Bleifarbene Delfine vor Richards Bay - Report vom Sichtungs-Team

by | 7. November 2018 | News - Südafrika

Schutz bedrohter Bleifarbener Delfine: Mithelfen als Citizen Scientist

Liebe Delfinfreunde,
am 25. Oktober 2018 installierten Mitarbeiter des KwaZulu-Natal Sharks Board (KZNSB) leider wieder das als „Teufelsnetz von Richards Bay“ zu sehr trauriger Berühmtheit gelangte net 99. Ein trauriger Tag. Die schöne Zeit der Sicherheit für Bleifarbene Delfine vor Richards Bay, Haie und viele andere Meerestiere ging damit zu Ende. Dummheit und Unvernunft der Menschen hatten obsiegt. Nur wenige Tage später sah es so aus, als hätte dieses in seiner Sinnlosigkeit nicht zu überbietende „Haischutznetz“ schon wieder Tod und Verderben verursacht. Doch der Reihe nach…

Auf Beobachtungsposten ab 6:30

Auch am 25. Oktober hatte ich wieder früh zugeschaltet und gleich um 06:37 Uhr das Glück den ersten Delfin zu entdecken. Doch so richtig in Schwung war ich noch nicht und der Delfin bereits wieder abgetaucht, als ich mit der Maus auf den Auslöser klickte.

Deshalb war ich nun um so aufmerksamer, und eine Runde später konnte ich tatsächlich zwei gelungene Fotos von einem Bleifarbenen Delfin aufnehmen, der noch an der gleichen Stelle herum schwamm.

Bleifarbene Delfine im Jagdfieber

Außerdem hatte ich Shanan Atkins in Johannesburg informiert, die um kurz vor 07:00 Uhr dann auch mit ihrem Mann Brett die manuelle Kontrolle der Kamera übernahm und wir gemeinsam Ausschau hielten.

Wir entdeckten typische Wasserspritzer und kleine Fontänen, die plötzlich in die Höhe schießen, wenn Delfine auf Beutejagd sind. Das ist sehr lustig und auch spannend zum Beobachten, da man die Tiere selber gar nicht sieht, aber man kann sich sehr gut vorstellen, wie sie unter der Oberfläche hin und her schnellen, um sich ihr begehrtes Mal zu erjagen.

Etwas später sahen wir zwei Tümmler mehrmals in der Nähe der Wrackboje auftauchen, die in Richtung offenes Meer unterwegs waren und schließlich auch das Sharks Board Boot passierten, deren Mannschaft offensichtlich noch nicht die morgendliche Netzkontrolle beendet hatte.

"Teufelsnetz" wird wieder ausgebracht

Das war sehr ungewöhnlich und wir waren sofort alarmiert. Wenige Augenblicke später bestätigte sich leider unsere Vermutung und wir sahen, wie das berüchtigte net 99 wieder ins Wasser gelassen wurde! Noch gibt es keine Information darüber, warum das Netz wieder eingesetzt wurde. Für die Bleifarbenen Delfine vor Richards Bay ist das jedenfalls gar keine gute Nachricht.

Schon wieder ein Todesfall im net 99?

Am Nachmittag des 5. November sehe ich um 15:10 etwas, das ausschaut wie eine Rückenflosse im net 99 und sich nicht bewegt. Ich bin sehr erschrocken und habe geistesgegenwärtig ein Foto gemacht und sofort Shanan und Dave vom HUMBACK DOLPHIN RESEARCH Team informiert.

Dave ist umgehend zum Strand gefahren, aber nach der nächsten Patrouille um 15:18 waren die Wellen zu hoch und weder Netz noch das nicht identifizierte ‚Objekt‘ zu sehen. 

Nach 17:30 habe ich nochmal eingeschaltet. Und tatsächlich – jetzt konnte man ganz deutlich sehen, dass dort etwas im Netz hing. Es war furchtbar zum Anschauen und ließ nichts Gutes erwarten!

Um 05:48 (Ortszeit Südafrika) saß ich dann am 6. November vor dem Computer, und nur wenige Minuten später um 05:57 kommt das Sharks Board Boot und steuert direkt den Abschnitt von net 99 an, wo das Unglück gestern passiert ist. 

