Können Delfine neue Sprachen lernen?
Aktuelle Erkenntnisse zur Kommunikation von Walen und Delfinen
Bisher ging man davon aus, dass Delfine verschiedener Populationen eher Schwierigkeiten haben, sich zu verständigen. Man war der Ansicht, dass jede Art eine unterschiedliche Sprache verwendet. Doch neue Erkenntnisse zeigen, dass die Säugetiere in der Lage sind, neue Sprachen zu erlernen.
Wie kommunizieren Wale und Delfine?
Die meisten Wale und Delfine leben in Gruppen, sogenannten Schulen. Dieses Verhalten ist vor allem unter Zahnwalen verbreitet, wobei auch einige Bartenwale in Gemeinschaften durch das Meer ziehen. Diese Art und Weise des Zusammenlebens hat viele Vor-, aber auch einige Nachteile. In einer größeren Gemeinschaft bieten Wale und Delfine keine so eine große Angriffsfläche für Attacken durch Fressfeinde. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass sie ihre Nahrung untereinander teilen müssen. Spannend ist die Kommunikation der Säugetiere untereinander: Bartenwale stoßen beispielsweise sehr viel tiefere Töne aus als Zahnwale. Die Rufe sind für uns Menschen nicht zu hören, da sie sich im Infraschallbereich bewegen.
Diese Form der Kommunikation ermöglicht es den Tieren, sich über mehrere tausend Kilometer zu verständigen. Viele andere Wale, wie etwa Buckelwale oder Grönlandwale, verwenden Klicklaute oder „singen“, um sich über weite Distanzen zu verständigen. Die Laute ähneln dem Gesang von Vögeln – oder auch dem menschlichen Gesang. Besonders weit verbreitet ist der Gesang der Buckelwale. Habt ihr schon einmal eine CD mit Walstimmen zur Beruhigung gehört? Dann dürft ihr dort vermutlich dem Gesang dieser Wale gelauscht haben. Bartenwale verfügen über einen Kehlkopf, haben allerdings keine Stimmbänder. Wie genau die Meerestiere ihre Laute erzeugen, ist noch nicht vollständig geklärt.
Zahnwale hingegen erzeugen Laute, indem sie Luft durch eine Raumstruktur im Kopf bewegen. Man kann diesen Raum am ehesten mit menschlichen Nasennebenhöhlen vergleichen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen
Orcas lernen die Sprache anderer Delfine
Junger Orca Foto: © Stiftung firmm
Orcas zählen ebenfalls zu den Delfinen und sind die größten Vertreter ihrer Art. Forscher:innen vom Hubbs-SeaWorld Research Institute in San Diego, Kalifornien, haben herausgefunden, dass Orcas die Sprache anderer Delfine lernen können*. Dafür haben sie die akustischen Signale von Orcas aufgezeichnet, die in Gefangenschaft leben. Drei der Tiere lebten bereits mehrere Jahre in Freizeitparks mit Großen Tümmlern zusammen, während die restlichen Orcas nur zu ihrer Spezies Kontakt hatten.
Die Forscher:innen verglichen die Geräusche der Orcas mit denen der Delfine. Das Ergebnis war verblüffend: Die Orcas, die bisher nur unter sich gelebt hatten, verwendeten fast ausschließlich eher tiefe, pulsierende Töne, wie sie unter ihresgleichen üblich sind. Die anderen Orcas hingegen benutzen deutlich häufiger Pfeif- und Klicklaute, die unter Großen Tümmlern deutlich mehr verbreitet sind. (Lese-Tipp: Delfine ähneln uns Menschen – Sie sprechen „Babysprache“ mit ihrem Nachwuchs)
Eine seltene Fähigkeit
Es ist eine erstaunliche Beobachtung, dass die Orcas diese Laute übernommen haben. Denn die Fähigkeit, Laute zu verwenden, die nicht im eigenen genetischen Repertoire vorkommen, ist selten. Weltweit sind – nach bisherigen Erkenntnissen – nur drei Vogel- und drei Säugetiergruppen dazu in der Lage. Neben Menschen und Walen sind dies Fledermäuse, Singvögel, Kolibris sowie Papageien. Von Orcas war allerdings bisher schon bekannt, dass sie die Laute von Seelöwen nutzen, um die begehrte Beute anzulocken.
Eine Vermutung ist, dass Orcas das Lernen anderer Sprachen etwas leichter fällt, da sie auch innerhalb verschiedener Populationen unterschiedliche Dialekte nutzen. Sie sind es daher gewohnt, sich auf unterschiedliche Sprechweisen einzulassen.
