort gibt es mehrere Anlagen, die unter anderem von der Firma Dolphinaris betrieben werden.

Teilweise existieren Delfinpools sogar mitten in den Hotelanlagen mit Becken, die jeder Beschreibung spotten. Das Ganze ist zurzeit leider alles legal!

Tortur, und für die Delfine alles andere als Spaß!
Eine Studie der NGO Delfines en Libertad von 2015, die 16 unterschiedliche Delfinanlagen vor allem im Bundesstaat Quintana Roo besuchte, einer beliebten Urlaubsregion mit den meisten solcher Anlagen, zeigt auf, welche Torturen die Delfine dort erleiden müssen: enge Käfige, mehrmals täglich lärmende Shows, mehrmals täglich mit Touristen Schwimmen und Kunststückchen absolvieren und vieles mehr.

Etliche Tiere tragen sichtbare Spuren dieser Qual. So berichtet Delfines en Libertad: "In allen von uns besuchten Anlagen wiesen die Delfine Verletzungen an ihrer Schnauze auf. Manche Wunden waren sehr schlimm." Diese Verletzungen entstehen laut Bericht beim sogenannten "Foot Push": Zwei Delfine nähern sich rasch dem Schwimmer, setzen ihr Rostrum jeweils unter einen Fuß des Schwimmers und schubsen ihn aus dem Wasser. "Die Person befindet sich ein paar Sekunden lang außerhalb des Wassers und wird dann noch ein paar Meter weitergeschoben."

Dringender Appell an Mexiko-Urlauber
Wir appellieren an Mexiko-Urlauber: Verzichten Sie auf Besuche in Delfinpools und Delfinarien! Mit jedem Besuch unterstützen Sie die tierquälerische Ausbeutung der Meeressäuger! Boykottieren Sie Hotelanlagen mit Delfinpools!
Ulrike Kirsch, August 2017

 

⇒ Online-Protestaktion gegen Delfinhaltung im Ferienressort Gran Bahia Principe Tulum in Mexiko

 

"Die Geschichte von Chaak" - Über das traurige Leben in einem Delfinarium an der Riviera Maya:

 

Trainer steht auf dem Kopf eines Delfins.

 

Völlig unerwartet brachte Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal noch kurz vor der Präsidentschaftswahl ein Gesetz auf den Weg, welches die Nachzucht von Delfinen und Orcas in Gefangenschaftshaltung verbietet. Die GRD begrüßt das Gesetz als "historisch und sensationell".

Volle Breitseite auf Delfinarien
Ebenso soll zukünftig ein Haltungsverbot für die Meeressäuger gelten. Davon ausgenommen sind allerdings Delfine und Orcas, die sich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Erlasses schon in Gefangenschaft befanden. Trotzdem bedeutet die Regelung einen schweren Schlag gegen die Delfinariumsindustrie in Frankreich, deren Ende nun absehbar ist. So spricht, laut Spiegel-Online, der Chef des Freizeitparks Marineland in Antibes, von einer "Breitseite".

Harte Auflagen
In Frankreich und und Französisch-Polynesien sollen laut "Le Monde" in vier Delfinarien und Aquaparks rund 30 Delfine und vier Orcas leben. Für diese Tiere dürfte sich das Leben in Gefangenschaft jetzt etwas entspannter gestalten, während der Erlass von Ségolène Royal den Betreibern der Anlagen noch reichlich Kopfzerbrechen und sinkende Einnahmen bescheren dürfte.

So müssen die Showbecken um mindestens 150 Prozent vergrößert werden. Auch ein direkter Kontakt zwischen den Besuchern und Meeressäugern ist künftig verboten - das betrifft auch das finanziell lukrative Angebot von "Schwimmen mit Delfinen Programmen". Und bei der Wasseraufbereitung für die Becken darf kein Chlor mehr eingesetzt werden. Diese technisch sehr aufwändigen und teuren Umbauten und Modifikationen wurde den Betreibern eine Frist von drei Jahren eingeräumt.

Vor ziemlich genau fünf Jahren hatte das Schweizer Parlament einem Importverbot für Delfine zugestimmt, das einem Nachzucht- und Haltungsverbot gleichkam: In der Folge musste das letzte Schweizer Delfinarium, das Lipperswiler "Connyland", im November 2013 schließen.

Bleibt zu hoffen, dass das Gesetz von Ségolène Royal auch unter einer neuen Regierung Bestand haben wird ...
Ulrich Karlowski, 08. Mai 2017

 

Weitere Informationen:

⇒ Im Urlaub kein Tierleid unterstützen: Delfinarien meiden

⇒ Bitteres Ende für Schweizer Delfinarium: Erneut ein Delfin tot

⇒ Koreanisches Delfinarium entlässt Delfine in die Freiheit

⇒ Japanischer Delfin stirbt nach Ankunft in Südkorea

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Delfine in Brandungswelle, Ponta do Ouro Schutzgebiet, Mosambik.

 

Zwei im Seoul Grand Park Delfinarium gehaltene Indopazifische Große Tümmler erhalten im Juli ihre Freiheit zurück. Das berichtet KBW World Radio.

Laut Angaben der Betreiber des Parkkomplexes im südlich der koreanischen Hauptstadt liegenden Gwacheon, gingen die beiden Delfine 1999 und 2002 vor der Südküste Koreas Fischern als Beifang in die Fangnetze. Die Tiere konnten gerettet werden. Sie wurden im Seoul Zoo im Seoul Grand Park untergebracht. Mit einer Fläche von 2 420 km2 ist der Seoul Zoo der größte und mit jährlich über 3,5 Millionen Besuchern auch der populärste des Landes.

Nicht ohne Risiko
Im Mai sollen die Delfine auf die südlich der koreanischen Halbinsel liegende subtropische Vulkaninsel Jeju gebracht werden. Dort will man sie auf das Leben in freier Wildbahn vorbereiten. Die Freilassung soll dann im Juli stattfinden. Ob die beiden nach so vielen Jahren der Gefangenschaftshaltung und nur wenigen Wochen Training in der Freiheit überleben werden? Entscheidend dürfte sein, ob und wenn ja, wie schnell, sie Anschluss an freilebende Artgenossen finden. Es ist nicht bekannt, ob nach der Freilassung der weitere Lebensweg der Tiere überwacht wird.