Als ich sah, wie die Crew das Netz am Newark Beach aus dem Wasser geholt hat, wollte ich gerade aufatmen, als die Männer dann das neue Netz wieder ins Wasser gelassen haben. Ja, so ist das leider! Sie haben den Körper zum Boot geholt, sind danach weitergefahren zum Alkantstrand und um kurz nach 07:00 wieder zum Hafen zurück.

Etwas später tauchte am Alkantstrand noch ganz gemächlich ein Bleifarbener Delfin auf, der von alldem nichts wusste (oder doch???) und hoffentlich immer mit gebührendem Abstand den Netzen fern bleibt.

Entwarnung: Es war ein Sandtigerhai und er hat überlebt!

Es ist unglaublich, was nun tatsächlich am net 99 passiert ist. Es war ein Sandtigerhai und er hat überlebt! Trotzdem empfinde ich tiefes Mitgefühl für die arme Kreatur, wenn ich mir vorstelle, dass sie dort eine gefühlte Ewigkeit gefangen im Netz verbringen musste. ABER – SIE LEBT!!!

Mike Anderson-Reade vom Richards Bay Sharks Board erklärt, was passierte:
No dolphin was caught in Net 99.  There were no captures found in the net during the morning servicing on Monday 5th. A raggedtooth shark however was tagged and released on Tuesday morning from that net. It was visible on the surface when the staff got there and had survived the night which is not uncommon for them as raggies are able to ventilate themselves by gulping water. The shark was belly up which I suspect is what can be seen in the picture and our staff spent quite a long time getting rid of the air from the sharks gut prior to release.

Der Hai wurde sozusagen „wiederbelebt“ – immerhin.

Dolphin alarm raised from afar

Lasst euch also begeistern und seid neugierig auf die Delfine

Ihr helft damit aktiv mit, wichtige Daten zu sammeln, die unentbehrlich sind damit das Projekt am Ende auch erfolgreich sein wird. Die todbringenden Hainetze sollen ein für alle Male von den Stränden in KwaZulu Natal verschwinden.
Vielen Dank für euer Interesse und eure Hilfe!

Im Visier: net 99

Besonders im Visier der Beobachtungen ist das vor Newark Beach installierte Hainetz „net 99“. In den vergangenen 10 Jahren verfingen sich 5 Haie in diesem Netz. Nur einer gehörte einer für den Menschen potentiell gefährlichen Art an. Doch im gleichen Zeitraum starben 15 Bleifarbene Delfine! Dabei ist „net 99“ völlig überflüssig: Nur sehr wenige Menschen nutzen den von ihm „geschützten“ Strand.

Ein wichtiges Ziel der Projektarbeit ist, dass dieses Hainetz abgebaut wird. Bereits im November 2017 stimmten stimmten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung von uMhlathuze zu, dass „net 99“ auf eine Länge von 100 m halbiert werden soll. Bis heute ist die Umsetzung dieser dringend notwendigen Maßnahme an bürokratischen Hürden und undurchsichtigem Kompetenzgerangel gescheitert.

Aussterben verhindern!

Unterstützen Sie mit Ihren LiveCam-Sichtungsmeldungen als Citizen Scientist das Team von Humpack Dolphine Research.

Helfen Sie mit Ihrer Spende das Aussterben der Bleifarbenen Delfine in Südafrika zu verhindern!
Fotos oben: Brett Atkins, Judith Leiter und David Savides

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LineL

LineL lebt das ganze Jahr über in den Gewässern von Richards Bay und wurde im Mai 1998 erstmals gesichtet. Auf dem Bild ist sie mit Nachwuchs "Lilo" (hinten) zu sehen.

Zipper

Zipper ist ein Weibchen, das bereits seit sehr langer Zeit regelmäßig vor Richards Bay beobachtet wird. Die mehrfache Mutter dürfte mindestens 34 Jahre alt sein.

Venus

Das Delfinweibchen Venus (im Bild hinten) wird vor Richards Bay am häufigsten gesichtet. Sie dürfte mindestens 30 Jahre alt sein und ist dreifache Mutter.

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