Erfolgreicher Protest: Europas größter Meereszoo schließt für immer

von | 12. Dezember 2024 | News - Delfinarien

Ab dem 5. Januar 2025 ist das Marineland d’Antibes Geschichte

Viele Jahre lang haben wir zusammen mit anderen Tierschutzorganisationen auf der ganzen Welt über die teils unzumutbaren Bedingungen im französischen Meereszoo Marineland d’Antibes berichtet und ein Ende der Gefangenhaltung von Orcas und Großen Tümmlern gefordert. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen: Am 5. Januar schließt das Delfinarium ein für alle Mal seine Tore. Ein Erfolg für alle Freund:innen von Delfinen, Walen & Co.

Ausbeutung von Wildtieren wird nicht mehr aktzeptiert

Voraussetzung für die Schließung des Meereszoos war einerseits der permanente Druck von Tierschutzorganisationen sowie zahlreichen Unterstützer:innen, die ihrem Protest in unterschiedlichen Formen Ausdruck verliehen. So haben erst vor Jahresfrist knapp 50.000 Menschen eine Petition auf Change.org unterschrieben, mittels der eine Abschiebung der Marineland-Orcas nach Japan kritisiert wurde. Das permanente Anprangern und die Aufklärungsarbeit hatten auch einen gesellschaftlichen Wandel zur Folge: Während der Park in seinen Glanzzeiten bis zu 10.000 Besucher pro Tag anlockte, sank die Zahl in den letzten Jahren auf ein Drittel. Ein klarer Beweis dafür, dass die Öffentlichkeit immer weniger bereit ist, die Ausbeutung von Meeressäugern als Unterhaltung zu akzeptieren.

Auf der anderen Seite hatte die französische Regierung vor vier Jahren ein wegweisendes Gesetz verabschiedet, welches sowohl die Shows mit Delfinen und Walen als auch deren Nachzucht verbietet. Spätestens 2026 hätte das Marineland seine Delfinshows einstellen müssen. Zuletzt verabschiedete auch Belgien ein ähnliches Gesetz. Die Frage drängt sich auf: Wann wird die deutsche Regierung diesem Beispiel folgen?

Prominente Unterstützerin: Pamela Anderson setzte sich ebenfalls für ein Ende der Gefangenhaltung von Delfinen und Orcas ein.

Was wird aus den Meeressäugern im Marineland?

Rund 4.000 Tiere beheimatet der Meereszoo aktuell – für sie muss nun eine neue Heimat gefunden werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den beiden verbliebenen Orcas  „Wikie“ (22) und „Keijo“ (10). Befürchtungen wurden bereits laut, dass die Schwertwale die Plätze ihrer verstorbenen Artgenossen im Loro Parque auf Teneriffa – hier starb erst vor wenigen Wochen „Keto“ – einnehmen könnten. Dies gilt es mit aller Vehemenz zu verhindern. Stattdessen ist die einzige verantwortungsvolle Lösung, diesen gequälten Tieren ein Leben in einem Meeresschutzgebiet zu ermöglichen. Ein Ort, an dem sie zumindest einen Teil ihrer natürlichen Freiheit zurückerlangen können. Denn eines ist klar: Artgerecht ist nur das Meer.

Der Fall Marineland d’Antibes (hier findest Du die Pressemitteilung des Managements im Original) zeigt, wie wirkungsvoll beharrlicher Protest und gesellschaftlicher Wandel sein können. Er erinnert uns auch daran, dass der Kampf gegen die Ausbeutung von Wildtieren noch lange nicht vorbei ist – daher werden wir uns weiter mit ganzer Kraft der Delfinarien-Industrie entgegenstellen.

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