Erst im März hatte das Schicksal eines Delfins, der aus Japan kommend, nach seiner Ankunft in Südkorea verstorben war, in Korea für viel Bestürzung gesorgt. Das Tier hatte die brutale Treibjagd in der Todesbucht in Taiji (Japan) überlebt, wurde über 1000 Kilometer weit in ein Delfinarium im südkoreanischen Ulsan transportiert, wo es kurz nach der Ankunft verstarb.

Nach Angaben der koreanischen Delfinschutzorganisation Hotpinkdolphins leben in den acht koreanischen Delfinarien 41 Große Tümmler. Die meisten von ihnen stammen aus Japan.
Ulrich Karlowski, 23.04.2017

 

Weitere Informationen:

⇒ Japanischer Delfin stirbt nach Ankunft in Südkorea

⇒ Hotpinkdolphins

⇒ Spaß für Urlauber – Qual für Tiere: Verbände fordern Reisebranche zu Verbesserungen im Tier- und Artenschutz auf

⇒ Hoffnung für Delfine in Japan: Auf der Insel Toshima erhalten Delfine Bürgerstatus

 

 

 

 

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) bittet Urlauber mit den Reisezielen Mallorca, Türkei, Mexiko, Teneriffa oder Dominikanische Republik nachdrücklich darum, auf den Besuch von Delfinarien und Aquaparks, in denen Delfine gehalten werden, zu verzichten und im Urlaub kein Tierleid zu unterstützen.

Delfine leiden unter den katastrophalen Bedingungen der Gefangenschaftshaltung
Delfinarien in diesen und in vielen anderen Ländern, dienen ausschließlich der kommerziellen Ausbeutung der Delfine, die unter katastrophalen Haltungsbedingungen leiden und auch sterben.

Etwa im Hotel Gran Bahia Principe Tulum an der Karibikküste in Mexiko. Dort leben sechs Große Tümmler in einem nur ca. 4 m tiefen und ca. 20 m im Durchmesser großen Becken. Für die Hotelgäste werden Schwimmprogramme angeboten.

 

 

 

Zwei Define im Pool im Hotel Gran Bahia Principe Tulum, Mexiko. Trostlos: Delfinpool im Hotel Gran Bahia Principe Tulum, Mexiko.
Foto: G.S.
Man kann die Delfine streicheln, sich durchs Becken ziehen lassen, Trainer spielen... Kinder werden laut Prospekt aufgefordert, die Tiere zu küssen! "Für die Delfine ist dies der pure Stress. Sie haben keine Rückzugsmöglichkeiten, müssen sieben Tage die Woche von früh bis spät zum Vergnügen der Hotelgäste bereit sein", erklärt der GRD-Biologe Ulrich Karlowski. Ähnlich sieht es in Delfinarien der Türkei, der Dominikanischen Republik oder auf Mallorca und Teneriffa im dortigen "Loro Parque" aus.

Das Leid der Delfine bleibt den Urlaubern verborgen
Viele der in den Delfinarien oder Aquaparks gehaltenen Delfine stammen aus der freien Wildbahn. Manche wurden während der blutigen Massaker vor der japanischen Küste mitgefangen und für das Leben in Gefangenschaft aussortiert, während der Rest ihrer Familien vor ihren Augen geschächtet wurde. "Die meisten Delfinarien können nur existieren, weil sie ständig Nachschub aus Wildfängen erhalten und weil Urlauber, die die Nähe zu Tier und Natur suchen, aus Unwissen diese vermeintliche Attraktion besuchen. Das Leid der Delfine bleibt ihnen verborgen", sagt Ulrich Karlowski.

Nachhaltige Reiseangebote müssen tierschutzgerecht sein
Zahlreiche Reiseveranstalter haben sich zwar der Nachhaltigkeit verschrieben, z.B. bei der Reduzierung von Abfällen oder schonender Wassernutzung. Doch beim Thema Tiershows hat Gewinnmaximierung Vorrang. Obwohl z.B. die ehemalige REWE Touristik (jetzt DER-Touristik) Türkeireisenden Urlauber im Becken, ein Delfin springt aus dem Wasser.Delfinpool in der Türkei: Durch die künstliche Gefangenschaftssituation erhöht sich das Risiko von Bissen und Verletzungen.
Foto: A.Steffen
seit 2010 keine Ausflüge zu den Delfinarien an der Türkischen Riviera mehr anbietet und auch das "Horror-Delfinarium Manati-Park" in der Dominikanischen Republik aus dem Angebot genommen hat, können Urlauber noch Ausflüge zum Delfinarium "Dolphin Explorer" bei Punta Cana buchen, um dort an tierquälerischen Delfin-Schwimmprogrammen teilzunehmen.

Bereits 2015 forderte die GRD gemeinsam mit elf deutschen und internationalen Tier- und Artenschutzorganisationen von der deutschen Reisebranche, sich auf Kriterien für einen tierschutzgerechten Wildtier-Tourismus festzulegen. Geschehen ist seitdem nichts.

Die GRD rät, Wildtiere ausschließlich in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Und dies ausschließlich bei seriösen, umweltbewussten und nachhaltig operierenden Veranstaltern.
Pressemitteilung, 28. März 2017

 

Weitere Informationen:

⇒ Spaß für Urlauber – Qual für Tiere: Verbände fordern Reisebranche zu Verbesserungen im Tier- und Artenschutz auf

⇒ Türkei: Das Land, wo die Delfine leiden

⇒ "Die Geschichte von Chaak" - Über den trostlosen Alltag in einem Delfinarium

⇒ Japanischer Delfin stirbt nach Ankunft in Südkorea

⇒ Helsinki-Deklaration für die Rechte von Walen und Delfinen | Declaration of Rights for Cetaceans: Whales and Dolphins

 

Trainer steht auf dem Kopf eines Delfins.

 

Der ca. 20-minütige Dokumentarfilm "Die Geschichte von Chaak" des Projekts "Seeds of Awareness", entstand in einem Delfinarium bei Puerto Aventuras im Bundesstaat Quintana Roo an der Riviera Maya in Mexiko und wurde uns von engagierten Delfinschützern freundlicherweise zur Verbreitung zur Verfügung gestellt.

