Raffinierte Fallensteller: Delfine verblüffen mit erstaunlicher Jagdtechnik
Vom Schnauzenschutz zur Fischfalle
Dass Delfine sehr intelligent sind, ist hinlänglich bekannt. Doch mit welcher Raffinesse sie bei der Nahrungssuche vorgehen, versetzt selbst erfahrene Beobachter:innen immer wieder ins Staunen. Ein bemerkenswertes Beispiel liefert ein Großer Tümmler in der australischen Shark Bay, der einen Meeresschwamm zweckentfremdet, um seiner Beute eine Falle zu stellen. Festgehalten ist diese kaum bekannte Form des Werkzeuggebrauchs in einer neuen BBC-Dokumentation. Letztlich werfen die Aufnahmen eine spannende Frage auf: Haben Wissenschaftler:innen die Fähigkeiten der Delfine jahrzehntelang unterschätzt?
Eine Falle, die zuschnappt
Schauplatz der Doku ist die Shark Bay an der Westküste Australiens. Hier lebt eine Delfin-Dame, die ihre Heimatgewässer seit mehr als 40 Jahren kennt. Da sie hochträchtig ist, muss sie täglich rund zehn Kilogramm Fisch erbeuten. Um ihren Hunger zu stillen, greift sie auf eine ebenso ungewöhnliche wie wirkungsvolle Strategie zurück.
Ihr Hilfsmittel ist ein unscheinbarer Meeresschwamm. Diesen löst sie aus dem Meeresboden, transportiert ihn zu einer der vielen Riffstrukturen und platziert ihn mit bemerkenswerter Präzision vor einer Öffnung. Anschließend entfernt sie sich, damit sich die Fische wieder in Sicherheit wiegen. Nun folgt der entscheidende Moment: Mit hoher Geschwindigkeit kehrt die Delfindame zurück und scheucht ihre Beute auf. Die Fische versuchen, in ihr vermeintlich sicheres Versteck zu flüchten. Doch der Eingang ist durch den Meeresschwamm blockiert, der Fluchtweg somit versperrt. Auf diese Weise schnappt die Falle zu. (siehe Video)
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Mehr InformationenDie Erkenntnis, dass Delfine in Shark Bay Meeresschwämme als Werkzeuge verwenden, ist keineswegs neu. Bereits seit den 1980er-Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler:innen mit dieser außergewöhnlichen Verhaltensweise, die als Sponging bezeichnet wird.
Bislang war vor allem diese Funktion bekannt: Die Tiere stülpen sich Meeresschwämme über ihre empfindlichen Schnauzen, um diese bei der Nahrungssuche am Meeresboden vor Verletzungen zu schützen. So können sie auch dort nach versteckten Fischen suchen, wo scharfkantige Steine, Muschelschalen und andere Hindernisse die Jagd erschweren.
Die neuen BBC-Aufnahmen zeigen nun, dass die Schwämme offenbar noch einen ganz anderen Zweck erfüllen können. Statt sie zum eigenen Schutz zu verwenden, setzt die Delfindame sie gezielt als Hindernis ein. Sie macht sich damit das Fluchtverhalten ihrer Beute zunutze und verwandelt einen sicheren Rückzugsort in eine Falle. Das ist eine bemerkenswerte Entdeckung, die den bekannten Werkzeuggebrauch der Delfine um eine weitere Facette ergänzt.
Hat die Delfindame eine Landkarte im Kopf?
Neben dem bisher geschilderten Jagdverhalten fasziniert auch das Orientierungsvermögen der Delfindame. In einem Gebiet von der Größe Manhattans scheint sie genau zu wissen, wo geeignete Meeresschwämme zu finden sind und welche Riffstrukturen sich besonders gut für ihre Jagdtechnik eignen. Offenbar verfügt sie über eine Art mentale Landkarte ihrer Umgebung.
Damit nicht genug. Das Verhalten wirft auch Fragen hinsichtlich der kognitiven Fähigkeiten der Meeressäuger auf. Ist sie tatsächlich in der Lage, ihre Jagd mehrere Schritte im Voraus zu planen? Die Aufnahmen legen zumindest nahe, dass hinter dieser ungewöhnlichen Strategie weit mehr steckt als ein zufälliger Einsatz eines Werkzeugs. Ob die Delfindame die Wirkung ihrer Falle tatsächlich vorausschauend einschätzt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
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