Artenkunde

Delfin-Systematik - Artenkunde - Neue Delfinarten

Die Familie der Delphinidae (Delfinartigen) ist mit über 40 Arten die vielseitigste und vielfältigste unter den Cetaceen. Sie umfasst mindestens 28 Meeresdelfinarten, 5 Flussdelfinarten und sechs Zahnwalarten.
Foto oben: Bleifarbene Delfine (Sousa plumbea) vor Richards Bay, Südafrika von Brett Atkins

Die Meeresdelfine

Alle Meeresdelfine haben meist eine ausgeprägte Schnauze, einen stromlinienförmigen Körper, eine Einkerbung in der Mitte der Fluke und meist eine auffällige Rückenfinne. Unter ihnen gibt es sowohl Hochseearten als auch küstennah lebende Arten rund um den Globus. Vor allem Delfine, die im offenen Meer auf hoher See leben, haben weite Verbreitungsgebiete, in denen sie vorkommen. Der Schlankdelfin beispielsweise ist entlang eines breiten Gürtels in den tropischen und einigen gemäßigten Gewässern des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans anzutreffen.

Andere Delfinarten sind jedoch auf Küstengewässer und manchmal kleine Verbreitungsgebiet beschränkt und deshalb meist stark bedroht, wenn anthropogene Nutzungsformen in den Lebensraum eingreifen.

Die Kleinsten

Zu den kleinsten Delfinen mit einer Körpergröße von etwa 1,3 Metern gehört der Hector-Delfin, der vor der Küste Neuseelands lebt. Er zählt mit zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten. Ihre Vorliebe, sich in flachen Gewässern und Buchten aufzuhalten, wird den kleinen Meeressäugern oft zum Verhängnis, da sie sich in Stellnetzen der Fischer verfangen und ertrinken.

Ebenfalls mit zu den Kleinsten zählt der Amazonas-Sotalia, eine Delfinart, die in mehreren Farbvarianten sowohl im Meer als auch in Flüssen wie dem Amazonas vorkommt.

Die Bekanntesten

Zweifellos zu den bekanntesten Delfinarten zählt der Große Tümmler, da er in zahlreichen Delfinarien in Gefangenschaft gehalten und zur Schau gestellt wird. Die gelehrigen und intelligenten Tiere können bis zu 3,9 Meter groß werden. Auch die Fernsehsendung „Flipper“ hat zur Bekanntheit dieser Delfine und ihres Könnens beigetragen.

Ebenfalls zu den bekanntesten Arten zählt der mit bis zu 9,8 Metern und 9 Tonnen größte und schwerste Vertreter der Delphinidae, der Orca oder Schwertwal. Seine schwarz-weiße Zeichnung ist besonders schön und auch diese Art ist als Star von Kinofilmen bekannt geworden (Free Willy).

Die Unbekannten

Unter den weniger bekannten Arten finden wir Namen wie Heaviside-Delfin mit einem kleinen Verbreitungsgebiet vor der südafrikanischen Küste oder den Commerson-Delfin vor der südamerikanischen Küste von der Halbinsel Valdez bis Feuerland. Diese schwarz-weißen auch Jacobiter genannten Delfine sind besonders gefährdet, da sie als Köder für die Krebsfischerei gejagt werden.

Flussdelfine

Flussdelfine leben in einigen großen und oft schlammigen Flüssen in Asien und Südamerika, manche auch in daran angrenzenden Küstengewässern. Alle Flussdelfinarten sehen sich sehr ähnlich, denn ihr oft besonderes Aussehen ist eine Folge der Anpassung an den Lebensraum. Sie haben sehr kleine Augen, einen langen, schlanken Schnabel und breite Flipper. Flussdelfine sind klein, selten länger als 2,5 m und langsame Schwimmer.

Fünf Arten unterscheidet man, sie sind geografisch völlig voneinander isoliert und allesamt stark bedroht durch Fischerei, Wasserverschmutzung und Lebensraumzerstörung, u.a. durch Stauwerke. Der Chinesische Flussdelfin, auch Baiji genannt, der im Jangste beheimatet ist, gilt seit 2007 sogar als ausgestorben, obwohl diese Art bereits 1979 unter Schutz gestellt wurde. Doch illegale Jagd, die hemmungslose Zerstörung, Verschmutzung und Ausbeutung seines Lebensraumes ließ diesem Flussdelfin kaum Überlebenschancen.

Die großen Verwandten – die kleineren Zahnwale

Auch noch zu den Delfinartigen zählen ihre größten Vertreter, der oben bereits erwähnte Schwertwal (Orca), der Kleine Schwertwal, der Breitschnabeldelfin, der Indische und der Gewöhnliche Grindwal und als kleinster der Zwerggrindwal. Indische Grindwale sind häufig vor den Kanarischen Inseln anzutreffen. Diese Wale mit ihren rundlichen, mützenförmigen Finnen ruhen oft in Gruppen am Tage an der Wasseroberfläche und können gut beobachtet werden. Alle Arten sind gesellige Tiere, leben in strukturierten Gruppen und bevorzugen meist tiefere Gewässer.

Wie viele Delfinarten es genau gibt, ist nicht eindeutig, denn es werden immer noch neue Arten entdeckt!