 

Zu sehen sind keine offensichtlichen Grausamkeiten gegenüber Delfinen, sondern die offensichtliche Grausamkeit des Alltags eines trost- und hoffnungslosen Lebens in Gefangenschaft.

Der Film schließt mit einem flammenden Appell für die Helsinki-Deklaration für die Rechte von Cetaceen.

In der 2010 formulierten Helsinki-Deklaration fordern international anerkannte Wissenschaftler grundlegende Rechte für Wale und Delfine, darunter die Rechte auf Leben, Freiheit und Freizügigkeit, den Schutz ihrer natürlichen Umgebung oder den Schutz ihrer Kulturen vor Zerstörung.

Delfin "Chaak" erzählt sein trauriges Leben
Das Projekt "Seeds of Awareness" entstand aus der Idee, in Gefangenschaft lebenden Delfinen zu helfen. Aufzuzeigen, was das alltägliche Leben für die Delfine bedeutet, die an der mexikanischen Riviera May jeden Tag performen und mit Touristen schwimmen müssen. Der Große Tümmler Chaak (Gott des Regens und des Donners in der alten Maya-Kultur) erzählt uns in dem Film über seinen Alltag, stellt uns einige seiner Mitgefangenen vor, berichtet über seine Arbeit, seine Traurigkeit und sein Heimweh nach seinem natürlichen Lebensraum in der Karibik.

Jeder einzelne hat es in der Hand: Delfinarien wie die Anlagen bei Puerto Aventuras können nur existieren, weil Touristen Geld dafür ausgeben, diesen gefangenen, traurigen Tierpersönlichkeiten nahe zu sein. Es ist eine Schande für die Menschen!
GRD-Presse. Mit herzlichem Dank an die Autoren des Films!

 

⇒ Helsinki-Deklaration für die Rechte von Walen und Delfinen | Declaration of Rights for Cetaceans: Whales and Dolphins

 

Trainer steht auf dem Kopf eines Delfins.

 

Tote Delfine liegen in einem offenen Fischerboot, das Meereswasser ringsum ist blutrot verfärbt.Was für ein Schicksal! Die brutale Treibjagd in die Todesbucht in Taiji (Japan) hat er überlebt. Er hat miterlebt, wie Menschen fast alle Mitglieder seiner Gruppe, Verwandte, Freunde, Bekannte, unbarmherzig niedermetzelten. Tiefrot färbte sich das Wasser der Bucht. Doch er wurde verschont, aussortiert und am Leben gelassen. Für eine Weile. Bis er seine Reise ins 1000 Kilometer entfernte Delfinarium im südkoreanischen Ulsan antrat. Es war seine letzte. Kurz nach der Ankunft Ende Februar starb der Große Tümmler. Die Todesursache ist unklar. In seinen Lungen und im Brustkorb fanden Tierärzte viel Blut.

Regierung soll den Import von Delfinen verbieten
Koreanische Tierschützer, wie Hotpinkdolphins, fordern jetzt von der Regierung einen vollständigen Einfuhrstopp für Delfine, berichtet The Korea Times. Bislang dürfen Große Tümmler mit einer Einfuhrerlaubnis des Fischereiministeriums offiziell nach Korea verfrachtet werden. Nach Angaben von Hotpinkdolphins stammen die meisten der 41 in acht koreanischen Delfinarien lebenden Großen Tümmler aus Japan, verkauft von den Delfinschlächtern aus Taiji.

Gefangene Delfine sollen Nachfrage nach Whale-Watching verstärken
Whale-Watching gehört in der im Südosten von Südkorea gelegenen Stadt Ulsan zu einer beliebten Touristenattraktion. Das Delfinarium dort wurde, so The Korea Times, eigens gebaut, um den Whale-Watching-Tourismus noch beliebter zu machen! Hotpinkdolphins fordert die Freilassung der im Ulsan-Delfinarium verbliebenen 4 Delfine und die Schließung der Anlage.

Ohne den Handel mit lebenden Delfinen keine Taiji-Massaker
Auch nachdem der Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) vor zwei Jahren seine Mitglieder aufgefordert hatte, keine Delfine aus Taiji mehr zu beziehen, bleibt Südkorea Einfallstor für Tiere aus der Todesbucht. Große Delfinarien befinden sich dort auf der Geoje-Insel, in Seoul, Ulsan und auf der südlich der Koreanischen Halbinsel gelegenen Vulkaninsel Jejudo. Immer wieder kommt es unter den importierten Delfinen zu unerklärlichen Todesfällen. Ihr Leben in Gefangenschaft währt meist nicht sehr lange.

Der Verkauf von Delfinen in Delfinarien ist Hauptantrieb für die Fischer von Taiji, ihr blutrünstiges Tun fortzuführen. Sämtliche Versuche, die japanischen Regierung zum Handeln zu bewegen, um den sinnlosen Massakern Einhalt zu gebieten, waren bislang vergeblich.
Ulrich Karlowski, März 2017

 

Weitere Informationen:

⇒ Hotpinkdolphins

⇒ Spaß für Urlauber – Qual für Tiere: Verbände fordern Reisebranche zu Verbesserungen im Tier- und Artenschutz auf

⇒ Wenn das Meer sich rot färbt: Japaner töten wieder Delfine

⇒ Hoffnung für Delfine in Japan: Auf der Insel Toshima erhalten Delfine Bürgerstatus

 

Sechs Menschen stehen dicht um einen Delfin und berühren ihn.

 

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) appelliert eindringlich an Türkei-Urlauber auf den Besuch von Delfinarien zu verzichten und Reisepläne in die Türkei zu hinterfragen.

Miserable Bedingungen für die Tiere - Tödliche Gefahr für Besucher
Delfinqäulerei in einem türkischen Delfinarium. Foto: A.SteffenDelfinqäulerei in einem türkischen Delfinarium.
Foto: A.Steffen
In der Türkei boomt das Geschäft mit Delfinarien und Delfin-Shows. Mindestens ein Dutzend derartiger Anlagen existieren dort, die meisten davon an Ägäis und Mittelmeer. Rund 50 Große Tümmler und mehrere der in arktischen Gewässern beheimateten Belugawale fristen dort unter miserablen Bedingungen ein mehr als trauriges Dasein. Die hygienischen Bedingungen sind oft vollkommen unzureichend und als absolute Gefährdung für die Tiere einzustufen.