Delfin „Kylie“ unterhält sich mit Schweinswalen
Ein weiteres, sehr erstaunliches Beispiel für die Kommunikation verschiedener Wal-Arten untereinander, ist ein Delfin, der an der Westküste Schottlands lebt. Genauer gesagt im sogenannten Firth of Cycle, einem Salzwasserarm, in dem Tausende von Schweinswalen leben – und „Kylie“. Bei „Kylie“ handelt es sich um einen Gewöhnlichen Delfin (Delphinus delphis). „Kylie“ wurde seit fast 15 Jahren nicht mehr zusammen mit anderen Gewöhnlichen Delfinen, die auch unter dem Namen Gemeine Delfine bekannt sind, gesehen. Warum „Kylie“ sich nicht mehr unter ihresgleichen aufhält, ist wissenschaftlich bislang nicht geklärt. Einige einsame Delfine werden durch Stürme, aber auch durch menschliches Eingreifen von ihren Schulen getrennt oder sind verwaist. Andere hingegen sind vielleicht auch weniger gesellig und genießen ihre Privatsphäre.
Kylie beim Sprung aus dem Wasser (Foto: Dr. Mel Cosentino)
Das bedeutet allerdings nicht, dass „Kylie“ allein ist. An klaren Tagen haben Besucher:innen des Hafens „Kylie“ schon häufiger zusammen mit Schweinswalen beobachtet. Neue Forschungsergebnisse, im Januar 2023 in der Fachzeitschrift Bioacoustics veröffentlicht, deuten darauf hin, dass die Beziehung zwischen „Kylie“ und den Schweinswalen sehr eng ist. Es liegt nahe, dass sie versucht, mit den Schweinswalen zu kommunizieren.
Die Beziehung zwischen „Kylie“ und den Schweinswalen haben Forscher:innen mittels eines Hydrophons untersucht. Es gibt deutliche Hinweise, dass sie sich als Schweinswal identifiziert. Denn während Delfine zur Kommunikation fast durchgehend pfeifende Töne nutzen, verwenden Schweinswale diese nicht. Sie kommunizieren fast ausschließlich über Schmalband-Hochfrequenz-Klicks – mit acht bis 15 Amplitudenspitzen bei etwa 130 Kilohertz. In den Aufnahmen fanden Forscher:innen zwar niedrige Frequenzen von „Kylie“, wie sie für Gewöhnliche Delfine üblich sind. Aber auch wenn „Kylie“ allein war verwendete sie Klicklaute, die denen der Schweinswale ähneln. Eine sehr erstaunliche Beobachtung, die die Forscher:innen hier festhalten konnten!
*Die Studie entstammt von Tieren, die in Delfinarien gehalten werden. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. lehnt die Haltung von Delfinen in Delfinarien ab. Dennoch möchten wir vorhandenes Wissen nicht grundsätzlich ausblenden. Weitere Informationen zur Delfinarienhaltung und weshalb diese so kritisch ist, findet ihr unter: https://www.delphinschutz.org/delfine/delfinarien
Weitere Artikel
Tragischer Beifang: Buckeldelfin verendet in Hainetz vor Richards Bay
Vor rund zwei Wochen ist vor Richards Bay in Südafrika ein junger Delfin in einem sogenannten Hainetz verendet. Ein lokaler Drohnenpilot dokumentierte den Vorfall aus der Luft und stellt uns das erschütternde Videomaterial zur Verfügung. Bei dem Tier handelt es sich um ein junges Weibchen des seltenen und stark gefährdeten Indopazifischen Buckeldelfins.
weiterlesenSichten statt stören: So können Urlaubsgäste zum Schutz der Adria-Delfine beitragen
Zum Start der Urlaubssaison 2026 ruft die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) Adria-Reisende dazu auf, Delfinsichtungen vor der kroatischen Küste per App zu melden und sich bei Sichtungen an tierfreundliche Verhaltensregeln zu halten. Auf diese Weise können Reisende als Bürgerforschende aktiv zum Schutz der gefährdeten Großer Tümmler beitragen.
weiterlesenZwischen Propellern und Publikum: Dauerbedrohung für Delfin “Mimmo” in Venedig
Der Großer Tümmler „Mimmo“ sorgt seit Sommer 2025 in der Lagune von Venedig für Aufsehen, vor allem da er sich oftmals an belebten Orten wie vor dem Markusplatz aufhält. Doch statt dem hundertsten Selfie mit „Mimmo“, braucht es jetzt vor allem eines: konsequenten Schutz. Wie verantwortungsvolles Verhalten der Öffentlichkeit aussehen muss, um das Überleben des jungen Delfins zu sichern, haben die Autor:innen einer wissenschaftlichen Studie erarbeitet.
weiterlesen
