Update zum Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln

von | 11. Januar 2022 | News - Delfine

Schweinswal-Massenstreicheln in der Ostsee bei Grömitz

Umdenken beim Grind: Zeigen die Färinger Einsicht?

Das Abschlachten von 1428 Weißseitendelfinen auf den Färöer-Inseln hat weltweit große Empörung hervorgerufen. Wie reagieren die Färinger auf die Kritik? Gibt es ein Umdenken seitens der Politik? Und welche Aktionen wurden hierzulande gestartet, um gegen Grinds zu protestieren? Auf dieser Seite, die regelmäßig aktualisiert wird, geben wir einen Überblick:

Boykottiert Waren von den Faröer Inseln! 1428 Delfine wurden beim jüngsten Massaker auf der Inselgruppe völlig sinnlos abgeschlachtet (hier gibt es detaillierte Infos: https://tinyurl.com/58eaf4bs). Effektives Mittel, um gegen diese Massentötungen zu protestieren, ist der Boykott. Fischprodukte zum Beispiel machen mehr als 95 Prozent der Exporte aus, rund die Hälfte davon sind Zuchtlachse. Deshalb: Kauft keine Produkte mehr von den Färöer Inseln und unterstützt ebenfalls nicht den Tourismus der Inselgruppe. Leitet diesen Boykottaufruf an Eure Kontakte weiter. Vielen Dank im Namen der Delfine und Wale!

++++ Aktualisierung vom 11. Januar 2022 ++++

Lange haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union über die sogenannten „Grindadráps“ – das Abschlachten von Walen und Delfinen auf den Färöer-Inseln – geschwiegen. Der 21. Dezember 2021 kann diesbezüglich als Wendepunkt angesehen werden, da aus Brüssel eine deutliche Botschaft an die Färinger gesendet wurde. In einer offiziellen Erklärung wird die Regierung der Inselgruppe aufgefordert, „die überholte Praxis der Jagd auf Wale und Delfine unverzüglich einzustellen”. In dem Statement wird die Massentötung der 1428 Weißseitendelfinen am 12. September 2021 als „grausam und unnötig” kritisiert. Weiterhin heißt es in der Erklärung, dass der aktuelle und die vorangegangenen Grinds von der Zivilgesellschaft und den EU-Mitgliedstaaten als entsetzlich und unethisch eingestuft werden.

Das vollständige Statement, das von der EU und ihren in der Internationalen Walfangkommission (IWC) vertretenen Mitgliedstaaten, mit Ausnahme Dänemarks, unterzeichnet wurde, finden Sie hier zum Download. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Regierung von Ministerpräsident Bárður á Steig Nielsen auf den Druck aus Brüssel reagiert. Und ob der EU-Ministerrat bei einem neuerlichen Grind weitreichendere Maßnahmen beschließt.

++++ Aktualisierung vom 11. November 2021 ++++

Unter dem Hashtag „Stop the Grind” hat sich in London eine internationale Koalition gegen die Delfin- und Wal-Schlachtungen auf den Färöer-Inseln gebildet. Die GRD ist selbstverständlich Teil dieses Verbunds. „Wir bringen eine globale Koalition von Interessengruppen und Einzelpersonen mit dem gemeinsamen Ziel zusammen, den Grind zu beenden.” – so lautet das Vorhaben der Koalition, zu der neben Tierschutzorganisationen auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments zählen. Ein eindringlicher Brief an den Ministerpräsidenten der Färöer Insel, Bárður á Steig Nielsen, die Delfin- und Wal-Massaker sofort zu beenden, wurde im Oktober von der Koalition unterschrieben und abgeschickt.