Beim beliebten Schwimmen mit den Delfinen kann eine Gefährdung der Teilnehmer nicht ausgeschlossen werden. Die Sicherheit ist nicht gegeben und kann für die Besucher zur tödlichen Gefahr werden.

Deutsche Reiseanbieter nehmen türkische Delfinarien aus dem Programm
Bereits vor 7 Jahren hatte die damalige REWE Touristik mit den Veranstaltermarken ITS, JAHN REISEN und TJAEREBORG sich entschlossen, keine Ausflüge zu den Delfinarien an der Türkischen Riviera anzubieten. Die Entscheidung fiel nach einer Inspektion von 3 türkischen Delfinarien durch Experten der GRD und dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeauftragten Touristik der REWE Group.

Die Experten stellten im "Troy Dolphinarium" in Belek, im "Sealanya Dolphinarium" in Avsallar bei Alanya und im "Dolphinland" in Antalya massive Mängel in der Haltung, Versorgung und Unterbringung der Tiere fest. Ende Februar 2010 waren vier von elf Delfinen des Sealanya Yunus Park in Alanya unter bislang nicht geklärten Umständen ums Leben gekommen.

 

⇒ Situationsanalyse Delfinarien und Aquaparks, Türkei

Petition gegen Bau eines Delfinariums in Polen. Der polnische Umweltminister Maciej H. Grabowski hat den geplanten Bau des ersten Delfinariums in Polen gestoppt. Sein Ministerium werde keine Einfuhrerlaubnis für die Delfine erteilen.

Fast 1000.000 Unterschriften
Das ist ein großartiger Erfolg der Plattform "NIE! dla delfinarium" und andere polnische Umweltgruppen, die zu Protesten gegen die im 44 km südwestlich von Warschau gelegenen Mszczonów geplante Anlage aufgerufen haben. Zusammen hatten "NIE! Dla delfinarium", WWF-Polen und Greenpeace-Polen bis Anfang September fast 100.000 Unterstützer für ihre Petitionen.

Die GRD unterstützt die von polnischen Wissenschaftlern und Tierschützern gegründete Aktionsplattform "NIE! dla delfinarium - Petition to stop dolphinarium in Mszczonow". Wir danken allen, die die Petition mit ihrer Stimme unterstützt haben vielmals für ihren Einsatz!

Vier Große Tümmler sollten in der Anlage in Mszczonów ab 2017 mit ihren unfreiwillig erbrachten "Diensten" für so genannte "Delfintherapien" die Taschen der Betreiber füllen.

⇒ Zur Entscheidung des Ministers (engl.)

⇒ Radio Poland: Tear drops in the ocean

Petition gegen Bau von Delfinarium in Polen bitte weiter unterstützen!
Am 25. Oktober finden in Polen Parlamentswahlen statt. Es ist ungewiss, ob die derzeitige Regierung im Amt bleiben wird. Ein neuer polnischer Umweltminister könnte die Entscheidung von Maciej H. Grabowski kippen!

Deshalb bittet die Plattform "NIE! dla delfinarium" weiterhin um Unterstützung ihrer Petition.

⇒ Petition "NIE! dla delfinarium"

GRD-Presse, September 2015

München, 03.03.2015 - Verbände fordern Reisebranche zu Verbesserungen im Tier- und Artenschutz auf: Anlässlich der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), die vom 4. bis 8. März 2015 in Berlin stattfindet, fordern elf deutsche und internationale Tier- und Artenschutzorganisationen von den Reiseveranstaltern, Wildtiere vor Missbrauch als Touristenattraktion zu schützen.

 

Ob Delfine, Tiger oder Elefanten – noch immer müssen Wildtiere zur Unterhaltung von Touristen leiden.

Ein Kriterienkatalog soll den Reiseveranstaltern helfen, ihre Angebote tierfreundlich zu gestalten.

Ausrottung aus purer Gier
Attraktionen mit gefangenen Wildtieren stehen bei vielen Reisenden hoch im Kurs und füllen die Kassen der Veranstalter. Für die betroffenen Tiere bedeutet dies jedoch meist eine lebenslange Qual und einen frühen Tod. Besonders bedenklich ist, dass unzählige dieser Touristen-Tiere aus der freien Wildbahn stammen.

"Für einige Arten wird dieser Blutzoll mit dem Aussterben enden und das nur, damit skrupellose Reiseveranstalter schnelle Gewinne einfahren können", warnt der Biologe Ulrich Karlowski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD).

Die Tier- und Artenschutzverbände fordern, dass deutsche Reiseunternehmen sich zu wirklich tierfreundlichen Standards bekennen. Angebote wie Delfinarien, Wildtier-Shows, Elefanten als Reit- und Showtiere und unseriöse Tierwaisenhäuser müssen aus den Reiseangeboten verschwinden.

Kriterienkatalog zur Verhinderung von Tiermissbrauch
Mit ihrem Positionspapier wollen die Tierschützer der Reiseindustrie Kriterien an die Hand geben, die einen Missbrauch von Wildtieren für Touristenattraktionen verhindern und den Schutz von Wildtieren fördern.

Das Positionspapier wurde unterzeichnet von Animal Public e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Deutscher Tierschutzbund e.V., Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V., Meer e.V., Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., Peta Deutschland e.V., Pro Wildlife e.V., Vier Pfoten Stiftung für Tierschutz, Whale and Dolphin Conservation, World Animal Protection.

⇒ Gemeinsames Positionspapier: Wildtiere im Tourismus (PDF)

 

Trainer steht auf dem Kopf eines Delfins.

 

Zwei im türkischen Delfinarium Sealanya gefangene Große Tümmler dümpeln apathisch vor einem AbsperrgitterNachdem der Tourismuskonzern TUI auf Druck der GRD kurz vor Weihnachten bereits sein Angebot für das tierquälerische Delfinarium Cayo Santa Maria auf Kuba aus dem Ausflugsprogramm genommen hatte, wurden jetzt weltweit Bewerbung und Verkauf von Ausflügen zu Delfinarien fast vollständig gestoppt.

