Delfine

Sozialverhalten

Sozialverhalten

Delfine sind hochintelligente Wesen mit Ich-Bewusstsein, Persönlichkeit und Einfühlungsvermögen, die in hoch komplexen sozialen Verbänden leben. Sie benutzen Werkzeuge, geben sich individuelle Namen, trauern um ihre Toten, können Verhaltensweisen, sogar artübergreifend, z.B. auch von Menschen, nachahmen und an ihre Nachfahren weitergeben, entwickeln also eine eigene Kultur.

Immer wieder überraschen die flinken Meeressäuger mit ihren erstaunlichen Fähigkeiten und die Art und Weise, wie sie ihr Zusammenleben gestalten. Dennoch hat die Forschung bislang erst einen Bruchteil dessen, was es alles noch zu entdecken gibt, herausgefunden. Doch das, was man jetzt schon weiß, reicht für viele Wissenschaftler aus, Delfinen den Status von „nichtmenschlichen Personen“ zuzusprechen. Wegen ihrer großen Menschenähnlichkeit werden Delfine auch als „unser Ebenbild im Meer“ bezeichnet, Forscher plädieren für eine eigene „Delfin-Ethik“.

Im August 2012 erklärten die Fischer der etwa 160 Kilometer vor Tokio gelegen Insel Toshima sämtliche Delfine, die sich rund um die Insel aufhalten, zu Mitbürgern.

Sag’s mit Schwämmen statt mit Blumen

Biologen von der University of Western Australia in Perth haben den vielen Beispielen für das immer wieder verblüffende Innovationsvermögen von Delfinen ein weiteres hinzugefügt: Männliche Australische Buckeldelfine (Sousa sahulensi) werben um die Gunst von Weibchen mit großen, außergewöhnlich geformten und farbenfrohen Meeresschwämmen oder Korallen.

Gelegentlich schleudern sie die Liebesgeschenke sogar in deren Richtung. Und das ist nun wirklich nicht häufig im Tierreich anzutreffen! Den Einsatz von Objekten, um fortpflanzungsfähige Weibchen zu umgarnen, kennt man sonst von einigen wenigen Vogelarten. Bei nicht-menschlichen Säugetieren ist dieses Verhalten extrem selten.

Lone Rangers – Delfine suchen Kontakt und Nähe zu Menschen

Dass – meist einzellebende – Delfine mitunter den Kontakt zu Menschen suchen, ist zwar nicht außergewöhnlich, aber dennoch kein sehr häufiges Phänomen.

Doch 2016 hat sich an der deutschen Ostseeküste die Anwesenheit solcher kontaktfreudiger Großer Tümmler geradezu „gehäuft“. Nachdem die von den Schweden auf die Namen „Delfie“ und „Selfie“ getauften Delfine sich nach einigen Wochen Richtung Dänemark verzogen hatten, erschien kurz darauf ein weiterer sehr kontaktfreudiger Großer Tümmler in der Kieler Förde, der „Menschenflüsterer Freddy“.

Ungewöhnliche Adoption: Delfin-Baby findet Ersatzmutter

Ein Delfinbaby, das im Alter von knapp 2 Monaten seine Mutter verlor, wurde durch ein ihm fremdes und genetisch nicht verwandtes Delfinweibchen, das selbst keinen Nachwuchs hatte, adoptiert. Eine Gruppe japanischer Wissenschaftler um Mai Saki vom Fischereiinstitut der Kindai-Universität machte diese sehr seltene und ungewöhnliche Beobachtung während des Langzeitmonitorings von Indopazifischen Großen Tümmlern (Tursiops aduncus), die vor der etwa 200 km südlich von Tokio im Pazifischen Ozean gelegenen Vulkanisel Mikura leben.

Buckeldelfine vertragen allzu viel menschliche Nähe nicht

Küstennah lebende Delfinarten haben es schwer. Umweltfolgen menschlicher Eingriffe treffen sie besonders hart. Von Wasserverschmutzung, intensiver Küstenfischerei, Bautätigkeiten im Küstenbereich, erhöhtem Schiffsverkehr, Förderung von Öl oder Erdgas bis hin zu intensiver touristischer Nutzung durch zudringliche Schwimmer, Surfer und Freizeitkapitänen auf allerlei Wasserfahrzeugen. Da bleibt den Meeressäugern oft zu wenig Ruhe und Nahrung zum Leben, besonders, wenn man selbst eher scheu und zurückhaltend ist und nicht robust und neugierig wie der größere Verwandte, der Große Tümmler.

