Update zum Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln

von | 1. August 2022 | News - Delfine

Schweinswal-Massenstreicheln in der Ostsee bei Grömitz

Umdenken beim Grind: Zeigen die Färinger Einsicht?

Das Abschlachten von 1428 Weißseitendelfinen auf den Färöer-Inseln hat weltweit große Empörung hervorgerufen. Wie reagieren die Färinger auf die Kritik? Gibt es ein Umdenken seitens der Politik? Und welche Aktionen wurden hierzulande gestartet, um gegen Grinds zu protestieren? Auf dieser Seite, die regelmäßig aktualisiert wird, geben wir einen Überblick:

++++ Aktualisierung vom 1. August 2022 ++++

Die Delfinschlachtungen auf den Färöer-Inseln eskalieren immer weiter: Beim jüngsten Grind am 29. Juli in Skálafjörður wurden rund 100 Große Tümmler in eine Bucht getrieben und dort brutal getötet. Mindestens ein Delfin-Fötus ist im Körper seiner hoch trächtigen Mutter erstickt. Viele Tiere wurden bereits zuvor von den Schiffsschrauben der Boote schwer verletzt. Und: Laut Aussage des Walfangleiters der Insel wurden von den Jägern erstmals Speere eingesetzt, mit denen das Schlachten beschleunigt und das Leid der Tiere gemindert werden soll – Beweise gibt es für letztere Behauptung nicht. Die GRD ist von der neuerlichen Dimension des Mordens auf den Färöer-Inseln zutiefst erschüttert. 

Kaum hat die Inselregierung ihre stark kritisierte Quotenregelung für Weißseitendelfine vorgelegt (das Jagdlimit wurde auf 500 Tiere fixiert), fokussierten die Schlächter bei ihrem jüngsten Grind eine neue Spezies: Große Tümmler. Der Grind-Statistik auf den Färöern zufolge war dies die größte Jagd auf diese Art seit 120 Jahren. In den vergangenen zehn Jahren wurden Große Tümmler so gut wie gar nicht ins Visier genommen. Jetzt scheint es einen Paradigmenwechsel zu geben. Eine ganze Schule dieser hochintelligenten Tiere wurde ausgelöscht. 

Der Große Tümmler steht ebenso wie der Atlantische Weißseitendelfin unter dem Schutz der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU. Durch ihren autonomen Status zählen die Färöer-Inseln nicht zur Europäischen Union – wohl aber zur dänischen Krone. Es ist längst an der Zeit, dass das EU-Mitglied Dänemark Farbe bekennt und sich für den Tierschutz auf den Färöer-Inseln einsetzt. 

 

++++ Aktualisierung vom 12. Juli 2022 ++++

Politische Debatte in Großbritannien ohne Erfolg: Auf Basis der Arbeit der #StoptheGrind-Koalition sowie durch eine Petition mit mehr als 100.000 Unterschriften von Einwohnern und Bürgern Großbritanniens hat das britische Parlament gestern bez. der Grindadráps debattiert. Die Kernfrage lautete: Soll der Handel mit den Faröer-Inseln eingestellt werden, solange dort weiterhin Delfine gejagt werden?

Das Ergebnis ist ernüchternd: Großbritannien plant keine Änderungen im Handel mit den Faröern und möchte den Handel mit dem barbarischen Inselstaat wie gewohnt fortsetzen.

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++++ Aktualisierung vom 10. Juli 2022 ++++

Die Färöer Inseln wollen die Zahl getöteter Delfine „limitieren”: Die Regierung der Färöer Inseln hat heute bekanntgegeben, dass das Fischereiministerium für die Jahre 2022 und 2023 vorläufig eine jährliche Fanggrenze von 500 Weißseitendelfinen vorgeschlagen hat.” In einer Erklärung heißt es weiter: “Die Quote wurde nach dem ungewöhnlich großen Fang von 1.423 Weißseitendelfinen im September letzten Jahres festgelegt. Einige Aspekte dieses Fangs waren nicht zufriedenstellend, insbesondere die ungewöhnlich große Anzahl getöteter Delfine”.

Damit sorgen die Färöer Inseln zwar dafür, dass Massenschlachtungen an Weißseitendelfinen wie im September 2021 nicht mehr vorkommen werden, gleichzeitig bleibt die Tür für die traditionellen Grindadráps weit geöffnet. Bemerkenswert ist, dass nur einen Tag nach Bekanntgabe der Quote ein Grind zum Töten einer Grindwalschule ausgerufen wurde.