Seit Jahren setzt sich die GRD mit Erfolg bei den großen Tourismusanbietern dafür ein, dass diese keine Ausflüge in Delfinarien mehr anbieten.

So bieten die großen deutschen Reiseveranstalter seit 2010 ihren Gästen keine Ausflüge zu den Delfinarien an der Türkischen Riviera mehr an. Grundlage war eine Situationsanalyse vor Ort durch zwei GRD-Experten.

TUI stoppt Verkauf von Delfinariumsausflügen und deren Bewerbung
Auf Dauer scheint das Delfinariums-Angebot die TUI dann doch vor zu viele Imageprobleme gestellt zu haben. Jedenfalls sind Ausflüge, Bewerbung und Verkauf von Ausflügen in Delfinarien seit Januar 2014 gestoppt. Weiterhin teilte uns Annika Föhse, Referentin Nachhaltigkeitsmanagement, der TUI mit: "Auch soll es in unseren Reisekatalogen künftig keine Bilder mit Delfinen und Orcas und keine Katalogtexte mehr geben, die zum Besuch von Delfinarien ermuntern. Wir versuchen, dies bereits für die Winterkataloge 2014/15, die im Juni bzw. Juli 2015 erscheinen, umzusetzen."

Leider kein vollständiger Abschied von Delfinarien
Damit hat die TUI eine Vorreiterrolle im Tourismusbereich in Deutschland übernommen. Die GRD begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich und hofft sehr, dass sich andere Tourismuskonzerne dieser fortschrittlichen Haltung anschließen werden.

Doch so erfreulich der lange überfällige Schritt der TUI ist, so unerfreulich ist, dass es Ausnahmen gibt. Von der Regelung ausgenommen wurden, so die TUI, der Loro Parque auf Teneriffa sowie SeaWorld in Kalifornien und Florida. Diese Parks werden mehr als Themenparks angesehen, da die integrierten Delfinarien lediglich einen kleinen Teil des gesamten Angebotes darstellen. Dennoch wird die TUI auch hierfür die aktive Bewerbung im Internet und in den Katalogen einstellen.

Ein Gruppe von Touristen steht im flachen Wasser und hat einen Delfin eingekesselt, um ihn streicheln zu können, tödlicher Stress für den Meeressäuger, Delfinarium Sealanya, TürkeiEs ist aus Sicht der GRD sehr bedauerlich, dass die TUI ausgerechnet bei diesen "Schwergewichten" der internationalen Delfinariumsindustrie vor der eigenen Courage zurückschreckt. Denn spätestens seit dem erschütternden Dokumentarfilm BLACKFISH über die Hintergründe der tierquälerischen Haltung von Orcas in Gefangenschaft, die im Loro Parque und in den SeaWorlds stattfindet, sollte auch der TUI klar sein, das derartige "Themenparks" eine absolute No-Go-Area sind. Aber das kann ja noch kommen, wir bleiben jedenfalls dran!
GRD-Presse, Februar 2014

⇒ Die Welt v. 08.11.2013: Warum ein Wal seinen Menschen tötete

Drei im türkischen Delfinarium Sealanya gefangene Große Tümmler dümpeln traurig an der Wasseroberfläche vor einer Absperrung zu einem anderen Becken. Ein Delfin befindet sich direkt mit dem Maul an der Absperrung.Es ist unglaublich: Schon wieder ist im Schweizer Freizeitpark "Connyland" ein Delfin gestorben! Unmittelbar bevor er in ein Delfinarium in Jamaika verfrachtet werden sollte, erkrankte der achtjährige "Angel" und starb bereits am 3. November, wie die Geschäftsleitung des "Connyland" am 11. November eingestehen musste.

Laut Aussagen der Betreiber des "Connyland" starb "Angel" an einer stressbedingten Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Angeblich waren die Transportvorbereitungen zu viel für "Angel", die tägliche Routine wurde umgestellt, der Abtransport mit einer speziellen Trage wurde intensiv geübt – vielleicht zu intensiv?

Neue Heimat: Jamaika
"Chicky", die Mutter von "Angel", und ihr Junges "Secret" waren unter Polizeischutz und in speziellen Boxen verpackt am 9. November mit einer Boeing 737 vom Flughafen Zürich auf den Weg nach Jamaika gebracht worden. Dort sollen sie am folgenden Tag in ihrer neuen Heimat, dem Lagunen-Delfinarium "Dolphin Cove", angekommen sein.

Schweiz verhängt Importverbot für Delfine
Im Mai 2012 hatte das Schweizer Parlament einem Importverbot für Delfine zugestimmt, die Mehrheit der Parlamentarier folgte dabei der Argumentation, wonach Delfine nicht artgerecht gehalten werden könnten – schon gar nicht im Binnenland Schweiz.

Das Ende einer Sackgasse und einer traurigen Ära
Ohne neue Delfine konnte das "Connyland" die Gefangenschaftshaltung nicht weiterführen, da die drei verbliebenen Tümmler alle miteinander verwandt sind (eine Mutter mit ihren zwei männlichen Jungtieren) – an dieser Sackgasse, in die sich das "Connyland" letztendlich selbst manövriert hat, wird einmal mehr der haarsträubende Unsinn der Haltung von Delfinen in Gefangenschaft deutlich. So musste nach 40 Jahren die Delfinhaltung in der Schweiz endlich aufgegeben werden. Viele Delfine - viel zu viele - haben diesen eidgenössischen Irrsinn mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Neun tote Delfine in nur 4 Jahren
Ende November 2011 waren im "Connyland" die beiden Großen Tümmler "Shadow" und "Chelmers" binnen einer Woche unter immer noch nicht restlich geklärten Umständen einen offensichtlich sehr schmerzvollen Tod gestorben. Damit hatte das "Connyland" in gerade nur vier Jahren acht Delfine verloren, jetzt ist mit Angel der neunte dazugekommen.
U. Karlowski, 12.11.2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erniedrigende Beluga-Show im türkischen Delfinarium Dolphinland"Das ist eine wichtige Entscheidung und eine schwere Niederlage für US-Delfinarien", kommentiert die GRD den Beschluss der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (National Oceanic and Atmospheric Administration / NOAA), einen Importantrag des Georgia Aquariums für sage und schreibe 18 in russischen Gewässern wild gefangenen Weißwalen oder Belugas (Delphinapterus leucas) abzulehnen.

