Ein Irawadi-Delfin schaut aus dem WasserSie sollen es also nicht geschafft haben, die letzten Irawadi-Delfine im laotischen Teil des Mekongs. Es ist zwar an der IUCN (Weltnaturschutzorganisation), Arten oder Populationen für ausgestorben zu erklären, doch angesichts angeblich nur noch drei überlebender Exemplare besteht nur wenig Hoffnung, dass sich die Population noch einmal erholen wird. Wenn es denn tatsächlich nur noch drei sind...

Weiß man es wirklich so genau?
Noch vor wenigen Monaten soll es, laut WWF, in dem an der Grenze zu Kambodscha gelegenen laotischen Teil des hier sehr verästelten Mekong-Flusses sechs Irawadi-Delfine gegeben haben. Doch das Beispiel des 2007 nach langer und intensiver Suche als wahrscheinlich ausgestorben eingestuften Chinesischen Flussdelfins Baiji zeigt, wie schwer es ist, das tatsächlich "letzte" Tier gezählt zu haben und die Hoffnung begraben zu müssen. Noch immer wird nicht gänzlich ausgeschlossen, einzelne Baijis übersehen zu haben.

Noch 70 bis 80 Irawadi-Delfine leben im kambodschanischen Teil des Mekong
Auf einem 180 Kilometer langen Mekongabschnitt zwischen der östlichen Provinz Kratie und der Grenze zu Laos wurde 2012 ein Schutzgebiet eingerichtet. Die Fischerei mit Stellnetzen und Fischkäfigen ist hier verboten, gänzlich eingestellt wurde der Fischfang im Schutzgebiet allerdings nicht.

Fischerei, Umweltgifte und Inzucht
Die Mekong-Populationen der Irawadi-Delfine sind hauptsächlich durch die Flussfischerei mit Stellnetzen, durch Inzucht und die Schwächung ihres Immunsystems durch Pestizide und Giftstoffe (DDT und PCB) gefährdet. Besonders das Immunsystem der Delfinkälber, die die gefährlichen Substanzen über die Muttermilch aufnehmen, wird zunehmend geschwächt. Das Insektizid DDT ist in Kambodscha zwar offiziell verboten, kommt jedoch immer noch zum Einsatz und gelangt so in das Ökosystem. PCB findet sich vor allem in Schiffsanstrichen, wo es Algenbewuchs verhindern soll. Es gibt keine Hoffnung, die Einleitung der Giftstoffe rechtzeitig zu stoppen.

Wanderer zwischen den Wasserwelten
Irawadis (Orcaella brevirostris) stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN mit dem Status "gefährdet" (mittelfristig hohes Risiko des Aussterbens). Die bis 2,6 m großen, hell gefärbten und äußerlich einem Belugawal ähnelnden Delfine sind in seichten Küstengewässern des tropischen Indopazifiks und großen Flusssystemen, wie Ganges oder Mekong, verbreitet. Irawadi-Delfine können bis zu 1300 Kilometer flussaufwärts wandern, manche wiederum leben vermutlich zeitlebens im Salzwasser. Sie halten sich nur wenige Kilometer von der Küste entfernt auf. Wie viele Exemplare es überhaupt noch gibt, ist nicht bekannt.

Irawadi-Delfine können ihren Gesichtsausdruck ändern
Irawadi-Delfine gehören zur Gruppe der Meeresdelfine. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Belugas werden sie, als ihr tropisches Äquivalent, oft auch zur Familie der Monodontidae (Gründelwale) gezählt. Beluga und Irawadi sind die einzigen Cetaceen, die ihren Gesichtsausdruck ändern können. Ähnlich wie der Beluga und der Narwal hat der Irawadi ein bewegliches Genick.

Gelegentlich sind Irawadi-Delfine mit Chinesischen Weißen Delfinen (Sousa chinensis) zu sehen, können aber mit diesen kaum verwechselt werden. Sehr häufig wird der Irawadi dagegen mit dem allerdings deutlich kleineren und finnenlosen Indischen Schweinswal oder mit wiederum deutlich größeren und schwereren Seekühen (Dugongs) verwechselt.

Irawadis sind immer für eine Überraschung gut
2005 wurde die Irawadi-Population vor Australien und Papua Neuguinea als eigene Art (Orcaella heinsohni), Australischer Stupsfinnendelfin, eingestuft. 2009 entdeckten Forscher der Wildlife Conservation Society (WCS) im Süßwasser der Sundarbans (Bangladesch), eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen völlig überraschend fast 6000 Irawadi-Delfine.
Ulrich Karlowski, 03. Oktober 2016
Foto: © Department of Fishery of Thailand

 

Weitere Informationen:

⇒ Kambodscha: Letzte Chance für bedrohte Mekong-Delfine

⇒ ntv - Traurige Mutmaßung: Baiji ausgestorben

SUN braucht Hilfe

Peru Patendelfin SUN, dümpelt ruhig im Wasser, Kopf, Blasloch und Finne sind sichtbar.

Die Rückenfinne von Sun hat eine weiße Narbe auf der linken Seite, von der wie Sonnenstrahlen mehrere kleine Kerben ausgehen.

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