Nach Schiffsunglück: Container im Meer

Kuriose Funde und Massensterben im Meer

Seit Januar häufen sich Berichte über seltsame Funde an Deutschlands Küsten. Immer wieder werden batteriebetriebene Spielzeugautos, Wasserkocher, Flachbildschirme oder Teppichstücke sowie Container im Meer gefunden. Zeitgleich wurde eine große Anzahl an Vogelkadavern an die Küsten geschwemmt. Unklar ist noch ob die beiden Ereignisse miteinander zusammenhängen.

Havarie der MSC ZOE

Ursache der kuriosen Funde ist ein Unfall des Containerschiffes “MSC Zoe”. Am 2. Januar havarierte er auf dem Weg von Antwerpen nach Bremerhaven vor der ostfriesischen Insel Borkum. Dabei verlor er laut Angaben des niederländischen Ministeriums für Verkehr und Wasserwirtschaft mindestens 345 Container. 

Gefahrgut über Bord

In den Containern befand sich Gefahrgut: unter anderem Boxen mit Lithium-Ionen-Batterien und Kunststofftütchen mit Dibenzolyperoxid. Zwei Container mit dieser gefährlichen Ware werden immer noch vermisst. Sie liegen wahrscheinlich auf dem Meeresboden.

Chemikalien ins Meer gespült

In den vergangenen Monaten wurden neben den größeren Produkten auch mehrere Säckchen an die Wattenmeer-Insel Schiermonnikoog gespült. Einige davon  gefüllt mit dem weißen Pulver (Dibenzolyperoxid) und andere bereits entleert. Somit ist es klar, dass sich diese Chemikalie im Meer verteilt hat. Dibenzolyperoxid ist nicht wasserlöslich, gewässergefährdend und bedroht Pflanzen und Tiere.  

Plastikprodukte und –Verpackungen gefährden Meeresbewohner

Nicht nur das Gefahrgut bereitet Sorge, sondern auch die Unmengen an Plastikmüll, welche nach der Havarie in das Meer gelangten. Durch Sonnenstrahlung, Wellenbewegungen und Meerwasser wird der Müll immer weiter zerkleinert. Die Zersetzung wird dafür sorgen, dass aus den größeren Plastikteilen Mikroplastik wird. Für die Meeresbewohner ist dies höchst gefährlich und oftmals tödlich. Denn die Lebewesen verwechseln Plastikmüll mit Nahrung und verhungern folglich bei vollem Magen. Außerdem geht von Mikroplastik womöglich eine noch nicht festgemachte, immense Gefahr für das gesamte Ökosystem Meer aus. Die kann auch zum Problem für den in der Nordsee heimischen Schweinswal werden. 

Havarie als Grund für Massensterben

Zeitgleich mit der Havarie wurden hunderte Kadaver von Alkenvögeln angeschwemmt. Dieses Massensterben könnte mit dem Unfall zusammenhängen und beunruhigt Forscher. Meeresbiologen schätzen die Dunkelziffer auf rund 20 000 tote Seevögel.

Biologe Mardik Leopold von der Universität Wageningen berichtet, dass es seit den 1980er Jahren keine ähnlich hohen Todeszahlen in den Niederlanden gab. Neben den massenhaft toten Trottellummen wurden viele kranke Tiere eingefangen und in Auffangstationen gebracht um sie zu versorgen. 

Ursache für Havarie bleibt ungeklärt

Die Ursache für das Unglück konnte noch nicht geklärt werden. Die MSC ist eine der größten Schiffe weltweit und erreicht eine Länge von mehr als 394 Metern und kann über 19000 Container transportieren. Der Grund für die Havarie wird immer noch untersucht. In Frage kommen Bodenberührungen aufgrund zu flacher Gewässer oder mangelnde Sicherung der Container.

Kein Einzelfall

Die Havarie der MSC Zoe ist kein Einzelfall: Nach Angaben der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) gehen jährlich bis zu 15 000 Container im Meer verloren. Folglich gelangen Chemikalien und Plastik ins Wasser und werden oft nicht wieder gefunden.

Die Aufeinanderstapelungen auf den gigantischen Schiffen werden immer höher. Somit wächst die Gefahr, dass Container über Bord gehen. Deswegen besteht aus politischer Seite Handlungs- und Aufklärungsbedarf.

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