Tragischer Beifang: Buckeldelfin verendet in Hainetz vor Richards Bay
Ein junges Weibchen des seltenen Indopazifischen Buckeldelfins verfängt sich vor der Küste Südafrikas in einem Hainetz
Vor rund zwei Wochen ist vor Richards Bay in Südafrika ein junger Delfin in einem sogenannten Hainetz verendet. Ein lokaler Drohnenpilot dokumentierte den Vorfall aus der Luft und stellt uns das erschütternde Videomaterial zur Verfügung. Bei dem Tier handelt es sich um ein junges Weibchen des seltenen und stark gefährdeten Indopazifischen Buckeldelfins.
Seltene Delfinart im Hainetz verendet
Das betreffende Netz vor Richards Bay ist über 200 Meter lang und befindet sich bereits seit den 1980er-Jahren an dieser Stelle. „Vermutlich hat es sich bei starkem Wetter verschoben und hing dadurch lockerer als gewöhnlich“, erklärt unsere Kooperationspartnerin Shanan Atkins von Humpback Dolphin Research (HDR). Hintergrund: Hängt ein Hainetz lockerer als vorgesehen, können sich darin leichter Taschen oder Schlaufen bilden. In solchen Falten verfangen sich Meerestiere schneller, und je mehr sie versuchen, sich zu befreien, desto stärker können sie sich im Netz verheddern. Leider war es Shanan Atkins nicht möglich, den Delfin eindeutig zu bestimmen. „Zwar existieren Fotos der Rückenflosse des Tieres, doch diese war noch nicht individuell genug ausgeprägt, um den Delfin eindeutig identifizieren zu können.”
Dieser Buckeldelfin ist in einem Hainetz vor Richards Bay qualvoll gestorben.
Der Verlust eines jungen Weibchens ist aus Sicht des Artenschutzes besonders tragisch, da Buckeldelfine (Sousa plumbea) zu den seltensten Delfinarten der Welt gehören und ihre Population nur sehr langsam wächst. Aktuell bereiten Wissenschaftler:innen eine Analyse der langfristigen Überlebensfähigkeit der Population (Population Viability Analysis, PVA) vor. Erste Modellrechnungen zeigen bereits, dass für die Entwicklung der Bestände vor allem erwachsene Tiere, insbesondere Weibchen, entscheidend sind. Jeder Verlust kann daher langfristige Auswirkungen auf die kleinen Populationen haben.
Hainetze: Schutz für Badegäste – Todesfalle für Meerestiere
In Südafrika werden entlang vieler Strände Netze installiert, um Badegäste vor Angriffen von Haien zu schützen. Diese funktionieren allerdings nicht selektiv: In den Netzen verfangen sich nicht nur große und kleine Haie, sondern auch Rochen, Meeresschildkröten, große Fische und eben Delfine. Viele der Tiere sterben einen langsamen und qualvollen Tod, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt und befreit werden. Allein an 37 Badestränden entlang der 320 Kilometer langen Küste von KwaZulu-Natal sind insgesamt 23,4 Kilometer Hainetze installiert. Sie stellen eine massive Gefahr für Delfine und andere Meerestiere dar.
Hainetze in Richards Bay
Temporärer Abbau der Hainetze
In den vergangenen Jahren wurden auch auf Initiative von Humpback Dolphin Research (HDR) einige Maßnahmen ergriffen, um die Zahl der Beifänge zu reduzieren. So ersetzt das Sharks Board während der Winter- und Frühjahrsmonate (Juni bis Oktober), wenn der Sardinenzug und die damit einhergehende Walwanderung stattfinden, vielerorts die Hainetze durch beköderte Haken. Diese fangen zwar keine Delfine, können jedoch weiterhin einige der Zielhaie erfassen. Diese Methode kann keine befriedigende Lösung darstellen.
Hoffnung durch neue wissenschaftliche Analysen
Nach Informationen von Shanan Atkins findet in Kürze ein Workshop zur Bedrohungsanalyse und zur Zukunft der Buckeldelfinpopulation statt. Wissenschaftler:innen sowie Vertreter:innen verschiedener Behörden wollen dort untersuchen, welche Faktoren die Bestände dieser seltenen Delfine beeinflussen.
Die Hoffnung liegt darin, mit besseren Daten und einer engeren Zusammenarbeit zwischen Forschung, Behörden und Naturschutzorganisationen den Schutz der Buckeldelfine in Südafrika entscheidend zu verbessern.
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