Die Koalition #StoptheGrind, zu der auch die GRD gehört, hat folgende Facts zusammengetragen, die den Irrweg der Regierung auf den Färöern dokumentiert:

1.  Die Quote von 500 Delfinen gilt nicht für Langflossen-Grindwale, von denen im Durchschnitt etwa 700 pro Jahr geschlachtet werden. Allein zwischen 2017 und 2021 wurden mehr als 3.700 getötet. Obwohl sie nach der Verordnung zum Schutz der Meeressäugetiere von 1992 als Wale eingestuft werden, gehören Grindwale zur Familie der Delfine. Die strategische Bezugnahme der Färöer Inseln auf Delfine bedeutet daher, dass sie nicht den gleichen Schutz genießen und das Massentöten großer Gruppen (wie es regelmäßig vorkommt) nicht verhindert wird.

2. Die Quote wird die Zahl der getöteten Delfine nicht verringern: Die von der färöischen Regierung angekündigte Quote von 500 übersteigt die durchschnittliche Zahl der von den Färöern getöteten Atlantischen Weißseitendelfine der letzen Jahre. Selbst wenn man die noch nie da gewesene Zahl von 1428 Delfinen mit einbezieht, liegt die durchschnittliche Zahl der jährlich getöteten Atlantischen Weißseitendelfine (anhand der Daten der letzten 40 Jahre) bei “nur” 193 pro Jahr. Die vorgeschlagene Quote ist daher weit höher als sie sein sollte.

3. Unabhängig von der Sinnhaftigkeit der Quote ist auffällig, dass es keine Strafe für deren Überschreitung gibt. In der Ankündigung der Färöer Inseln ist nicht festgelegt, welche Strafe im Falle einer Quotenüberschreitung verhängt wird und wer für die Einforderung der Quote verantwortlich ist.

Nachfolgend haben wir einige Reaktionen in den Sozialen Medien gesammelt:
• “Too little too late” – Nikita auf Twitter
• “Immerhin ein Anfang aber längst nicht genug.” – Marion auf unserem Facebook-Account (jetzt mitdiskutieren!)
• “Is this a start of the end of Grindadrap ? Let’s hope this barbarism will end soon” – Marc auf Twitter

++++ Aktualisierung vom 30. Juni 2022 ++++

Neue Massentötung liefert furchtbare Bilder: Am gestrigen Tag gab es auf den Färöer Inseln einen weiteren Grindadráp, bei dem mehr als 80 Grindwale ihr Leben verloren haben. Von dem Massaker existiert Bildmaterial, das zutiefst verstörend wirkt: Ein weiblicher Grindwal liegt mit aufgeschlitztem Bauch im Hafenbereich von Sandoy, der fünftgrößte Insel der Färöer. Durch die Öffnung in ihrem Bauch auf den Teer quasi „herausgefallen” ist ihr weit entwickelter Fötus – scheinbar stand die werdende Mutter kurz vor der Geburt ihres Kalbs. Die Fruchtblase ist zerplatzt, der getötete Grindwal-Nachwuchs deutlich erkennbar.

Aufgrund der schockierenden Wirkung haben wir entschieden, euch dieses Foto nicht zu zeigen. Jedem Leser steht es frei, sich über diesen Twitter-Link selbst ein Bild zu machen. Darüber hinaus hat Sea Shepherd via Facebook ein 35-minütiges Video geteilt, das die im Hafen liegenden Grindwale detailliert zeigt. Im Video erklärt ein Sprecher, dass der Bauch von trächtigen Grindwalen im Normalfall von den grausamen Schlächtern nicht gänzlich geöffnet wird, um Bildmaterial mit getöteten Föten auszuschließen. Es sei Teil der Tradition des Grinds, diesen Teil des Massakers verstecken bzw. verschleiern zu wollen.

