Sichten statt stören: So können Urlaubsgäste zum Schutz der Adria-Delfine beitragen
Wer Delfine vor Kroatien sieht, kann mit wenigen Klicks wertvolle Daten für die Forschung liefern
Zum Start der Urlaubssaison 2026 ruft die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) Adria-Reisende dazu auf, Delfinsichtungen vor der kroatischen Küste per App zu melden und sich bei Sichtungen an tierfreundliche Verhaltensregeln zu halten. Auf diese Weise können Reisende als Bürgerforschende aktiv zum Schutz der gefährdeten Großer Tümmler beitragen.
Unvergessliche Begegnungen – doch die Delfine sind selten geworden
Glitzerndes Wasser, eine leichte Brise und plötzlich eine Finne im klaren Blau! Begegnungen mit Delfinen gehören zu den unvergesslichen Momenten eines Adria-Urlaubs. Doch was viele Urlauberinnen und Urlauber nicht wissen: Von den einst mehreren Tausend Delfinen, die bis in die 1960er-Jahre in der kroatischen Adria lebten, sind heute nur noch etwa 250 bis 300 Große Tümmler geblieben. Jede Sichtung liefert deshalb wertvolle Hinweise für die Wissenschaft.
Die Forschung wird von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. mit einer speziell entwickelten Sichtungs-App des Schutzprojektes „Rettung der letzten Adria-Delfine“ unterstützt. Reisende können ihre Beobachtungen direkt vom Boot, vom Kajak oder vom Ufer aus melden, inklusive Position, Uhrzeit, Anzahl der Tiere und beobachtetem Verhalten, idealerweise ergänzt durch Fotos oder Videos. „Jede gemeldete Sichtung hilft uns, die Verbreitung der Delfine besser zu verstehen, sensible Lebensräume zu identifizieren und gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln“, erklärt GRD-Mitarbeiter Mathias Hansen. Die gesammelten Daten werden an die Internationale Walfangkommission (IWC) übermittelt und dort wissenschaftlich ausgewertet. Seit Jahren liefern sie zusammen mit weiteren Erhebungen wichtige Erkenntnisse über Bestand, Verbreitung und Verhalten der Meeressäuger vor Kroatien.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen
Adria-Sichtungen (Dauer, Anzahl der Tiere, besondere Verhaltensweisen, usw.) des vergangenen Jahres.
Letzte Adria-Delfine unter Druck
Seit über 25 Jahren setzt sich die Delfinschutzorganisation aus München zusammen mit ihren kroatischen Partner:innen von der tierärztlichen Fakultät der Universität Zagreb im Rahmen des Schutzprojektes für die letzten Adria-Delfine ein. Neben Fischerei und Beifang stellt insbesondere der zunehmende Schiffsverkehr eine Gefahr dar. Problematisch sind zudem rücksichtslose Delfinbeobachtungstouren: Werden die Delfine verfolgt oder von mehreren Booten gleichzeitig umringt, bedeutet dies für die Tiere erheblichen Stress. Propeller können überdies schwere Verletzungen verursachen. Die GRD setzt sich daher nicht nur für die wissenschaftliche Datenerhebung ein, sondern auch für klare Verhaltensstandards bei der Delfinbeobachtung. Dazu gehört:
- langsame Annäherung an Delfine mit dem Motorboot
- möglichst parallel zur Delfingruppe fahren
- den Meeressäugern Freiraum lassen
- nicht mit Delfinen schwimmen
- Delfine nicht füttern und nicht berühren
- kurze Verweildauer bei den Delfinen
Abstand gegenüber wildlebenden Delfinen hat oberste Priorität. Selbst wenn die Tiere selbstständig Nähe suchen ist dennoch darauf zu achten, nach Möglichkeit ausreichend Distanz zu halten und sie nicht aktiv anzulocken oder zu berühren. Foto: I.Bocek
Respektvolles Verhalten schützt die Tiere, sodass nicht nur wir, sondern auch nachfolgende Generationen diese faszinierenden Lebewesen beobachten können
Kroatien-Reisende möchte die GRD gerade zu Beginn der diesjährigen Urlaubssaison für eine respektvolle Delfinbeobachtung sensibilisieren und zugleich als Bürgerforschende für den Schutz der Adria-Delfine gewinnen. Denn wer in Istrien, der Kvarner Bucht oder entlang der dalmatinischen Küste unterwegs ist, kann mit offenen Augen und wenigen Minuten Zeitaufwand einen wertvollen Beitrag für den Schutz der intelligenten Meeressäuger leisten.
Weitere Informationen und Zugang zur Sichtungs-App: www.delphinschutz.org/projekte/kroatien/delfinsichtungen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDieses kindgerechte Video zeigt vorbildliches Verhalten im Umgang mit Delfinen.
Weitere Artikel
GRD fordert mit Positionspapier entschlossenes politisches Handeln gegen die Plastikflut!
Die Verschmutzung der Meere hat ein dramatisches Ausmaß erreicht: Jährlich gelangen weltweit bis zu 23 Millionen Tonnen Plastik in die Gewässer – mit verheerenden Folgen für die marinen Ökosysteme und damit auch für unsere Lebensgrundlagen. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) hat dem Bundesumweltministerium ein umfassendes Positionspapier vorgelegt und fordert entschlossene politische Maßnahmen, anstatt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ignorieren und eine Ausweitung der Umweltkatastrophe in Kauf zu nehmen.
weiterlesenGRD-Positionspapier zur Reduzierung der Plastikflut in der marinen Umwelt
Die Plastikmassen in den Weltmeeren gefährden langfristig die Stabilität und Biodiversität mariner Ökosysteme, auch an deutschen Küsten. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. fordert dringend Maßnahmen zur Reduzierung der Plastikeinträge in die Meere.
weiterlesenPlastik raus. Zukunft rein: Die GRD bringt Delfin- und Meeresschutzthemen auf die Messe boot
Mitte Januar präsentiert sich die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) vom 17. bis 25. Januar erneut auf der weltweit größten Wassersportmesse, der boot in Düsseldorf. Neu ist in diesem Jahr einerseits, dass die GRD ihren Stand in Halle 11 (G31) erstmals gemeinsam mit der Captain Paul Watson Foundation Germany (CPWF) bespielt. Zum anderen feiert das Delfinschutz-Team seine Premiere auf der Sonderfläche „Love Your Ocean“, wo Besucher:innen jeden Alters Geschick und Wissen rund um Delfine, Meeresschutz und Co. unter Beweis stellen können
weiterlesen