Requiem für einen Delfin

Delfine gehören neben den großen Primaten, Elefanten und dem Menschen zu den wenigen Tierarten, von denen wir seit einigen Jahren wissen, dass sie um ihre Toten trauern. Aber bereits vor fast 20 Jahren erlebte Horst Liebl im Persischen Golf etwas, das noch viel weiter zu gehen scheint als gemeinschaftliche Trauer. Haben Delfine so etwas wie Beerdigungsplätze, zu denen sie ihre Toten bringen?

Der Autor selbst spricht von einem Wunder, dessen Zeuge er werden durfte, und welch tiefe Dankbarkeit er noch heute verspürt, dass die Delfine ihn zumindest eine Zeit lang Teil haben ließen an dieser Offenbarung – wie er es nennt: „Die Szene erfüllte mich mit mehr Ehrfurcht, Achtung und Bewunderung, als ich sie je in einer dunklen Kathedrale gespürt hatte. Ich war völlig sprachlos. Deutlich konnte man die stille Trauer dieser einzigartigen Geschöpfe spüren, wie sie ihr kleinstes Mitglied auf seiner letzten Reise begleiteten…“

Delfine springen Unterwasser-Trampolin auf Grundschleppnetzen

Vor der Nordküste von Westaustralien machten Wissenschaftler von der Universität Murdoch eine sensationelle Verhaltensbeobachtung: Große Tümmler nutzen straff gespannte Grundschleppnetze, um darauf unter Wasser wie auf einem Trampolin zu springen.

Handelte es sich nicht um eine Veröffentlichung des Fachmagazins „Marine Mammal Science“, würde man dem wohl kaum Glauben schenken können.

Delfine erkennen ihr Spiegelbild

Was vielfach vermutet, bislang wissenschaftlich aber nicht nachgewiesen war, ist jetzt geklärt: Delfine wissen, wer sie sind und können sich folglich auch in einem Spiegel selbst erkennen. Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass Selbst-Erkennen im so genannten Spiegeltest ein erstes Anzeichen für ein höheres Bewusstsein ist. Bislang wurde dieses Ich-Bewusstsein nur Menschen und Menschenaffen wie Gorillas oder Schimpansen und seit November 2006 – was nicht weiter verwundert – auch Elefanten zugesprochen.

Haben Delfine Humor?

Intelligenten, sozial lebenden Tieren, wie Elefanten, Papageien, Primaten oder Delfinen, wird auch die Fähigkeit zum Humor nachgesagt.

Humor ist ein sehr komplexer gedanklicher Vorgang, bei dem man sich in die Gefühls- und Gedankenwelt des Gegenübers versetzen können muss – die sogenannte „Theory of Mind“. Doch bei Delfinen sind Beispiele selten gesät, da diese anspruchsvolle soziale Fähigkeit bei ihnen schwer zu beobachten und zu interpretieren ist.

Alleinerziehende Delfinmütter haben es schwerer

Delfinweibchen der Art Großer Tümmler, die sich Jungenaufzucht und Erziehung mit erfahrenen Delfinmüttern teilen, haben bessere Chancen, ihren Nachwuchs durchzubringen, als Mütter, die mehr oder weniger auf sich selbst gestellt sind.

Gute soziale Kontakte sind wichtig, um den Fortpflanzungserfolg sicherzustellen und ein Delfinbaby über die kritischen ersten drei Lebensjahre zu bringen, denn der Erfolg bei Jungenaufzucht hängt nicht allein von genetischen, sondern auch stark von sozialen Faktoren ab.

Delfine trauern um ihre Toten

Trauerverhalten in Delfingesellschaften ist mehrfach dokumentiert, auch wenn es nur schwer zu beobachten ist.So wissen wir, dass Delfine sogar gemeinschaftliches Fürsorge- und Trauerverhalten zeigen, neben Beobachtungen von Einzel-Interaktionen, bei denen z.B. eine Delfinmutter um ihr totes Baby trauert.

Beim Trauerverhalten zeigen die Tiere ausgeprägte Fürsorge- und Abschiedsgesten, wie man sie sonst nur z.B. von Gorillas, Schimpansen, Elefanten oder Menschen kennt. Delfine zeigen auch hier, dass sie eine „Theory of Mind“ haben, sie sind sich ihrer selbst bewusst und können sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihres Gegenübers versetzen – bis in den Tod.