Meist wird bei einer bereits bekannten Art festgestellt, dass es sich bei einer bestimmten, z.B. geografisch isolierten Population um eine eigenständige Art handelt. Rückschlüsse auf die Artzugehörigkeit allein aus Aussehen und Verhalten zu treffen ist bei Delfinen extrem schwierig. Zu groß ist die Variationsbreite für und zu ausgeprägt ist ihre Fähigkeit, sich unterschiedlichen Umweltbedingungen anzupassen.

Dies trifft insbesondere auf das Jagdverhalten zu. Die meist tradierten Jagdstrategien können dabei derart unterschiedlich sein, dass man allein deshalb meinen könnte, es hier mit verschiedenen Arten zu tun zu haben. Dies gilt in besonderem Maße für die weltweit am besten erforschte Art, den Großen Tümmler (Tursiops truncatus). Erst die Analyse des Erbgutes erlaubt sichere Rückschlüsse über die Artzugehörigkeit .

Die Aufspaltung einer Art hat schwerwiegende Folgen für Schutz- und Managementplände, falls es diese überhaupt gibt. Es ist ein Unterschied, ob Schutzmaßnahmen für eine regional vorkommende Population einer verbreiteten Art gedacht sind oder eine nur hier vorkommende Art vor dem Aussterben bewahrt werden soll.

Neue Delfinart bestätigt alte Evolutionstheorie

Nun ist es offiziell – es gibt vier Buckeldelfinarten. Der Australische Buckeldelfin ist der neuste Zugang dieser Gattung. Seine Existenz zeigt zudem, wie geografische Grenzen die Tierwelt formen.

Es hat lange gedauert: 17 Jahre lang haben internationale Walforscher daran gearbeitet, ein wenig Ordnung in eine Unterabteilung des Stammbaums der Meeressäuger zu bekommen. Sie haben alle verfügbaren historischen Daten analysiert, Beschreibungen und Genanalysen von Arten ausgewertet, um in der Gattung der Buckeldelfine aufzuräumen. Und nun ist es so weit: Sie präsentieren eine neue Art, den „Australischen Buckeldelfin“.

Neue Flussdelfinart im Amazonas

Seit fast hundert Jahren wurde keine neue Art von Flussdelfinen mehr entdeckt. Jetzt haben Forscher im brasilianischen Amazonasbecken den (Inia araguaiensis) als neue Art klassifiziert. Die eng mit dem bekannten Rosa Flussdelfin (Inia geoffrensis) oder Inia verwandten Delfine haben allerdings eine sehr unsichere Zukunft.

Wahrscheinlich gibt nicht einmal mehr tausend Exemplare. Die neue Art, der Araguaia-Delfin, zeichnet sich durch einen längeren Schädel und weniger Zähne im Vergleich zum Inia aus. Sein Lebensraum ist, soweit bislang bekannt, auf den Rio Araguaia in der Region Tucuruí (Bundesstaat Pará) auf rund tausend Quadratkilometer beschränkt. Viele Tiere der neuen Art leben in der Nähe eines Wasserkraftwerk-Staudamms.

Neue Tümmlerart: Der Burrunan Delfin

Seit September 2011 sind sich australische Forscher sicher, dass es nicht zwei, sondern drei Tümmler-Arten gibt.

Neben dem aus den TV-Sendungen „Flipper“ bekannten Großen Tümmler (Tursiops truncatus) und dem Indopazifischen Großen Tümmler (Tursiops aduncus) gibt es in den Gewässern vor dem australischen Bundesstaat Victoria eine Population von Tümmlern, die sich derart deutlich von den bisher bekannten Arten unterscheidet, dass sie als eigenständige Art – Tursiops australis oder Burrunan Delfin – klassifiziert werden muß.

Australischer Stupsfinnendelfin

Erstmals seit Jahrzehnten haben Wissenschaftler wieder eine neue Delfinart gefunden. Die Forscher benannten den Meeressäuger, der vor Australien lebt, nach seinen Flippern: Australischer Stupsfinnendelfin.

Der Meeressäuger ist mit dem Irawadi-Delfin verwandt und lebt in Küstengebieten vor Nordaustralien und Papua-Neuguinea. DNA-Analysen haben zweifelsfrei bewiesen, dass es sich um eine bisher unbekannte Spezies handelt, die nunmehr den Namen Australischer Stupsfinnendelfin (Orcaella heinsohni) trägt. Der Stupsfinnendelfin ist besonders bedroht, weil er in küstennahen, seichten Gewässern lebt. In diesem Lebensraum sind sie besonders anfällig für Bedrohungen durch den Menschen wie das versehentliche Einfangen in Netzen oder Meeresverschmutzung. Der Name der neuen Art geht auf den Delfin-Forscher George Heinsohn zurück, der mit seiner Arbeit an der James Cook University in den sechziger und siebziger Jahren wesentlich zur Identifizierung von Arten beitrug.

Quelle: spiegel online, 05.07.2005
Fotos: Meeresdelfine: Claudia Hautumn | Hector-Delfin: Stefan Dittman | Heaviside-Delfin: Manfred Marschner | Grindwale: Fabian Ritter | Rosa Buckeldelfin: Kai Binder – Das Netz | Neue Tümmlerart: Martina Gomercic

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