Darüber hinaus gibt es mit Blick auf die Wal- und Delfinschlachtungen auf den Färöer Inseln weitere Entwicklungen – zum Teil sehr positiv: Auf Basis der Arbeit der #StoptheGrind-Koalition sowie durch eine Petition mit mehr als 100.000 Unterschriften von Einwohnern und Bürgern Großbritanniens muss sich das britische Parlament den Grindadráps thematisch annehmen. Am 11. Juli um 18 Uhr wird es darüber debattieren, ob der Handel mit den Faröer-Inseln eingestellt werden soll, solange dort weiterhin Delfine gejagt werden. 

Auch auf den Färöer Inseln selbst untersucht ein Gremium die Delfinjagden, insbesondere im Zusammenhang mit den 1428 getöteten Weißseitendelfinen im September 2021. Gestartet wurde die Untersuchung im Februar dieses Jahres, Ergebnisse gibt es bis dato keine. Örtliche Medien berichten darüber, dass eine Entscheidung über die Jagd auf Weißseitendelfine beim “Grind Foreman” liege. Letzterer fungiert quasi als Einsatzleiter.

Dass die Färinger ein Dreivierteljahr nach der entsetzlichen Massenschlachtung immer noch keine Entscheidung über Änderungen an den Delfinjagden getroffen haben, erschüttert uns zutiefst!

++++ Aktualisierung vom 12. Mai 2022 ++++

Erneute Jagd auf Grindwale: Am vergangenen Wochenende wurde auf den Färöer Inseln der erste Grind des Jahres veranstaltet. Das Ziel: Eine Schule von Grindwalen mit rund 60 Tieren. Die Färinger haben diese zur Familie der Delfine zählenden Meeressäuger am Samstag in die Bucht von Tórshavn getrieben und dort abgeschlachtet. Unter den Tieren, die von den Jägern zusammengetrieben wurden, befanden sich auch einige andere Delfinarten. Diese wurden nach Berichten von Augenzeugen wieder in die Freiheit entlassen.

Die Delfin- und Waljagden auf den Färöer Inseln stehen aktuell unter besonderer Beobachtung, da die Färinger im vergangenen September bei einem einzigen Grind 1428 Weißseitendelfine getötet haben. Dieser Fall wird seit Februar von einem nationalen Gremium auf den Färöer Inseln untersucht – es soll dazu auch bereits ein Bericht vorliegen, der aber noch nicht veröffentlich wurde. Es wäre seitens der Regierung wünschenswert gewesen, diesen Bericht der Bevölkerung zugänglich zu machen und eine öffentliche Diskussion über die Zukunft der Grindadráps anzustreben, ehe durch Schlachtungen wie jene am vergangenen Wochenende neue Tatsachen geschaffen werden.

++++ Aktualisierung vom 30. März 2022 ++++

Der Grind kommt in die Kinos: „A Taste of Whale“ hat Regisseur Vincent Kelner seinen Dokumentarfilm über die Walschlachtungen betitelt, der gestern in Kopenhagen Weltpremiere feierte. Im Mittelpunkt steht der Fleischverzehr an sich: Ist das Leben eines Wals mehr wert als das eines Schafs oder einer Kuh? Dank eines privilegierten Zugangs werden in dem Film sowohl die Argumente der sich stolz und traditionsbewusst präsentierenden Walfänger gezeigt als auch die der Aktivisten, die sich leidenschaftlich für ein Ende der Grinds einsetzen. Wir zeigen hier den ersten Trailer von „A Taste of Whale“.

++++ Aktualisierung vom 16. Februar 2022 ++++

Nach dem grausamen Massaker an über 1400 Weißseitendelfinen im September 2021 wurde versucht, auf verschiedenen Ebenen Druck auf die Färöer Inseln auszuüben, um ein Ende der Grinds herbeizuführen. Dazu gehörte auch der Aufruf zum Boykott von Wirtschaftsgütern der Inselgruppe. In einer ersten Reaktion hat auch die GRD darauf hingewiesen, dass die Lachszucht ein überaus wichtiger Industriezweig der Insulaner ist und dass durch eine Boykottierung des Kaufs dieser Waren die Bevölkerung ein unmissverständliches Zeichen an die Menschen auf den Färöer Inseln senden kann.

Dass diese Maßnahme Wirkung gezeigt hat, lässt sich aus einer aktuellen Pressemitteilung der Vertreter der Fischereiindustrie ablesen. Demnach könnten die Gefahren für den Aquakulturverband bei einer Fortsetzung der Delfinschlachtungen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Exporthandel würde dann vor großen „Bedrohungen“ stehen. Aus diesem Grund fordert der Verband ein generelles Verbot derartiger Grinds. Bereits nach dem Massaker am 12. September 2021 hatte sich die fischverarbeitende Industrie ähnlich geäußert.

