Kommerzieller Walfang in Japan

Wird das schlechte Beispiel Schule machen?

Nach 31 Jahren kehrt Japan der Internationalen Walfangkommission (IWC) den Rücken und steigt wieder in den kommerziellen Walfang ein. Die IWC wurde gegründet um den internationalen Walfang zu regeln. 1986 erließ sie ein Verbot für den kommerziellen Walfang. Nach über 60 Jahren Mitgliedschaft verließen am vergangenen Montag die ersten Walfangboote die Küsten Japans.

Fast 100 Organisationen stemmen sich gemeinsam dagegen

Wir haben uns gemeinsam mit fast 100 Organisationen an einer Petition der Wildlife and Countryside Link anlässlich des jüngsten G20-Gipfels Ende Juni in Osaka beteiligt. Darin werden die G20-Staaten aufgefordert, gegen die Walfangaktivitäten der Japaner einzuschreiten. Wir geben den Meeressäugern eine Stimme, sprechen uns für ihren Schutz aus!

Japan und die Internationale Walfangkommission

Fast alle Großwalarten wurden durch die Jagd im 19. und 20. Jahrhundert an den Rand des Aussterbens gebracht. Nachdem sich in den 1960er Jahren sehr effiziente Fangmethoden etabliert haben, wurde deutlich, dass die Jagd nicht ohne Kontrolle weitergeführt werden könnte. Sonst wären die Bestände zusammengebrochen. Deswegen beschloss die IWC 1986 ein Walfangmoratorium.

Jedoch ließ die IWC ein Schlupfloch. Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken. Seit Jahren wird Japan vorgeworfen, dieses Schlupfloch zu missbrauchen und nur wenige bzw. keine der Tiere wirklich für die Wissenschaft zu nutzen. Japan jagte unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Ein großer Teil des Fangs wurde anschließend zum Verzehr verkauft.

© Australian Customs and Border Protection Service

Warum möchte Japan Wale fangen?

Wie andere Walfangnationen rechtfertigt Japan sein Handel als Teil seiner Kultur. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg boomte die Jagd nach Walen und Delfinen. Denn die großen Fleischberge waren eine günstige Eiweissquelle. 

Jedoch sind das nicht die treibenden Gründe. Vielmehr geht es Japan um den Zugriff auf die Meere und seine Ressourcen. Dem weltweiten Fangverbot für Wale könnten andere Restriktionen folgen. Wäre dies beispielsweise der Fall beim Blauflossenthunfisch, welcher für ein Einzelstück mehrere hundert tausend USD einbringt, hätte Japan wirtschaftliche Verluste.

Welche Wale werden gefangen?

Das japanische Fischereiministerium bestätigt, dass im laufenden Jahr insgesamt 227 Zwergwale, Brydewale und Seiwale gefangen werden dürfen.

  • Zwergwale werden bis zu 10 Meter lang und 13 Tonnen schwer. Sie kommen im Nordatlantik und -pazifik vor. Die Jagd auf die Zwergwale gestaltet sich einfach, denn die Meeressäuger sind nicht sehr scheu. Der Zwergwalbestand im Nordwestpazifik gilt als stark gefährdet. Experten haben Bedenken, dass eine direkte Bejagung der Population zum Aussterben der Walpopulation führen kann.
  • Brydewale werden bis zu 15 Meter lang und 35 Tonnen schwer. Sie kommen in fast allen Ozeanen vor.
  • Seiwale werden bis zu 16 Meter lang und erreichen ein Gewicht von bis zu 28 Tonnen. Sie gelten als vom Aussterben bedroht: Laut Zählungen soll es noch circa 50000 Individuen geben. Der Bestand erholt sich aber mittlerweile langsam.

Was sind die Folgen?

Experten haben große Bedenken, da Japan als führende Kraft unter den Ländern agiert, die dem Walfang positiv gegenüber stehen.  Japan torpediert einen der bedeutsamsten Erfolge im internationalen Artenschutz. Der Austritt könnte andere, walfang-affine Länder motivieren, gleichfalls aus der IWC auszutreten. Es ist denkbar, dass China, Russland und Südkorea Japan folgen.

Kontroverse Stimmen

Natur- und Tierschützer sagen zurecht, dass die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs ein immenser Rückschritt ist. Der kommerzielle Walfang ist weder notwendig für die Nahrungsmittelversorgung noch ethisch vertretbar. Wale und Delfine müssen geschützt werden! Walfang ist Tierquälerei. Viele Tiere sind nach dem harpunieren nicht sofort. Ihr Todeskampf währt lange.

Darf Japan nun überall jagen?

Mit dem Rückzug aus der IWC sind dem Land trotzdem nicht alle Walfangaktivitäten erlaubt: Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen verpflichtet die angeschlossenen Länder zum Schutz Meeressäuger. Dies gilt vor allem auf offener See. So hat Japan bereits angekündigt, Wale lediglich an der Küste zu fangen. Damit entzieht man sich internationalen Verwicklungen, z. B. mit dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES.

Unterstützen Sie unsere weltweiten Projekte zum Schutz bedrohter Delfine und ihrer Lebensräume.

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