Wie ein Delfin zum Held einer Nation wurde
Die Geschichte von „Pelorus Jack“, dem beliebtesten Delfin der Neuseeländer:innen
Weit über die Grenzen Neuseelands hinaus steht der Name „Pelorus Jack“ für die besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier. Vor mehr als 100 Jahren geleitete der Delfin unzählige Schiffe durch eine Meerenge in den Marlborough Sounds. Die Wertschätzung war so hoch, dass „Pelorus Jack“ wohl weltweit das erste Meerestier war, das in einem Land gesetzlich geschützt wurde. Seine Geschichte fasziniert noch heute.
Als „Pelorus Jack“ das erste Mal auftauchte
Der Rundkopfdelfin mit auffällig heller Färbung wurde erstmals 1888 von einem lokalen Seemann namens John Fisher gesichtet. Dieser steuerte einen Schoner durch den gefährlichen French Pass im Norden der Südinsel Neuseelands und bemerkte einen großen Delfin mit heller Färbung, der neben seinem Schiff schwamm. Zu seiner Überraschung führte der Delfin seinen Schoner durch die enge Fahrrinne und half ihm mit seinen Navigationsfähigkeiten, die tückischen Felsen und Riffe zu umschiffen. Seeleute gaben dem Delfin in der Folge den Spitznamen „Pelorus Jack“ in Anlehnung an eine Region der Marlborough Sounds, wo er stets auf Schiffe wartete, um mit ihnen zu schwimmen.
Fortan soll es Erzählungen zufolge keine Unfälle mehr gegeben haben, wenn „Pelorus Jack“ mit Schiffen durch die Passage schwamm. Kurzum: Der Delfin wurde zum Glücksbringer und es schien, als leite er die Schiffe durch das gefährliche Gebiet. Dies führte sogar dazu, dass die Seeleute nach einiger Zeit nicht mehr alleine in den French Pass einfuhren, sondern solange warteten, bis „Jack“ kam. Nach und nach wuchs seine Bekanntheit, sodass gar Schriftsteller wie Mark Twain und Frank Bullen extra zum French Pass segelten, um „Pelorus Jack“ zu begegnen. Der Delfin war dafür bekannt, dass er zu den Booten schwamm, spielerisch durchs Wasser sprang und sich von den Passagieren manchmal sogar streicheln ließ. Gleichzeitig wird er in vielen Erzählungen als äußerst mutig beschrieben, da er oft direkt vor den Schiffen schwamm.
Passagier schießt auf den Glücksbringer einer ganzen Nation
Im Jahr 1903 erschütterte die Neuseeländer:innen die Nachricht, dass auf ihren geliebten Delfin geschossen wurde. Ein Passagier an Bord des Dampfschiffs „SS Penguin“ soll dafür verantwortlich gewesen sein. Der Mann wurde noch auf dem Schiff verhaftet, aber an Land wieder freigelassen, da es damals noch kein Gesetz gab, welches das Schießen auf Delfine verbot. Die Neuseeländer:innen forderten Schutz für ihren „Nationalhelden“ – was am 26. September 1904 mit dem „Sea Fisheries Act“ umgesetzt wurde. Damit war „Pelorus Jack“ wahrscheinlich das erste Meerestier, das individuell unter Schutz gestellt wurde.
Mit der „SS Penguin“ schwamm „Pelorus Jack“ in den kommenden Monaten und Jahren übrigens nicht mehr. Jahre später zerschellte das Schiff an einem Felsen. Bei diesem Unglück sollen 75 Menschen ums Leben gekommen sein.
Starb „Jack“ an Altersschwäche?
Bis ins Jahr 1912 hinein begleitete der Risso-Delfin Segel- und Dampfschiffe in den Marlborough Sounds, dann verschwand er spurlos. Ebenso wie zu seinem außergewöhnlichen Leben gab es auch zu seinem Tod viele Gerüchte. Zu den wahrscheinlichsten Erzählungen gehört, dass „Pelorus Jack“ an Altersschwäche gestorben ist und an einen Strand gespült wurde.
Postkarte mit Bild von “Pelorus Jack”
Für die Neuseeländer:innen hat der Rundkopfdelfin nach wie vor Heldenstatus. Seeleute und Reedereien errichteten am Strand von Wellington ihm zu Ehren eine Statue, er wurde zum Inhalt eines Kinderliedes und eine Reederei trägt bis heute „Pelorus Jack“ in ihrem Logo. In Deutschland gründete der Schauspieler und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke 2021 die „Pelorus Jack Foundation“. Mit ihr unterstützt Jaenicke aktiv Menschen, Vereine, Organisationen, Schulen beziehungsweise Bildungseinrichtungen, die sich für den Umwelt- und Artenschutz einsetzen.
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