Nicht jedes Geisternetz muss zwingend geborgen werden

von | 21. Juli 2026 | News - Geisternetze

Die Netzberger kehren nach Rügen zurück

Wann muss ein Geisternetz geborgen werden – und wann ist es sinnvoller, es an Ort und Stelle zu belassen? Diese Frage stellt sich bei Bergungseinsätzen immer wieder und muss sorgfältig abgewogen werden. Genau vor dieser Entscheidung stand am vergangenen Wochenende ein Team ehrenamtlicher Taucher:innen unter der Leitung unseres Projektpartners Wolfgang Frank bei einem Einsatz vor Rügen.

Ein Netzteil wird abgeschnitten, damit von ihm keine Gefahr mehr für Meerestiere ausgeht.

Geisternetzbergung am 17. Juli 2026

In rund 20 Metern Tiefe fanden die Tauchenden ein ehemaliges DDR-Fischernetz, das im Laufe vieler Jahre nahezu vollständig von Muscheln und anderen Meeresorganismen besiedelt wurde – quasi ein kleines, neues Ökosystem. Das Netz bestand in diesem Fall nicht aus Kunststoff, sondern aus Sisal, einer Naturfaser aus den Blättern der Sisal-Agave.

Nach sorgfältiger Prüfung entschied sich das Team bewusst gegen eine Bergung. Dafür gab es gleich mehrere Gründe:

  • Das Netz ist inzwischen Teil eines neuen Lebensraums für zahlreiche Meeresorganismen.
  • Es liegt flach auf dem Meeresboden und stellt keine Gefahr für Fische oder andere Meerestiere dar.
  • Da es aus einer biologisch abbaubaren Naturfaser besteht, geht von ihm keine Belastung durch Mikroplastik oder Kunststoffverschmutzung aus.

Entfernt wurden lediglich einige lose und potenziell gefährliche Netzteile sowie zahlreiche von Anglern verlorene Blinker, die sicher an Land gebracht wurden.

Das Team der Geisternetzbergung am 17. Juli (es fehlt: Robert Röske); Besprechung am Vorabend der Bergung.

Bei Bergungen gibt die Natur den Takt vor

Auch eine weitere wichtige Entscheidung musste getroffen werden: Der richtige Zeitpunkt, den Einsatz aufgrund herannahender Gewitter umzuplanen bzw. abzubrechen. Die Sicherheit aller Beteiligten hat bei unseren Bergungsaktionen stets oberste Priorität. Aus diesem Grund wurde eine weitere Netzposition nicht mehr angefahren. Am darauffolgenden Samstag verhinderten die Wetterbedingungen einen erneuten Taucheinsatz.

Natürlich ist das bedauerlich, doch die Natur gibt den Takt vor. Eine verantwortungsvolle Bergung bedeutet eben auch, einen Einsatz abzubrechen oder zu verschieben, wenn die Bedingungen es erfordern.

Einsatz an der Netzposition östlich von Rügen.

Nächste Geisternetzbergung startet im August

Die GRD bedankt sich herzlich bei allen ehrenamtlichen Taucherinnen und Tauchern, die sich am Wochenende für den Schutz der Ostsee auf den Weg nach Rügen gemacht haben. Ein besonderer Dank gilt einmal mehr unserem Projektpartner Wolfgang Frank sowie Andreas Triebel und Robert Röske für ihren unermüdlichen Einsatz vor Ort.

Schon Mitte August steht der nächste Bergungseinsatz auf dem Programm, der mittlerweile vierte in diesem Jahr. Dann werden einmal mehr ehrenamtliche Taucher:innen unter GRD-Flagge weitere Geisternetze aus der Ostsee unschädlich machen.

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