Zwischenzeitlich waren die Färöer-Massaker auch Thema im EU-Parlament. Die parlamentarische Anfrage hatte den Betreff: „Massentötung von Delfinen und Walen auf den Färöern und die Rolle der dänischen Behörden”. Es wurde angefragt, ob die Kommission der Auffassung ist, dass die Ermöglichung der Grindadráp seitens der dänischen Behörden einen Verstoß gegen die einschlägigen Rechtsvorschriften zum Schutz von Walen und Delfinen darstellt und ob die Kommission geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um mit den ihr zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Instrumenten ein Ende dieser Massentötung zu erreichen. Die Antwort des EU-Kommissars für Umwelt und Ozeane, Virginijus Sinkevičius, ist ernüchternd. Man habe die Besorgnis über die Jagd auf den Färöer-Inseln gegenüber Dänemark zum Ausdruck gebracht. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen würden allerdings Änderungen der Abkommen und internationalen Übereinkommen erfordern. Mit anderen Worden: Brüssel wird gegen die Massaker im Nordatlantik vorerst nichts unternehmen.

++++ Aktualisierung vom 19. Oktober 2021 ++++

Nach der Massenschlachtung an 1428 Weißseitendelfinen am 12. September 2021 wurden weltweit zahlreiche Boykottaufrufe gestartet. Hierzulande appellierten wir unter anderem dafür, keine Reisen auf die Inselgruppe zu unternehmen und keine Produkte zu kaufen, die von den Färöer Inseln stammen – insbesondere Zuchtlachs. Auch in Großbritannien formierte sich der Protest. So wurde beispielsweise eine Petition mit dem Ziel gestartet, das Handelsabkommen zwischen dem UK und und den Färöer Inseln solange auszusetzen, bis alle Wal- und Delfinjagden beendet sind. Hintergrund: Im Jahr 2019 schloss die britische Regierung ein Freihandelsabkommen mit den Färöer-Inseln ab, das den Export von wild gefangenem und gezüchtetem Fisch in Höhe von 100 Millionen Pfund pro Jahr nach Großbritannien ermöglicht. Das entspricht 20 Prozent des Welthandels der Färöer-Inseln. Am 19. Oktober wurde die Petition von rund 47.000 Menschen unterschrieben. Ziel ist es, 100.000 Unterschriften zu sammeln. 

Derweil hat sich der Färingische Fischereiminister im schwedischen Fernsehen zu Wort gemeldet. Trotz Ankündigung seiner Regierung, die Delfinjagden einer Prüfung zu unterziehen, ist seinen Aussagen zu entnehmen, dass sich nichts an den Wal- und Delfinschlachtungen ändern wird. Wie Deutschlandfunkkultur berichtet, habe der Fischereiminister im Interview einmal mehr auf die Jagd-Traditionen seines Landes verwiesen. Zudem habe man keine Angst vor Sanktionen anderer Länder, denn die Welt sei groß. Man werde immer Handelspartner finden. 

„ ... in der zivilisierten Gesellschaft nicht willkommen sein"

Einen Boykottaufruf ganz anderer Art hat der stellvertretende Ministerpräsident von Jersey ins Spiel gebracht. Senator Lyndon Farnham fordert, die Färöer Inseln von den nächsten Island Games auszuschließen. Dieser Sportwettbewerb wird alle zwei Jahre zwischen autonomen Inseln bzw. Inselgruppen ausgetragen, wozu die Kanalinseln Jersey und Guernsey ebenso zählen wie die Färöer, Island, Grönland und rund zwei Dutzend weitere Inseln. Die Worte, die Senator Lyndon Farnham für seinen Boykottaufruf wählte, sind äußerst prägnant: 

„Ich denke, wenn Länder nicht bereit sind, sich zivilisiert zu verhalten oder ihre Umgebung zu respektieren, sollten sie in der zivilisierten Gesellschaft nicht willkommen sein und ich würde es absolut unterstützen, ihnen den Zugang zu den Island Games oder anderen diplomatischen Engagements zu verweigern, bis sie die Fehler ihres eingeschlagenen Wegs beseitigen.“

Delfinbotschafterin richtet sich an die Färinger

Ein eindringlichen Appell an die Bevölkerung der Färöer Inseln hat jüngst unsere Delfinbotschafterin Tessa Mittelstaedt formuliert. In einem Video auf Instagram sagt die Schauspielerin an die Färinger gerichtet: „Ihr beruft Euch auf eine Tradition aus dem 16. Jahrhundert. Ich kann verstehen, dass der Grindadráp damals wesentlicher Bestandteil war, dass Ihr überlebt habt. Aber wir sind heute im 21. Jahrhundert! Die Sinnhaftigkeit dieses volksfestartigen Blutvergießens will mir einfach nicht in den Kopf.“ Das gesamte Statement von Tessa Mittelstaedt finden sie hier.

