Kraken-Jäger gehen sehr grob zu Werke – Aus gutem Grund

Jagdstrategien

Delfine gehen bei der Jagd auf Oktopusse sehr grob zu Werke

Nachweis für extreme Lern- und Anpassungsfähigkeit

Einem Forscherteam um Kate R. Sprogis von der Cetacean Research Unit der Murdoch Universität (Westaustralien) gelang ein weiterer Nachweis für die extreme Lern- und Anpassungsfähigkeit von Delfinen, wenn es darum geht, Beute zu machen.

Schleudern und Schlagen bis zur Bewußtlosigkeit

Einige der vor der Küste von Bunbury in Westaustralien lebenden Indopazifischen Großen Tümmler (Tursiops aduncus) wenden eine ganz besondere Technik an, um z.B. die nicht unproblematisch zu erbeutenden, über 10 kg schweren und mit acht über 3 m langen, wehrhaften Armen ausgerüsteten Maori Kraken (Macroctopus maorum) zu jagen.

Sie schlagen den großen und kräftigen Oktopus mehrfach kräftig auf die Wasseroberfläche oder schleudern ihn wiederholt einige Meter weit durch die Luft, bis der Tintenfisch sein Bewußtsein und seine Wehrhaftigkeit verliert. Ohne den Einsatz dieser Technik ist die Jagd auf die Kopffüßer für die Delfine lebensgefährlich. Über ihre verblüffenden Forschungsergebnisse berichten die australischen Biologen im Fachblatt „Marine Mammal Science“.

Gefährliche Beute

Für Delfine ist es mit einem hohen Risiko verbunden, große Kraken zu jagen. Wiederholt wurden an den Stränden von Bunbury tote Meeressäuger gefunden, die bei der Oktopus-Jagd ihr Leben verloren hatten. Ein Delfin-Männchen war an einer 2,1 kg schweren Krake erstickt. Der Kopf der Molluske befand sich zwar schon im Magen des Delfins, doch die 1,3 m langen Arme der Krake zu verschlucken, gelang ihm nicht mehr.

Foto: Dr Nahiid Stephens, Murdoch University.

Die australischen Biologen berichten auch von Fällen, bei denen bereits abgetrennte Oktopusarme Delfine töteten.

Drei Fünftel aller Neuronen eines Kraken befinden sich nicht im Gehirn, sondern in den Armen. Abgetrennte Oktopusarme können daher noch mehrere Stunden lang als pseudo-selbständige Organismen agieren und z.B. Beute fangen. Daher werden auch einzelne Tintenfischarme von erfolgreichen Kraken-Jägern sehr sorgfältig „zubereitet“, weich geschleudert, damit sie sich nicht mehr wehren können.

Zusätzlich werden bei „Schleuder- und Prügeltechnik“ auch die unverdaulichen Chitinzähne nebst des sackartigen Mantels und der Kopf der Molluske entfernt. Insgesamt handelt es sich um eine aufwendige Jagdmethode, bei der viel Energie verbraucht wird.

Die Delfine müssen ihren Oberkörper mit dem schweren Kopffüßer im Maul weit aus dem Wasser hieven, um den Kraken dann übers Wasser schleudern oder ihn hart auf die Wasseroberfläche aufschlagen zu können. Und das wiederholt.

Es kann über 6 Minuten dauern, bis ein großer Krake mundgerecht zubereitet ist und risikolos verspeist werden kann. Ist alles gut gegangen, winkt eine umfang- und energiereiche Mahlzeit.

So sind die australischen Biologen auch nicht verwundert, dass diese ungewöhnliche Jagdmethode nur selten beobachtet wurde.

Bei den zwischen 2007 und 2013 durchgeführten 587 Monitoringfahrten zählten die Forscher 1.567 Delfinschulen mit im Durchschnitt etwa 6 Tieren. Die ungewöhnliche Kraken-Jagdmethode konnte dabei nur 45 Mal beobachtet werden.

Meist fand die Jagd auf die großen Wirbellosen im Winter und Frühjahr und vornehmlich in Gebieten mit sandigem oder von Algen überwachsenem Meeresgrund und Wassertiefen zwischen 3 und 9 m statt.

Spezialisten unter sich

Wie bei den „Spongern“ aus der westaustralischen Meeresbucht Shark Bay, Indopazifische Große Tümmler die Schwämme als Schnauzenschoner bei der Jagd über felsigem Untergrund oder in Korallenbänken einsetzen, beherrschen hauptsächlich erwachsene Weibchen die Kraken-Jagd. Und wie bei den „Spongern“ handelt es sich um erlerntes und tradiertes Verhalten.

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral

Nur wenig bis gar nicht beeindruckt die Krakenjäger, dass sie sich hier mit den intelligentesten Vertretern eines ganzen Tierstamms, dem der Mollusken, konfrontiert sehen. Kraken besitzen ein hochentwickeltes Nervensystem, werden auch als „Superhirne auf acht Beinen“ bezeichnet. Ihre Lernfähigkeit, ihr Gedächtnis und ihre ausgeprägte Neugier sind so komplex, dass man sie darin durchaus mit modernen Wirbeltieren gleichsetzen kann. Es gibt Forscher, die ihnen sogar ein Bewußtsein zusprechen.

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