Delfinbabys schwimmen im Sog der Mutter

Ein israelischer Weltraumingenieur hat herausgefunden, wie kleine Delfinbabys es schaffen, stetig nah bei ihrer Mutter zu schwimmen und nicht den Kontakt zu ihr und den anderen schnell schwimmenden Artgenossen zu verlieren.

Die kleinen Delfine werden vom Sog des Kielwassers der Mutter quasi angesaugt, sparen auf diese Weise wichtige Energien und können nur so überhaupt mit der Geschwindigkeit der ganzen Gruppe mithalten.

Delfine bringen sich selbst das Flossenlaufen bei

Wilde Delfine, die vor der Küste der südaustralischen Stadt Adelaide freiwillig das aus Delfinarien bekannte „Tail Walking“ (rückwärts Gleiten auf der Schwanzflosse) – ein Verhalten, das in freier Natur nicht vorkommt – vollführen, stellten Wissenschaftler vor ein Rätsel. Dieses scheint nur gelöst.

Sensationelle Delfin-"OP" vor Hawaii: Verletzter Tümmler sucht Hilfe bei Tauchern

Der Delfin kam aus dem tiefen Blau des Ozeans, war plötzlich da, verletzt und in seinen Bewegungen behindert durch eine um den Flipper geschnürte Angelschnur. Er suchte Hilfe. Was eine Gruppe von Tauchern vor der Küste von Hawaii erlebte, verschlägt einem die Sprache. Gäbe es nicht ein Video darüber, niemand würde diese Geschichte glauben:

Ein wilder Großer Tümmler sucht von sich aus die Nähe von Menschen, in der Hoffnung, dass diese Unterwasserwesen ihn von seiner gefährlichen Verhedderung mit einer Angelschnur und einem tief im Fleisch sitzenden Angelhaken befreien können!

Komplexe soziale Strukturen in der Delfingesellschaft

Bei einer Gemeinschaft Großer Tümmler, die vor der Küste Neuseelands lebt, stieß der schottische Ökologe David Lusseau auf ebenso komplexe wie fragile soziale Gesellschaftsstrukturen: Sozial-Integratoren halten eine Delfingesellschaft zusammen.

Acht Jahre lang beobachtete Lusseau eine aus 62 Individuen bestehende Delfingemeinschaft. Durch die wie bei einem Fingerabdruck individualtypischen Markierungen an den Rückenfinnen, konnte er die einzelnen Tiere identifizieren und so ihr Verhalten mittels eines mathematisches Modells, das den Aufbau komplexer Netzwerke beschreibt, analysieren.

Amazonasdelfine: Auf Brautschau mit Wasserpflanzenbüscheln

Delfine tragen gerne Seegras, Meeresschwämme aber auch Plastiktüten und andere Gegenstände in oder auf ihrer Schnauze oder am Köper. Dies ist einerseits Teil des Spielverhaltens der Meeressäuger, kann aber andererseits auch zum Einsatz der Gegenstände als Werkzeug zur Nahrungssuche geschehen.

Bei den Amazonasdelfinen (Inia geoffrensis), auch Boto genannt, kommt vielleicht eine weitere Ursache für das Schmücken des Körpers mit Gegenständen hinzu. Forscher aus Großbritannien und Brasilien, die mehr als 6.000 Gruppen der bis zu 2,80 Meter langen und bis zu 150 kg schweren Flussdelfine im Amazonas beobachteten, meinen, dass männliche Inias Büschel von Wasserpflanzen auf ihrem Körper tragen, um damit die Weibchen zu beeindrucken, der Einsatz von Gegenständen geschieht hier also im Rahmen des Balzverhaltens.

Moray Firth Delfine töten ihre Kinder

Warum töten Delfine in Moray Firth ihre Kinder? Gerade einmal ein Jahr waren sie alt, die fünf Babydelfine, die zwischen 1992 und 1996 tot an die Strände der an Schottlands Ostküste gelegenen Bucht von Moray Firth gespült wurden.

Nach einer von britischen Wissenschaftlern veröffentlichten Studie über die Todesursache der jungen Großen Tümmler (Tursiops truncatus) starben sie an gebrochenen Rippen, perforierten Lungen, ausgerenkten Brustwirbeln und schweren inneren Blutungen. Und ihre Haut war von Bissspuren überzogen, die exakt mit dem Zahnabstand des Gebisses eines erwachsenen Tümmlers übereinstimmen.

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