Schwarzes Meer: Lösen Kriegsschiffe ein Delfinsterben aus?

Delfinsterben: Allein an der türkischen Küste wurden seit Februar mehr als 100 Delfine angespült

Überproportional viele Delfine sind in den vergangenen Wochen an der türkischen und bulgarischen Schwarzmeerküste gestrandet. Auch bei den Schweinswalen ist die Zahl der Totfunde deutlich gestiegen. Besteht ein Zusammenhang mit den militärischen Aktivitäten von Kriegsschiffen vor der Küste der Ukraine und dem Delfinsterben?

Der leitende Forscher für Meeresleben an der Universität Sinop (Türkei) gab in der vergangenen Woche Auskunft darüber, dass seit Februar an der türkischen Küste mehr als 100 Delfine angespült wurden. Dabei handelt es sich nur um jene Tiere, die gefunden wurden – die Dunkelziffer könnte weitaus höher sein. Auch Green Balkans, eine Organisation zur Erhaltung seltener Arten und Lebensräume in Bulgarien, berichtet über gestrandete Delfine.

Hinzu kommen verhaltensauffällige Tiere, die sich beispielsweise in Hafenbecken verirrten, sowie 52 Schweinswale, die sich in Fischernetzen verfangen haben. Im gleichen Vorjahresmonat wurden nur zehn auf diese Weise gestorbene Schweinswale gezählt.

Delfinsterben im Schwarzen Meer: Sonar von Kriegsschiffen kann Delfine massiv gefährden

Als möglichen Grund für das vermehrte Sterben der Delfine und Schweinswale führen Meeresbiologen das tieffrequente Sonar von Kriegsschiffen und U-Booten an. Letztere sind im Schwarzen Meer seit Februar durch die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine weitaus aktiver als zu normalen Zeiten und könnten die Echoortung der Meeressäuger massiv stören. Dies könnte u.a. dazu führen, dass die Tiere keine oder nur noch wenig Beute finden. Tod durch Verhungern wäre die Folge.

Aber auch ihre Orientierung kann durch die Sonare stark beeinträchtigt werden und die Meeressäuger stranden. Forscher der Turkish Marine Research Foundation (TÜDAV) vermuten zudem, dass die Delfine und Schweinswale in Panik geraten und gegen Felsen schwimmen könnten. (Lesetipp: Durch Militärübung? Zahlreiche tote Schweinswale im niederländischen Wattenmeer)

Delfine sind im Schwarzen Meer keineswegs selten: Rund 200.000 Tiere sollen in dem Binnenmeer leben. (Foto: Tudav)

Delfinsterben: Eingehende Analyse an den Schwarzmeerküsten kann Jahre dauern

Eine vollständige Untersuchung der Ursachen und des Ausmaßes des jüngsten Delfinsterbens könnte nach Aussage der Wissenschaftler Monate oder gar Jahre dauern, da ein Großteil der Küste für Forscher wegen der militärischen Aktivitäten unzugänglich ist.

Foto oben: tudav.org

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