Nahezu zeitgleich mit dem Statement der Fischereiindustrie wurde der Regierung der Färöer Inseln von Tierschützern eine Petition mit fast 1,3 Millionen Unterschriften übergeben, die ein Verbot der Wal- und Delfinjagd fordert. Kurze Zeit später erörterte die Regierung bei einem Treffen in Torshavn jene Neubewertung der Grindadraps, die Premierminister Bardur a Steig Nielsen im September angeordnet hatte. Mit Ergebnissen sei in wenigen Wochen zu rechnen; es würden mehrere Optionen auf dem Tisch liegen. Nicht zur Diskussion stehe allerdings die “klassischen Grinds” auf Pilotwale.

++++ Aktualisierung vom 09. Februar 2022 ++++

Britische Petition soll Druck auf die Färöer Inseln aufbauen: Die “Stop the Grind-Koalition” kämpft für eine Aussetzung des Handelsabkommens zwischen dem Vereinigten Königreich und den Färöern. Das Erreichen von 100.000 Unterschriften wäre ein enormer Erfolg für die Kampagne, da es die britische Regierung zum Handeln zwingen und den Färöern signalisieren würde, dass die britische Öffentlichkeit (ein wichtiger Wirtschaftsmarkt für die Färöer) ernsthaft und besorgt über die Tradition des sogenannten “Grind” ist. 

Die Kampagne kann auf petition.parliament.uk unterstützt werden. Noch fehlen rund 28.000 Unterschriften; Stichtag ist der 21. März. Unsere Bitte an jene mit Freunden oder Verwandten im UK. Leitet diese Onfo / diesen Link weiter – zum Wohle der Delfine und Wale.

Zwischenstand der Umfrage vom 3. Februar 2022

++++ Aktualisierung vom 11. Januar 2022 ++++

Lange haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union über die sogenannten „Grindadráps“ – das Abschlachten von Walen und Delfinen auf den Färöer-Inseln – geschwiegen. Der 21. Dezember 2021 kann diesbezüglich als Wendepunkt angesehen werden, da aus Brüssel eine deutliche Botschaft an die Färinger gesendet wurde. In einer offiziellen Erklärung wird die Regierung der Inselgruppe aufgefordert, „die überholte Praxis der Jagd auf Wale und Delfine unverzüglich einzustellen”. In dem Statement wird die Massentötung der 1428 Weißseitendelfinen am 12. September 2021 als „grausam und unnötig” kritisiert. Weiterhin heißt es in der Erklärung, dass der aktuelle und die vorangegangenen Grinds von der Zivilgesellschaft und den EU-Mitgliedstaaten als entsetzlich und unethisch eingestuft werden.

Das vollständige Statement, das von der EU und ihren in der Internationalen Walfangkommission (IWC) vertretenen Mitgliedstaaten, mit Ausnahme Dänemarks, unterzeichnet wurde, finden Sie hier zum Download. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Regierung von Ministerpräsident Bárður á Steig Nielsen auf den Druck aus Brüssel reagiert. Und ob der EU-Ministerrat bei einem neuerlichen Grind weitreichendere Maßnahmen beschließt.

++++ Aktualisierung vom 11. November 2021 ++++

Unter dem Hashtag „Stop the Grind” hat sich in London eine internationale Koalition gegen die Delfin- und Wal-Schlachtungen auf den Färöer-Inseln gebildet. Die GRD ist selbstverständlich Teil dieses Verbunds. „Wir bringen eine globale Koalition von Interessengruppen und Einzelpersonen mit dem gemeinsamen Ziel zusammen, den Grind zu beenden.” – so lautet das Vorhaben der Koalition, zu der neben Tierschutzorganisationen auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments zählen. Ein eindringlicher Brief an den Ministerpräsidenten der Färöer Insel, Bárður á Steig Nielsen, die Delfin- und Wal-Massaker sofort zu beenden, wurde im Oktober von der Koalition unterschrieben und abgeschickt.