Die GRD hatte - wie zahlreiche andere internationale Tier - und Naturschutzorganisationen - im Oktober vergangenen Jahres bei der NOAA Einspruch gegen den Import eingereicht und zu Protesten aufgerufen. Die NOAA bestätigte in ihrer Ablehnung einen von mehreren von den Organisationen vorgebrachten Kritikpunkt: Der Fang könnte schädigende Auswirkungen für den Belugabestand im Ochotskischen Meer gehabt haben.

Wir danken allen Mitgliedern und Unterstützern, die unserem Protestaufruf gefolgt sind, ganz herzlich. Dieser Erfolg ist auch Ihr Erfolg!

"Beluga-Flut" in den USA?
Im Georgia Aquarium leben derzeit (noch) 4 Belugas, insgesamt sind in dieser erst seit 2006 bestehenden Anlage aber bereits 4 Weißwale verstorben. So hatte das Aquarium bereits 2010 den Importantrag für 18 neue Belugas gestellt. Sie wären die ersten Wildfänge für amerikanische Delfinarien seit 20 Jahren gewesen.

Hautschäden am Kinn eines Belugawals durch zu hohe Wassertemperaturen im Troy-Delfinarium in Belek, TürkeiDas Aquarium wollte die Belugas aus der an der russischen Schwarzmeerküste befindlichen Utrish-Meeressäugerforschungsstaion importieren.

Mit einigen der wegen ihrer Stimmfreudigkeit auch als "Kanarienvögel der Meere" bekannten weißen Wale wollte man in der eigenen Anlage ein Schwimmprogramm aufbauen, die restlichen sollten auf Partner-Delfinarien verteilt warden, darunter Sea World Anlagen in Texas, Kalifornien, Florida und das Shedd Aquarium in Chicago. Die Wale waren in russischen Gewässern im Ochotskischen Meer zwischen 2006 und 2011 gefangen worden.

Nur das Geld zählt - Das Leiden der Tiere spielt keine Rolle
Da wild lebende Belugas in US-Gewässern vor dieser Art kommerzieller Ausbeutung geschützt sind, versuchen Delfinariumsbetreiber es immer wieder, diese wunderbaren Meeressäuger, aus Ländern mit weniger strengen Vorschriften zu erhalten.

Für die in sozialen Verbänden lebenden und in den arktischen und subarktischen Gewässern von Russland, Grönland und Nordamerika heimischen Belugas ist die Haltung in Gefangenschaft die reinste Hölle, entsprechend hoch ist der "Tierverbrauch": 56 Belugas sollen bislang allein in US-Delfinarien frühzeitig gestorben sein.

Die unfassbare Skrupellosigkeit der Delfinariumsindustrie zeigt sich nicht nur an den Zahlen aus den USA. So gibt es weiße Wale auch in türkischen Delfinarien. Die an maximal 8 Grad Wassertemperatur angepassten Belugas müssen hier mit Werten von weit über 20 Grad klar kommen und sich im Zuge der zutiefst erniedrigenden Vorführungen sogar in die mit über 40 Grad sengend heiße Luft katapultieren oder am Beckenrand aufliegen, damit von Mitgefühl oder Wissen um die Tiere völlig imunisierte Touristen die bedauernswerten Kreaturen streicheln können.
U.Karlowski, August 2013

Ans Licht: Ein Großer Tümmler schwimmt der hell leuchtenden Meeresoberfläche entgegen.Nachdem im August 2012 die Bewohner der japanischen Insel Toshima den weltweit bis dahin einmaligen Schritt wagten, die in den Gewässern um die kleine Insel lebenden Delfine zu Mitbürgern zu erklären und sie damit als nicht-menschliche Personen anzuerkennen, ist jetzt ein ganzes Land diesem Schritt gefolgt:

In Indien wurden Delfine offiziell als nicht-menschliche Personen anerkannt, deren Rechte und Lebensbedürfnisse respektiert werden müssen.

Als direkte Folge dieser für den Delfinschutz bahnbrechenden Entscheidung werden sämtliche Bauvorhaben für Delfinarien in Indien abgebrochen und eingestellt. Das indische Ministerium für Umwelt und Forsten wies die Verwaltungen der Bundesstaaten an, Delfinarien und andere kommerzielle Unterhaltungsshows, für die Meeressäugerarten wie Große Tümmler oder Orcas gefangen werden, um sie anschließend in Gefangenschaft zu halten, zu verbieten.

Das Ministerium erklärte, es gäbe ausreichend viele wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Meeressäuger hoch intelligente und emphatische Lebewesen seien und sie als nicht-menschliche Personen anerkannt werden müssen. Die Entscheidung fiel nach wochenlangen Protesten im Bundesstaat Kerala gegen den Bau mehrerer Delfinarien.

Ein weiteres wegweisendes Beispiel für die Anerkennung von Delfinrechten
Die GRD freut sich sehr über diese klare Entscheidung der indischen Regierung und hofft, dass dieses weitere Beispiel für die Anerkennung der Delfine als eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten andere Staaten zur Nachahmung animieren wird.

"Die Entscheidung eröffnet eine völlig neue Diskussionsgrundlage für ethische Tierschutzfragen in Indien", erklärt Putja Mitra von der Vereinigung der indischen Tierschutzorganisationen (FIAPO, Federation of Indian Animal Protection Organisations). Für Ric O'Barry, den früheren Flipper-Trainer, der jetzt das Dolphin Project unserer amerikansichen Partnerorganisation Earth Island Institut leitet, ist dies "ein gewaltiger Sieg für die Delfine".

Delfinarien: Eine Lizenz zum Gelddrucken
Der wachsende Wohlstand von Teilen der indischen Bevölkerung führt zu einer stärkeren Nachfrage nach Vergnügungsangeboten. So gab es Pläne zum Bau neuer Delfinarien in Delhi, Kochi und Mumbai.

