Malta: Ein Delfinarium, das nicht aus den Schlagzeilen kommt
Zirkusse werden aus Malta verbannt, aber Delfine müssen nach wie vor in Shows auftreten
Auf Malta gilt – sehr vorbildlich – ein generelles Tierverbot im Zirkus. Damit fährt das Land eines der striktesten Gesetze in Europa. Nicht ins Bild passt an dieser Stelle, dass das Delfinarium Mediterraneo Marine Park von dieser Regelung ausgenommen ist. Das Management verweist auf den „pädagogischen Effekt“ der Shows und die „natürlichen Verhaltensweisen“ der Tiere. Ganz und gar nicht natürlich war der Tod dreier weiblicher Delfine infolge einer Bleivergiftung vor 18 Monaten.
Schlupfloch für ein Delfinarium
Auf Malta wird seit Ende vergangenen Jahres eine Änderung der rechtlichen Definition von Tierzirkussen diskutiert, die auf der Mittelmeerinsel seit 2014 verboten sind. Das Gesetz soll künftig unter anderem den Passus beinhalten: „… bei der Tiere zu Kunststücken oder Manövern gezwungen werden, die nicht ihr natürliches Verhalten widerspiegeln oder keinen erzieherischen Wert haben.“ In den Becken des Delfinariums Mediterraneo Marine Park in Baħar iċ-Ċagħaq passiert genau dies: Die Delfine führen in der Öffentlichkeit ihre Kunststücke vor. Da der Park aber als Zoo registriert ist, fällt er unter die entsprechenden Zooverordnungen des Landes und war bis dato „unantastbar“.
Tierschützer fordern die Schließung eines als Zoo getarnten Delfin-Zirkus auf Malta.
Foto: Veganfta
Tierschützer haben in den vergangenen Monaten Druck auf die Regierung ausgeübt, damit diese den Park als Zirkus behandelt und ihn infolge der verschärften Gesetzgebung schließt. Ihr Argument: „Nur weil der Mediterraneo kein Zelt hat und nicht von Ort zu Ort zieht, sind die Auswirkungen auf die darin gefangenen Tiere nicht geringer.“ Das Park-Management betonte seinerseits, dass die Shows „vollständig pädagogisch“ seien und auf „natürlichen Verhaltensweisen“ beruhen. (Lesetipp: Argumente gegen den Besuch von Delfinshows und Delfinarien)
Drei Delfine sterben an einer Bleivergiftung
Fast schon zynisch klingen die weiteren Äußerungen des Mediterraneo Marine Park dahingehend, dass man besorgt über die Forderungen der Tierschützer hinsichtlich einer Schließung des Delfinariums sei. „Dies wäre verheerend für die fünf Delfine in unserer Obhut, da sie wahrscheinlich in Parks außerhalb Europas landen würden, wo die Standards radikal anders sind“, wird ein Sprecher des Parks in den Medien zitiert. Diese Aussage tätigte das Management jenes Parks, der 2008 von Peta UK als „grausames Reiseziel“ eingestuft wurde, trotz des Hintergrundes, dass erst im Herbst 2021 die drei weiblichen Delfine „Mar“, „Onda“ und „Melita“ an einer Bleivergiftung verstarben.
Nach Darstellung des Mediterraneo Marine Park kam es zu der Tragödie, nachdem ein Taucher, der die Becken reinigte, „streng verbotene Geräte“ bei sich führte. Eine anonyme Quelle aus dem Park zeichnet ein anderes Szenario: Infolge des Programms „Schwimmen mit Delfinen“, bei denen die Teilnehmer Neoprenanzüge und Gewichtssäcke gestellt bekommen, soll ein solcher Gewichtsbeutel mit darin enthaltenen Hunderten von kleinen Bleikügelchen kaputt gegangen sein.
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Fakt ist, dass der genaue Tathergang nicht verifiziert werden kann. Fakt ist auch, dass sich „Mar“, „Onda“ und „Melita“ trotz dreimonatiger Behandlung nicht erholten und im August und September 2021 jeweils an einer Vergiftung durch Blei verstorben sind. Eine unzulängliche Aufsichtspflicht kann der Park nicht von sich weisen.
Ausblick
Derzeit werden die Gesetzesänderungen hinsichtlich des Begriffs „Zirkus“ noch im Parlament erörtert. Wir beobachten genau, ob es auch weiterhin Schlupflöcher für Einrichtungen wie den Mediterraneo Marine Park geben wird, und informieren euch zu gegebener Zeit.
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