Zwischenzeitlich waren die Färöer-Massaker auch Thema im EU-Parlament. Die parlamentarische Anfrage hatte den Betreff: „Massentötung von Delfinen und Walen auf den Färöern und die Rolle der dänischen Behörden”. Es wurde angefragt, ob die Kommission der Auffassung ist, dass die Ermöglichung der Grindadráp seitens der dänischen Behörden einen Verstoß gegen die einschlägigen Rechtsvorschriften zum Schutz von Walen und Delfinen darstellt und ob die Kommission geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um mit den ihr zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Instrumenten ein Ende dieser Massentötung zu erreichen. Die Antwort des EU-Kommissars für Umwelt und Ozeane, Virginijus Sinkevičius, ist ernüchternd. Man habe die Besorgnis über die Jagd auf den Färöer-Inseln gegenüber Dänemark zum Ausdruck gebracht. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen würden allerdings Änderungen der Abkommen und internationalen Übereinkommen erfordern. Mit anderen Worden: Brüssel wird gegen die Massaker im Nordatlantik vorerst nichts unternehmen.

++++ Aktualisierung vom 19. Oktober 2021 ++++

Nach der Massenschlachtung an 1428 Weißseitendelfinen am 12. September 2021 wurden weltweit zahlreiche Boykottaufrufe gestartet. Hierzulande appellierten wir unter anderem dafür, keine Reisen auf die Inselgruppe zu unternehmen und keine Produkte zu kaufen, die von den Färöer Inseln stammen – insbesondere Zuchtlachs. Auch in Großbritannien formierte sich der Protest. So wurde beispielsweise eine Petition mit dem Ziel gestartet, das Handelsabkommen zwischen dem UK und und den Färöer Inseln solange auszusetzen, bis alle Wal- und Delfinjagden beendet sind. Hintergrund: Im Jahr 2019 schloss die britische Regierung ein Freihandelsabkommen mit den Färöer-Inseln ab, das den Export von wild gefangenem und gezüchtetem Fisch in Höhe von 100 Millionen Pfund pro Jahr nach Großbritannien ermöglicht. Das entspricht 20 Prozent des Welthandels der Färöer-Inseln. Am 19. Oktober wurde die Petition von rund 47.000 Menschen unterschrieben. Ziel ist es, 100.000 Unterschriften zu sammeln. 

Derweil hat sich der Färingische Fischereiminister im schwedischen Fernsehen zu Wort gemeldet. Trotz Ankündigung seiner Regierung, die Delfinjagden einer Prüfung zu unterziehen, ist seinen Aussagen zu entnehmen, dass sich nichts an den Wal- und Delfinschlachtungen ändern wird. Wie Deutschlandfunkkultur berichtet, habe der Fischereiminister im Interview einmal mehr auf die Jagd-Traditionen seines Landes verwiesen. Zudem habe man keine Angst vor Sanktionen anderer Länder, denn die Welt sei groß. Man werde immer Handelspartner finden. 

„ ... in der zivilisierten Gesellschaft nicht willkommen sein"

Einen Boykottaufruf ganz anderer Art hat der stellvertretende Ministerpräsident von Jersey ins Spiel gebracht. Senator Lyndon Farnham fordert, die Färöer Inseln von den nächsten Island Games auszuschließen. Dieser Sportwettbewerb wird alle zwei Jahre zwischen autonomen Inseln bzw. Inselgruppen ausgetragen, wozu die Kanalinseln Jersey und Guernsey ebenso zählen wie die Färöer, Island, Grönland und rund zwei Dutzend weitere Inseln. Die Worte, die Senator Lyndon Farnham für seinen Boykottaufruf wählte, sind äußerst prägnant: 

„Ich denke, wenn Länder nicht bereit sind, sich zivilisiert zu verhalten oder ihre Umgebung zu respektieren, sollten sie in der zivilisierten Gesellschaft nicht willkommen sein und ich würde es absolut unterstützen, ihnen den Zugang zu den Island Games oder anderen diplomatischen Engagements zu verweigern, bis sie die Fehler ihres eingeschlagenen Wegs beseitigen.“

Delfinbotschafterin richtet sich an die Färinger

Ein eindringlichen Appell an die Bevölkerung der Färöer Inseln hat jüngst unsere Delfinbotschafterin Tessa Mittelstaedt formuliert. In einem Video auf Instagram sagt die Schauspielerin an die Färinger gerichtet: „Ihr beruft Euch auf eine Tradition aus dem 16. Jahrhundert. Ich kann verstehen, dass der Grindadráp damals wesentlicher Bestandteil war, dass Ihr überlebt habt. Aber wir sind heute im 21. Jahrhundert! Die Sinnhaftigkeit dieses volksfestartigen Blutvergießens will mir einfach nicht in den Kopf.“ Das gesamte Statement von Tessa Mittelstaedt finden sie hier.