Die GRD hatte im Februar 2012 gemeinsam mit indischen und internationalen Tierschutzorganisationen erfolgreich gegen den Bau eines Delfinariums in Sindhudurg an der Küste des Arabischen Meeres protestiert. Dort sollte ein gigantisches Sea World mit Aquarium, Delfinarium plus Anlage zum Trainieren der Delfine, Theater, Themenrestaurants und Ferienhäusern entstehen.

Touristin wird von Delfin durch's Wasser gezogen, Delfinarium Belek, Türkei."Es gibt keine bessere Möglichkeit auf schnellem Wege viel Geld zuverdienen, als trainierte Delfine in Vergnügungsparks zu präsentieren", sagt Belinda Wright von der Wildlife Protection Society of India. "Nur den wenigsten Besucher ist bewusst, in welchem Ausmaß die Tiere unter den Bedingungen der Gefangenschaftshaltung leiden".

Wir kämpfen für eine eigene Delfin-Ethik und die Anerkennung der Delfine als nicht-menschliche Personen
Wenn man alle bislang bekannten Eigenschaften dieser faszinierenden Meereslebewesen überdenkt, dann drängt sich zwangsläufig der Schluss auf, dass man es hier mit eigenständigen, nicht-menschlichen Personen zu tun hat, die dasselbe (gesetzlich verbriefte) Recht auf Leben, Freiheit und Gesundheit wie Menschen haben sollten.

Es verbietet sich eigentlich von selbst, diese Tiere für Shows oder das angeblich "therapeutische Schwimmen" in Gefangenschaft zu halten und solche Angebote als Kunde zu wahrzunehmen, sie zu Tausenden als Beifangopfer auf dem Alter der Profitmaximierung der industriellen Fischerei zu opfern oder sie als Nahrungsquelle zu nutzen.
Juli 2013, U. Karlowski

Erschöpfter Großer Tümmler im Sealanya-Delfinarium, TürkeiFebruar 2012 - Toller Erfolg: Geplanter Bau eines Delfinariums in Indien vom Tisch! Auf Druck internationaler Proteste entschied sich das indische Umweltministerium gegen den Bau eines Delfinariums in Sindhudurg an der Küste des Arabischen Meeres. Dort sollte ein gigantisches Sea World mit Aquarium, Delfinarium plus Anlage zum Trainieren der Delfine, Theater, Themenrestaurants und Ferienhäusern entstehen.

Am 20. Januar erreichte uns ein Hilferuf aus Indien. Die FIAPO (Federation of Indian Animal Protection Organisations), ein Zusammenschluss von ca. 80 Tierschutzorganisationen in Indien, bat Naturschützer auf der ganzen Welt um Unterstützung bei ihrem Kampf gegen das geplante Delfinarium.

Wir wandten uns daraufhin sofort an die indische Regierung und lancierten eine Protestaktion. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die Delfine sind vorerst gerettet und Indien bleibt delfinarienfrei!

Wir danken allen, die sich am Protest beteiligt haben!

Logo von Ecocare MaledivesPressemitteilung, 08.05.2012 - Dank internationaler Proteste, an denen sich auch die GRD und ihre Unterstützer beteiligt hatten, sind die Pläne für den Bau eines Delfinariums auf den Malediven vorerst vom Tisch.

Anfang des Jahres hatte die GRD dazu aufgerufen, den vom Earth Island Institute (EII) und der ortsansässigen NGO Ecocare gestarteten Online-Protest gegen die geplante "Delfinlagune" zu unterstützen, nachdem es bei Demonstrationen vor Ort sogar zu Handgreiflichkeiten gegen unseren Freund und Kollegen Mark Berman vom EII gekommen war.

Ende April nun versicherte der Fischereiminister Ahmed Shafeeu in einem persönlichen Gespräch mit Mark Berman und Paolo Bray von Friend of the Sea (FoS), dass der vor Kurzem neu gewählte Präsident und sein Kabinett keine Gefangenschaftshaltung von Delfinen befürworteten und auch keine Pläne für Delfinarien verfolgten.

Der Minister besuchte die beiden überraschend auf der alljährlich stattfindenden "Seafood Exposition" (Messe für Meeresprodukte) in Brüssel, wo das EII und FoS als Partnerorganisationen der GRD ebenfalls vertreten sind, um Fischereibetriebe und Verarbeiter über delfinsichere und nachhaltige Fangmethoden beim Thunfischfang aufzuklären.

Beim Thunfischfang gelten die Malediven als vorbildlich, da der Thun mit Angelruten gefischt wird, einer Methode, die zu den selektivsten und schonensten überhaupt zählt. Schone lange sind die dortigen Firmen Mitglied des Internationalen Kontrollprogramms für delfinsicheren Thunfisch/SAFE, dessen Kontrollen in Deutschland von der GRD durchgeführt werden.

Die GRD begrüßt, dass das Naturparadies im Indischen Ozean auch beim Thema Gefangenschaftshaltung ein Herz für Delfine zeigt und seinem Motto "Always Natural" treu bleibt.

Die Delfinariumspläne waren nicht bei allen Inselbewohnern auf Zustimmung gestoßen. Wegen ethischer Bedenken, aber auch aus Gründen des Artenschutzes und der mit Meeresanlagen verbundenen Umweltverschmutzung hatte ECOCARE Maldives zusammen mit mehreren ortsansässigen Tauchschulen und Tauchverbänden eine Kampagne gegen die geplante Delfinlagune gestartet und international viel Unterstützung gefunden.
Ulrike Kirsch

Zwei Delfine im Hotel-Pool im Hotel Gran Bahia Principe Tulum, Mexiko.Wer die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ablehnt, hat als Gast im Gran Bahia Principe Tulum keine Chance, dem Tierleid zu entkommen. Die GRD rät Mexiko-Urlaubern daher dringend davon ab, dieses Hotel zu buchen.

Im Hotel Gran Bahia Principe Tulum an der Karibikküste in Mexiko erleben Tierfreunde das "Grauen der Delfine"
Sechs Große Tümmler werden, keine 20 m von ihrem natürlichen Lebensraum entfernt, unter katastrophalen Bedingungen in einem winzigen Becken auf der Anlage des Ferienresorts gehalten. Im ca. 4 m tiefen und ca. 20 m im Durchmesser "großen" Pool dürfen sich die Gäste gegen zusätzliche Gebühr mit den Tieren vergnügen, sie streicheln, sich durchs Becken ziehen lassen, Trainer spielen… Kinder werden laut Prospekt sogar aufgefordert, die Delfine zu küssen!