++++ Aktualisierung vom 23. September 2021 ++++

Von Spiegel-Online bis CNN, von BBC bis India Times: Auf der ganzen Welt wurde in den vergangenen Tagen über die grausame Schlachtung von 1428 Weißseitendelfinen berichtet, in Deutschland strahlte die Tagesschau das Video des Massakers sogar in den 20 Uhr-Nachrichten aus.

Einer der ersten Färinger, der sich nach dem Blutrausch im Fjord von Skala zu Wort gemeldet hatte, war der ehemalige Vorsitzende der färöischen Vereinigung für den Grindwal-Fang. Er hält die Tötung einer solch großen Anzahl von Tieren für überzogen. Sein Nachfolger fürchtet derweil um den Ruf der Inselgruppe. Gegenüber dem Online-Medium In.fo sagte er, dass es an der Zeit sei, ernsthaft darüber zu diskutieren, ob die Jagd von Delfinen weiterhin zugelassen bleiben sollte. Auch die Politik will die Delfinjagd auf den Prüfstand stellen. „Die Situation bei der Jagd vergangenen Sonntag ist wegen der erheblichen Größe der in die Enge getriebenen Delfinschule außergewöhnlich gewesen“, schrieb Regierungschef Bárður á Steig Nielsen in einer Mitteilung. Dem Politiker zufolge werfe der Vorgang Fragen hinsichtlich der Anzahl an Delfinen auf, die bei einem einzigen Grind getötet werden dürften, sowie in Bezug auf die Jagdmethoden.

Der Fjord als Schlachtbank

Ob diesen Ankündigungen auch Taten folgen werden, bleibt abzuwarten. Denn: Noch in der gleichen Mitteilung äußerte der Premierminister einige Vorbehalte. So sei es seines Erachtens anerkannt, „dass der Grindwal-Fang auf den Färöer nachhaltig und der Grindwal-Bestand im Nordostatlantik reichlich vorhanden ist.“ Druck könnte der Premier aber seitens der Bevölkerung erhalten. Eine Umfrage der färöischen News-Site vp.fo zeigte, dass 63 Prozent der Leser die Jagd auf Delfine ablehnen. Und auch aus der Industrie gibt es deutliche Signale. Fischexporteure haben nach Bekanntwerden des Massakers viele wütende Anrufe von ihren Kunden erhalten und dies zeigte Wirkung. Erstmals stellt sich die für das Archipel wichtige Lachsindustrie jetzt gegen die Delfinjagd. So erklärte Regin Jacobsen, CEO einer der größten fischverarbeitenden Betriebe der Färöer-Inseln: „Bakkafrost verurteilt die Geschehnisse und findet sie völlig inakzeptabel.“

Nach der Schlachtung von 1428 Delfinen darf nicht zum Alltag übergegangen werden

Druck auf Politik und Industrie aufzubauen ist derzeit ein wichtiges Element, um gegen die Delfin- und Waljagden auf den Färöer-Inseln zu protestieren. So sind allein über die Website der GRD 450 Protestbriefe an Regierungschef Bárður á Steig Nielsen und die Königlich Dänische Botschaft in Berlin verschickt worden. Zeitgleich wurde unser Boykottaufruf, keine Produkte von den Färöer-Inseln zu kaufen und den Tourismus der Inselgruppe nicht zu unterstützen, von vielen Usern über WhatsApp und die Sozialen Medien geteilt. Dies bestätigte man uns in vielen persönlichen Gesprächen und in E-Mail Korrespondenzen.

Auch andernorts wurden und werden Boykottaufrufe und Petitionen initiiert, sodass die 1428 abgeschlachteten Delfine der Schnelllebigkeit unserer Zeit zum Trotz nicht in Vergessenheit geraten. Das Team der GRD wird weiterhin seinen Beitrag dazu leisten.

Fotos: Sea Shepherd

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