Sechs Jahre Isar Clean-Up: Warum uns die Arbeit noch immer nicht ausgeht
Isar Clean-Up 2026 in München
Die beste Nachricht wäre gewesen, wenn wir am Isarufer nach sechs Jahren nichts mehr zu sammeln gehabt hätten. Doch auch beim diesjährigen Clean-Up zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke füllten sich die Säcke wieder schneller als uns lieb war. Mehr als 50 Kilogramm Müll holten unsere freiwilligen Helfer:innen aus dem Uferbereich, darunter Plastik, Glas, Kronkorken und unzählige Zigarettenstummel. Das zeigt: Der Einsatz gegen Müll in der Natur ist auch nach sechs Jahren alles andere als überflüssig.
Was liegen bleibt, bleibt nicht ohne Folgen
Eine Kippe wegzuschnippen oder den Kronkorken der Bierflasche liegenzulassen – auch in diesem Jahr hauptsächlich der Marke „Augustiner“ –, das ist mitnichten ein Kavaliersdelikt. Rein rechtlich handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Und mit Blick auf die Natur ist der achtlos weggeworfene Müll weit mehr als nur ein unschöner Anblick. Der im Deckel enthaltene Kunststoffanteil (Polyethylen) eines Kronkorkens bzw. das daraus entstehende Mikroplastik gehört ebenso wenig in die Umwelt wie das gut zu recycelnde Weißblech.
Zu den 68,44 Kilogramm, die wir in den vergangenen fünf Jahren gesammelt haben, kamen am Sonntag nochmals 10,9 Kilogramm an Flaschenverschlüssen hinzu. Mittlerweile recycelt, können daraus theoretisch rund 1.500 neue Konservendosen entstehen, ohne dass dafür neuer Stahl als Rohstoff eingesetzt werden müsste.
Von der Isar bis ins Schwarze Meer
Wer schon einmal Müll gesammelt hat, weiß: Eine einzelne Zigarettenkippe aufzuheben ist deutlich mühsamer als ein Kronkorken, eine Eisverpackung oder eine Dose. Trotzdem machen wir uns die Mühe, weil die Filter gefährliche Schadstoffe wie Arsen, Blei oder Cadmium enthalten. Wären beispielsweise die 1,3 Kilogramm Zigarettenreste, die wir am Sonntag eingesammelt haben, in der Umwelt verblieben, hätten die darin enthaltenen Schadstoffe theoretisch bis zu 390.000 Liter Wasser verunreinigen können.
Übrigens: Damit die Kippen nicht einfach im Restmüll landen, arbeitet die GRD bereits seit 2021 mit dem Kölner Verein TobaCycle zusammen. Dort werden die gesammelten Filter einem speziellen Recyclingverfahren zugeführt und wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgebracht – zum Beispiel in Form von Aschenbechern.
Am Ende der Sammelaktion kamen zu den 10,9 kg Kronkorken und 1,3 kg Zigarettenreste 10,1 Kilogramm Altglas, 2,2 Kilogramm Plastik und 18,5 Kilogramm Restmüll auf die Waage. Angesichts der schieren Menge waren viele Teilnehmer:innen des Clean-Ups sichtlich bedrückt. Am Ende überwog aber das gute Gefühl, all diesen Müll aus der Natur geholt zu haben. Auch mit dem Wissen, dass Abfälle, die an der Isar zurückbleiben, über den Fluss und die Donau ihren Weg bis ins Schwarze Meer finden können. Dort leben Delfinpopulationen, die ohnehin unter enormem Druck stehen und seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist es, vermeidbare Gefahren wie Plastik und anderen Müll gar nicht erst auf die Reise Richtung Meer zu schicken.
Gemeinsam geht mehr
Hinter dem Isar Clean-Up stehen seit 2021 die GRD, ColorSwell und Voice of the seas. In diesem Jahr bekam das eingespielte Team erstmals Verstärkung vom Münchner Chapter der Captain Paul Watson Foundation Germany (CPWF). Eine Zusammenarbeit, die keine einmalige bzw. einseitige Sache bleiben soll: Künftig möchte die GRD auch die Clean-Ups der CPWF tatkräftig unterstützen.
Vor allem aber lebt das Isar Clean-Up von den Menschen, die Jahr für Jahr mit Handschuhen und Eimern losziehen. Ihnen gilt unser großer Dank. Ohne dieses Engagement wäre es nicht möglich gewesen, in den vergangenen sechs Jahren über eine Viertel Tonne Müll vom Ufer der Isar zu entfernen.
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