Pipi-Alarm: Amazonas-Delfine senden Botschaften per Urinstrahl
Studie mit neuen Forschungsergebnissen zum Boto
Der Boto, auch als Amazonas-Flussdelfin bekannt, zählt zu den außergewöhnlichsten Delfinarten der Welt. Das hat er unlängst einmal mehr unter Beweis gestellt: Forschende beobachteten mehrfach, wie männliche Tiere gezielt Urin in die Luft spritzen. Das ungewöhnliche Verhalten tritt offenbar regelmäßig auf und könnte Teil ihrer sozialen Kommunikation sein. Möglicherweise übermitteln die Delfine ihren Artgenossen auf diese Weise Informationen über ihre Identität, ihren Gesundheitszustand oder ihren sozialen Status.
Hinweis auf die Vielfalt der Delfinkommunikation
Die Entdeckung einer möglichen „Urin-Kommunikation“ bei Amazonas-Flussdelfinen mag auf den ersten Blick kurios wirken. Tatsächlich könnte sie jedoch neue Einblicke in das Sozialverhalten dieser Tiere eröffnen. Bemerkenswert ist, dass die Forschenden das Verhalten überwiegend in sozialen Situationen beobachteten: Typischerweise trieb ein männlicher Boto zunächst rücklings an der Wasseroberfläche, bevor er gezielt einen Urinstrahl durch die Luft spritzte. In vielen Fällen näherte sich daraufhin ein zweiter Delfin dem Urinstrahl und hielt seine Schnauze direkt hinein oder verfolgte die Stelle, an der der Urin ins Wasser gelangte. Die Forscher vermuten, dass es sich nicht lediglich um eine Ausscheidung handelt, sondern um eine Form der chemischen Kommunikation. Ähnlich wie Hunde oder andere Säugetiere Informationen über Artgenossen durch Duftstoffe aufnehmen, könnten auch Botos wichtige Hinweise über Alter, Gesundheitszustand, Fortpflanzungsbereitschaft oder sozialen Status austauschen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenEine mögliche Rolle spielen bei diesem Ritual, das in dieser Form bislang nur bei Amazonas-Flussdelfinen beobachtet wurde, die feinen Borsten an der Schnauze der Tiere. Während die meisten Delfinarten solche Strukturen im Erwachsenenalter verlieren, behalten Botos diese empfindlichen Tastorgane ihr Leben lang.
Die Wissenschaftler:innen vermuten, dass diese Borsten nicht nur der Orientierung bei der Nahrungssuche dienen, sondern möglicherweise auch chemische Signale wahrnehmen können. Dies könnte erklären, warum die beobachteten Tiere gezielt den Kontakt mit dem Urinstrahl suchten.
Warum Forschung für den Delfinschutz wichtig ist
Bislang galt die Kommunikation von Delfinen vor allem als akustisches Phänomen. Pfeiflaute und Klickgeräusche stehen seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der Forschung, hinzu kommt die Körpersprache. Die Studie „Aerial urination suggests undescribed sensory modality and social function in river dolphins“ zeigt, dass Delfine möglicherweise über weit komplexere Kommunikationsformen verfügen als bisher angenommen. Noch ist unklar, welche Informationen tatsächlich weitergegeben werden und ob ähnliche Verhaltensweisen auch bei anderen Delfinarten vorkommen.
Der Amazonasdelfin ist in vielen Regionen seines Verbreitungsgebiets bedroht. Staudämme, Umweltgifte, Klimawandel und die Zerstörung von Lebensräumen setzen den Beständen zu. Für den Schutz bedrohter Delfinarten sind Erkenntnisse wie die der Forscher:innen Claryana Araújo-Wang, Mauricio Cantor und John Y. Wang von großer Bedeutung. Nur wenn wir verstehen, wie Delfine leben, kommunizieren und soziale Beziehungen aufbauen, können wir wirksame Schutzmaßnahmen entwickeln.
Weitere Artikel
Raffinierte Fallensteller: Delfine verblüffen mit erstaunlicher Jagdtechnik
Dass Delfine sehr intelligent sind, ist hinlänglich bekannt. Doch mit welcher Raffinesse sie bei der Nahrungssuche vorgehen, versetzt selbst erfahrene Beobachter:innen immer wieder ins Staunen. Ein bemerkenswertes Beispiel liefert ein Großer Tümmler in der australischen Shark Bay, der einen Meeresschwamm zweckentfremdet, um seiner Beute eine Falle zu stellen. Festgehalten ist diese kaum bekannte Form des Werkzeuggebrauchs in einer neuen BBC-Dokumentation. Letztlich werfen die Aufnahmen eine spannende Frage auf: Haben Wissenschaftler:innen die Fähigkeiten der Delfine jahrzehntelang unterschätzt?
weiterlesenGemeinsam für den Schweinswal: NENO-Workshop in Husum setzt neue Impulse
Wie lässt sich der Schutz der Nordsee und insbesondere des bedrohten Schweinswals gemeinsam stärken? Darüber diskutierten Vertreter:innen verschiedener Naturschutzorganisationen und Institutionen des Netzwerks Nordseeschutz (NENO) am 29. Oktober in Husum. Im Mittelpunkt des Workshops stand neben einer gemeinsamen Zielsetzung die Frage, wie sich vorhandene Kräfte künftig noch besser bündeln lassen. Dabei wurde deutlich: Für einen wirkungsvollen Nordseeschutz braucht es neue Denkansätze.
weiterlesenGeisternetz-Workshop: Jubiläum und Premiere in der „Südbaden-Karibik“
„Südbaden-Karibik“, so wird der Apostelsee nördlich von Freiburg liebevoll genannt. Am vergangenen Wochenende bildete das Gewässer die Kulisse für ein kleines Jubiläum und zugleich für eine Premiere: Zum zehnten Mal veranstaltete die Gesellschaft zur Rettung der Delphine einen Tauch-Workshop zur Bergung von Geisternetzen und dies erstmals in Süddeutschland.
weiterlesen