++++ Aktualisierung vom 23. September 2021 ++++

Von Spiegel-Online bis CNN, von BBC bis India Times: Auf der ganzen Welt wurde in den vergangenen Tagen über die grausame Schlachtung von 1428 Weißseitendelfinen berichtet, in Deutschland strahlte die Tagesschau das Video des Massakers sogar in den 20 Uhr-Nachrichten aus.

Einer der ersten Färinger, der sich nach dem Blutrausch im Fjord von Skala zu Wort gemeldet hatte, war der ehemalige Vorsitzende der färöischen Vereinigung für den Grindwal-Fang. Er hält die Tötung einer solch großen Anzahl von Tieren für überzogen. Sein Nachfolger fürchtet derweil um den Ruf der Inselgruppe. Gegenüber dem Online-Medium In.fo sagte er, dass es an der Zeit sei, ernsthaft darüber zu diskutieren, ob die Jagd von Delfinen weiterhin zugelassen bleiben sollte. Auch die Politik will die Delfinjagd auf den Prüfstand stellen. „Die Situation bei der Jagd vergangenen Sonntag ist wegen der erheblichen Größe der in die Enge getriebenen Delfinschule außergewöhnlich gewesen“, schrieb Regierungschef Bárður á Steig Nielsen in einer Mitteilung. Dem Politiker zufolge werfe der Vorgang Fragen hinsichtlich der Anzahl an Delfinen auf, die bei einem einzigen Grind getötet werden dürften, sowie in Bezug auf die Jagdmethoden.

Der Fjord als Schlachtbank

Ob diesen Ankündigungen auch Taten folgen werden, bleibt abzuwarten. Denn: Noch in der gleichen Mitteilung äußerte der Premierminister einige Vorbehalte. So sei es seines Erachtens anerkannt, „dass der Grindwal-Fang auf den Färöer nachhaltig und der Grindwal-Bestand im Nordostatlantik reichlich vorhanden ist.“ Druck könnte der Premier aber seitens der Bevölkerung erhalten. Eine Umfrage der färöischen News-Site vp.fo zeigte, dass 63 Prozent der Leser die Jagd auf Delfine ablehnen. Und auch aus der Industrie gibt es deutliche Signale. Fischexporteure haben nach Bekanntwerden des Massakers viele wütende Anrufe von ihren Kunden erhalten und dies zeigte Wirkung. Erstmals stellt sich die für das Archipel wichtige Lachsindustrie jetzt gegen die Delfinjagd. So erklärte Regin Jacobsen, CEO einer der größten fischverarbeitenden Betriebe der Färöer-Inseln: „Bakkafrost verurteilt die Geschehnisse und findet sie völlig inakzeptabel.“

Nach der Schlachtung von 1428 Delfinen darf nicht zum Alltag übergegangen werden

Druck auf Politik und Industrie aufzubauen ist derzeit ein wichtiges Element, um gegen die Delfin- und Waljagden auf den Färöer-Inseln zu protestieren. So sind allein über die Website der GRD 450 Protestbriefe an Regierungschef Bárður á Steig Nielsen und die Königlich Dänische Botschaft in Berlin verschickt worden. Zeitgleich wurde unser Boykottaufruf, keine Produkte von den Färöer-Inseln zu kaufen und den Tourismus der Inselgruppe nicht zu unterstützen, von vielen Usern über WhatsApp und die Sozialen Medien geteilt. Dies bestätigte man uns in vielen persönlichen Gesprächen und in E-Mail Korrespondenzen.

Auch andernorts wurden und werden Boykottaufrufe und Petitionen initiiert, sodass die 1428 abgeschlachteten Delfine der Schnelllebigkeit unserer Zeit zum Trotz nicht in Vergessenheit geraten. Das Team der GRD wird weiterhin seinen Beitrag dazu leisten.

Fotos: Sea Shepherd

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