GRD setzt sich bei Ostseeschutzkonvention HELCOM für den Schutz von Schweinswalen ein

Gewaltiges Umweltproblem: Verrottende Munition in deutschen Gewässern

Auf der Tagung der SUBMERGED-Arbeitsgruppe der Ostseeschutzkonvention HELCOM, die vom 22.-23. April 2015 in Bonn stattfand, konnte der Meeresbiologe Sven Koschinski für die GRD wichtige Fortschritte für den Schweinswalschutz erreichen.

HELCOM

Das Helsinki-Abkommen für den Schutz der Ostsee (HELCOM) aus dem Jahr 1974 sollte das Einbringen von Schad- und Nährstoffen in die Ostsee vermindern und dazu beitragen, sie von militärischen und anderen Altlasten zu befreien.

Dem Abkommen gehören alle neun Ostsee-Anrainerstaaten und die Europäische Union an. HELCOM kann nur Empfehlungen aussprechen, aber keine Beschlüsse oder Richtlinien verabschieden. SUBMERGED ist eine von mehreren Arbeitsgruppen und beschäftigt sich mit verborgenen Risiken unter Wasser wie Schiffswracks und Munition.

Tödliche Gefahren durch den Ausbau der Offshore-Windkraft

Siebzig Jahre nach dem 2. Weltkrieg ist die in Nord- und Ostsee vor sich hin rottende Munition (1,6 Millionen Tonnen in deutschen Gewässern) ein gewaltiges Umweltproblem. Neben der offensichtlichen Gefahr einer großflächigen toxischen Belastung mit Munitionsinhaltsstoffen ergibt sich für Schweinswale eine ganz besondere Gefahr durch Munitionssprengungen.

Der forcierte Ausbau der Offshore-Windenergie hat jetzt auch zur Folge, dass wieder verstärkt nach Munition gesucht wird, damit marine Großmunition wie Minen, Torpedos und Wasserbomben die teure Infrastruktur nicht gefährdet. Insbesondere alte Minensperren sind außerhalb der bekannten Versenkungsgebiete fast überall zu erwarten.

Marine Großmunition wird heute üblicherweise gesprengt. Noch in einer Entfernung mehrerer Kilometer kann dies für einen Schweinswal tödlich sein: Lungenrisse, Blutungen in Ohr oder Gehirn oder Hörschäden werden durch die Schockwelle einer Unterwasserexplosion hervorgerufen.

 

Der forcierte Ausbau der Offshore-Windenergie hat jetzt auch zur Folge, dass wieder verstärkt nach Munition gesucht wird.

Heftige Unterwasserdetonationen bald auch vor Warnemünde?

Wurden 2012 in der Nordsee noch 10 „Vernichtungssprengungen“ registriert, waren es 2014 in den Windpark-Baufeldern oder auf den Kabeltrassen bereits 25. In diesem Jahr hat es allein in den ersten vier Monaten schon über zwanzig Sprengungen gegeben. Weitere sollen in Kürze folgen. Da die Explosionen fernab der Küste stattfinden, berichten die Medien nicht darüber.

Ein derartiges Umweltdesaster droht auch der Ostsee, z.B. im Zusammenhang mit dem heftig umstrittenen Bau eines Windparks vor dem Ostseebad Warnemünde bei Rostock. Im Entwurf des Landesraumentwicklungsprogramms M-V (LEP) ist die Nutzung der küstennahen Bereiche innerhalb der 12-Meilen-Zone für Offshore-Windkraftanlagen vorgesehen. Vor Warnemünde sollen gewaltige Windenergieanlagen mit einer Bauhöhe von fast 200 Metern, höher als der Kölner Dom, in den Grund der Ostsee gerammt werden – ungeachtet der damit einhergehenden massiven Vernichtung von Meereslebewesen, so den vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswalen.

Die Genehmigungsbehörde BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg) fordert für Sprengungen in Windpark-Baufeldern zwar (immerhin) zur Verringerung der Schockwelle die Verwendung eines Blasenschleiers, aber eine Kontrolle wie bei den ebenfalls lauten Rammarbeiten für Offshore-Windkraftanlagen gibt es nicht. Auch existieren keine Handlungsanweisungen, wie ein Blasenschleier konstruiert sein muss. Somit ist zu befürchten, dass auch nutzlose Blasenschleier eingesetzt werden, nur um die Auflage des BSH zu erfüllen.

HELCOM-SUBMERGED erkennt Wichtigkeit von Schallminderungsmaßnahmen bei Sprengungen an

Es ist als Erfolg zu werten, dass – neben der reinen Kartierung von Unterwasserrisiken – jetzt ein Kapitel zu Minderungsmaßnahmen bei Sprengungen in den Bericht der Arbeitsgruppe aufgenommen werden soll. Sven Koschinski, der sich seit vielen Jahren mit dem Schutz von Schweinswalen und Unterwassermunition beschäftigt, wird einen Entwurf einreichen, der auf der nächsten Tagung in Göteborg diskutiert werden wird.

Naturschutzverbände fordern Bergung und Vernichtung an Land. Wir bleiben am Ball, damit es weiter vorangeht. Nach Auffassung der GRD ist die Sprengung von Altmunition unter Verwendung eines Blasenschleiers nur eine absolute Minimallösung. Die Bergung und unschädliche Vernichtung an Land ist eine unserer zusammen mit anderen Naturschutzverbänden immer wieder vorgetragene Forderung.
Foto oben: S. Koschinski/www.fjord-baelt.dk

 

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