Update: Massenhaftes Fischsterben auf Rügen

von | 19. Januar 2022 | News - Meeresverschmutzung

Über 31 Tonnen an toten Kadavern wurden aus dem Jasmunder Bodden geholt

Dieser Beitrag wird kontinuierlich aktualisiert: Vor und vor allem nach dem Jahreswechsel starben im kleinen und großen Jasmunder Bodden massenhaft Fische wie Brassen, Hechte, Zander, Barsche und auch Marmorkarpfen. Die Suche nach der Ursache läuft auf Hochtouren – erste mögliche Erklärungen kommen vom WWF.

+++ 19. Januar 2022 +++

Einem Bericht von n-tv zufolge macht die Umweltschutzorganisation WWF das Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus Wetter, Dünger und Abwasser-Altlasten für das Fischsterben auf Rügen verantwortlich. Florian Hoffmann, Biologe im WWF-Ostseebüro in Stralsund, geht davon aus, dass die Fische im Kleinen Jasmunder Bodden durch eine zu hohe Konzentration von Ammonium und Nitrit im Wasser verendet sind. Braune Verfärbungen an den Kiemen würden für diese Annahme sprechen. „Das Fischsterben ist vermutlich menschengemacht”, wird Hoffmann bei n-tv zitiert. 

Wie könnte es zu dieser gefährlichen Konzentration gekommen sein? Der Biologe führt an, dass zu DDR-Zeiten Abwasser aus umliegenden Orten unbehandelt in den Bodden eingeleitet wurde und sich am Grund abgesetzt hat. Der viele Niederschlag in den vergangenen Wochen habe seinerseits dazu geführt, dass Nährstoffe aus der Landwirtschaft und umliegenden Teichen in den Bodden geflossen sind. Der Sauerstoffmangel durch Eisbildung habe zum Jahreswechsel ebenfalls dazu beigetragen, dass „in der Folge vermutlich die giftigen Stoffe entstanden seien”, wie es im Bericht bei n-tv heißt.

Eine offizielle Erklärung seitens der Landesregierung hinsichtlich der Ursachen des Fischsterbens auf Rügen gibt es bis dato nicht. Über 30 Tonnen an toten Kadavern wurden mittlerweile aus dem Bodden geborgen und an den Ufern eingesammelt.

+++ 13. Januar 2022 +++

Das Fischsterben setzte im Jasmunder Bodden bereits vor dem Jahreswechsel ein und hat seither eine nicht zu erwartende Dynamik entwickelt. Seit Tagen werden am Ufer und im Wasser Kadaver gesammelt – mitunter sind es rund zehn Tonnen an nur einem Tag, die von Helfern des Technischen Hilfswerks oder des Landesanglerverbands geborgen werden. Auch der GRD-Projektpartner bei Geisternetzbergungen, Wolfgang Frank aus Prora, beteiligt sich an der Beräumung. Seinen Schilderungen zufolge sind zahlreiche Arten betroffen, auch Aale oder Karpfen.

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Fischsterben: Keine Hinweise zur Ursache

Experten stehen hinsichtlich der Ursache des massenhaften Fischsterbens vor einem Rätsel. Die Untersuchungen der Fischkadaver beim Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock sowie der Universität in Hannover haben bis dato keine Hinweise geliefert, die Rückschlüsse auf die Todesursache zulassen. Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD): „Die Kadaver sind auf alle infrage kommenden Viruskrankheiten untersucht worden, ebenso auf bakterielle Erkrankungen. Auch Kiemen, Muskulatur und Leber wurden untersucht. Die Untersuchungen blieben jedoch ohne Befund. Die Experten gehen davon aus, dass wir es auch nicht mit einer Fischseuche zu tun haben.“ 

Die weitere Ursachenforschung soll sich auf das Wasser konzentrieren, Auffälligkeiten beim pH-Wert, bei Sauerstoff- oder Salzgehalt seien bis dato aber noch nicht festgestellt worden. Auch Greenpeace war bereits mit einem Team vor Ort und hat Wasserproben entnommen. Diese seien ebenfalls unauffällig gewesen. Die Umweltschutzorganisation will nun weitere Proben untersuchen lassen.

Spekulationen von Verunreinigungen durch Abwässer bis hin zu einer gefährlichen Alge

Auch oder gerade weil aktuell noch keine belastbaren Ergebnisse vorliegen, wird rund um das Massensterben der Fische viel spekuliert. In diesem Kontext werden Verunreinigungen durch Abwässer ebenso angeführt wie eine mögliche Entsorgung von Dünge- oder Spritzmitteln oder aber die Ausbreitung einer gefährlichen Alge. Welche Ursache tatsächlich für das traurige Sterben der Fische verantwortlich ist, werden hoffentlich in Kürze die Labore liefern.

Derweil empfehlen der Landkreis Vorpommern-Rügen und die Fischereiaufsicht, bis auf weiteres auf das Angeln und Fischen im Bereich des Kleinen und Großen Jasmunder Boddens sowie auf die Verwertung und den Verzehr von Fisch aus den Gewässern zu verzichten.

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