Mehrere Urlauber stehen um einen Delfin, um ihn zu streicheln7 Tage die Woche müssen die Delfine den Urlaubern zum Streicheln, Schwimmen, Trainieren zur Verfügung stehen. Für die intelligenten und sozial lebenden Meeressäuger ist das alles andere als ein Vergnügen.
Foto: S. Pütz
Für die Tiere ist dies die reinste Qual, nicht einmal minimalste Erleichterungen sind ihnen gegönnt: kein Schatten, keine Rückzugsmöglichkeiten, sieben Tage die Woche von früh bis spät "Dienst" zum Vergnügen der Hotelgäste. Die GRD fordert von den zuständigen Behörden in Mexiko die sofortige Schließung der Anlage und von den deutschen Reiseveranstaltern die Streichung des Ferienresorts aus ihrem Programm.

Der auf den Anlagen des Ferienresorts gelegene, aber von der externen Firma Dolphinaris betriebene Delfin-Pool wird nicht von jedem Veranstalter in der Hotelbeschreibung erwähnt (weil, so die "clevere" Erklärung, dieser ja offiziell nicht zum Resort gehört).

Deshalb gibt es für viele Gäste des Gran Bahia Principe Tulum eine böse Überraschung, so für den Gast, der uns auf diese Anlage aufmerksam machte:
"Morgens gegen 5.30 Uhr wurden wir durch ein lautes, jämmerliches Pfeifen geweckt. Als ich auf dem Balkon stand, sah ich […] Delfine, die sich auf den flacheren Beckenrand Kopf an Kopf gelegt hatten und schrien. Ich dachte, ich sehe nicht recht, und meine Begleiterin fing sofort an zu weinen, als sie diese armen Tiere sah. Wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, wären wir auf der Stelle abgereist."

Wir appellieren an Mexiko-Urlauber, das Hotel Gran Bahia Principe Tulum zu boykottieren! Bitte unterstützen Sie auch unsere Protestaktion.
Ulrike Kirsch
Weitere Fotos: Geraldine S.

 

⇒ Online-Protestaktion

 

Delfine im kleinen Pool im Hotel Gran Bahia Principe Tulum, Mexiko.

 

 

Anfang Februar 2013 war es endlich so weit: Das Delfinarium im Allwetterzoo Münster schließt seine Pforten! Die drei dort noch verbliebenen männlichen Großen Tümmler "Nando", "Palawas" und "Rocco" sollen am Dienstagmorgen ins Delfinarium Haderwijk abtransportiert worden sein.

Ursprünglich wollte man die Delfinhaltung bereits Ende 2012 beenden, doch es gab wohl Probleme, eine Zeit lang schienen die Verantwortlichen nicht so recht zu wissen, wohin mit den Tieren. Während es sich bei Nando um ein "geparktes" Männchen aus dem Tiergarten Nürnberg handelt, stammen die beiden anderen Tümmler aus Haderwijk.

Der Abschied wurde aus nicht näher bekannten Gründen über mehrere Wochen vertagt. Das lang ersehnte Aus nach 38 Jahren Delfinhaltung hatte finanzielle Hintergründe. Die Anlage im Allwetterzoo ist mit ihrem gerade einmal 10 mal 20 Meter "großen" Hauptbecken absolut unterdimensioniert. Laut Zoochef Jörg Adler wären rund 20 bis 30 Millionen Euro nötig gewesen, um die Haltungsbedingungen auf den neuesten Stand zu bringen.

Die GRD begrüßt die längst überfällige Schließung des völlig veralteten Münsteraner Delfinariums ausdrücklich.

Von ehemals 9 Delfinarien in Deutschland haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten somit 7 Anlagen die Delfinhaltung aufgegeben:

  • Europapark Rust
  • Holiday Park Hassloch
  • Phantasialand Brühl
  • Tierpark Hagenbeck, Hamburg
  • Hansapark Sierksdorf
  • Heidepark Soltau (seit Herbst 2008)
  • Allwetterzoo, Münster

Somit existieren in Deutschland nur noch die beiden Delfinarien in den Zoos Nürnberg und Duisburg.

Delfin springt durch einen Feuerreifen in einem im Delfin-Wanderzirkus in IndonesienNach monatelangen Protesten aus der ganzen Welt hat der indonesische Forstminister jetzt zugesagt, Delfin-Wanderzirkusse zu verbieten und die verbleibenden Delfine zu rehabilitieren. Das ist ein toller Erfolg.

Wir danken allen, die unserem Aufruf gefolgt sind und sich an den Online-Protesten beteiligt haben. Mitmachen lohnt sich also!

Um sie auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten, kommen die etwa 72 Zirkusdelfine nun in eine Rehabilitationsanlage, die unsere Partnerorganisation Earth Island Institute zusammen mit der indonesischen Tierschutzorganisation JAAN (Jakarta Animal Aid Network) an der Küste errichtet hat.

Bis zuletzt hatten Mitglieder von indonesischen Wanderzirkussen mit harten Bandagen gekämpft, um ihre Pfründe zu verteidigen. Nur mit kugelsicheren Westen konnten der amerikanische Delfinschützer Ric O’Barry und Mitglieder von JAAN an einer vor Kurzem abgehaltenen öffentlichen Podiumsdiskussion in Jakarta über mobile Delfinshows teilnehmen! Anlass für diese drastischen Sicherheitsmaßnahmen waren Gewaltandrohungen und ein regelrechter Mob vor dem Veranstaltungsort.
Ulrike Kirsch, 14.02.2013

CRTA braucht Hilfe

Der Adria Patendelfin CRTA (Strich), ihr Baby springt unbeholfen auf Höhe der Rückenfinne der Mutter aus dem Wasser.

Crta (Strich), hat einen auffälligen waagrechten Strich in der oberen Finnenhälfte. Sie bekam 2002 Nachwuchs.

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Ihre Hilfe für bedrohte Delfine

Ein kleiner Delfin blickt uns neugierig an.

Delfine suchen Freunde!

Indopazifischer Großer Tümmler spielt mit einem Kugelfisch.

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