Delfin-Totfund in der Flensburger Förde
Ein Gemeiner Delfin ist an der deutschen Ostseeküste gestorben
Am Wochenende wurde am Ufer der Holnisser Spitze, unweit von Glücksburg, ein Delfin-Bulle leblos aufgefunden. Einer ersten Einschätzung zufolge soll sich der Gemeine Delfin in einem schlechten Ernährungszustand befunden haben. Weitere Untersuchungen werden derzeit in Büsum vorgenommen.
Weshalb zieht es Delfine in die Ostsee?
Im Normalfall ist die Ostsee keine Heimat für Delfine, vielmehr leben sie in Schulen im Atlantik und anderen Ozeanen mit großem Nahrungsangebot. Dass sie trotzdem gelegentlich an den deutschen Ostseeküsten auftauchen, liegt an Fischschwärmen, denen sie über Skagerrak und Kattegat folgen.
Diesen Weg wird auch jener Gemeine Delfin zurückgelegt haben, der am 2. Juli an der Spitze der Halbinsel Holnis (Flensburger Förde) tot aufgefunden wurde. An diesem Tag hatte der Delfin-Bulle bereits den zweiten Grad der Verwesung erreicht und wurde nach der Übergabe an den zuständigen Seehundjäger zu Untersuchungen und Feststellung der Todesursache ins Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) nach Büsum transportiert.
So alt und schwer werden Gemeine Delfine im Normalfall
In einer ersten Einschätzung wurde festgestellt, dass der noch nicht ganz ausgewachsene Delfin mit einem Gewicht von 90 bis 100 Kilogramm vermutlich unterernährt war. Laut GRD-Artenführer erreichen erwachsene Tiere dieser Art ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm bei einer Größe zwischen 1,5 und 2,5 Metern. Ihre Lebenserwartung liegt bei ca. 50 Jahren.
Zu den letzten Delfinen, die an der deutschen Ostseeküste gestorben sind, gehört eine Delfin-Dame in der Eckernförder Bucht. Der menschenfreundliche Einzelgänger-Delfin litt an einer schweren Lungenentzündung in Verbindung mit mehreren tiefen Magengeschwüren und Parasitenbefall. Anfang 2021 verstarb das Weibchen – Overtourism wurde für den Tod ebenfalls als Ursache herangezogen.
Seit 1855 gibt es nach Informationen des Walforschers Andreas Pfander jetzt 36 Nachweise in Form von Fängen, Strandungen und Beifängen des Gemeinen Delfins in der Ostsee.
Foto: Andreas Pfander
Weitere Artikel
Delfinfunde 2025: Niedrige Fallzahlen, aber weiterhin Handlungsbedarf
Mit zwölf gemeldeten Todfunden blieb die Zahl verendeter Delfine an der kroatischen Adriaküste im Jahr 2025 vergleichsweise niedrig. Dennoch bedeutet jeder einzelne Todesfall einen schmerzlichen Verlust für die ohnehin kleinen Delfinpopulationen der Adria. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass sich die Delfine in der Region bemerkenswert gut an Lebensräume mit intensiver menschlicher Nutzung angepasst haben. Sie trotzen Schiffsverkehr, Tourismus und Fischerei und zeigen damit einerseits eine hohe Anpassungsfähigkeit und andererseits eine ausgeprägte Widerstandskraft gegenüber anthropogenen Umweltfaktoren. Ein konsequenter Schutz dieser sensiblen Meeressäuger bleibt nichtsdestotrotz unabdingbar.
weiterlesenDelfin-Beifang in der Biskaya sorgt für rapide sinkende Lebenserwartung
Am heutigen 22. Januar tritt zum dritten Mal in Folge ein einmonatiges Fischereiverbot im Golf von Biskaya in Kraft. Mit der Maßnahme reagiert die französische Regierung – auf Druck zahlreicher Umweltorganisationen – auf die hohen Beifangzahlen der vor der Küste lebenden Gemeinen Delfine. Wie dringend dieser Schritt ist, zeigt eine aktuelle Studie: Demnach ist die durchschnittliche Lebenserwartung weiblicher Gemeiner Delfine im Nordatlantik seit 1997 um rund sieben Jahre gesunken. Die Folgen für die Populationen sind dramatisch.
weiterlesenNeues Bündnis für den Schutz der Nordsee: Das Netzwerk Nordseeschutz (NeNo) nimmt Arbeit auf
Unsere Nordsee ist einzigartig! Doch Fischerei, Schiffsverkehr, Plastikmüll und Lärm von Offshore-Anlagen setzen ihr zu. Sie braucht dringend besseren Schutz – insbesondere für unsere heimischen Schweinswale, deren Bestände seit zwei Jahrzehnten zurückgehen. Am Beispiel dieser kleinen Wale wird deutlich, wie sehr die Artenvielfalt unter Druck gerät und wie notwendig effektive Schutzmaßnahmen sind.
weiterlesen
