500 Kilogramm an Ostsee-Todesfallen entfernt
Erfolgreiche Geisternetzbergung vor Rügen
„Wir starten zur Geisternetzbergung!“ … schallt es von der Kaimauer im Hafen von Sassnitz dem Kutter beim Anlegen entgegen. Unser Kapitän Kay schmunzelt, die GRD-Crew lädt das Tauchequipment ein und dann startet das lange Bergungswochenende über Himmelfahrt (14.-17.05.2026) vor Rügen. Geplant war die Bergung von ca. 500 Kilogramm Geisternetz an zwei verschiedenen Bergungsorten – ein Vorhaben, das sich als erfolgreich herausstellen sollte.
Sondereinsatzkommando der GRD
Mehr als vier Stunden dauert die Fahrt bis zum ersten Einsatzort nahe der Kadetrinne westlich der Nordspitze Hiddensees. Dort liegen in 17 Metern Tiefe zwei alte Schlepperwracks, an denen sich immer wieder Fischereialtlasten verfangen. Bereits vor neun Monaten war die GRD hier im Einsatz. Damals machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Doch an diesem Freitag zeigt sich die Ostsee von ihrer besten Seite: spiegelglatt, kaum Wind – perfekte Bedingungen für eine Bergung.
Während der Kutter noch unterwegs ist, erreicht ein Teil der Tauchcrew gemeinsam mit unserem Kooperationspartner und Geisternetzexperten Wolfgang Frank mit dem schnellen Aluboot das Wrack. Die erste Sondierung zeigt Erfolg: Zwei Kisten werden bereits vor dem Eintreffen des Kutters mit Netzresten gefüllt. Dann beginnt die zweite Schicht. Die Teams wechseln zwischen Aluboot und Kutter, Einsatzpläne werden abgestimmt, Erfahrungen ausgetauscht. Denn bei einer Geisternetzbergung zählt jede Information – und jeder Handgriff muss sitzen.
Die zweite Tauchcrew schafft es innerhalb kurzer Zeit, weitere zwei Kisten mit Netzresten zu bergen. Am Ende des ersten Tages sind rund 200 Kilogramm Geisternetze aus dem Meer entfernt worden. Das sind 200 Kilogramm tödliche Fallen weniger! Doch damit ist der Einsatz noch nicht beendet.
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Mehr InformationenNachdem der erste Bergungsort vollständig von Netzen befreit wurde, geht es am Samstag weiter zur Ostseite Rügens. Dort liegt in 27 Metern Tiefe ein bislang namenloses Holzsegelschiff und es ist nahezu vollständig von einem Geisternetz bedeckt. Die Bedingungen sind deutlich schwieriger als am Vortag: keine Strömung, dadurch schlechte Sicht und nur sehr kurze Tauchzeiten aufgrund der Tiefe. Jeder Arbeitsschritt muss perfekt abgestimmt sein, jede Minute unter Wasser zählt und alle Tauchenden können nur ein einziges Mal abtauchen.
Bereits bei der Sondierung bringt die erste Crew vier Hebesäcke am Netz an und schnell wird klar, dass das nicht ausreichen wird. „Nehmt alles mit, was wir haben!“, heißt es bei der Lagebesprechung. Die zweite Crew ergänzt weitere sechs Hebesäcke und trotzdem hebt sich nur ein Teil des Netzes vom Wrack. Luft und Zeit werden knapp. Schließlich befinden sich nur noch zwei Taucher am Wrack: Robert Röske dokumentiert den Einsatz und sichert ab, während Wolfgang Düfer, unser erfahrener Workshopleiter, in den letzten Sekunden seiner verbleibenden Luftreserve noch Verbindungen kappt.
Als das Netz endlich in einem Nebel aus Schlamm an die Oberfläche steigt und alle unbeschadet wieder auftauchen sind wir nur eines: Einfach glücklich.
Perfektes Teamplay
Geisternetzbergungen bleiben gefährliche Einsätze. Doch sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Meere und ihrer Bewohner. Denn für viele Tiere kommt jede Hilfe zu spät – wie für den Dorsch, den wir tot im Netz bei der zweiten Bergung fanden.
Jedes geborgene Netz rettet Leben! Wir sind froh dank der ehrenamtlichen Tauchenden wieder ca. 500 kg Geisternetz entfernt zu haben. Insgesamt wurden bereits rund 13 Tonnen der tödlichen Fischereialtlasten entfernt.
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