Buckelwal in der Flensburger Förde
12-Meter-Wal taucht mehrmals in Hafennähe auf
In den vergangenen Tagen wurde ein äußerst seltener Besucher in der Ostsee gesichtet: ein zwölf Meter langer Buckelwal. Die erste Beobachtung gab es im Sportboothafen von Glücksburg, gefolgt von einer weiteren an der Spitze des Flensburger Hafens. Angesichts von Schlamm und sehr flachem Wasser ist dies jedoch keineswegs die ideale Umgebung für ein solches Meeressäugetier. Die große Hoffnung besteht darin, dass er zurück in den Atlantik findet.
Erkundung des Glücksburger Hafenbeckens
Es waren Segler:innen, die am vergangenen Freitag als Erste den Buckelwal entdeckten und filmten – direkt vor ihren Booten im Sportboothafen von Glücksburg. Anfangs nahm man an, dass es sich um zwei Wale handelte, jedoch wurde diese Information kurz darauf korrigiert. Es war ein einzelnes Tier, das den Hafen durchkreuzte und ihn zu erkunden schien. Nach etwa drei bis vier Minuten verschwand der Meeressäuger wieder in den Gewässern der Förde.
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Passanten freuen sich: Wal taucht in Flensburg auf
Seinen nächsten großen Auftritt hatte der Buckelwal, nachdem dieser am Samstag einen Ausflug nach Eckernförde unternommen hatte, am Montag in Flensburg: An der Hafenspitze tauchte das Tier mittags sehr zur Freude von zahlreichen Passanten auf, die sofort ihre Handys zückten.
Ob der Wal an diesem Ort seine Freunde hatte, darf bezweifelt werden, denn nach Informationen des Teams der Flensburger Organisation Mission Förde ist das Wasser hier extrem flach und der Untergrund sehr schlammig. Kurze Zeit später entfernte sich der Buckelwal aus Flensburg. Am Dienstag gab es laut Nabu Schleswig-Holstein eine weitere Sichtung an der Flensburger Außenförde vor dem Strand Mühlendamm. Am Mittwoch wurde ein Wal am Ufer von Mönkeberg (Kreis Plön) gesichtet, der Richtung Osten schwamm. Ob es sich um das gleiche Tier handelt, steht bis dato nicht fest.
Es bleibt zu hoffen, dass der Buckelwal zeitnah seinen Weg zurück Richtung Kattegat und in die Nordsee findet. Nicht nur das knappe Nahrungsangebot aufgrund reduzierter Fischbestände könnte sich negativ auf den Gesundheitszustand des Buckelwals auswirken, sondern auch die Gefahr, sich in Fischernetzen zu verfangen.
Am Skagerrak falsch abgebogen?
Doch wie hat es dieses Individuum, das normalerweise in den Sommermonaten im Nordatlantik und den Polarregionen anzutreffen ist, an die Küste von Schleswig-Holstein geschafft? Wahrscheinlich waren hierfür Heringsschwärme verantwortlich, denen der Buckelwal in die Ostsee hinein folgte. Oder kurz gesagt: Er ist möglicherweise im Skagerrak falsch abgebogen. (Lesetipp: Tod des Eckernförder Delfins: Overtourism mitverantwortlich)
Eine der letzten Sichtungen von Buckelwalen an der Schleswig-holsteinischen Ostseeküste liegt mittlerweile zehn Jahre zurück. Damals wurden die Meeressäuger vor Gelting beobachtet. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich zudem 2016 ein junger Buckelwal über Monate im Greifswalder Bodden aufgehalten. Anschließend wurde er nicht mehr gesichtet (mithin: er wurde nicht angespült), was die Hoffnung bestärkte, dass der Wal den Weg in den Atlantik gefunden hat. Dieses Szenario wünschen wir uns auch für den Buckelwal aus der Flensburger Förde.
Das ist bei Wal- und Deflinbegegnungen zu beachten
Wichtiger Hinweis: Sowohl bei der Sichtung des aktuell in der Ostsee schwimmenden Buckelwals als auch bei allen anderen Begegnungen mit Meeressäugern ist ein respektvolles und angemessenes Verhalten dringend erforderlich. Annäherungen seitens des Menschen sind für die Tiere mit sehr viel Stress verbunden. Aber auch der Mensch kann durch Wale und Delfine mit ihren massiven Körpern verletzt werden.
Fundierte Richtlinien für nachhaltige Mensch-Tier-Begegnungen hat die GRD zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem WDC in einem kostenlosen Leitfaden veröffentlicht.
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