Walgedanken – von Angelika Gebhard
Waldgedanken - von Angelika Gebhard
Wir beruhigen unser Gewissen, klopfen uns auf die Schulter und sagen: Seht her, wir tun alles Menschenmögliche, um einem gestrandeten Meeresindividuum zu helfen, wieder in den Ozeanen unterwegs zu sein. Wir zeigen Empathie, wir fühlen mit ihm, wir leiden mit ihm. Wir organisieren Bagger, um eine tiefere Fahrrinne für den Wal zu graben, in der Hoffnung, er möge aus eigener Kraft seinen Weg zurück finden in den Atlantik, wo er eigentlich zuhause ist. Was aus unseren tagelangen Anstrengungen wird, bleibt offen.
Wird er wieder Kräfte generieren?
Das Schicksal des Buckelwales sendet und eine eigene Botschaft:
Wir sind es selbst, die die Meereswesen töten. Jeden Tag, jede Nacht, jede Sekunde, jede Stunde.
Unser Wohlstand, den wir erhalten wollen, fragt nicht nach dem Preis, denn die Antwort wollen wir nicht hören. Das menschliche Dasein der Industrienationen begründet sich noch immer aus dem Narrativ: „Macht euch die Erde untertan.“ Nur so funktioniert Kapitalismus, der unser Leben angenehm erscheinen lässt. Jährliches Wirtschaftswachstum wurde zum Gott der Menschen. Ein Gott der nicht danach fragt, welche unwiederbringliche Zerstörung der Natur dieses verordnete Wachstum zur Folge hat.
Werden die verheerenden Folgen dieses Glaubens für den Planeten jemals wieder gut zu machen sein?
Der gestrandete Wal zog einmal durch die Meere. Was hat er erlebt? Was hat seine Orientierung gestört? Schiffslärm? Und von Menschen gemachte Netze, die seine Nahrungskette unterbrachen, die für ihn und für uns am Beginn des Lebens steht.
Wir spüren sein Leid.
Es ist wie ein Symbol für das Leid aller Meereslebewesen, das wir Menschen jeden Tag in Kauf nehmen, um keinen Luxus einzubüßen. Der Wal zeigt, wie es um die Meere steht: Artensterben, Übersäuerung, tödliche Netze.
Ob sein Schicksal, das viele Menschen begleiten, dazu beitragen kann, unser Bewusstsein zu schärfen für den so fragil gewordenen Planeten?
Ja – und nochmals ja! Daran glaube ich. Jeder Einzelne kann die Welt verändern. Durch seine Gedanken und schließlich durch sein Handeln.
Angelika Gebhard, 31. März 2026
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